BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

DIE TÖDLICHE DORIS – Zwei Herzen
DIE TÖDLICHE DORIS – Fallersleben
DIE TÖDLICHE DORIS – Das Typische Ding
DIE TÖDLICHE DORIS – Der Siebenköpfige Informator

DIE TÖDLICHE DORIS – Zwei Herzen (7“EP 2004)

(Vinyl-On-Demand www.vinyl-on-demand.com )

Nach dem ersten Jahr Vinyl-On-Demand gab es für die treuen Abonnenten der Veröffentlichungen des Labels als Bonus diese kleine „Weihnachts“-Single von DIE TÖDLICHE DORIS. Wie gewohnt darf man von der inzwischen seit rund einem Vierteljahrhundert existierenden Band ungewöhnliche Klänge erwarten. Zunächst „Stigfinnareträffende II“, eine Aufnahme eines Schwedisch-Sprachkurses auf einem Pfadfindertreffen von 1983 (oder irgendwas in der Art)...was natürlich völlig absurd erscheint. Danach das Stück „Zwei Herzen“ von 1982, das ungewöhnlicherweise fast gängige Songstrukturen aufweist und als schräges Weihnachtslied aus einer Grundschulaufführung durchgehen könnte. Die B-Seite enthält mit „Nezreh Iewz“ und „Ednaffärterannifgits“ die Rückwärts-Versionen der A-Seiten-Stücke. Wer will, kann da dann auch Botschaften aus dem Totenreich oder so hinein interpretieren. Als Sammlerstück und für TÖDLICHE DORIS-Fans absolut empfehlenswert, aber sicher kein großes Stück Musikgeschichte. (A.P.)


DIE TÖDLICHE DORIS – Fallersleben (LP 2004)

(Vinyl-On-Demand www.vinyl-on-demand.com )

DIE TÖDLCIHE DORIS war ja schon immer als experimentierfreudige Gruppe bekannt, die ungewöhnliche musikalische Techniken, Themen und Ideen verarbeitete. Mit dieser Live-LP „Fallersleben“ treiben sie es aber ziemlich auf die Spitze. Es handelt sich um die „Rückführung eines im Äther verschollenen Konzertes vom 3. Februar 1981 mit Hilfe eines Computerpsychophons im Sommer 2004“ oder extrem vereinfacht ausgedrückt: diese Aufnahmen stammen aus dem Jenseits, dem Reich der Toten. Dabei gibt es aber nicht die angeblichen Stimmen von Toten zu hören, die Idee wäre nicht wirklich neu, sondern ein Konzert, von dem es keine Aufnahmen gab und dessen immer noch existierenden Schallwellen deswegen aus dem Äther gezogen werden mussten. Auf der Coverrückseite gibt es dazu einige interessante und ausführliche Anmerkungen.

Inwieweit das nun wirklich stimmt oder ob hier nur ein extrem schlechtes über 20 Jahre altes Tape interessanter gemacht werden soll, als es eigentlich ist, kann und will ich nicht beurteilen. Für Fans und Sammler der Aufnahmen von DIE TÖDLICHE DORIS ist die Platte sicher interessant, denn immerhin handelt es sich um das zweite Konzert, das die Gruppe je gegeben hat. Dabei ist es schwer, zu entscheiden, ob die verzerrten Klänge nun bei dem Auftritt so gewollt waren und die Aufnahmequalität damit recht gut ist, oder aber, ob es durch das Aufnehmen aus dem Äther zu den starken Verzerrungen gekommen ist.

Für Avantgarde-Liebhaber im Allgemeinen und TÖDLICHE DORIS-Fans im Besonderen ist alleine schon die Beschäftigung mit der hoch interessanten Thematik zur Entstehung der Platte ein Grund, die Platte zu kaufen. Der musikalische Wert ist, es sei mir diese Meinung verziehen, eher gering.

Der Platte liegt ein schönes Poster bei, das die Köpfe der Bandmitglieder als Kirlian-Fotografien zeigt. (A.P.)


DIE TÖDLICHE DORIS – Das Typische Ding (Tape 1981)

(www.die-toedliche-doris.de )

Schon vom ersten Tape „Der Siebenköpfige Informator“ zu dieser zweiten Veröffentlichung kann man eine Entwicklung bei DIE TÖDLICHE DORIS feststellen. Die einzelnen Titel haben fast schon Songstrukturen, was natürlich nicht bedeutet, dass hier irgendwelche Popklänge oder Harmonien zu hören wären. Die „Songs“ dürften sich jedoch durchaus auf der Bühne reproduzieren lassen, auch, wenn bei den Aufnahmen mit Sicherheit noch vieles improvisiert wurde. Dabei fällt eine gewisse Nähe zu den Einstürzenden Neubauten in ihrer frühen Phase auf. Ob und wer hier wen beeinflusst hat, oder ob es einfach nur der Zeitgeist war, der die Klänge entstehen ließ, lässt sich wohl heute kaum noch nachvollziehen. Fans beider Gruppen dürften aber wohl jeweils auch die andere mögen, mir geht es jedenfalls so. Die sechs auf dem Tape enthaltenen Stücke haben jedes für sich eine ganz eigene, nihilistische Atmosphäre und „Die Schuldstruktur“ erinnert mich sogar ein wenig an „Wasserturm“ von den Neubauten. „Kavaliere“ und „Stümmel Mir“ sind kleine Hits, „Ein Schwarzes Kleid Und Ein Ei“ ist Chaos und Improvisation und kommt dem Ziel, musikalische Strukturen zu zerstören, schon sehr nahe.

„Der Tod Ist Ein Skandal“ ist nicht nur eine sehr schöne Aussage, sondern klingt fast wie das Moritat eines mittelalterlichen Bänkelsängers. Düster und minimalistisch ist schließlich „Du Armes Ding“, das fast schon eine hypnotische Atmosphäre aufbaut.

„Das Typische Ding“ ist erstmals beim Cassetten-Combinat 1981 erschienen und 1982 auf Graf Haufen Tapes wieder erschienen. 1983 erschien dann unter dem Titel „Den Typiske Ting“ die Cassette auch in Dänemark mit einem dänischsprachigen Textheft. Schließlich brachte die Band selber die Cassette 1986 noch mal unter die Leute. (A.P.)


DIE TÖDLICHE DORIS – Der Siebenköpfige Informator (Tape 1980)

(www.die-toedliche-doris.de )

Mit diesem Tape trat die hoch verehrte Avantgarde-Gruppe DIE TÖDLICHE DORIS 1980 ins Rampenlicht und entwickelte sich bis heute zu einem multimedialen Gesamtkunstwerk. Musikalisch  spiegelt diese Cassette den um 1980 herrschenden Zeitgeist wieder und war selbst in der damaligen Undergroundszene, in der alles möglich zu sein schien, schwer verdaulich und höchstens mit den frühen Einstürzenden Neubauten vergleichbar. Es gibt archaische Rhythmen auf einem Nicht-Instrumentarium zu hören, die mit fast schon atonalen elektronischen Klängen angereichert wurden und durch Stimmen, die an eine Propagandarede erinnern sehr an den Nerven zerren. Dazu finden sich auch noch andere verfremdete Stimmen wieder. Die drei „Songs“ sind im positiven Sinne unverdaulich und aufrüttelnd. Hier wird das verlogene und durchstrukturierte Popmusik-Geschäft ad absurdum geführt durch eine konsequente „Alles geht“-Haltung und pure Improvisation. Zuerst erschien die Cassette 1980 im Eigenvertrieb, später dann noch mal bei Eisengrau, als Neuauflage 1982 bei Rip Off und schlussendlich brachte die Band selber das Tape noch mal 1986 unter die Leute. Mit jeder Veröffentlichung entwickelte sich DIE TÖDLICHE DORIS weiter und veränderte sich, so dass „Der Siebenköpfige Informator“ wohl das ungeschliffenste und roheste Werk des Projektes ist. So etwas war wahrscheinlich wirklich nur in der Aufbruchszeit der frühen Neuen Deutschen Welle möglich. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden