S.Y.P.H. – Rare & Lost Into
The Future
S.Y.P.H.
– Der Bauer Im Parkdeck
S.Y.P.H. – s.t.
S.Y.P.H. – Rare & Lost
Into The Future (LP 2004)
(Vinyl-On-Demand
www.vinyl-on-demand.com )
S.Y.P.H.
sind schon eine unglaubliche Band. Sie besteht seit über einem
Vierteljahrhundert und darf wohl ohne Wenn und Aber zu den ersten
deutschen Punkbands gezählt werden. Schnell zeigte sich aber, dass der
Gruppe die Punk-Schublade zu eng wurde und so hörte man bald alle
möglichen Klänge von NDW über Kraut-Rock bis hin zu purer Avantgarde und
einem seltsam eigensinnigen Alternative-Rock. Ich muss gestehen, das ich
bei weitem nicht alles von S.Y.P.H. gut finde, obwohl ich eigentlich so
verschrobene Musik mag, aber ich bringe die Band halt immer mit „Zurück
Zum Beton“ und „Industriemädchen“ in Verbindung und tue mich deshalb oft
schwer mit anderen Aufnahmen, weil die Düsseldorfer nie wieder so eine
direkte, frische Musik hinbekommen haben.
Diese
LP enthält Aufnahmen aus den Jahren 1977 bis 1986, zeigt also die gesamte
musikalische Bandbreite der Gruppe. Da sind ganz frühe, soundtechnisch
schwache, Lärmorgien, rockiges, jazziges, krachiges, selten punkiges und
so weiter. Und eben auch ziemlich viel beliebiges und belangloses.
Dadurch, dass die Aufnahmen in rund zehn Jahren entstanden sind, klingt
das natürlich nicht alles wie aus einem Guss und wird wohl eher die ganz
extremen Sammler ansprechen, die alles von S.Y.P.H. oder aus der frühen
deutschen Punk/NDW-Szene besitzen wollen. Für jemanden, der die Band erst
noch kennen lernen möchte, eignet sich diese Platte sicher nicht, da echte
Hits fehlen. Auch, wenn die Stücke selten und/oder unveröffentlicht sind,
so erweckt das Album doch eher den Eindruck, dass hier einfach
Resteverwertung betrieben wurde. Auch, wenn die Band echter Kult ist, muss
doch nicht jeder Furz, der im Proberaum aufgenommen wurde auch
veröffentlicht werden. Allerdings ist auf der B-Seite mit „Lebensgunst“
dann doch noch ein richtig gutes, dunkles Wavestück dabei, was den
Gesamteindruck etwas hebt. Die erste Vinyl-On-Demand-Veröffentlichung, die
mich nicht wirklich anspricht, aber zum einen ist das immer
Geschmackssache und zum anderen darf sich auch so ein engagiertes Label
mal einen Ausrutscher erlauben. (A.P.)
S.Y.P.H.
– Der Bauer Im Parkdeck (Do 7“ / 1982)
(Pure Freude)
S.Y.P.H.
haben immer extreme Kost geboten, entweder man konnte sich mit ihrem
(gewollten) Dilettantismus anfreunden, oder man hat sie gehasst. Diese
Doppel Single von 1982 beinhaltet 13 Songs, darunter solche nihilistischen
Hits wie „Traumraum“. Musikalisch lassen sich S.Y.P.H. nur schwer
einordnen, natürlich fällt der Begriff NDW, aber wohl eher wegen der
deutschen Texte und dem Erscheinungsjahr, als wegen des Stils. Eigentlich
herrscht hier pure Anarchie, alles ist möglich und irgendwelchen
Konventionen hat man sich nicht unterworfen. Die Texte sind zynisch,
schräg, bösartig und überhaupt nicht kompatibel mit der beginnenden
Schlager-NDW. Man hört deutlich, dass die Düsseldorfer Szene um Der Plan,
Mittagspause, Fehlfarben, DAF, Male usw. irgendwie damit zu tun hat, dazu
ein wenig Helge Schneider-Humor. Auch die Abstürzenden Brieftauben dürften
Jahre später Einflüsse von S.Y.P.H. verarbeitet haben.
Anarcho-NDW-Fun-Punk-Schlager-Wave oder so ähnlich sollte man das hier
nennen. Heute würde wahrscheinlich nicht mal mehr ein absolutes
Underground-Wohnzimmer-Label so etwas als Vinyl oder gar CD rausbringen,
1982 war das aber durchaus noch möglich. Mann, ich werde wirklich alt.
Bestimmt nicht das beste S.Y.P.H. Werk, aber doch ein kultiges
Sammlerstück. (A.P.)
S.Y.P.H. – s.t. (LP 1980/CD 2998)
(Pure
Freude-Fünfundvierzig)
S.Y.P.H.
gehörten Ende der 70er Jahre neben Mittagspause, Der plan und einigen
anderen zu den Urgesteinen der Düsseldorfer Punk-New Wave-Szene. Ihr erste
LP, die als Original-Vinyl heute extrem gesucht ist, wurde 1998 remastered
und bei Fünfundvierzig als CD raus gebracht. Ursprünglich erschien die
Platte 1980 und zeigte die Band noch heftig vom Punk beeinflusst, während
sie sich später in wechselnder Besetzung auch experimentelleren Klängen
zuwandte. Hier geht es aber erstmal noch rockig los mit politischen und
zum damaligen Zeitpunkt auf den Punkt kommenden Texten. Auch heute noch
sind einige der Texte nicht unaktuell und genau, wie es damals
unangepasste Jugendliche gab, trifft der Inhalt von „Unreif Für Die
Zukunft“ auch heute noch auf einige Jugendliche zu. Dass das alles nicht
perfekt, eigentlich sogar ziemlich simpel klingt und die Soundqualität
nicht immer perfekt ist, macht die ganze Platte nur noch authentischer.
Gleich die ersten drei Songs „Zurück Zum Beton“, „Industrie-Maedchen“ und
„Lachleute & Nettmenschen“ sind echte Hits und kleine Klassiker, nicht
nur, weil sie auch auf dem „Verschwende Deine Jugend“-Sampler exemplarisch
für S.Y.P.H. ausgewählt wurden. Es ist auch offensichtlich, dass Bands wie
ZK und damit auch später Die Toten Hosen nachhaltig von S.Y.P.H.
beeinflusst wurden. Reiner Punk ist dies hier schon nicht mehr, aber auch
noch nicht weichgespülte neue Deutsche Welle, sondern irgendwo dazwischen,
also letztendlich, in Ermangelung eines besseren Begriffes, schräger New
Wave. Und das ist es doch genau, was ich hören möchte. Kein Meisterwerk,
aber doch ein beeindruckendes Zeitdokument. (A.P.) |