BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

RHEINGOLD – Distanz
RHEINGOLD - R.
RHEINGOLD - s.t.

RHEINGOLD - Distanz (LP 1984)

(CBS)

Nach dem Album „R.“, das gleichzeitig Soundtrack zum Film  „Der Fan“ war, verschwanden RHEINGOLD aus dem Blickfeld der meisten Leute, die die Band immer nur mit „Dreiklangsdimensionen“ und „Fan Fan Fanatisch“ in Verbindung brachten. Die deutschen Schlagerproduzenten hatten die Herrschaft über die NDW übernommen mit Gruppen wie Relax, Spider Murphy Gang und anderen seichten Pop-Schlager-Bands und Projekten. Die wenigsten Leute wissen, dass RHEINGOLD eine dritte LP mit dem Titel „Distanz“ auf den Markt gebracht haben, die aber völlig unterging, unverdienterweise, wie sich beim anhören schnell herausstellt. Allerdings kommt „Distanz“ nicht an die beiden ersten Alben heran, was vor allem daran liegt, dass die Gruppe ihren Stil nicht wirklich weiterentwickelt hat, stattdessen aber viel seichter geworden ist. Offensichtlich haben Bodo Staiger und seine Mitmusiker versucht, sich dem oberflächlicheren Sound, der 1984 vorherrschte, teilweise anzunähern, was rückblickend bestimmt ein Fehler war. Trotzdem sind einige echte Hits dabei, so vor allem das von Brigitte Kunz gesungene „Nur ein Wort“, das wie poppigere Ideal klingt, oder das damals zeitgemäße „Computerbeat“. Sicher war die Band immer noch von Kraftwerk beeinflusst, aber während diese ihre ganz poppige Phase zu „Das Model“-Zeiten hatten und Mitte der 80er schon wieder experimenteller arbeiteten, kamen RHEINGOLD 1984 glatter und eingängiger als je zuvor rüber, ohne das jedoch in kommerziellen Erfolg umsetzen zu können. Leider war dies das letzte Lebenszeichen von RHEINGOLD, die den NDW-Sound entscheidend mitgeprägt haben. Wäre doch sehr interessant gewesen, zu erleben, wie diese Gruppe sich weiter entwickelt hätte. „Distanz“ ist meiner Meinung nach zwar das schwächste der drei Alben, aber dennoch gute, eingängige NDW-Musik, die sich von den butterweichen Schlagerstars der Zeit abhebt. (A.P.)


RHEINGOLD – R. (LP 1982)

(Welt Rekord/Emi-Electrola)

Das zweite Album von Rheingold ist gleichzeitig der Soundtrack zum damals höchstumstrittenen Film „Der Fan“, in dem Bodo Staiger neben Desiree Nosbusch die Hauptrolle spielte, und der einer der wenigen ernstzunehmenden NDW-Filme ist (und bei Marketing inzwischen auch auf DVD erschienen ist!). Musikalisch gibt es eigentlich wenig neues zu vermelden, außer, das die Musik teilweise ein wenig poppiger geworden ist, aber trotzdem immer noch diverse Instrumentaltitel vertreten sind (wie es sich für einen echten Soundtrack aber auch gehört). Mit „Fan Fan Fanatisch“ und „Das Steht Dir Gut“ sind zwei respektable Hits auf der Platte, wobei vor allem letztgenannter zu den eingängigsten Songs von RHEINGOLD gehört. Auch „Augenblick“ und „F.A.N.“ sind richtig gute NDW Songs. Im Gegensatz zum Debut-Album überwiegt hier der elektronische Anteil in der Musik, vor allem auf der instrumentalen zweiten Seite. Songnamen wie „Abfahrt“ oder „Stahlherz“ sind absolut typisch für die deutsche Musik dieser Zeit, bevor mit Nena, Hubert Kah und Markus die Schlagersänger das Zepter der NDW übernahmen. Die Covergestaltung ist gewohnt schlicht gehalten, wie man es von RHEINGOLD kennt. Die erste, songorientiertere Seite der Platte ist weniger düster und minimalistisch, als vom ersten Album gewohnt, die zweite Seite ist richtiger Soundtrack, was die Vielseitigkeit dieser sonst immer auf „Dreiklangsdimensionen“ reduzierten Band zeigt. (A.P.)


RHEINGOLD – s.t. (LP 1980)

(Welt Rekord/Emi-Electrola)

Wer sich nur peripher mit der NDW beschäftigt und vielleicht nur den einen oder anderen Best Of...-Sampler, die in den 90ern tonnenweise erschienen sind, hat, kennt mit Sicherheit RHEINGOLD, insbesondere den Titel „Dreiklangsdimensionen“, der vielleicht einer der aller ersten richtigen NDW Hits war, noch lange vor Nena, Markus und Konsorten. Dieser Titel spiegelt den Übergang von minimalistischem New Wave Sound hin zu poppigen Melodien perfekt wieder und füllt sowohl auf NDW-Revival Partys, als auch auf Minimal/New Wave-Partys die Tanzflächen mühelos. Natürlich ist „Dreiklangsdimensionen“ auch auf dem ersten Album der Band. Dazu eine ganze Reihe weiterer eingängiger Songs, von denen „Fluß“ sicherlich der bekannteste ist. Aber auch „Graffitis“ ist ein kleiner Klassiker und einer meiner persönlichen RHEINGOLD-Favoriten, gerade, weil er weniger schwermütig und dafür bunter, lebensfroher ist, als viele andere Titel der Gruppe (obwohl man mir sonst ja immer nachsagt, ich würde nur düsteren Kram mögen).

RHEINGOLD haben mit minimalen Mitteln (Drumcomputer, Gitarre, Bass und Billig-Keyboards, leicht naiver Gesang) den typischen NDW-Sound der ganz frühen 80er geprägt, wie wenige andere Bands. Gruppen wie Profil oder Stahlnetz dürften sich hier eine Menge abgehört haben.

Allerdings muß man sagen, dass nicht alles auf dieser Platte gut ist, nur, weil RHEINGOLD draufsteht. Ein Instrumentaltitel wie „Himmelgeist“ erinnert doch erschreckend an Ricky King und ein paar Krautrock-Einflüsse aus den 70ern sind auch noch vorhanden, obwohl das doch 1980 eigentlich endgültig hätte überwunden sein sollen. Vielleicht kann man RHEINGOLD ein wenig als „Kraftwerk mit Gitarren“ beschreiben. Trotzdem, die erste RHEINGOLD LP ist definitiv eine Pflichtplatte für jede NDW-Sammlung, ohne die geht gar nichts! (A.P.)