DIE KRUPPS -
Odyssey Of The Mind
DIE KRUPPS – Volle
Kraft Voraus!
DIE KRUPPS -
Odyssey Of The Mind (CD)
(Our Choice Rec./Rough Trade)
Das erste Sinnesorgan, welches von dieser CD
angefallen wird, sind die armen Augen, die durch ein leicht psychedelisches, unscharfes,
Bild mit so´ner Art Hologram-3D-Effekt gepeinigt werden. Musikalisch kenne ich außer den
alten Songs von den KRUPPS bislang nichts. Die alten Songs sind die aus Zeiten der NDW,
die LP "Volle Kraft voraus!" und "Stahlwerksynfonie". Mit beidem hat
diese CD nicht mehr viel gemeinsam, das Aussehen des Sängers Jürgen Engler hat sich
inzwischen auch geändert, damals noch als netter Synthipopper und heute langhaarig,
rockerhaft und schon sechsunddreißig. Dominierend ist hier eine Gitarre, die zu
elektronischem Schlagzeug und zuckenden Synthies ihr bestes gibt, genau, das klingt nach
einer typischen Crossover-Band und ist es auch, Crossover mit den typischen Vorbildern.
Doch trotz allem eine recht gute CD, die einige interessante Sounds und vor allem gute
Songanfänge bietet. Am fetzigsten ist der Song "Metalmorphosis" und am
melodischsten und eigentlich dadurch auch am schönsten ist der Song "Alive" mit
fast schöner Melodie und einer fast guten Gitarre, die zu einer fast guten Stimme und
einem fast genialem Lied ihr Töne von sich gibt, und das Ganze erinnert einen auch noch
fast an "Jeanny" von Falco. Tja, auch wenn die Uralt-KRUPPS-Sachen besser waren,
so ist diese CD (zwar kein Glanzlicht) aber trotzdem nett. (H.H.)
DIE KRUPPS – Volle Kraft Voraus! (LP 1982)
(Wea)
Nachdem
Jürgen Engler und Bernward Malaka mit Male eine der ersten deutschen
Punkbands gegründet hatten wurde ihnen das recht bald wieder langweilig und
sie hängten die Gitarren in den Keller und versuchten sich, nach einem
kurzlebigen Zwischenprojekt, mal mit elektronischen Instrumenten, und zwar
mit dem Ziel, bei einer großen Plattenfirma zu landen. Das klappte zunächst
nicht und so erschien die „Stahlwerksymphonie“ bei Zick Zack. Schnell
bemerkten die großen Firmen, welchen Fisch sie sich da durch die Netze gehen
ließen und schon die LP „Volle Kraft Voraus!“ kam bei der Wea raus. Nun war
1982 das Jahr, in dem die Neue Deutsche Welle den kommerziellen Durchbruch
„feierte“ (naja, gefeiert haben wohl nur die Plattenfirmen) und zudem waren
Deutsch Amerikanische Freundschaft mit ihrem monotonen Electrosound
ausgesprochen erfolgreich, so dass das Interesse an den KRUPPS nicht
besonders überraschend war. Mehr jedoch, als bei vergleichbaren Bands
steckte in dieser Gruppe noch der Punkgeist und so klang die Musik gar nicht
massenkompatibel aus den Boxen, sondern war industriell, minimalistisch,
zeitkritisch und häufig dunkel. Ähnlich wie bei Fehlfarben´s „Ein Jahr (Es
Geht Voran)“ wurde auch die KRUPPS-Parole „Volle Kraft Voran!“ meist fehl
gedeutet und der Zynismus dahinter wurde nicht verstanden. Auf der A-Seite
finde ich ja besonders die langsameren, schleppenden Songs wie „Für Einen
Augenblick“ und „Das Ende Der Träume“ klasse, aber auch das treibende „Tod
Und Teufel“ ist wegweisend. Die B-Seite beginnt auch mit zwei Hämmern,
nämlich „Neue Helden“ und „Wahre Arbeit, Wahrer Lohn“, wobei vor allem der
letztere Song bis heute in den Clubs gespielt wird. Die musikalische
Verwandtschaft zu Deutsch Amerikanische Freundschaft ist unüberhörbar aber
wohl kaum verwunderlich, immerhin kamen beide Bands aus dem gleichen
Düsseldorfer Punk-Sumpf. Dabei waren DIE KRUPPS aber immer die exaltiertere
(wie schreibt man das???), und melodiösere Gruppe. Zweifellos haben diese
beiden Bands nachhaltig die Electro-Musik der 80er Jahre beeinflusst und an
der Entstehung von Electronic Body Music mitgewirkt, was man besonders gut
an Bands wie Nitzer Ebb erkennen kann, die 1987 „Wahre Arbeit, Wahrer Lohn“
gecovert haben und einen Riesenhit damit hatten. Heute klingt „Volle Kraft
Voraus!“ sicherlich nicht mehr so innovativ, wie 1982, aber damals war das
Album Bahn brechend, wobei ich es sogar eher in einen Punk-Zusammenhanng
stellen würde, als in die NDW-Ecke. Eine Electro-Szene gab es schon gar
nicht. Die Platte gehört bestimmt zu den ganz wichtigen deutschen
Veröffentlichungen der frühen 80er Jahre. Was dann in den 90er Jahren aus
den KRUPPS geworden ist, verschweigen wir hier lieber mal verschämt, darüber
kann man an anderer Stelle ausführlich nachlesen. (A.P.)
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