| JOACHIM WITT (bis 1995)
JOACHIM WITT Goldener Raver
JOACHIM WITT - Silberblick
- Kritik 1
JOACHIM WITT - Silberblick - Kritik 2
JOACHIM WITT Edelweiss - Kritik 1
JOACHIM WITT Edelweiss - Kritik 2
JOACHIM WITT Goldener Raver (M-CD 1995)
(Wea)
Es
ist ja schon teilweise unverantwortlich, was in der Pop-Technowelle so alles
verheizt wird. Alle unsere Klassiker, wo es in der Seele wehtut, diese so
verhunzt zu hören, dazu gehört "Forever Young" von Intermission und viele
viele weitere müssten ebenfalls aufgezählt werden, aber die Krönung der
ganzen Sache ist in meinen Augen diese Maxi-CD. Ich kann nur hoffen, dass
JOACHIM WITT damit nichts zu tun hat und nur von Perversen remixt wurde,
doch ich glaube fast, dass ich befürchten muss, dass der Perverse er selbst
war, in Zusammenarbeit mit KOMAKINO, denn sonst würde nicht sein Name groß
auf der CD stehen. KOMAKINO kommt aus Hessen und besteht aus Ralf Fritsch
und Detlef Hastik. Seit ca. 1991 arbeiten sie in der Technoszene und haben
schon unendlich viele Veröffentlichung unter ungefähr ebenso vielen
verschiedenen Namen auf den Markt gebracht. Zu allem Überfluss hat man es
heir gewagt, den goldenen Reiter in einen goldenen Raver umzuwandeln, doch
schade, dass sich Raver nicht auf Leiter reimt. Mein Gott, das ist wirklich
traurig, die Jugend von heute kann sich doch nicht an so einem billig
produzierten Schrott erfreuen! Satte fünf Mixe muss man ertragen, doch das
ist die Krönung des schlechten Geschmacks. Irgendwo sind Grenzen zu setzen
und hier ist sie zweifelsohne überschritten worden.
JOACHIM WITT Silberblick (LP 1980)
(Wea)
Der gute Herr Witt war schon immer ein musikalischer Bursche. Es
ging in der Schulzeit los und seine erste Single erschien im Jahre 1974 unter dem
Künstlernamen JULIAN (Titel: "Ich bin ein Mann"). Die hatte keinerlei Erfolg,
doch der "Goldene Reiter" entstand schon damals. Im Jahre 1976 gründete er dann
die Band DÜSENBERG, mit der man dann 1977 die erste LP veröffentlichte. Drei Longplayer
sollten entstehen, bis JOACHIM WITT die Band verließ, um alleine weiter zu machen. Das
Album "Silberblick" produzierte er aus eigener Tasche, doch 1980 interessierte
sich die Wea dafür, nahm WITT unter Vertrag und warf die LP auf den Markt. Die Songs sind
durchgägngig genial, es beginnt mir den beiden Singles "Kosmetik (Ich bin das Glück
dieser Erde)" sowie dem erfolgreichen "Goldener Reiter". Außerdem gibt es
gibt eine Coverversion von "Heaven" (Talkling Heads) mit deutschem Text und das
neun Minuten lange "Sonne hat sie gesagt", doch das beste Stück dieser LP ist
aber "Ja, ja...", jedenfalls in meinen Augen. Die Musik an sich ist sehr
eigentümlich und schwer zu beschreiben, sie pendelt zwischen einfachen Popsongs und
schwermütigen Meisterwerken, die Songs sind irgendwie düster, aber nicht gruftig, die
Stimme von WITT tendiert auch zwischen dunkel und quietschend und wirkt oft übertrieben
aufgesetzt, aber auch manchmal irgendwie arrogant als auch näselnd schwul. Es ist einfach
schwer, die treffenden Attribute für diese sehr eigenständige Musik zu nennen, was sie
extrem zeitlos macht. "Silberblick" jedenfalls ist ein echter Klassiker. (H.H.)
JOACHIM WITT – Silberblick (LP 1981 / CD 1990)
(Wea)
Wenn
ein Musiker mit seinen Veröffentlichungen zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle
war, dann war das 1981 JOACHIM WITT, dessen „Goldener Reiter“ wohl einer der
ultimativen NDW-Hits ist und von den einschlägigen Samplern und Partys nicht
wegzudenken ist. Von den anderen Schlagerbarden unterschied er sich dadurch,
dass er schon mehrere Jahre mit seiner Band Düsenberg Platten veröffentlicht
hatte, also kein Newcomer war. Sein erstes Soloalbum „Silberblick“ gehört
sicher zu den Klassikern dieser Zeit, beeinflusst vom Krautrock der 70er und
Bowie´s „Heroes“- und „Low“-Alben, kombiniert mit deutschen Texten, die
häufig ziemlich skurril daherkommen. Anders ausgedrückt: New Wave mit
deutschen Texten. Der Hit „Kosmetik (Ich Bin Das Glück Dieser Erde)“
eröffnet das Album und hier wird der Bowie-Vergleich am deutlichsten. Obwohl
die meisten Songs durchaus eingängig sind, wird der Pop-Charakter durch den
Gesang, der weniger harmonisch ist, gemindert. Aber gerade dadurch hob sich
WITT von seinen musikalischen Zeitgenossen ab und hat als Musiker bis heute
überlebt. Neben den beiden Singles „Kosmetik“ und „Goldener Reiter“ besticht
vor allem „Ich Hab´ So Lust Auf Industrie“, das textlich die damalige
Stimmung gut widerspiegelt. Besonders erwähnenswert ist auch noch die
Talking Heads-Coverversion „Der Weg In Die Ferne (Heaven)“. Mit dem
Nachfolge-Album „Edelweiß“ konnte JOACHIM WITT an den Erfolg seines
Erstlings anknüpfen, doch im Zuge des Zusammenbruchs der Neuen Deutschen
Welle, verursacht durch einen Overkill durch die großen Plattenfirmen,
verschwand auch WITT für einige Jahre aus dem Blickfeld der Charts, obwohl
er regelmäßig Platten veröffentlicht hat. Mit seinen ersten beiden
Soloplatten hat JOACHIM WITT jedoch deutsche Musikgeschichte geschrieben und
war neben Ideal einer der wenigen ernstzunehmenden Musiker der kommerziellen
NDW. (A.P.)
JOACHIM WITT
Edelweiss (LP 1982, CD 1996)
(Wea)
Das zweite JOACHIM WITT-Album ist eine ganze Strecke düsterer geworden,
als das erste Album "Silberblick". Obwohl hier natürlich eine Menge neuer Songs
drauf waren, präsentierte Herr WITT kurz vor der Veröffentlichung des Albums seinen
alten "Goldener Reiter" im Musikladen der ARD (wo auch andere deutsche Bands
anwesend waren) und die Neue Deutsche Welle hatte Einzug in die Stuben der Leute gehalten.
"Der Goldene Reiter" wurde plötzlich ein Riesenerfolg und stieg bis auf Platz 2
der Charts, die LP kletterte bis auf Platz 10. Die Wea hat dann das Erscheinen von
"Edelweiss" verzögert, um noch richtig absahnen zu können.
Veröffentlichungstermin war dann März 1982, kurz vor der Tour von WITT durch deutsche
Lande. Im Sommer kam dann "Tri-Tra-Trullala" auf den Markt, der im Dadaistischem
Stil auch heute noch zu überzeugen weiß. Auf dem Album jedenfalls gibt es noch eine
Menge wirklich toller Titel, es beginnt mit "Inflation im Paradies (Filmmusik)",
was tatsächlich eine Filmmusik ist, denn JOACHIM WITT hat 1982 in einem Fernsehfilm mit
gleichem Titel mitgespielt. Titel wie "Ich bin der deutsche Neger", "Ich
fahr nach Afrika" oder auch "Strenges Mädchen" sind Songs, die zwar nicht
gleich im Ohr hängen bleiben und deren Texte sich auch nicht beim ersten Hören
erschliessen, aber zumeist trotzdem oder gerade deswegen Lieder für die Ewigkeit sind.
"Strenges Mädchen" ganz besonders, denn das hat er auf seinen 1998er-Touren
sogar noch live dargeboten. (H.H.)
JOACHIM WITT – Edelweiß (LP 1982 / CD 1996)
(Wea)
Nach
dem großen Erfolg des „Goldenen Reiters“ und des dazugehörigen Albums
„Silberblick“ schob JOACHIM WITT gleich sein zweites Album „Edelweiß“
hinterher, dass unter eingeschworenen WITT-Fans sogar noch mehr geliebt
wird, als der Vorgänger, zudem war „Edelweiß“ auch recht erfolgreich und
sticht positiv aus der Masse der 1982 veröffentlichten Schlager-NDW Platten
hervor. Auch wenn der „typische“ NDW-Titel „Edelweiß“ zunächst ein recht
positives, fröhliches Album vermuten lässt, ist die Platte doch dunkler und
schräger, als „Silberblick“. Mehr noch als zuvor kann man die Musik als
deutschsprachigen New Wave bezeichnen. Einflüsse des Spät-70er Bowie sind
nicht zu überhören, dazu kommen sicher auch Bands wie Pere Ubu oder The Cure,
die Herr WITT damals bestimmt gerne gehört hat. Sein Gesangsstil bei „Tri-Tra-Trullala“
(den meisten sicher eher bekannt als „Herbergsvater“) wurde auf ewige Zeiten
zu WITT´s Erkennungsmerkmal und hat sicher den einen oder anderen Sänger
nachhaltig beeinflusst. Diese Singleauskopplung wurde zudem ein respektabler
Hit und wird von den Fans bis heute geliebt. Auch sonst hat JOACHIM WITT
Einflüsse unzähliger Bands in sich aufgesogen, so klingt „Ich Fahr´ Nach
Afrika“ ziemlich nach DAF, auch eine musikalische Verwandtschaft mit
Rheingold glaube ich gelegentlich herauszuhören. Auch schon vorhanden auf
diesem frühen Album, sind die häufig nicht klar definierbaren Texte, die
gelegentlich zwei- oder mehrdeutig auslegbar sind. Das zieht sich bei WITT
bis in die heutige Zeit, mehr als einmal wurden ihm reaktionäre (vorsichtig
ausgedrückt) Tendenzen vorgeworfen, was ich persönlich für absoluten
Schwachsinn halte. Neben „Tri-Tra Trullala“ ist besonders der Titel
„Strenges Mädchen“ kultig geworden und gehört zu JOACHIM WITT´s
Spitzenwerken. Leider ging es mit WITT nach dieser Platte für einige Jahre
kommerziell, nicht aber künstlerisch, abwärts. Deshalb sollten sich
interessierte Leute auch die nachfolgenden Alben mal anhören. (A.P.)
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