BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

ANDY GIORBINO – The Art Of Letting Go
ANDY GIORBINO - Stolpern
ANDY GIORBINO – Lied An Die Freude - Kritik 1
ANDY GIORBINO – Lied An Die Freude - Kritik 2

ANDY GIORBINO – The Art Of Letting Go (12“ 1988)

(Cash Beat/Efa)

Als früher und wichtiger NDW-Held wurde ANDY GIORBINO Anfang der 80er bekannt, ohne aber den kommerziellen Durchbruch zu schaffen, zu eigenwillig und schräg waren wohl seine Ideen, wie deutsche Popmusik klingen muss. Gegen Ende der 80er Jahre hatte er sich musikalisch dann doch ziemlich umorientiert und an seine Frühwerke erinnerte nur noch die Kompromisslosigkeit, mit der er seine Vorstellungen umsetzt. „The Art Of Letting Go“ ist eine Dance-Maxi, produziert von Ledernacken´s Folke Jensen. GIORBINO verbindet hierbei tanzbare Rhythmen, eingängige Melodien, Orchestersamples und leichte Country-Einflüsse zu einem Gemisch, das durchaus kommerzielle Chancen gehabt hätte, aber auch für eine tolerante Underground-Szene interessant war. Der Waschzettel schreibt was von „subversiver Dance-Floor“ und „Guerilla-Disco“, was zwar Promoerfindungen sind und keine Musikstile, aber doch ganz gut auf den Punkt treffen.

Auf der B-Seite findet sich zunächst der Titel „I Love You I Hate You“, der weniger eingängig ist und wie eine Mischung aus frühen KMFDM, Nitzer Ebb und Schwefel klingt, nicht ohne auch hier Einflüsse von schwarzer Musik  und jede Menge Samples zu verarbeiten. Noch schwerer verdaulich ist dann der Titel „61 Bars“, der musikalisch in die gleiche Richtung geht und mir auf dieser Platte am besten gefällt. Hier erkennt man deutlich Folke Jensen´s Einfluss bei der Produktion. Komischerweise klingt es für mich ein wenig, als wenn Nick Cave Mitte der 80er Jahre bei Depeche Mode gesungen hätte. Definitiv ein Titel, der auch heute noch (oder wieder) die Tanzflächen in so mancher Gruft-Disco füllen könnte, dazu müssten die einschlägigen DJs den Song aber erstmal entdecken... (A.P.)


ANDY GIORBINO - Stolpern (7“)

(Zickzack/Rip Off)

ANDY GIORBINO, eine der Kultfiguren der Neuen Deutschen Welle. Schöne Aufmachung der Platte und angeblich soll noch eine Flexi-Disc mit "Lebendig begraben in Köln" dabeiliegen, das Stück ist live von einer Performance Gruppe namens Radio Moon, war bei meiner Platte natürlich nicht bei, Pech gehabt. "Stolpern"  und "Banane, Zitrone, ..." sind zwei der besseren Stücke von ANDY GIORBINO, das erste ist schon fast zum Tanzen geeignet, das zweite auch, wenn man die Platte auf 33 RPM laufen läßt. (H.H.)


ANDY GIORBINO – Lied An Die Freude (LP 1981)

(Zick Zack/Rip Off)

ANDY GIORBINO war zu NDW Zeiten extrem umtriebig und hat eine ganze Reihe Platten veröffentlicht, die einen ganz eigenen Sound hatten, der kaum vergleichbar mit anderen Bands war. Ich persönlich konnte mich nie so richtig mit GIORBINO´s Musik anfreunden, obwohl ich sonst auf schräge und eigenständige Klänge stehe. Irgendwie ist bei mir aber der Funke nie richtig übergesprungen. Trotzdem sind die Platten natürlich nicht schlecht und irgendwie Zick Zack-typisch und vor allem musikalisch vielseitig. Mal klingt es nach Der Plan, mal nach Palais Schaumburg, dann wieder nach Andreas Dorau oder Saal2 und gelegentlich nach der Berliner „Geniale Dilletanten“-Szene, letztendlich wie eine Mischung aus all dem. Ein kleiner Hit ist „Ich Lieb´ Sie“ (hat nichts mit dem gleichnamigen Song von Grauzone zu tun), auf dem Jäki Eldorado die Gitarre geschrammelt hat. Auch sonst hat GIORBINO mit vielen Gästen zusammen gearbeitet. Aufgrund der vielen Synthie-Effekte, dürfte die Platte bei Songs wie „Lied An Die Freude“ auch Fans von Minimal-Electro interessieren. Obwohl ANDY GIORBINO für die NDW sicherlich wichtig war und durchaus auf andere Musiker Einfluss gehabt haben dürfte, werden seine Platten nie zu meinen Favoriten gehören. In eine NDW-Sammlung gehören sie aber auf jeden Fall, nicht nur, weil sie bei Zick Zack erschienen sind. (A.P.)


ANDY GIORBINO - Lied an die Freude (LP 1981)

(Zickzack/Rip Off)

Und hier endlich mal wieder ein Produkt der Neuen Deutschen Welle aus dem Jahre 1981. ANDY GIORBINO war ja auch einer der ganz Großen der damaligen Zeit und hat überall mitgewirkt, als Mitspieler oder als Produzent oder als was weiß ich noch alles. Hier aber ein Solowerk von ihm, ganz im Stil der NDW sehr skurill und minimalistisch gehalten, das betrifft jetzt allerdings nicht nur die Instrumentierung der Songs, sondern auch die Ideen und die Melodien. Negativ ist das aber auch nicht gemeint, jeder, der die damalige Musik mochte, sollte sich so eine Platte wie diese hier zulegen, wer allerdings damals zu klein war, sollte nicht unbedingt mit dieser Platte anfangenn, eine NDW-Sammlung zu beginnen, die Musik ist doch schon etwas mehr für Fortgeschrittene. (H.H.)