GEISTERFAHRER - Topal
GEISTERFAHRER
– Fest Der Vielen Sinne
GEISTERFAHRER
– Schatten Voraus
GEISTERFAHRER - Geisterfahrer
GEISTERFAHRER – Topal (LP
1983)
(Konkurrenz)
Das
dritte Album der Hamburger GEISTERFAHRER zeigte die Band mit verändertem
Line-Up und gleichzeitig musikalisch gewandelt. Die dunklen und dennoch
punkig aggressiven Stimmungen der ersten beiden Platten hatten sich
verändert und auf der ersten Plattenseite einem teilweise funkigem Bass
Platz gemacht, der die Songs der Gruppe weniger trostlos erscheinen ließ,
wobei aber der sehr eigene, stakkatohafte Gesang geblieben ist, so dass sich
eine recht eigenwillige Mischung ergibt. So bleibt jeder Titel sofort als
GEISTERFAHRER-Song erkennbar. Aber auch einige gruftige Momente blieben
erhalten, so zum Beispiel im grandiosen „Jetzt Oder Nie!“, das hat fast
schon Batcave-Qualitäten. Auf der zweiten Seite der LP klingen die
GEISTERFAHRER dann wieder eher so, wie man sie von vorher kannte, dunkel,
schräg, monoton und irgendwo zwischen Neue Deutsche Welle und frühem
Gothic-Sound, man achte nur auf die Gitarren im Titelstück „Topal“. Auch
Bass und Schlagzeug dürften hier das Herz eines jeden frühen Wavers
erfreuen. Der Song ist sicher der beste auf dieser LP und wer die gute alte
Band Mask For mag, wird dieses Lied lieben! Die dritte LP der Hamburger
kommt zwar aufgrund der ersten 3, 4 Lieder nicht an „Schatten Voraus“ und
„Fest Der Vielen Sinne“ heran, aber letztendlich kann sie mit einigen echten
Knallern dann doch überzeugen. (A.P.)
GEISTERFAHRER – Fest Der
Vielen Sinne (LP 1981)
(Konkurrenz/Phonogram)
Nach
der dunkel-experimentellen Debut-LP „Schatten Voraus“ erschien 1981 das
zweite GEISTERFAHRER-Album „Fest Der Vielen Sinne“, das rauer und schräger
erschien und bewies, dass die Band um Michael Ruff, Matthias Schuster und
Jürgen Weiss nicht dem Stillstand verfallen war. Während sich
deutschlandweit die Musikszene auf die Kommerzialisierung der Neuen
Deutschen Welle vorbereitete, schufen die drei Hamburger weiterhin ihre so
gar nicht radiotauglichen, skurrilen Kompositionen, die aber häufig doch
eine hypnotische Eingängigkeit besitzen und bei denen der Bass auch gerne
mal funkige Rhythmen aufnimmt. Ihr kleines, hoch verdientes Stück vom großen
NDW-Kuchen erlangte die Band dann doch noch mit dem Stück „Himmel Auf
Erden“, das auf vielen NDW-Samplern erschien und beinahe schon punkig
erscheint, dabei aber genau den damaligen Zeitgeist trifft. Stilistisch
lassen sich die GEISTERFAHRER überhaupt nicht festlegen, so klingt „Schnee
Blind“ beinahe nach frühem Gothic zwischen Ausgang und Belfegore, für mich
einer der besten GEISTERFAHRER-Songs überhaupt und wert, auf einem
vielleicht irgendwann mal erscheinenden weiteren „Ghostriders Of German
Gothic“-Sampler gewürdigt zu werden. Auch „Blumen“ geht in dieselbe Richtung
und kann mitreißen. „Leiser Tod“ hingegen klingt wieder nach typischem,
frühen NDW-Sound. Vielen Stücken gemein ist die schneidende Gitarre, der
monotone Bass und der schräge Gesang, der immer zu fesseln vermag. Ein
lupenreines Dark Wave-Monster ist zum Schluss dann noch „Die Stimme Der
Erde“, womit eine weitere großartige Platte aus der frühen
GEISTERFAHRER-Zeit endet. (A.P.)
GEISTERFAHRER – Schatten
Voraus (LP 1980)
(Konkurrenz/Phonogram)
Schon
nach der ersten Single auf Zick Zack unterschrieben die GEISTERFAHRER aus
Hamburg beim Phonogram Sublabel Konkurrenz, dass sie wohl mehr oder weniger
auch selber leiteten. Dort kam dann als erste Veröffentlichung auch die
erste LP der Band heraus und untermauerte den wegweisenden Charakter der
Band. Meiner Meinung nach waren die GEISTERFAHRER damals die absolut
wichtigste Band der Neuen Deutschen Welle neben Palais Schaumburg. Diese
beiden Gruppen haben den deutschen New Wave definiert und ihm eine eigene
Identität jenseits angloamerikanischer Vorbilder gegeben. Bei den
GEISTERFAHRERN geschah das vor allem durch den eigenwilligen Gesang und die
Verbindung von experimentellen und düsteren Klängen. Die beiden Songs „Das
Haus“ und „Schatten“ können vielleicht als die ersten deutschen Gothic/Dark-Wave
Songs gesehen werden, vor allem der letztgenannte Titel kann es mit Bauhaus´
„Bela Lugosi´s Dead“ aufnehmen, ohne als Verlierer dazustehen. Vergleichen
kann man die GEISTERFAHRER eigentlich mit keiner anderen Band, denn alle
ähnlichen klingenden kamen erst später. Insofern muss man „Schatten Voraus“
eindeutig zu den ganz wichtigen NDW-Platten zählen, die in jede Sammlung
(unkommerzieller) deutscher Platten gehören. Kaum vorstellbar, dass ein
Majorlabel heute noch derartig sperrige Musik veröffentlichen würde. Ein
Klassiker! (A.P.)
GEISTERFAHRER - Geisterfahrer (7" 1980)
(Zick Zack)
Alleine bei der Katalognummer ZZ1 dürfte allen
NDW-Fans und Sammlern dieser Richtung das Wasser im Munde zusammenlaufen und die Finger
feucht werden. Die "Geisterfahrer" 3-Track-Single war die erste Produktion auf
dem legendären Zick Zack Label von Alfred Hilsberg, der noch unzählige heute gesuchte Platten folgen sollten. Aber auch die
GEISTERFAHRER, damals bestehend aus Michael Ruff, Matthias Schuster, Jürgen Weiß und
Hans Keller begannen mit dieser Platte ihre Karriere, in der sie eine ganze Reihe von
guten Platten produzierten, zum einem unter dem Namen GEISTERFAHRER, zum anderen in
verschiedenen Nebenprojekten. Fast alle diese Platten sind heute rare und meist teure
Sammlerstücke. Die GEISTERFAHRER sind irgendwie der Inbegriff der Neuen Deutschen Welle
und der Independentszene. Aufgenommen im eigenen Homestudio, veröffentlicht als erste
Produktion auf einem unabhängigen Label und vertrieben im kleinen, aber ebenfalls
unabhängigen Rahmen. Nicht umsonst steht auf der Coverrückseite "Eine individuelle
Platten-Produktion". Auch das einfache schwarze Cover zeugte von großem
Selbstvertrauen, in Zeiten, in denen in Deutschland knallbunte Discoproduktionen die
Charts beherrschten.Musikalisch ist bei den drei Titeln "Geisterfahrer",
"Unschuld" und "Öl" Minimalismus angesagt, alles ist auf das
nötigste reduziert und obwohl die Klänge eher avantgardistisch anmuten, ist der
Punkspirit noch zu spüren. Sicherlich rührt der Minimalismus auch daher, daß man damals
einfach keine anderen musikalischen und aufnahmetechnischen Möglichkeiten hatte. Wer Neue
Deutsche Welle in Reinform hören will, sollte die GEISTERFAHRER nicht ausser Acht lassen,
allerdings dürfte das Vergnügen, diese Platte in seinen Besitz zu bringen, nicht ganz
billig sein. Lohnen tut es aber auf jeden Fall. (A.P.) |