BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE
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FOYER
DES ARTS – Penis > Vagina FOYER DES ARTS – EIN KUSS IN DER IRRTUMSTAVERNE (LP/CD 1988) (Fünfundvierzig/Efa)
Egal, ist ja nicht böse gemeint. FOYER DES ARTS waren von Anfang an eine sehr eigene Band, die eben zufällig zu Hochzeiten der NDW ein paar Hits hatten und deshalb, und weil sie deutsche Texte hatten, in den großen Topf geschmissen wurden. Aber schon vorher und lange danach machte das Projekt um den auch solo sehr erfolgreichen Max Goldt immer ihr ganz eigenes Ding, nämlich die musikalische Umsetzung von Goldt´s auf den ersten Blick skurrilen, bei genauerem Hinsehen aber hintersinnigen Texten. An irgendwelche musikalischen Trends hat man sich dabei nie angepasst, sondern immer aus allen Stilrichtungen das gerade passende genommen und zu etwas Neuem zusammengesetzt. Von Pop über Chanson, Schlager, Wave bis hin zu minimalistischer Elektronik gibt es alles zu hören, wobei auf dieser Platte ein wenig melancholische Atmosphäre vorherrscht. Also keine Musik zum abtanzen in den Clubs, sondern zum Hören am Sonntagnachmittag zu Hause, wo man die Texte intensiv in sich aufsaugen kann. Von der fast reinen Minimalistik des Debutalbums „Von Bullerbü Nach Babylon“ ist wenig geblieben und auch an „Die Unfähigkeit Zu Frühstücken“ erinnert nur noch wenig. Wie es scheint, haben sich FOYER DES ARTS von Album zu Album neu erfunden. Sicherlich ist das keine Musik zum nebenbei hören, aber wer sich auf den Mikrokosmos der Musiker einlässt, wird viele Wahrheiten entdecken. Zu den „Hits“ auf diesem Album gehört ganz klar die Singleauskopplung „Penis -> Vagina“, aber auch das textlich abgedrehte „Senf Drauf“ oder das poppige „Ein Fuß Der Dame Anton“ wissen zu überzeugen Wirklich schräg und abgefahren ist auch „Familie, Pubertät Und Haarwuchs“. Das man mit solchen Songs natürlich im kommerziellen Bereich nicht wirklich erfolgreich sein kann, ist klar, aber eine kleine, treue Fanschar ist dankbar für jeden Ton einer der ungewöhnlichsten deutschen Bands der 80er Jahre. Die CD Version dieses Albums enthält als Bonus noch vier Songs, nämlich die B-Seite der „Penis-> Vagina“ Single, eine lange Version von „Ein Haus Aus Den Knochen Von Cary Grant“, den wirklich minimalistischen „Minimal Mix“ von „Könnten Bienen Fliegen“ und eine ältere Version von „Das Leben Ist Uninteressant“. (A.P.) FOYER DES ARTS – Penis > Vagina (7“ 1988) (Fünfundvierzig/Efa)
Die B-Seite enthält den Titel „Schleichwege Zum Christentum“, bei dem es in eine ähnliche Richtung geht. Auch hier ist Goldt´s Text gnadenlos spitz und unverhohlen kirchenkritisch, ohne jedoch das plump und parolenhaft rauszuschreien. Ich liebte schon immer die Ergüsse von Max Goldt und habe seine Glossen in der Zeitschrift Titanic immer in mich aufgesogen („Ich war so wütend, ich hätte beinahe einen Apfel gegessen“). Für FOYER DES ARTS Fans ist diese Single unverzichtbar, da „Schleichwege Zum Christentum“ nicht auf dem damals aktuellen Album „Ein Kuß In Der Irrtumstaverne“ enthalten war. (A.P.) FOYER DES ARTS - Von Bullerbü Nach Babylon (LP 1982) (Wea) Die Debut-LP von FOYER DES ARTS ist heute ein teuer gehandeltes Sammlerstück unter NDW-Fans, obwohl die Platte bei der Wea erschienen ist und somit eigentlich gar nicht so extrem selten sein dürfte. Aber Qualität ist immer hochgeschätzt und so wollen offensichtlich mehr Leute diese Platte haben, als es Exemplare davon gibt. Das hat natürlich gute Gründe. Zum einen enthält die Platte die beiden grandiosen Singlehits „Wissenswertes Über Erlangen“ und „Eine Königin Mit Rädern Unten Dran“, die auch kommerziell erfolgreich waren und zum anderen finden sich hier solche Perlen wie „Komm In Den Garten“ und das brilliante „Hubschraubereinsatz“. Die Musik ist minimalistisch, aber meist doch recht eingängig und wird durch die teils surrealistischen, teils zynischen, aber immer guten Texte von Max Goldt prima ergänzt. Als Max Goldt Verehrer (in seiner „Titanic“-Kolumne schrieb er sinngemäß mal: „Das hat mich so wütend gemacht, daß ich beinahe einen Apfel gegessen hätte“ - im Moment kann ich das Zitat leider nicht wörtlich wieder geben) ist diese Platte für mich natürlich Pflichtprogramm, genauso, wie die späteren Werke („Ein Haus Aus Den Knochen Von Cary Grant“, „Penis-Vagina“ und die Goldt-Solowerke). Neben den genannten Titeln überzeugt mich besonders „Wolfram Siebeck Ist Tot“, ein echter NDW-Song mit monotonem Rhythmus, der zum tanzen animiert und textlich natürlich weit entfernt ist von schlagerhaften Machwerken á la Relax, Spider Murphy Gang, Frl. Menke und so weiter. Gelegentlich wird auf dieser Platte auch mal englisch gesungen, was aber nicht besonders stört. Grundsätzlich sollte „Von Bullerbü Nach Babylon“ in jeder NDW-Sammlung stehen, wenn man´s irgendwo auftreiben kann. (A.P.) |