BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

DIE WAHRHEIT ÜBER EXTRABREIT - DIE FRÜHEN JAHRE
DIE WAHRHEIT ÜBER EXTRABREIT - LIVE UND JETZT

ÖL
DAS LETZTE GEFECHT - HAGEN 19.09.1998
AMEN
DAS INTERVIEW ZUM ENDE
DIE EXTRABREIT HISTORY
DAS INTERVIEW ZU "JEDEN TAG - JEDE NACHT"
SUPERFETT
WELCH EIN LAND, WAS FÜR MÄNNER

EXTRABREIT - DIE WAHRHEIT ÜBER EXTRABREIT – DIE FRÜHEN JAHRE (DVD 2004)

(Mawa)

Die Band EXTRABREIT war eine der führendsten Bands der kommerziellen Seite der Neuen Deutschen Welle mit Stücken wie „Hurra hurra, die Schule brennt“, „Polizisten“ und vielen mehr. Dazu muss an dieser Stelle sicherlich nicht mehr viel gesagt werden, jeder weiß, was EXTRABREIT ist. 2004 hat die Band gleich zwei DVDs auf den Markt gebracht, nämlich diese hier und eine mit einem Live-Konzert aus dem Jahre 2003. Diese DVD hier enthält das 1983 entstandene Video „Die Wahrheit über Extrabreit“. Es beginnt mit einem Videoclip zu „Learning Deutsch“, wir sehen „Superhelden“ live 1983 in Hagen, die Extrabreit-Szene aus „GIB GAS, ICH WILL SPASS“, dann folgt mein Lieblingslied „Geisterbahn fahrn“. Weiter folgen ein paar Statements zum Abebben der Neuen Deutschen Welle, historische Aufnahmen von 1980, ein Interview mit Nena und ihrer Band über ihre Meinung zu EXTRABREIT, wir blicken hinter den Kulissen der TV-Show „Pop Stop“, besuchen das Levis Rockfestival 1982, wo die Band zusammen mit Prima Klima, Interzone und Spliff tourten. Die Songs „Polizisten“ und „Flieger“ werden hier intoniert. Weiterhin sehen wir den ersten EXTRABREIT-Videoclip „Kleptomanie“, die Überreichung von zwei goldenen Schallplatten im Jahre 1982 und das war es dann auch schon. Die Beiträge sind ohne besondere Reihenfolge zu diesem 60-Minuten-Video zusammengeschnitten worden und werden von einem verkleideten Kai Havaii zwischendurch kommentiert. Weiterhin enthält die DVD alle EXTRABREIT-Videos, die da im einzelnen wären: „Kleptomanie“, „Learning Deutsch“, „Flieger, grüß mir die Sonne“, „Für mich solls rote Rosen regnen“, „Jeden Tag, jede Nacht“, „Nichts ist für immer“, „CVJM“ und „Er macht ihn rein“. Dann gibt es noch eine Discographie und ein paar recht unnötige Internet-Links zu den Produzenten der CD und zu Karstadt. Die DVD selbst ist im Bildformat 4:3 sowie in Dolby Digital 2.0. Insgesamt ein sehr gelungenes Zeitdokument.  (Haiko Herden)


EXTRABREIT – DIE WAHRHEIT ÜBER EXTRABREIT - LIVE UND JETZT (DVD 2004)

(Mawa)

Die zweite Disc enthält ein Extrabreit-Konzert aus dem Dezember 2003 aus dem Docks in Hamburg, bei dem ich übrigens ebenfalls dabei sein konnte, doch dies nur am Rande (wer genau hinschaut, darf mich auch mal sehen). Während dieser Tour hat man ebenfalls in Hagen mitgeschnitten und das Ganze dann mit dem Hamburg-Video zusammengeschnitten – mehr oder minder geschickt, denn man merkt schon, dass es zwei verschiedene Auftritte sind. Ansonsten ist es aber natürlich recht ordentlich geworden, ein typischer Livemitschnitt eines typischen EXTRABREIT-Auftritts, kraftvoll und gespickt mit jeder Menge Hits. Das Cover verrät sie nicht, deswegen zähle ich mal ein paar Titel auf: „Polizisten“, „Der Führer“, „Kleptomanie“, „Für mich solls rote Rosen regnen“, „Der Präsident ist tot“, „3-D“ und  „Annemarie“ (zu Beginn des Videos kann man auch eine Orchesterversion des Songs hören). Zu meiner großen Freude wurde ja auch „Joachim muss härter werden“ intoniert. Darüber hinaus bietet die DVD neben 100 Minuten Konzert noch einen umfangreichen Bonusteil. Es gibt noch fünf rare, also selten live gespielte Songs, die allerdings nur vom Hagen-Konzert genommen wurden, dann noch die Live-Versionen des kostenlosen Download-Songs „Öl“ sowie das Video zu „Er macht ihn rein“. Das Ganze ist im Bildformat 16:9 sowie in den Tonformaten Dolby Digital 2.0 und Dolby Digital 5.1. (Haiko Herden)


EXTRABREIT – Öl! (MCD 2003)

(Absolut Records)

Was Neues von EXTRABREIT? Tatsächlich, diese 1-Song-CD mit einem brandaktuellen Song gibt es bei Bestellung eines Extrabreit-T-Shirts auf der offiziellen Homepage der Band www.die-breiten.de kostenlos dazu oder man lädt sich das Lied einfach von der Website runter.

Textlich geht es, wie der Titel schon andeutet, um einen der Gründe für den dritten Golfkrieg. Ich will nicht behaupten, dass der Text antiamerikanisch ist, aber Bush-Arschkriecher wie Angela Merkel oder Roland Koch dürften dabei Magenkrämpfe kriegen und hohe Gefängnisstrafen fordern. Gut, dass sich EXTRABREIT auch im fortgeschrittenen Rockmusiker-Alter nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern aktuelle Themen aufnehmen und gegebenenfalls kritisieren.

Musikalisch ist „Öl!“ ein etwas schleppender Rocksong, der aber im Ohr bleibt. Ich muss allerdings gestehen, dass ich den Song nicht EXTRABREIT zugeordnet hätte, wenn ich das nicht wüsste.

Für Fans der Band ist das jedenfalls ein hübsches Kleinod und sicher irgendwann mal ein Sammlerstück. Erwähnenswert ist auch noch eine Reminiszenz an den Klassiker „War“ von den Temptations, der allerdings am bekanntesten in der 1970er Version von Edwin Starr ist (der vor kurzem verstorben ist, wenn mich nicht alles täuscht). (A.P.)


EXTRABREIT – Das letzte Gefecht – Hagen 19.09.1998 (CD 23.09.2002)

(SPV)

Anfang September habe ich diese CD direkt von Kai Havaii in die Hand gedrückt bekommen während der Dreharbeiten zu dem Teaser von „Project Genesis – Crossclub 2“. Dies nur als kleine Angabe zum Beginn dieser Kritik. Über das Ende der Band hatten wir ja schon im Interview mit EXTRABREIT berichtet und nun, vier Jahre nach dem Aus, bringt uns die Truppe das Abschiedskonzert auf Doppel-CD, welches natürlich in Hagen stattfand, damit sich der Kreis schloss. Es werden viele Klassiker gespielt, wobei man „Hurra hurra, die Schule brennt“ wegliess. Dafür hat man eines meiner absoluten Lieblingslieder „Joachim muss härter werden“ mit raufgenommen. Sonst ist auch alles dabei: „Polizisten“, „Jeden Tag, jede Nacht“, „Der Präsident ist tot“, „Liebling“, „Nichts ist für immer“ und einiges mehr. Außerdem hat man mit NENA zusammen „Komm nach Hagen“ intoniert. Das Live-Feeling kommt gut rüber, weil der Sound recht „dreckig“ ist und alles sehr kraftvoll erscheint. Einzig die Radiomoderatoren, die nur zusammenhangloses Zeug brabbeln, stören zwischendurch, sind aber wahrscheinlich aus dokumentarischen Gründen enthalten. Schade, dass ausgerechnet „Annemarie“ durch das Gelaber zerstört wird. Mittlerweile haben es die Musiker nicht mehr ausgehalten. Nachdem Kai einige Ausflüge ins TV-Business getätigt hatte (zum Beispiel „BANZAI TV“ auf Sat.1), hat man inzwischen wieder einige Gigs gespielt, einen neuen Track aufgenommen (findet sich auch auf dieser Doppel-CD) und plant ein neues Album. Demnächst ein ausführliches Interview.

EXTRABREIT-Fans sollten auch mal einen Blick auf diese Webseite werfen: www.projectgenesis.de. (H.H.)


EXTRABREIT – Amen (CD 30.03.1998)

(Hansa/BMG)

„Zwanzig Jahre sind genug“, sagten die Jungs von EXTRABREIT und machten ihre Drohung tatsächlich wahr: „Amen“ ist das letzte Album und bietet, wie schon seit Ende der Neuen Deutschen Welle“ eine Berg und Talfahrt an Songs. Es gibt echt gute Songs, wie zum Beispiel „Nichts kann mich stoppen“, die Single „Verdammter roter Mond“ oder auch „Augen zu“, aber auf der anderen Seite gibt es auch einige langweilige Stücke wie etwa „Raus aus meinem Kopf“. Nachdem sie bei ihrem letzten Album etwas punkiger gegeben haben, haben sie hier wieder mehr ihre Rock-Attitüden aus der Pre-NDW-Zeit angenommen, die mitunter zwar tolle Ergebnisse bringt, mitunter aber auch ein bisschen schrecklich Deutschrockmäßig daherkommen. Die Abschiedstour war noch mal richtig gut, doch leider hatten wir in Hamburg Pech. An dem Abend, an dem EXTRABREIT in der „Großen Freiheit 36“ waren dort zwei Veranstaltungen: Einmal EXTRABREIT und danach die Grand Prix-Fete zum Auftritt von Guildo Horn. Das Konzert der Band begann um 20 Uhr und endete bereits um 21 Uhr, damit um 21:15 Uhr die Grand Prix-Fete anfangen konnte. Das war etwas unbefriedigend als Abschiedskonzert und kein Gefallen für die Hamburger. Da EXTRABREIT live immer sehr gut waren, würde ich mir zum Abschluss noch eine Live-CD wünschen mit allen Hits. (H.H.)



EXTRABREIT - DAS INTERVIEW ZUM ENDE

EXTRABREIT. 20 Jahre sind Kai Hawaii und Stefan Kleinkrieg anscheinend genug und so haben sie und ihre vertraglich gebundenen Mitmusiker noch eine letzte CD eingespielt und gingen auf eine letzte Tour und begruben dann daraufhin die Band. Hier ist das Interview zum Ende:
 

BACK AGAIN - Erste Frage in diesem Fall gilt natürlich der Auflösung. Ist das ein Marketing-Gag, wie ihn schon tausend andere Bands vorher durchgezogen haben?

(Kai Hawaii schlägt die Hände über dem Kopf zusammen)

BACK AGAIN - Ich sehe, das ist wohl die falsche Frage.

KAI - Ich wäre versucht, jetzt einmal "Ja" zu sagen, weil ich es sonst immer bestritten habe. Nee, also wirklich nicht. Es ist gerade der richtige Moment zu gehen. Jetzt ist es grade noch schön, man kann also mit Stil noch eine Runde drehen und man kann sich dann endlich mal von der Jacke befreien. Es ist also ganz gut, das jetzt abzuschliessen.

BACK AGAIN - Es ist also nicht so, daß Ihr nächstes Jahr mit neuer LP wieder ankommt?

KAI - Nein, ganz sicher nicht. Das ist versprochen.

BACK AGAIN - Sind das nur "Wenn es am schönsten ist hört man auf"-Gründe, oder steckt da noch was anderes hinter?

KAI - Sagen wir mal so, es ist ganz einfach ein guter Zeitpunkt. Es hat sich einfach so ergeben, war auch nicht geplant. Diese Atmosphäre, die wir hatten, als wir das letzte Mal im Studio waren, haben wir festgestellt, daß die ganze Thematik, über die wir uns unterhalten haben, viel zu tun hat mit Bilanz ziehen, Abschied, Umbruch, es geht weiter, es ändert sich was. Man muß ja nun auch nicht immer zu sentimental an irgendwelchen Dingen hängen. Es ist halt keine Katastrophe, sondern halt so´n Moment, in dem man mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen kann.

BACK AGAIN - 20 Jahre EXTRABREIT. Zieht Ihr Bilanz? Was war in den letzten 20 Jahren das beste an der ganzen Geschichte?

STEFAN - Ja, das ist jetzt soviel, daß man das hier gar nicht sagen kann. Es gab unheimlich tolle Sachen, es gab Sachen, die waren einfach Scheisse. Das beste oder das schlechteste daraus rauszuziehen, daß würde das Interview hier wohl etwas toppen.

BACK AGAIN - Gibt es nichts, was als absolut bestes hängengeblieben ist?

STEFAN - Na ja, das beste waren wohl die sogenannten Großkampftage 1982, 1983, wo der ganze Plan aufging.

KAI - Die Naivität, diese Bewegung, die da drin war, die Dynamik, die das ganze erreicht hat.

STEFAN - Der Rummel, die Leute.

KAI - Aber natürlich schon noch einiges danach, also speziell die Momente, die dann kamen, nachdem ja einige Jahre nicht so viel gelaufen ist. Und wie es dann wieder losging und "Flieger" das erste Mal als Single rauskam und in den Top 20 war. Und sicherlich auch 1993, das Rote Rosen-Jahr, das sicherlich auch sehr schön war. Das ist dann ja auch das, wo man sagt "Okay, es ist viel passiert und es reicht auch", jedenfalls was Extrabreit betrifft. Auch daher, weil es auch so eine Achterbahnfahrt war. Also, langweilig war es nicht.

BACK AGAIN - Ihr habt während der Hochzeit der Neuen Deutschen Welle begonnen. Was verbindet Ihr heute noch mit dieser Zeit? Ganz besonders meine ich die Atmosphäre, wie z.B. im Film "Kalt wie Eis", in dem man Euch ja auch sieht.

KAI - Ja, die Jahre schienen endlos lang. Wenn ich so überlege, was 80-82 alles passiert ist, was das für Umstände waren, in denen man da gelebt hat, dann kann man gar nicht glauben, daß es nur zwei, drei Jahre waren. Weil alles so vollgepackt war.

STEFAN - Man hat angefangen in irgendeiner Garage und dann ging das halt auf. Träume wurden wahr.

KAI - So wie es losging, war es irgendwie wie bei einer Liebe. Diese komplette Verliebtheit in alles und jedes Detail, die komplette Naivität, das ist schon irgendwie was spezielles.

BACK AGAIN - Habt Ihr noch Kontakt mit irgendwelchen Bands von damals?

STEFAN - Wir haben noch Kontakt zu alten Mitgliedern der Band von Extrabreit.

KAI - Die Spliffer, jedenfalls einen von denen. Der Michael Kemmler von Fehlfarben läuft einem öfter mal über den Weg. Soweit ich weiß hat er keine Band mehr. Das sind so die letzten von 510. Allerdings ist einer wieder auferstanden und hat wieder was neues gemacht und zwar Frank Z.

BACK AGAIN - Mit Abwärts?

KAI - Nein, alleine als Frank Z.

BACK AGAIN - Hagen. Nena.

STEFAN - Die kommt auch aus Hagen. Nena kennen wir zwar, aber ob wir echten Kontakt miteinander haben? Weiß nicht. Man sieht sie ja ab und zu mal im Fernsehen. Den Carlo Karges sehe ich noch hin und wieder.

BACK AGAIN - Und in Hagen macht Ihr Euer Abschiedskonzert.

STEFAN - Ja, etwa hundert Meter Luftlinie von dem Ort, an dem alles angefangen hat. Damit sich der Kreis schließt.

BACK AGAIN - Habt Ihr da was geplant?

STEFAN - Wir wollen ehemalige Kampfgefährten einladen...

BACK AGAIN - Marianne Rosenberg?

STEFAN - Ich glaub, so weit wird´s nicht gehen. Wir werden sie zwar anschreiben, aber...

BACK AGAIN - Noch mehr Rückblick. Was mögt Ihr heute von Euren Liedern selbst noch am liebsten?

KAI - Na ja, also der wichtigste Song den Extrabreit wohl gemacht hat, ist wohl "Polizisten".

STEFAN - "Junge, wir können so heiß sein" mit der genialen Textzeile "Und so hockst du lebenslänglich in deiner neuen Zeit".

BACK AGAIN - So, und Ihr macht jetzt also richtig Schluß. Nicht nur mit Extrabreit, sondern...

STEFAN - ...mit dem Leben.

KAI - Wenn wir es hinkriegen lassen wir uns auf unserem Abschiedskonzert fünf gefüllte Badewannen auf die Bühne bringen, dann legen wir uns da rein und dann wird uns jedem ein Föhn gereicht.

STEFAN - Ich glaube, daß unsere jetzigen Mitmusiker da nicht mitmachen.

KAI - Wie? Das steht aber doch im Vertrag.

BACK AGAIN - Heißt das, daß Ihr keine Musik mehr macht?

STEFAN - Doch, wir werden weiter Musik machen. Wir springen jetzt einfach in den luftleeren Raum und fangen nochmal von vorne an. Ob das nun klappt, weiß man natürlich nicht. Nur diese Zwangsjacke "Hurra hurra die Schule brennt" und alles, was damit zusammenhängt, das wurde uns in letzter Zeit zu eng.

BACK AGAIN - Damit könnt Ihr Euch nicht mehr identifizieren?

KAI - Nein, so kann man das nun auch nicht sagen, das Lied hat für sich selbst ja auch seine Berechtigung. Obwohl es oftmals die erste oder sogar die einzige Assoziation bei Leuten ist, wenn sie Extrabreit hören. So was passiert natürlich. Es ist nicht so, daß ich dem Song böse bin, aber ich kann mir auch ein Leben vorstellen, wo ich das nicht mehr live spiele.

STEFAN - Das ist halt einer unserer Meilensteine.

KAI - Das ist für Leute, die schon am Tresen festgewachsen sind.

BACK AGAIN - Ihr spielt ja gerne mit schillernden Schlagerstars zusammen. Zur Zeit ist ja Guildo Horn in aller Munde.

KAI - Nee, der Mann ist uns zu übermächtig. Der kriegt demnächst eine eigene Talkshow, da steht man einfach zu sehr im Schatten, das möchte ich nicht riskieren. Wir nehmen da gerne Leute, die neben uns ein bißchen blaß wirken.

BACK AGAIN - Harald Juhnke?

STEFAN - Nö, das war eine ganz ehrliche und interessante Zusammenarbeit. Wir haben ihn genommen, als er gerade mal gesund war

KAI - Er war zwischendurch mal krank, dann wieder gesund, das war so, wie auch bei uns oft.

BACK AGAIN - Ist die letzte Tour nicht auch irgendwo traurig?

STEFAN - Das ist sehr bitter.

KAI - Ich neige nicht zu übertriebenen Sentimentalitäten. Doch beim letzten Konzert wird es sicherlich ganz komisch.

STEFAN - Wenn dann das letzte Lied verklungen ist...

KAI - ...werden wir die eine oder andere Träne wegdrücken.

STEFAN - Tja, zwanzig Jahre ist halt ein halbes Leben.

KAI - Na ja, das wollen wir ja nun nicht hoffen. Ein Viertel wenigstens.

BACK AGAIN - Ja gut, dann wünsch ich Euch alles Gute.

Abschliessend bleibt noch zu sagen, daß auf dem letzten Album "Amen" noch ein großer Song geboren wurde: "Nichts kann mich stoppen", inzwischen ein Klassiker auf meinen Autofahrcassetten (das größte Lob, das ich vergeben kann). Ebenfalls bleibt noch zu erwähnen, daß das Abschiedskonzert in Hamburg sehr genial war, der Sound war fett wie gewohnt nur leider spielten die Breiten nicht besonders lange, da Grand Prix-Tag war und das Grünspan von Guildo-Fans gestürmt wurde. Nun denn, warten wir es also ab, ob die Band wirklich niemals mehr wiederkommt, oder ob das Leben doch nicht ohne die brennende Schule geht. Immerhin gibt es ja Bands, die schon jahrelang damit drohen, nach der jeweiligen Tour sich aufzulösen, bestes Beispiel dafür ist wohl The Cure. Nun denn, die Welt ist gut, die Welt ist schlecht, ich seh mehr als ich begreifen kann...

(H.H.)

Zur Abwechslung drucken wir noch einmal eine nicht selbstgeschriebene History zum Abschluß von EXTRABREIT. Ich fand das sehr interessant und denke, daß es andere vielleicht auch interessant finden. Geklaut übrigens aus dem Promo-Info zur CD „Amen"

EXTRABREIT - 20 JAHRE SIND GENUG!!
Die Geschichte

1978: Irgendwann im Herbst dieses Jahres hebt Stefan Klein(später „Kleinkrieg" die Band aus der Taufe. Der Name stammt von einem kapitalen Edding-Filzstift, auf dem sich der sinnige Slogan „Kappe abschrauben - nachfüllbar - extrabreit" befindet. Die Band singt deutsch- damals nich eher die Ausnahme  undhat zu Beginn einen Sänger namens Horst-Werner Wiegand, mit dem man beim „Umsonst und draußen"-Festival in Vlotho und im Vorprogramm von „Clownpower"-Jango Edwards erste Beachtung findet.

1979: Sänger Wiegand steigt aus persönlichen Gründen aus und Kai Schlasse (kurz darauf „Havaii") kommt zur Band wie die Jungfrau zum Kind. Der Grafiker und Cartoonzeichner lebt mit Jörg A. Hoppe (heute Chef der TV-Produktionsfirma „MME"), der gerade beginnt, so etwas wie eine Manager-Rolle zu spielen, in einer WG und läßt sich überreden, für seinen Kumpel Wiegand einzuspringen. Es folgen Auftritte in der Heimatstadt Hagen und Umgebung. Der Publikumsandrang sprengt bereits manchmal den Rahmen der Lokalität und zum Jahreswechsel organisiert man eine wüste Silvesterveranstaltung unter dem Mottot „Extrabreit in die 80er".

1980: Das Repertoire wächst. Kleinkrieg und Havaii haben ihren Stil als Songwriter gefunden, auf Vermittlung des damaligen „Ramblers"-Sängers Hartwig Masuch (heute Geschäftsführer der BMG-Ufa-Musikverlage), der auch als Produzent fungiert, erscheint die erste Single „Hart wie Marmelade" am 14.4.1980 (Kais Geburtstag) bei „Metronome".
Die Reaktionen sind so gut, daß „Metronome" sich entschließt, ein Album herauszubringen. Im Spätsommer 1980 erscheint dieses Debut unter dem dreisten Titel „Ihre größten Erfolge". Sie sollen es werden. Kurz nach"Ideal" und etwa zeitgleich mit den „Fehlfarben" gehört Extrabreit zu den Initiatoren einer Bewegung, die später unter dem Begriff „Neue Deutsche Welle" bekannt wird und ein neues Kapitel in der Geschichte der deutschen Populärmusik einläutet.

1981: Die Verkaufszahlen sind astronomisch, aber ermutigend, eine Autogrammstunde in einem Kaufhaus führt zu einer Massenplünderung der Plattenabteilung, Havaii (voc.), Kleinkrieg (git.), Hunter (bs.), Uli Ruhwedel (git.) und Rolf Möller (dr.) werden langsam Popstars. Das 2. Album „Welche ein Land - Was für Männer!" bietet verblüffende 3-D-Optik und ziemlich politische, bisweilen düstere Songs. „Polizisten" wird der 1. it der Hagener. Extrabreit sind auch live „all over Germany".

1982: Es geht Schlag auf Schlag. „Hurra Hurra, die Schule brennt" geht in die Top Ten und im April folgt die legendäre Package-Tour mit „Spliff" und „Interzone" durch die größten Hallen der Republik. Mehrere „Bravo"-Titel runden das Bild ab. In diesem Jahr ist Extrabreit mit zwei Alben in den Top 5 die bei weitem erfolgreichste deutsche Band. Das 3. Album „Rückkehr der fantastischen Fünf" enthält das erste von drei Duetten mit deutschen Megastars, das „Duo Infernal" mit Marianne Rosenberg und kröhnt dieses erfolgreiche Jahr.

1983: Umbruch überall: Die Nation hat einen NDW-Kater, in Bonn ist eine neue, konservative Ära angebrochen und Extrabreit´s Deutschland-Tournee bietet zwar eine spektakuläre Show (u.a. zwei Videoleinwände, von denen herab Tagesschau-Sprecher Veigel die Konzerte ankündigt), aber die Besucherzahlen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Das Flaggschiff Extrabreit gerät in schwere See. Zwei gehen über Bord und die Herren Havaii, Kleinkrieg und Hunter nehmen in London die ambitionierte Platte „Europa" auf, die erstmals englische Titel enthält.

1984: Das 5. Album „LP der Woche" ist das letzte für „Metronome". Es wird produziert von Manne Praeker („Nina Hagen Band" und „Spliff") und beschert trotz schöner Songs wie „Ruhm" leider keinen größeren Hit. Die Zeit von Extrabreit scheint erstmal abgelaufen. Man beginnt, getrennte Wege zu gehen, Kleinkrieg veröffentlicht das Soloalbum „Nur für Jungs".

1986/87: Nach mehr als zwei Jahren trifft man sich wieder und nimmt für Phonogram ein ehrgeiziges Projekt in Angriff „Sex After 3 Years In A Submarine" ist ein ausgefeiltes, englischsprachiges Album (gemischt vom „Queen"-Produzenten Mack), das auch heute noch erstaut, aber dem nur wenig Erfolg beschieden ist. Nach dieser Enttäuschung zieht sich Havaii ins Privatleben zurück. Kleinkrieg bringt seine 2. Soloscheibe unter dem Namen „Mona Liza Overdrive" heraus.

1990: Unerwartet beginnt ein neues Kapitel der Bandgeschichte: Die Breiten geben dem Drängen einiger Konzertveranstalter nach und sagen einige Auftritte zu, für die die „klassische" Besetzung mit Hunter, Ruhwedel und Möller wieder zusammenfindet. Gleichzeitig veröffentlicht Metronome ein „Best Of"-Album. Das als Single wiederveröffentlichte „Flieger, grüß mir die Sonne" wird einer der Hits des Jahres und aus den anfangs geplanten „paar Konzerten" werden am Ende über 80. Zum ersten Auftritt seit Jahren strömten in Hannover über 4.000 Fans.

1993: Nach dem eher mittelprächtigen Album „Wer böses denkt, soll endlich schweigen" gelingt in diesem Jahr wieder ein großer Hit: „Für mich soll´s rote Rosen regnen" mit Hildegard Knef aus dem Album „Hotel Monopol".

1996: Auf dem Album „Jeden Tag - jede Nacht" bringen Extrabreit den letzten Teil ihrer Duettrilogie „Nichts ist für immer" mit Harald Juhnke. Kai Havaii absolviert unzählige Talkshows und beantwortet geduldig alle Fragen zu seinen zeitweiligen Drogenproblemen. Trouneen im April und Dezember.

1997: Während der Arbeit am 10. Studioalbum sehen sich Havaii und Kleinkrieg tief in die Augen und beschließen „aus dem Gefühl heraus", das Buch Extrabreit 1998 zu schließen. Folgerichtig heißt das aktuelle Werk „Amen". Die Band verläßt also nach 20 Jahren die Arena und wird sich das ganze Jahr hindurch mit etlichen Konzerten von ihren Fans verabschieden.


Und nun noch ein Interview zum Erscheinen der CD "Jeden Tag - Jede Nacht".

Hier ist jetzt ein Interview mit der Gruppe EXTRABREIT, anwesend sind Kai Hawaii, Stefan Kleinkrieg, Jango und Steve aus dem Maschinenraum.

? Vielleicht die wichtigste Frage zuerst, warum gibt es EXTRABREIT noch?

Kai: Das fragen sich viele, das liegt vielleicht daran, daß wir noch leben. Wir haben uns alle Mühe, es irgendwie vorzeitig zu beenden. Nee, wir haben ja auch immer wieder Ruhe gegeben und sind in Deckung gegangen, aber letztenendes juckt es einen doch immer wieder. Vor einem halben Jahr haben Stefan und ich uns zusammengesetzt und haben uns unsere Solosachen vorgespielt und festgestellt, daß das doch irgendwie alles Scheisse ist und dann haben wir uns gesagt, daß wir das doch besser zusammen machen.

Jango: Ja, dann wird´s noch größere Scheisse.

Kai: Ja, vor allem, wenn man solche genialen Kreuzberger Dilettanten am Werk hat.

Jango: Systemgegner!

Kai: Ja, richtige Systemgegner, denn uns fehlt doch ein bißchen die Renitenz, denn die ist mit den Jahren abgeschliffen und dann haben wir uns halt vampirmäßig mit frischem, renitentem Blut versorgt.Haben aber doch gleichzeitig unsere langjährige Lebenserfahrung in das Album mit eingebracht, nicht Stefan?

Stefan: Ja, volles Rohr. Ein Album, was uns mit Stolz erfüllt.

 

? Wann erscheint das Album?

Stefan: Im März wird sie erscheinen. Vorab kommt eine Single raus: "Jeden Tag jede Nacht". Eine Perle des Schlagerpoppunks.

? Schlagerpoppunk?

Stefan: Ja, irgendwie. In irgendeine Schublade.. und ähh, also, ich finde das Lied großartig. Ich würde es mir kaufen, wenn es nicht von mir selber wäre.

 

? Erzähl doch mal, was noch so in der Schublade Schlagerpoppunk drin ist.

Stefan: Nicht mehr viel außer uns.

 

? Wie sieht denn die neue Scheibe musikalisch aus?

Stefan: Also, der Titel ist ja auch programmiert, es ist eine Mischung aus der ersten EXTRABREIT-LP und der zweiten, also, es gibt durchaus etwas düster angehauchtere Sachen, etwas ernstere und natürlich auch fürchterlich alberne.

Jango: Insgesamt eine völlige Reizüberflutung.

Kai: Und das ist das Problem. Wir hoffen, daß wir das noch beim Mischen rauskriegen. Es sind einfach zu viele Reize. Alles, was wir machen ist immer so plakativ und da haben wir oft das Problem, daß es dann oft manchmal etwas zu plakativ wird, das merken wir selbst.

 

? Kannst Du vielleicht mal einen Song von Eurem neuen Album nehmen und uns mal beschreiben, was plakativ heißt?

Kai: Plakativ heißt für mich, Songstrukturen zu haben, die wirklich so sind, wie man sie eigentlich schon nicht mehr so macht. Nämlich Alpha Beta Refrain, Solo, Alpha Beta Refrain. Sicher auch von den Themen her, wir verarbeiten immer mal Sachen, wie wir es immer gemacht haben, die den einen oder anderen von uns mal berühren. Wie es z.B. bei "Jeden Tag jede Nacht" eine sehr spätpubertäre, unglückliche Liebesaffäre ist, oder bei "Heroin" um ernstere Dinge geht, wo denn auch ein bißchen Wut und Zynismus aufkommt.

 

? Und selbstverarbeitete Erfahrung vielleicht auch?

Kai: Ja, natürlich sind das auch sebstverarbeitete Erfahrungen. Wer uns kennt, den einen oder anderen, es ist ja nicht immer nur die Band, läuft ja nicht immer auf der gleichen Kurbelwelle, deshalb gab es dann auch irgendwie immer Leute, die gingen und die dazukamen. Das ist halt die Zelle, Stefan und ich schreiben die Songs und wenn ich ein Song über Heroin mache, dann weiß ich natürlich schon, wovon ich red, da ich drei Jahre lang mehr oder weniger Spaß damit hatte.

 

? Mit Eurer neuen Single könntet Ihr, um es mal vorsichtig auszudrücken, das Tote Hosen-Publikum ansprechen. Wie wichtig war und ist Punk für Euch als Musiker?

Kai: Na gut, was oft vergessen wird, wenn wir Sachen machen, ist die Tatsache, daß wir 79/80 angefangen haben sowas überhaupt in der Art zu machen, also vor den Ärzten und vor den Toten Hosen, das muß ich wirklich mal betonen, daß sich da die Kollegen wohl mehr inspiriert fühlen können von uns als umgekehrt und wenn wir jetzt auf solche Sachen zurückgreifen, sehe da einfach die Nuancen mehr. Für mich klingt das nicht wie Tote Hosen, es ist einfach eine andere Musik, für mich, wobei du natürlich sagen kannst, es ist irgendwie Straight-Forward-Gitarren-Musik, aber ich glaube, EXTRABREIT ist schon eine eigene Schublade. Natürlich fühlen wir uns den Toten Hosen oder den Ärzten mehr verbunden als zum Beispiel Grönemeyer.

 

? Die Ärzte werden im neuen Song ja auch namentlich erwähnt.

Kai: Ja das haben wir gemacht, weil wir den Kollegen auch mal Tribut zollen wollten, also, den mangelt es zur Zeit an Anerkennung. Ich hab mich auch mit Bela um eine Frau gestritten, also der Mann ist echt unmöglich, der fickt alles, was nicht schnell genug auf die Bäume kommt. Und immer wenn ich romantisch werde, steht der da immer schon im Weg und deshalb konnte ich mir das nicht verkneifen.

 

? Der andere Song auf der Maxi-CD "Kalter Fisch", ist das ein Stück für oder über alle Arschlöcher auf der Welt oder ist das mehr etwas persönlicheres?

Kai: Das ist wirklich mehr gesamtpolitisch zu sehen, es handelt von Menschen, die so richtig abgetrennt sind von der Welt und an nichts anderes Denken als an die Anpassung und an das Fortkommen, also an all diese Äußerlichkeiten dieser Welt so furchtbar verhaftet sind und einfach nicht mehr so in der Lage, also der Mann war ja auch schon als Kind schon am Ende und auch solche Leute gibt es. Meine Freundin Sylvie sagt, das Lied sei so verächtlich. Eigentlich bin ich kein verächtlicher Mensch, ich habe normalerweise Respekt vor Leuten, auch wenn ich sie Scheisse finde...

Jango: Worum geht es denn gerade?

Kai: Um "Kalter Fisch". Aber es gibt Momente, da kann ich es mir nicht verkneifen. Scientology war auch so eine Inspiration, weil ich hab da son eine Talkshow gesehen mit Erich Böhme, Talk im Turm, wo ein paar von den Brüdern saßen, die auf eine heuchlerische Art versucht haben, das, was die so tun, also es geht um reinen Profit und Machtzuwachs, mit etwas zu verschleiern, was man Gemeinschaft nennt oder Religion. Das ist halt sehr unappetitlich.

 

? Ihr sprecht gerade aber sehr ernste Sachen und habt die auch musikalisch verarbeitet. Ist es das, was die Leute von EXTRABREIT wollen? Oder wollen sie mehr diese Spaßgeschichte?

Jango: Scheissegal.

Kai: Ja, ich weiß nicht, was die Leute wollen, speziell 1996, wenn die CD rauskommt, das kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen. Wir können wirklich nur das machen, was wirklich in uns drin ist, also auf der einen Seite ´ne Menge Scheiss und Spaß und Abfeiern, ohne groß zu fragen, ob das politisch korrekt ist. Aber auf der anderen Seite sind wir auch letztendes, auch wenn wir uns noch so bemühen, es nicht zu sein, Leute, die... ja, hin und wieder macht man sich halt Gedanken, grade, wenn es etwas dunkler wird abend im Tourbus und dann redet man halt über andere Sachen, das gehört halt dazu.

Jango: Und dann wird der Adventskalender angesteckt und dann geht es auch um ganz andere Themen. Mehr- und Minderheiten, Anerkennung, Ehre vielleicht, das sind Themen, aber da will kein Mensch drüber reden. Es geht ja auch darum, sich mitzuteilen irgendwie.

Kai: Ja, es geht auch darum, Nähe zu haben zu den Leuten.

 

? Die CD kommt glaube ich im März. Ist dann auch eine Tour geplant?

Stefan: Im April werden wir ca. 20-25 Gigs machen.

 

? Es ist ja anzunehmen, daß die Leute auch nach den alten Stücken schreien werden. Spielt Ihr die dann auch?

Stefan: Ja, unbedingt. Wir spielen einen bunten Querschnitt aus unserem wunderbaren Melodienreigen, den wir in den Jahren angesammelt haben. Mittlerweile können wir aus einem Fundus von neun LPs schöpfen, wobei wir natürlich die deutschen Sachen machen. Natürlich ist es am Tollste für eine Band, die neuesten Sachen zu spielen, speziell jetzt hier, wo die Hälfte der Band Neuzugänge sind. Aber es wird ein EXTRABREIT-Konzert, die Leute werden schon auf ihre Kosten kommen.

Kai: Aber es ist auch immer so gewesen auf den Touren, dann taucht auf einmal wieder so ein Stück aus der Vergangenheit auf, das man ein paar Jahre vielleicht gar nicht gerne gespielt hat und auf einmal hat man wieder ein ganz anderes Feeling dazu und sagt "Man, das war ja richtig gut".

 

? Was wird es diesmal sein?

Kai: Das weiß ich ja noch nicht, dazu müssen wir ja erst auf Tour. Aber wie war das letztes Mal?

Stefan: "Kleptomanie" hatten wir lange schon nicht mehr gespielt und dann schrien die Leute danach und wir waren nicht präpariert und dann haben wir es am nächsten Abend beim Soundcheck geprobt. Sowas passiert wahrscheinlich öfters mal. Natürlich werden die Leute zu einem Konzert gehen mit einer gewissen Erwartung, diesen oder jenen Song zu hören und sollen sie auch! Es macht uns ja auch Spaß zu spielen.

 

? Was ist denn mit den Neuzugängen? Inwiefern heißt es denn, das ist noch EXTRABREIT. Speziell von den neuen Leuten, was fließt da an anderen Einflüssen mit hinein?

Stefan: Wenn das Album fertig wirst, wirst Du das schon hören, der Stil wird schon anders.

Kai: Ja, früher war es vielleicht irgendwie zackiger, heute finde ich es irgendwie gefühlvoller. Fällt mir so als erstes ein.

 

? War es früher spontaner, improvisierter?

Kai: Nee, eher im Gegenteil.

Stefan: Also heute sind wir, speziell in der Studiosituation, mehr zu einer Liveband geworden. Wir spielen alles live ein. Früher haben wir oft erst der mit dem und dann der nächste, diesmal haben wir grundsätzlich, bis auf eine Nummer, zusammengespielt

 

? In den vergangenen Jahren hat man von Euch ja relativ wenig gehört, was habt Ihr gemacht? Ihr habt Soloprojekte angesprochen. Ist da mal was veröffentlicht worden?

Stefan: Nee, ist nichts veröffentlicht worden. Seitdem wir das Knef-Ding da damals gemacht haben, das war glaube ich 93/93 im Übergang, da haben Kai und ich nur an Solo-Sachen gearbeitet. Da sind wir sind total eingebrochen.

Kai: Die wir zum Teil jetzt aber auch wieder zusammengeschmissen haben, weil die so in der Form nicht mehr existieren, ja, was hab ich gemacht, ich bin halt umgezogen, hab irgendwie privat ein paar Stürme gehabt, ein paar Kurzgeschichten geschrieben und die liegen jetzt in meiner Schublade, aber nichts, wo wirklich die Öffentlichkeit dran teilgenommen hat und das fand ich ganz nett.

 

? Was war mit dieser Knef-Geschichte. Hat Euch das Publikum gebracht oder hat Euch das eher geschadet?

Stefan: Eigentlich haben das eher Leute gekauft, die mit EXTRABREIT weniger zu tun haben, das Gros würde ich sagen, denn in dem Verhältnis zu den Single-Verkäufen lagen die LP-Verkäufe weit dahinter zurück. Wir fanden das ganz lustig, diese ganze Sache mit ihr zusammen zu machen. Wir fanden auch den Song ganz gut, sonst hätten wir das ja nicht gemacht, aber wie das dann hinterher von der Plattenfirma vermarktet wurde, war nicht so ganz in unserem Interesse, das ging halt nur noch auf dieser Schiene. Unser Interesse war damals die LP und die ging völlig baden.

 

? Du sagtest vorhin, das neue Album sei ein Querschnitt aus der ersten und der zweiten Scheibe. Ich weiß nicht, mit welchem Anspruch Ihr damals gestartet seid, als Eure erste Scheibe rausgekommen ist.

Stefan: Damals war es auf ganz definitiv unser Liveprogramm, das wir damals als ganz junge Band hatten, damals als Garagentruppe. Das haben wir aufgenommen und das war dann unsere LP.

Kai: Es gab ein paar Happenings, LSD-geschwängerte Happenings, aber keiner von uns hatte vorher mal groß in einer Band gespielt und wir haben halt angefangen zu spielen halt so, wie als wenn man sagt: Okay, die Ramones oder die Pistols, die können auch nicht so viele Griffe, aber die könne Platten machen. Ich meine, daß gibt´s ja immer wieder mal. Deutsche Punkbands, das wird ja auch nicht untergehen, nie mehr. Es wird immer welche geben, die genau in diesem Genre arbeiten.

Stefan: Es macht ja auch tierisch Spaß, wenn Du mit vier oder fünf Leuten losmeterst, im wahrsten Sinne des Wortes: Wenn du dich 3 Minuten auf das Soundsurfbrett stellst und gleich nochmal. Du kannst es halt immer wieder nochmal spielen und wenn es auf Platte gepresst ist, hat es für den Konsumenten den Vorteil, daß er es immer wieder erneut auflegen kann, nee anklicken kann. Das wunderbare Wort "auflegen" gibt es ja nicht mehr. Auch "umdrehen" gibt es nicht mehr. Insofern hat sich schon was getan: Wir sind jetzt auf CD!

 

? Deshalb frage ich. Wieviel von dieser Spontanität, von diesem Losmetern, das Ihr damals hattet...

Kai: Ja, das haben wir jetzt ganz speziell wieder gemacht bei dieser Platte. Es wurde alles mit der Band zusammen eingespielt, ich hab auch sogar im Regieraum live mitgesungen, obwohl das mit dem Mikro und den Boxen, wo das rausdröhnte keinen vernünftigen Gesangssound gibt, aber wir haben die meisten Sachen so eingespielt, daß sich alle zusammen irgendwie gegenseitig auf dem Kopfhörer hatten und dann haben wir halt solange gemacht, bis eben richtig dachten, wir hätten einen guten Take und der blieb dann auch so stehen, er wurde hier und da noch etwas ausgebessert und dann bin ich reingegangen und habe nochmal über das amtliche Neuband gesungen. Und der Rest war mischen.

Steve: Eine ganze Menge der Musik ist auch erst bei den Takes entstanden. Wenn du die Sachen halt ein paar Mal gespielt hast, dann sind da ein paar Sachen dazugekommen, die waren vorher einfach nicht da oder wurden nie so geprobt. Die Hälfte der Songs z.B. waren eigentlich noch nicht so ganz klar eigentlich, das haben wir erst im Studio eigentlich klar gemacht. Und wenn man von Mittags bis abends dabei bist, dann kommen da einfach ein paar Sachen dazu, die sind einfach gut oder nicht so gut und die guten haben wir behalten, die schlechten haben wir einfach rausgeschmissen.

Kai: Wir haben dann z.B. von einem Song am Tag 30 Takes gemacht, vielleicht ein bißchen übertrieben, 20-25.

Stefan: Es gab dann halt Dinge, die im Demo einfach fest waren, die wir versucht haben nachzuspielen, bis wir gemerkt haben, das liegt der Band gar nicht. Dann hat die Band das halt so umgesetzt, wie sie es spielen kann.

 

? Was ist Euer Lieblingslied auf der neuen Scheibe?

Kai: Oh, die sind ja noch gar nicht alle drauf. Im Moment ist mein Lieblingslied "Kokain", weil ich das schon lange nicht mehr gehört habe und weil das gut gemischt ist, aber das ändert sich jeden Tag.

? Die neue Single klingt ja frischer, was vielleicht an der Spontanität liegt. Mag es vielleicht auf daran liegen, daß ihr in den letzten Jahren weniger Erfolg hattet, weil es auch etwas überproduziert war?

Kai: Ja, wir waren auch nicht so frisch. Und überproduziert ist vielleicht gar nicht schlecht. Es wurde viel gemacht, wie: Jetzt machen wir hier noch was und da noch einen Overdub. Und dann haben wir auch was mit Keyboards gemacht. Diesmal aber haben wir uns gedacht, wir können auf die Lieder vertrauen, also auf die Lieder an sich. Das muß in sich funktionieren. Das ist auch zeitgemäßer und macht auch nebenbei bemerkt im Studio mehr Spaß

Jango: Wir haben fast nur mit Computern gearbeitet. Scheiß auf die Gitarren, scheiß auf den ganzen Mist...

Stefan: Sag mal, wer ist das denn eigentlich?

Kai: Ich weiß gar nicht, wer den eingeladen hat?

Stefan: Ist das nicht der furchtbare Metalgitarrist von Jingo die Gurke?

 

? Seht Ihr Euch selber eigentlich eher als Liveband oder eher als eine Band, die im Studio arbeitet?

Stefan: Im Studio. Wir sind ausgetragene Hifi-Spezialisten (lacht).

Steve: Wir kennen jedes Knöpchen in den Studios.

Stefan: Also, in dieser Besetzung kann ich das noch gar nicht sagen, aber wir möchten gerne eine gute Liveband werden und ich habe beste Hoffnungen, daß das jetzt so sein wird. Wir haben ja bisher nur im Studio zusammengearbeitet, deshalb ist diese Frage eigentlich...

Kai: Bei der Session für diese Platte hat sich herausgestellt, daß viele Sachen im Proberaum entstehen, von daher kennen wir uns schon und wir wissen, daß wir auch live unter Umständen klingen könnten.

Stefan: Aber jeder brennt auch darauf, live endlich mal wieder ablassen zu können.

Steve: Aber hallo, wenn der Bassist jetzt hier wäre, würde er mal richtig auf den Tisch klopfen.

 

? Okay, wir bedanken uns erstmal.

Kai: Alles klar und ich hoffe, man sieht sich auf der Tour.

(A.P. + H.H.)


EXTRABREIT - Superfett (CD 1996)

(BMG)

Zum 17-jährigen Bandjubiläum hat die Band EXTRABREIT ein Best Of-Album herausgebracht, wo aber nicht nur die Singles hintereinandergeschnitten wurden, sondern alle Songs mit moderner Technik und im "superfetten Breitwand-Sond" neu eingespielt wurden. So etwas ist immer weitaus positiver, als so eine billige Abzock-Best Of-CD. Trotzdem ist man versucht, hier zu sagen, daß es doch dieses eine Mal besser anders herum gewesen wäre. Es gibt einige tolle Stücke, wie z.B. "Hurra, hurra, die Schule brennt", das mit Bläsern aufgepeppt wurde und als zweite Version eines Klassikers neben dem Original stehen bleiben darf. Etwas enttäuschend sind die bedrohlichen Tracks wie "Polizisten" oder "Der Präsident ist tot", die im trockenen 80er-Sound bedeutend mehr Atmosphäre haben. Gleiches gilt für "Kleptomanie". Weiterhin gibt es zu hören eine superschnelle Punkversion von "Annemarie" und eine schnelle Version von "3-D". Insgesamt sind 17 Songs neu aufgenommen worden. Die Stücke neueren Datums, wie z.B. "Jeden Tag, jede Nacht" oder "Nichts ist für immer" (mit Harald Juhnke) haben demgegenüber kaum eine Veränderung hinnehmen müssen, vielmehr haben sich alle anderen Stücke dem aktuellen Stil angenähert. Alles in allem ein Album, das weniger hält, als ich mir davon versprochen habe. Wie gesagt, ein reines Best Of-Album oder vielleicht ein echtes Live-Album neueren Datums oder gar eine Compilation älterer Live-Aufnahmen, Maxisingles und B-Seiten wäre ein echter Knaller gewesen. (H.H.)


EXTRABREIT – Welch ein Land, was für Männer (LP 1981)

(Metronome)

Eines muß man gleich vorweg sagen: Bei diesem Album handelt es sich um eines der besten Alben, die während der Zeit der Neuen Deutschen Welle veröffentlicht wurden und auch heute noch zählt es bei mir zu den Top 50 der wichtigsten Alben aller Zeiten. Alleine schon der Klassiker "Polizisten", der damals von vielen Radiostationen boykottiert wurde, obwohl es ja gar nicht wirklich gegen Polizisten gerichtet ist, ist unvergessen und spiegelt den Sound und das Feeling der damaligen Zeit gut wieder. Auch der Track "Der Präsident ist tot" ist ein wahres Meisterwerk und "Allegro für Annemarie" war 1981 der Inbegriff der Schlüpfrigkeit. Nicht zuletzt beschrieb die Hauptzeile aus "3-D" das Lebensgefühl Anfang der 80er: "Die Welt ist gut, die Welt ist schlecht, ich seh mehr als ich begreifen kann". Dementsprechend war auch das Cover in 3-D gehalten und eine entsprechende Blau-Rot-Brille war beigefügt. (H.H.)