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EXTRABREIT - DIE WAHRHEIT ÜBER EXTRABREIT
– DIE FRÜHEN JAHRE (DVD 2004)
(Mawa)
Die
Band EXTRABREIT war eine der führendsten Bands der kommerziellen Seite der
Neuen Deutschen Welle mit Stücken wie „Hurra hurra, die Schule brennt“,
„Polizisten“ und vielen mehr. Dazu muss an dieser Stelle sicherlich nicht
mehr viel gesagt werden, jeder weiß, was EXTRABREIT ist. 2004 hat die Band
gleich zwei DVDs auf den Markt gebracht, nämlich diese hier und eine mit
einem Live-Konzert aus dem Jahre 2003. Diese DVD hier enthält das 1983
entstandene Video „Die Wahrheit über Extrabreit“. Es beginnt mit einem
Videoclip zu „Learning Deutsch“, wir sehen „Superhelden“ live 1983 in Hagen,
die Extrabreit-Szene aus „GIB GAS, ICH WILL SPASS“, dann folgt mein
Lieblingslied „Geisterbahn fahrn“. Weiter folgen ein paar Statements zum
Abebben der Neuen Deutschen Welle, historische Aufnahmen von 1980, ein
Interview mit Nena und ihrer Band über ihre Meinung zu EXTRABREIT, wir
blicken hinter den Kulissen der TV-Show „Pop Stop“, besuchen das Levis
Rockfestival 1982, wo die Band zusammen mit Prima Klima, Interzone und
Spliff tourten. Die Songs „Polizisten“ und „Flieger“ werden hier intoniert.
Weiterhin sehen wir den ersten EXTRABREIT-Videoclip „Kleptomanie“, die
Überreichung von zwei goldenen Schallplatten im Jahre 1982 und das war es
dann auch schon. Die Beiträge sind ohne besondere Reihenfolge zu diesem
60-Minuten-Video zusammengeschnitten worden und werden von einem
verkleideten Kai Havaii zwischendurch kommentiert. Weiterhin enthält die DVD
alle EXTRABREIT-Videos, die da im einzelnen wären: „Kleptomanie“, „Learning
Deutsch“, „Flieger, grüß mir die Sonne“, „Für mich solls rote Rosen regnen“,
„Jeden Tag, jede Nacht“, „Nichts ist für immer“, „CVJM“ und „Er macht ihn
rein“. Dann gibt es noch eine Discographie und ein paar recht unnötige
Internet-Links zu den Produzenten der CD und zu Karstadt. Die DVD selbst ist
im Bildformat 4:3 sowie in Dolby Digital 2.0. Insgesamt ein sehr gelungenes
Zeitdokument. (Haiko Herden)
EXTRABREIT – DIE WAHRHEIT ÜBER EXTRABREIT
- LIVE UND JETZT (DVD 2004)
(Mawa)
Die zweite Disc enthält ein Extrabreit-Konzert aus dem
Dezember 2003 aus dem Docks in Hamburg, bei dem ich übrigens ebenfalls dabei
sein konnte, doch dies nur am Rande (wer genau hinschaut, darf mich auch mal
sehen). Während dieser Tour hat man ebenfalls in Hagen mitgeschnitten und
das Ganze dann mit dem Hamburg-Video zusammengeschnitten – mehr oder minder
geschickt, denn man merkt schon, dass es zwei verschiedene Auftritte sind.
Ansonsten ist es aber natürlich recht ordentlich geworden, ein typischer
Livemitschnitt eines typischen EXTRABREIT-Auftritts, kraftvoll und gespickt
mit jeder Menge Hits. Das Cover verrät sie nicht, deswegen zähle ich mal ein
paar Titel auf: „Polizisten“, „Der Führer“, „Kleptomanie“, „Für mich solls
rote Rosen regnen“, „Der Präsident ist tot“, „3-D“ und „Annemarie“ (zu
Beginn des Videos kann man auch eine Orchesterversion des Songs hören). Zu
meiner großen Freude wurde ja auch „Joachim muss härter werden“ intoniert.
Darüber hinaus bietet die DVD neben 100 Minuten Konzert noch einen
umfangreichen Bonusteil. Es gibt noch fünf rare, also selten live gespielte
Songs, die allerdings nur vom Hagen-Konzert genommen wurden, dann noch die
Live-Versionen des kostenlosen Download-Songs „Öl“ sowie das Video zu „Er
macht ihn rein“. Das Ganze ist im Bildformat 16:9 sowie in den Tonformaten
Dolby Digital 2.0 und Dolby Digital 5.1. (Haiko Herden)
EXTRABREIT – Öl! (MCD 2003)
(Absolut Records)
Was
Neues von EXTRABREIT? Tatsächlich, diese 1-Song-CD mit einem brandaktuellen
Song gibt es bei Bestellung eines Extrabreit-T-Shirts auf der offiziellen
Homepage der Band
www.die-breiten.de kostenlos dazu oder man lädt sich das Lied einfach
von der Website runter.
Textlich geht es, wie der Titel schon andeutet, um einen der Gründe für den
dritten Golfkrieg. Ich will nicht behaupten, dass der Text antiamerikanisch
ist, aber Bush-Arschkriecher wie Angela Merkel oder Roland Koch dürften
dabei Magenkrämpfe kriegen und hohe Gefängnisstrafen fordern. Gut, dass sich
EXTRABREIT auch im fortgeschrittenen Rockmusiker-Alter nicht auf den
Lorbeeren ausruhen, sondern aktuelle Themen aufnehmen und gegebenenfalls
kritisieren.
Musikalisch ist „Öl!“ ein etwas schleppender Rocksong, der aber im Ohr
bleibt. Ich muss allerdings gestehen, dass ich den Song nicht EXTRABREIT
zugeordnet hätte, wenn ich das nicht wüsste.
Für Fans der Band ist das jedenfalls ein hübsches Kleinod und sicher
irgendwann mal ein Sammlerstück. Erwähnenswert ist auch noch eine
Reminiszenz an den Klassiker „War“ von den Temptations, der allerdings am
bekanntesten in der 1970er Version von Edwin Starr ist (der vor kurzem
verstorben ist, wenn mich nicht alles täuscht). (A.P.)
EXTRABREIT – Das letzte Gefecht – Hagen 19.09.1998 (CD
23.09.2002)
(SPV)
Anfang
September habe ich diese CD direkt von Kai Havaii in die Hand gedrückt
bekommen während der Dreharbeiten zu dem Teaser von „Project Genesis –
Crossclub 2“. Dies nur als kleine Angabe zum Beginn dieser Kritik. Über das
Ende der Band hatten wir ja schon im Interview mit EXTRABREIT berichtet und
nun, vier Jahre nach dem Aus, bringt uns die Truppe das Abschiedskonzert auf
Doppel-CD, welches natürlich in Hagen stattfand, damit sich der Kreis
schloss. Es werden viele Klassiker gespielt, wobei man „Hurra hurra, die
Schule brennt“ wegliess. Dafür hat man eines meiner absoluten
Lieblingslieder „Joachim muss härter werden“ mit raufgenommen. Sonst ist
auch alles dabei: „Polizisten“, „Jeden Tag, jede Nacht“, „Der Präsident ist
tot“, „Liebling“, „Nichts ist für immer“ und einiges mehr. Außerdem hat man
mit NENA zusammen „Komm nach Hagen“ intoniert. Das Live-Feeling kommt gut
rüber, weil der Sound recht „dreckig“ ist und alles sehr kraftvoll
erscheint. Einzig die Radiomoderatoren, die nur zusammenhangloses Zeug
brabbeln, stören zwischendurch, sind aber wahrscheinlich aus
dokumentarischen Gründen enthalten. Schade, dass ausgerechnet „Annemarie“
durch das Gelaber zerstört wird. Mittlerweile haben es die Musiker nicht
mehr ausgehalten. Nachdem Kai einige Ausflüge ins TV-Business getätigt hatte
(zum Beispiel „BANZAI TV“ auf Sat.1), hat man inzwischen wieder einige Gigs
gespielt, einen neuen Track aufgenommen (findet sich auch auf dieser
Doppel-CD) und plant ein neues Album. Demnächst ein ausführliches Interview.
EXTRABREIT-Fans
sollten auch mal einen Blick auf diese Webseite werfen:
www.projectgenesis.de. (H.H.)
EXTRABREIT – Amen (CD 30.03.1998)
(Hansa/BMG)
„Zwanzig
Jahre sind genug“, sagten die Jungs von EXTRABREIT und machten ihre Drohung
tatsächlich wahr: „Amen“ ist das letzte Album und bietet, wie schon seit
Ende der Neuen Deutschen Welle“ eine Berg und Talfahrt an Songs. Es gibt
echt gute Songs, wie zum Beispiel „Nichts kann mich stoppen“, die Single
„Verdammter roter Mond“ oder auch „Augen zu“, aber auf der anderen Seite
gibt es auch einige langweilige Stücke wie etwa „Raus aus meinem Kopf“.
Nachdem sie bei ihrem letzten Album etwas punkiger gegeben haben, haben sie
hier wieder mehr ihre Rock-Attitüden aus der Pre-NDW-Zeit angenommen, die
mitunter zwar tolle Ergebnisse bringt, mitunter aber auch ein bisschen
schrecklich Deutschrockmäßig daherkommen. Die Abschiedstour war noch mal
richtig gut, doch leider hatten wir in Hamburg Pech. An dem Abend, an dem
EXTRABREIT in der „Großen Freiheit 36“ waren dort zwei Veranstaltungen:
Einmal EXTRABREIT und danach die Grand Prix-Fete zum Auftritt von Guildo
Horn. Das Konzert der Band begann um 20 Uhr und endete bereits um 21 Uhr,
damit um 21:15 Uhr die Grand Prix-Fete anfangen konnte. Das war etwas
unbefriedigend als Abschiedskonzert und kein Gefallen für die Hamburger. Da
EXTRABREIT live immer sehr gut waren, würde ich mir zum Abschluss noch eine
Live-CD wünschen mit allen Hits. (H.H.)
EXTRABREIT - DAS INTERVIEW ZUM
ENDE
EXTRABREIT. 20 Jahre sind Kai Hawaii und Stefan
Kleinkrieg anscheinend genug und so haben sie und ihre vertraglich gebundenen Mitmusiker
noch eine letzte CD eingespielt und gingen auf eine letzte Tour und begruben dann
daraufhin die Band. Hier ist das Interview zum Ende:
BACK AGAIN - Erste Frage in diesem Fall gilt
natürlich der Auflösung. Ist das ein Marketing-Gag, wie ihn schon tausend andere Bands
vorher durchgezogen haben?
(Kai Hawaii schlägt die Hände über dem Kopf
zusammen)
BACK AGAIN - Ich sehe, das ist wohl die falsche
Frage.
KAI - Ich wäre versucht, jetzt einmal
"Ja" zu sagen, weil ich es sonst immer bestritten habe. Nee, also wirklich
nicht. Es ist gerade der richtige Moment zu gehen. Jetzt ist es grade noch schön, man
kann also mit Stil noch eine Runde drehen und man kann sich dann endlich mal von der Jacke
befreien. Es ist also ganz gut, das jetzt abzuschliessen.
BACK AGAIN - Es ist also nicht so, daß Ihr
nächstes Jahr mit neuer LP wieder ankommt?
KAI - Nein, ganz sicher nicht. Das ist
versprochen.
BACK AGAIN - Sind das nur "Wenn es am
schönsten ist hört man auf"-Gründe, oder steckt da noch was anderes hinter?
KAI - Sagen wir mal so, es ist ganz einfach ein
guter Zeitpunkt. Es hat sich einfach so ergeben, war auch nicht geplant. Diese
Atmosphäre, die wir hatten, als wir das letzte Mal im Studio waren, haben wir
festgestellt, daß die ganze Thematik, über die wir uns unterhalten haben, viel zu tun
hat mit Bilanz ziehen, Abschied, Umbruch, es geht weiter, es ändert sich was. Man muß ja
nun auch nicht immer zu sentimental an irgendwelchen Dingen hängen. Es ist halt keine
Katastrophe, sondern halt so´n Moment, in dem man mit einem lachenden und einem weinenden
Auge gehen kann.
BACK AGAIN - 20 Jahre EXTRABREIT. Zieht Ihr
Bilanz? Was war in den letzten 20 Jahren das beste an der ganzen Geschichte?
STEFAN - Ja, das ist jetzt soviel, daß man das
hier gar nicht sagen kann. Es gab unheimlich tolle Sachen, es gab Sachen, die waren
einfach Scheisse. Das beste oder das schlechteste daraus rauszuziehen, daß würde das
Interview hier wohl etwas toppen.
BACK AGAIN - Gibt es nichts, was als absolut
bestes hängengeblieben ist?
STEFAN - Na ja, das beste waren wohl die
sogenannten Großkampftage 1982, 1983, wo der ganze Plan aufging.
KAI - Die Naivität, diese Bewegung, die da drin
war, die Dynamik, die das ganze erreicht hat.
STEFAN - Der Rummel, die Leute.
KAI - Aber natürlich schon noch einiges danach,
also speziell die Momente, die dann kamen, nachdem ja einige Jahre nicht so viel gelaufen
ist. Und wie es dann wieder losging und "Flieger" das erste Mal als Single
rauskam und in den Top 20 war. Und sicherlich auch 1993, das Rote Rosen-Jahr, das
sicherlich auch sehr schön war. Das ist dann ja auch das, wo man sagt "Okay, es ist
viel passiert und es reicht auch", jedenfalls was Extrabreit betrifft. Auch daher,
weil es auch so eine Achterbahnfahrt war. Also, langweilig war es nicht.
BACK AGAIN - Ihr habt während der Hochzeit der
Neuen Deutschen Welle begonnen. Was verbindet Ihr heute noch mit dieser Zeit? Ganz
besonders meine ich die Atmosphäre, wie z.B. im Film "Kalt wie Eis", in dem man
Euch ja auch sieht.
KAI - Ja, die Jahre schienen endlos lang. Wenn ich
so überlege, was 80-82 alles passiert ist, was das für Umstände waren, in denen man da
gelebt hat, dann kann man gar nicht glauben, daß es nur zwei, drei Jahre waren. Weil
alles so vollgepackt war.
STEFAN - Man hat angefangen in irgendeiner Garage
und dann ging das halt auf. Träume wurden wahr.
KAI - So wie es losging, war es irgendwie wie bei
einer Liebe. Diese komplette Verliebtheit in alles und jedes Detail, die komplette
Naivität, das ist schon irgendwie was spezielles.
BACK AGAIN - Habt Ihr noch Kontakt mit
irgendwelchen Bands von damals?
STEFAN - Wir haben noch Kontakt zu alten
Mitgliedern der Band von Extrabreit.
KAI - Die Spliffer, jedenfalls einen von denen.
Der Michael Kemmler von Fehlfarben läuft einem öfter mal über den Weg. Soweit ich weiß
hat er keine Band mehr. Das sind so die letzten von 510. Allerdings ist einer wieder
auferstanden und hat wieder was neues gemacht und zwar Frank Z.
BACK AGAIN - Mit Abwärts?
KAI - Nein, alleine als Frank Z.
BACK AGAIN - Hagen. Nena.
STEFAN - Die kommt auch aus Hagen. Nena kennen wir
zwar, aber ob wir echten Kontakt miteinander haben? Weiß nicht. Man sieht sie ja ab und
zu mal im Fernsehen. Den Carlo Karges sehe ich noch hin und wieder.
BACK AGAIN - Und in Hagen macht Ihr Euer
Abschiedskonzert.
STEFAN - Ja, etwa hundert Meter Luftlinie von dem
Ort, an dem alles angefangen hat. Damit sich der Kreis schließt.
BACK AGAIN - Habt Ihr da was geplant?
STEFAN - Wir wollen ehemalige Kampfgefährten
einladen...
BACK AGAIN - Marianne Rosenberg?
STEFAN - Ich glaub, so weit wird´s nicht gehen.
Wir werden sie zwar anschreiben, aber...
BACK AGAIN - Noch mehr Rückblick. Was mögt
Ihr heute von Euren Liedern selbst noch am liebsten?
KAI - Na ja, also der wichtigste Song den
Extrabreit wohl gemacht hat, ist wohl "Polizisten".
STEFAN - "Junge, wir können so heiß
sein" mit der genialen Textzeile "Und so hockst du lebenslänglich in deiner
neuen Zeit".
BACK AGAIN - So, und Ihr macht jetzt also
richtig Schluß. Nicht nur mit Extrabreit, sondern...
STEFAN - ...mit dem Leben.
KAI - Wenn wir es hinkriegen lassen wir uns auf
unserem Abschiedskonzert fünf gefüllte Badewannen auf die Bühne bringen, dann legen wir
uns da rein und dann wird uns jedem ein Föhn gereicht.
STEFAN - Ich glaube, daß unsere jetzigen
Mitmusiker da nicht mitmachen.
KAI - Wie? Das steht aber doch im Vertrag.
BACK AGAIN - Heißt das, daß Ihr keine Musik
mehr macht?
STEFAN - Doch, wir werden weiter Musik machen. Wir
springen jetzt einfach in den luftleeren Raum und fangen nochmal von vorne an. Ob das nun
klappt, weiß man natürlich nicht. Nur diese Zwangsjacke "Hurra hurra die Schule
brennt" und alles, was damit zusammenhängt, das wurde uns in letzter Zeit zu eng.
BACK AGAIN - Damit könnt Ihr Euch nicht mehr
identifizieren?
KAI - Nein, so kann man das nun auch nicht sagen,
das Lied hat für sich selbst ja auch seine Berechtigung. Obwohl es oftmals die erste oder
sogar die einzige Assoziation bei Leuten ist, wenn sie Extrabreit hören. So was passiert
natürlich. Es ist nicht so, daß ich dem Song böse bin, aber ich kann mir auch ein Leben
vorstellen, wo ich das nicht mehr live spiele.
STEFAN - Das ist halt einer unserer Meilensteine.
KAI - Das ist für Leute, die schon am Tresen
festgewachsen sind.
BACK AGAIN - Ihr spielt ja gerne mit
schillernden Schlagerstars zusammen. Zur Zeit ist ja Guildo Horn in aller Munde.
KAI - Nee, der Mann ist uns zu übermächtig. Der
kriegt demnächst eine eigene Talkshow, da steht man einfach zu sehr im Schatten, das
möchte ich nicht riskieren. Wir nehmen da gerne Leute, die neben uns ein bißchen blaß
wirken.
BACK AGAIN - Harald Juhnke?
STEFAN - Nö, das war eine ganz ehrliche und
interessante Zusammenarbeit. Wir haben ihn genommen, als er gerade mal gesund war
KAI - Er war zwischendurch mal krank, dann wieder
gesund, das war so, wie auch bei uns oft.
BACK AGAIN - Ist die letzte Tour nicht auch
irgendwo traurig?
STEFAN - Das ist sehr bitter.
KAI - Ich neige nicht zu übertriebenen
Sentimentalitäten. Doch beim letzten Konzert wird es sicherlich ganz komisch.
STEFAN - Wenn dann das letzte Lied verklungen
ist...
KAI - ...werden wir die eine oder andere Träne
wegdrücken.
STEFAN - Tja, zwanzig Jahre ist halt ein halbes
Leben.
KAI - Na ja, das wollen wir ja nun nicht hoffen.
Ein Viertel wenigstens.
BACK AGAIN - Ja gut, dann wünsch ich Euch alles
Gute.
Abschliessend bleibt noch zu sagen, daß auf dem
letzten Album "Amen" noch ein großer Song geboren wurde: "Nichts kann mich
stoppen", inzwischen ein Klassiker auf meinen Autofahrcassetten (das größte Lob,
das ich vergeben kann). Ebenfalls bleibt noch zu erwähnen, daß das Abschiedskonzert in
Hamburg sehr genial war, der Sound war fett wie gewohnt nur leider spielten die Breiten
nicht besonders lange, da Grand Prix-Tag war und das Grünspan von Guildo-Fans gestürmt
wurde. Nun denn, warten wir es also ab, ob die Band wirklich niemals mehr wiederkommt,
oder ob das Leben doch nicht ohne die brennende Schule geht. Immerhin gibt es ja Bands,
die schon jahrelang damit drohen, nach der jeweiligen Tour sich aufzulösen, bestes
Beispiel dafür ist wohl The Cure. Nun denn, die Welt ist gut, die Welt ist schlecht, ich
seh mehr als ich begreifen kann...
(H.H.)
Zur Abwechslung drucken wir noch einmal eine
nicht selbstgeschriebene History zum Abschluß von EXTRABREIT. Ich fand das sehr
interessant und denke, daß es andere vielleicht auch interessant finden. Geklaut
übrigens aus dem Promo-Info zur CD Amen"
EXTRABREIT - 20 JAHRE
SIND GENUG!!
Die Geschichte
1978: Irgendwann im Herbst dieses Jahres hebt
Stefan Klein(später Kleinkrieg" die Band aus der Taufe. Der Name stammt von
einem kapitalen Edding-Filzstift, auf dem sich der sinnige Slogan Kappe abschrauben
- nachfüllbar - extrabreit" befindet. Die Band singt deutsch- damals nich eher die
Ausnahme undhat zu Beginn einen Sänger namens Horst-Werner Wiegand, mit dem man
beim Umsonst und draußen"-Festival in Vlotho und im Vorprogramm von
Clownpower"-Jango Edwards erste Beachtung findet.
1979: Sänger Wiegand steigt aus persönlichen
Gründen aus und Kai Schlasse (kurz darauf Havaii") kommt zur Band wie die
Jungfrau zum Kind. Der Grafiker und Cartoonzeichner lebt mit Jörg A. Hoppe (heute Chef
der TV-Produktionsfirma MME"), der gerade beginnt, so etwas wie eine
Manager-Rolle zu spielen, in einer WG und läßt sich überreden, für seinen Kumpel
Wiegand einzuspringen. Es folgen Auftritte in der Heimatstadt Hagen und Umgebung. Der
Publikumsandrang sprengt bereits manchmal den Rahmen der Lokalität und zum Jahreswechsel
organisiert man eine wüste Silvesterveranstaltung unter dem Mottot Extrabreit in
die 80er".
1980: Das Repertoire wächst. Kleinkrieg und
Havaii haben ihren Stil als Songwriter gefunden, auf Vermittlung des damaligen
Ramblers"-Sängers Hartwig Masuch (heute Geschäftsführer der
BMG-Ufa-Musikverlage), der auch als Produzent fungiert, erscheint die erste Single
Hart wie Marmelade" am 14.4.1980 (Kais Geburtstag) bei Metronome".
Die Reaktionen sind so gut, daß Metronome" sich entschließt, ein Album
herauszubringen. Im Spätsommer 1980 erscheint dieses Debut unter dem dreisten Titel
Ihre größten Erfolge". Sie sollen es werden. Kurz nach"Ideal" und
etwa zeitgleich mit den Fehlfarben" gehört Extrabreit zu den Initiatoren einer
Bewegung, die später unter dem Begriff Neue Deutsche Welle" bekannt wird und
ein neues Kapitel in der Geschichte der deutschen Populärmusik einläutet.
1981: Die Verkaufszahlen sind astronomisch, aber
ermutigend, eine Autogrammstunde in einem Kaufhaus führt zu einer Massenplünderung der
Plattenabteilung, Havaii (voc.), Kleinkrieg (git.), Hunter (bs.), Uli Ruhwedel (git.) und
Rolf Möller (dr.) werden langsam Popstars. Das 2. Album Welche ein Land - Was für
Männer!" bietet verblüffende 3-D-Optik und ziemlich politische, bisweilen düstere
Songs. Polizisten" wird der 1. it der Hagener. Extrabreit sind auch live
all over Germany".
1982: Es geht Schlag auf Schlag. Hurra
Hurra, die Schule brennt" geht in die Top Ten und im April folgt die legendäre
Package-Tour mit Spliff" und Interzone" durch die größten Hallen
der Republik. Mehrere Bravo"-Titel runden das Bild ab. In diesem Jahr ist
Extrabreit mit zwei Alben in den Top 5 die bei weitem erfolgreichste deutsche Band. Das 3.
Album Rückkehr der fantastischen Fünf" enthält das erste von drei Duetten
mit deutschen Megastars, das Duo Infernal" mit Marianne Rosenberg und kröhnt
dieses erfolgreiche Jahr.
1983: Umbruch überall: Die Nation hat einen
NDW-Kater, in Bonn ist eine neue, konservative Ära angebrochen und Extrabreit´s
Deutschland-Tournee bietet zwar eine spektakuläre Show (u.a. zwei Videoleinwände, von
denen herab Tagesschau-Sprecher Veigel die Konzerte ankündigt), aber die Besucherzahlen
bleiben hinter den Erwartungen zurück. Das Flaggschiff Extrabreit gerät in schwere See.
Zwei gehen über Bord und die Herren Havaii, Kleinkrieg und Hunter nehmen in London die
ambitionierte Platte Europa" auf, die erstmals englische Titel enthält.
1984: Das 5. Album LP der Woche" ist
das letzte für Metronome". Es wird produziert von Manne Praeker (Nina
Hagen Band" und Spliff") und beschert trotz schöner Songs wie
Ruhm" leider keinen größeren Hit. Die Zeit von Extrabreit scheint erstmal
abgelaufen. Man beginnt, getrennte Wege zu gehen, Kleinkrieg veröffentlicht das Soloalbum
Nur für Jungs".
1986/87: Nach mehr als zwei Jahren trifft man
sich wieder und nimmt für Phonogram ein ehrgeiziges Projekt in Angriff Sex After 3
Years In A Submarine" ist ein ausgefeiltes, englischsprachiges Album (gemischt vom
Queen"-Produzenten Mack), das auch heute noch erstaut, aber dem nur wenig
Erfolg beschieden ist. Nach dieser Enttäuschung zieht sich Havaii ins Privatleben
zurück. Kleinkrieg bringt seine 2. Soloscheibe unter dem Namen Mona Liza
Overdrive" heraus.
1990: Unerwartet beginnt ein neues Kapitel der
Bandgeschichte: Die Breiten geben dem Drängen einiger Konzertveranstalter nach und sagen
einige Auftritte zu, für die die klassische" Besetzung mit Hunter, Ruhwedel
und Möller wieder zusammenfindet. Gleichzeitig veröffentlicht Metronome ein Best
Of"-Album. Das als Single wiederveröffentlichte Flieger, grüß mir die
Sonne" wird einer der Hits des Jahres und aus den anfangs geplanten paar
Konzerten" werden am Ende über 80. Zum ersten Auftritt seit Jahren strömten in
Hannover über 4.000 Fans.
1993: Nach dem eher mittelprächtigen Album
Wer böses denkt, soll endlich schweigen" gelingt in diesem Jahr wieder ein
großer Hit: Für mich soll´s rote Rosen regnen" mit Hildegard Knef aus dem
Album Hotel Monopol".
1996: Auf dem Album Jeden Tag - jede
Nacht" bringen Extrabreit den letzten Teil ihrer Duettrilogie Nichts ist für
immer" mit Harald Juhnke. Kai Havaii absolviert unzählige Talkshows und beantwortet
geduldig alle Fragen zu seinen zeitweiligen Drogenproblemen. Trouneen im April und
Dezember.
1997: Während der Arbeit am 10. Studioalbum
sehen sich Havaii und Kleinkrieg tief in die Augen und beschließen aus dem Gefühl
heraus", das Buch Extrabreit 1998 zu schließen. Folgerichtig heißt das aktuelle
Werk Amen". Die Band verläßt also nach 20 Jahren die Arena und wird sich das
ganze Jahr hindurch mit etlichen Konzerten von ihren Fans verabschieden.
Und
nun noch ein Interview zum Erscheinen der CD "Jeden Tag - Jede Nacht".
Hier ist jetzt ein Interview mit
der Gruppe EXTRABREIT, anwesend sind Kai Hawaii, Stefan Kleinkrieg, Jango und Steve aus
dem Maschinenraum.
? Vielleicht die wichtigste
Frage zuerst, warum gibt es EXTRABREIT noch?
Kai: Das fragen sich viele, das
liegt vielleicht daran, daß wir noch leben. Wir haben uns alle Mühe, es irgendwie
vorzeitig zu beenden. Nee, wir haben ja auch immer wieder Ruhe gegeben und sind in Deckung
gegangen, aber letztenendes juckt es einen doch immer wieder. Vor einem halben Jahr haben
Stefan und ich uns zusammengesetzt und haben uns unsere Solosachen vorgespielt und
festgestellt, daß das doch irgendwie alles Scheisse ist und dann haben wir uns gesagt,
daß wir das doch besser zusammen machen.
Jango: Ja, dann wird´s noch
größere Scheisse.
Kai: Ja, vor allem, wenn man
solche genialen Kreuzberger Dilettanten am Werk hat.
Jango: Systemgegner!
Kai: Ja, richtige
Systemgegner, denn uns fehlt doch ein bißchen die Renitenz, denn die ist mit den Jahren
abgeschliffen und dann haben wir uns halt vampirmäßig mit frischem, renitentem Blut
versorgt.Haben aber doch gleichzeitig unsere langjährige Lebenserfahrung in das Album mit
eingebracht, nicht Stefan?
Stefan: Ja, volles Rohr. Ein
Album, was uns mit Stolz erfüllt.
? Wann erscheint das Album?
Stefan: Im März wird sie
erscheinen. Vorab kommt eine Single raus: "Jeden Tag jede Nacht". Eine Perle des
Schlagerpoppunks.
? Schlagerpoppunk?
Stefan: Ja, irgendwie. In
irgendeine Schublade.. und ähh, also, ich finde das Lied großartig. Ich würde es mir
kaufen, wenn es nicht von mir selber wäre.
? Erzähl doch mal, was noch so in
der Schublade Schlagerpoppunk drin ist.
Stefan: Nicht mehr viel außer
uns.
? Wie sieht denn die neue
Scheibe musikalisch aus?
Stefan: Also, der Titel ist ja
auch programmiert, es ist eine Mischung aus der ersten EXTRABREIT-LP und der zweiten,
also, es gibt durchaus etwas düster angehauchtere Sachen, etwas ernstere und natürlich
auch fürchterlich alberne.
Jango: Insgesamt eine
völlige Reizüberflutung.
Kai: Und das ist das
Problem. Wir hoffen, daß wir das noch beim Mischen rauskriegen. Es sind einfach zu viele
Reize. Alles, was wir machen ist immer so plakativ und da haben wir oft das Problem, daß
es dann oft manchmal etwas zu plakativ wird, das merken wir selbst.
? Kannst Du vielleicht mal einen
Song von Eurem neuen Album nehmen und uns mal beschreiben, was plakativ heißt?
Kai: Plakativ heißt für mich,
Songstrukturen zu haben, die wirklich so sind, wie man sie eigentlich schon nicht mehr so
macht. Nämlich Alpha Beta Refrain, Solo, Alpha Beta Refrain. Sicher auch von den Themen
her, wir verarbeiten immer mal Sachen, wie wir es immer gemacht haben, die den einen oder
anderen von uns mal berühren. Wie es z.B. bei "Jeden Tag jede Nacht" eine sehr
spätpubertäre, unglückliche Liebesaffäre ist, oder bei "Heroin" um ernstere
Dinge geht, wo denn auch ein bißchen Wut und Zynismus aufkommt.
? Und selbstverarbeitete
Erfahrung vielleicht auch?
Kai: Ja, natürlich sind das
auch sebstverarbeitete Erfahrungen. Wer uns kennt, den einen oder anderen, es ist ja nicht
immer nur die Band, läuft ja nicht immer auf der gleichen Kurbelwelle, deshalb gab es
dann auch irgendwie immer Leute, die gingen und die dazukamen. Das ist halt die Zelle,
Stefan und ich schreiben die Songs und wenn ich ein Song über Heroin mache, dann weiß
ich natürlich schon, wovon ich red, da ich drei Jahre lang mehr oder weniger Spaß damit
hatte.
? Mit Eurer neuen Single könntet
Ihr, um es mal vorsichtig auszudrücken, das Tote Hosen-Publikum ansprechen. Wie wichtig
war und ist Punk für Euch als Musiker?
Kai: Na gut, was oft vergessen
wird, wenn wir Sachen machen, ist die Tatsache, daß wir 79/80 angefangen haben sowas
überhaupt in der Art zu machen, also vor den Ärzten und vor den Toten Hosen, das muß
ich wirklich mal betonen, daß sich da die Kollegen wohl mehr inspiriert fühlen können
von uns als umgekehrt und wenn wir jetzt auf solche Sachen zurückgreifen, sehe da einfach
die Nuancen mehr. Für mich klingt das nicht wie Tote Hosen, es ist einfach eine andere
Musik, für mich, wobei du natürlich sagen kannst, es ist irgendwie
Straight-Forward-Gitarren-Musik, aber ich glaube, EXTRABREIT ist schon eine eigene
Schublade. Natürlich fühlen wir uns den Toten Hosen oder den Ärzten mehr verbunden als
zum Beispiel Grönemeyer.
? Die Ärzte werden im neuen
Song ja auch namentlich erwähnt.
Kai: Ja das haben wir gemacht,
weil wir den Kollegen auch mal Tribut zollen wollten, also, den mangelt es zur Zeit an
Anerkennung. Ich hab mich auch mit Bela um eine Frau gestritten, also der Mann ist echt
unmöglich, der fickt alles, was nicht schnell genug auf die Bäume kommt. Und immer wenn
ich romantisch werde, steht der da immer schon im Weg und deshalb konnte ich mir das nicht
verkneifen.
? Der andere Song auf der
Maxi-CD "Kalter Fisch", ist das ein Stück für oder über alle Arschlöcher auf
der Welt oder ist das mehr etwas persönlicheres?
Kai: Das ist wirklich mehr
gesamtpolitisch zu sehen, es handelt von Menschen, die so richtig abgetrennt sind von der
Welt und an nichts anderes Denken als an die Anpassung und an das Fortkommen, also an all
diese Äußerlichkeiten dieser Welt so furchtbar verhaftet sind und einfach nicht mehr so
in der Lage, also der Mann war ja auch schon als Kind schon am Ende und auch solche Leute
gibt es. Meine Freundin Sylvie sagt, das Lied sei so verächtlich. Eigentlich bin ich kein
verächtlicher Mensch, ich habe normalerweise Respekt vor Leuten, auch wenn ich sie
Scheisse finde...
Jango: Worum geht es denn
gerade?
Kai: Um "Kalter
Fisch". Aber es gibt Momente, da kann ich es mir nicht verkneifen. Scientology war
auch so eine Inspiration, weil ich hab da son eine Talkshow gesehen mit Erich Böhme, Talk
im Turm, wo ein paar von den Brüdern saßen, die auf eine heuchlerische Art versucht
haben, das, was die so tun, also es geht um reinen Profit und Machtzuwachs, mit etwas zu
verschleiern, was man Gemeinschaft nennt oder Religion. Das ist halt sehr unappetitlich.
? Ihr sprecht gerade aber sehr
ernste Sachen und habt die auch musikalisch verarbeitet. Ist es das, was die Leute von
EXTRABREIT wollen? Oder wollen sie mehr diese Spaßgeschichte?
Jango: Scheissegal.
Kai: Ja, ich weiß nicht,
was die Leute wollen, speziell 1996, wenn die CD rauskommt, das kann ich ehrlich gesagt
nicht beurteilen. Wir können wirklich nur das machen, was wirklich in uns drin ist, also
auf der einen Seite ´ne Menge Scheiss und Spaß und Abfeiern, ohne groß zu fragen, ob
das politisch korrekt ist. Aber auf der anderen Seite sind wir auch letztendes, auch wenn
wir uns noch so bemühen, es nicht zu sein, Leute, die... ja, hin und wieder macht man
sich halt Gedanken, grade, wenn es etwas dunkler wird abend im Tourbus und dann redet man
halt über andere Sachen, das gehört halt dazu.
Jango: Und dann wird der
Adventskalender angesteckt und dann geht es auch um ganz andere Themen. Mehr- und
Minderheiten, Anerkennung, Ehre vielleicht, das sind Themen, aber da will kein Mensch
drüber reden. Es geht ja auch darum, sich mitzuteilen irgendwie.
Kai: Ja, es geht auch darum,
Nähe zu haben zu den Leuten.
? Die CD kommt glaube ich im März.
Ist dann auch eine Tour geplant?
Stefan: Im April werden wir ca.
20-25 Gigs machen.
? Es ist ja anzunehmen, daß die
Leute auch nach den alten Stücken schreien werden. Spielt Ihr die dann auch?
Stefan: Ja, unbedingt. Wir
spielen einen bunten Querschnitt aus unserem wunderbaren Melodienreigen, den wir in den
Jahren angesammelt haben. Mittlerweile können wir aus einem Fundus von neun LPs
schöpfen, wobei wir natürlich die deutschen Sachen machen. Natürlich ist es am Tollste
für eine Band, die neuesten Sachen zu spielen, speziell jetzt hier, wo die Hälfte der
Band Neuzugänge sind. Aber es wird ein EXTRABREIT-Konzert, die Leute werden schon auf
ihre Kosten kommen.
Kai: Aber es ist auch immer
so gewesen auf den Touren, dann taucht auf einmal wieder so ein Stück aus der
Vergangenheit auf, das man ein paar Jahre vielleicht gar nicht gerne gespielt hat und auf
einmal hat man wieder ein ganz anderes Feeling dazu und sagt "Man, das war ja richtig
gut".
? Was wird es diesmal sein?
Kai: Das weiß ich ja noch
nicht, dazu müssen wir ja erst auf Tour. Aber wie war das letztes Mal?
Stefan:
"Kleptomanie" hatten wir lange schon nicht mehr gespielt und dann schrien die
Leute danach und wir waren nicht präpariert und dann haben wir es am nächsten Abend beim
Soundcheck geprobt. Sowas passiert wahrscheinlich öfters mal. Natürlich werden die Leute
zu einem Konzert gehen mit einer gewissen Erwartung, diesen oder jenen Song zu hören und
sollen sie auch! Es macht uns ja auch Spaß zu spielen.
? Was ist denn mit den
Neuzugängen? Inwiefern heißt es denn, das ist noch EXTRABREIT. Speziell von den neuen
Leuten, was fließt da an anderen Einflüssen mit hinein?
Stefan: Wenn das Album fertig
wirst, wirst Du das schon hören, der Stil wird schon anders.
Kai: Ja, früher war es
vielleicht irgendwie zackiger, heute finde ich es irgendwie gefühlvoller. Fällt mir so
als erstes ein.
? War es früher spontaner,
improvisierter?
Kai: Nee, eher im Gegenteil.
Stefan: Also heute sind wir,
speziell in der Studiosituation, mehr zu einer Liveband geworden. Wir spielen alles live
ein. Früher haben wir oft erst der mit dem und dann der nächste, diesmal haben wir
grundsätzlich, bis auf eine Nummer, zusammengespielt
? In den vergangenen Jahren hat man
von Euch ja relativ wenig gehört, was habt Ihr gemacht? Ihr habt Soloprojekte
angesprochen. Ist da mal was veröffentlicht worden?
Stefan: Nee, ist nichts
veröffentlicht worden. Seitdem wir das Knef-Ding da damals gemacht haben, das war glaube
ich 93/93 im Übergang, da haben Kai und ich nur an Solo-Sachen gearbeitet. Da sind wir
sind total eingebrochen.
Kai: Die wir zum Teil jetzt
aber auch wieder zusammengeschmissen haben, weil die so in der Form nicht mehr existieren,
ja, was hab ich gemacht, ich bin halt umgezogen, hab irgendwie privat ein paar Stürme
gehabt, ein paar Kurzgeschichten geschrieben und die liegen jetzt in meiner Schublade,
aber nichts, wo wirklich die Öffentlichkeit dran teilgenommen hat und das fand ich ganz
nett.
? Was war mit dieser
Knef-Geschichte. Hat Euch das Publikum gebracht oder hat Euch das eher geschadet?
Stefan: Eigentlich haben das
eher Leute gekauft, die mit EXTRABREIT weniger zu tun haben, das Gros würde ich sagen,
denn in dem Verhältnis zu den Single-Verkäufen lagen die LP-Verkäufe weit dahinter
zurück. Wir fanden das ganz lustig, diese ganze Sache mit ihr zusammen zu machen. Wir
fanden auch den Song ganz gut, sonst hätten wir das ja nicht gemacht, aber wie das dann
hinterher von der Plattenfirma vermarktet wurde, war nicht so ganz in unserem Interesse,
das ging halt nur noch auf dieser Schiene. Unser Interesse war damals die LP und die ging
völlig baden.
? Du sagtest vorhin, das neue Album
sei ein Querschnitt aus der ersten und der zweiten Scheibe. Ich weiß nicht, mit welchem
Anspruch Ihr damals gestartet seid, als Eure erste Scheibe rausgekommen ist.
Stefan: Damals war es auf ganz
definitiv unser Liveprogramm, das wir damals als ganz junge Band hatten, damals als
Garagentruppe. Das haben wir aufgenommen und das war dann unsere LP.
Kai: Es gab ein paar
Happenings, LSD-geschwängerte Happenings, aber keiner von uns hatte vorher mal groß in
einer Band gespielt und wir haben halt angefangen zu spielen halt so, wie als wenn man
sagt: Okay, die Ramones oder die Pistols, die können auch nicht so viele Griffe, aber die
könne Platten machen. Ich meine, daß gibt´s ja immer wieder mal. Deutsche Punkbands,
das wird ja auch nicht untergehen, nie mehr. Es wird immer welche geben, die genau in
diesem Genre arbeiten.
Stefan: Es macht ja auch
tierisch Spaß, wenn Du mit vier oder fünf Leuten losmeterst, im wahrsten Sinne des
Wortes: Wenn du dich 3 Minuten auf das Soundsurfbrett stellst und gleich nochmal. Du
kannst es halt immer wieder nochmal spielen und wenn es auf Platte gepresst ist, hat es
für den Konsumenten den Vorteil, daß er es immer wieder erneut auflegen kann, nee
anklicken kann. Das wunderbare Wort "auflegen" gibt es ja nicht mehr. Auch
"umdrehen" gibt es nicht mehr. Insofern hat sich schon was getan: Wir sind jetzt
auf CD!
? Deshalb frage ich. Wieviel von
dieser Spontanität, von diesem Losmetern, das Ihr damals hattet...
Kai: Ja, das haben wir jetzt
ganz speziell wieder gemacht bei dieser Platte. Es wurde alles mit der Band zusammen
eingespielt, ich hab auch sogar im Regieraum live mitgesungen, obwohl das mit dem Mikro
und den Boxen, wo das rausdröhnte keinen vernünftigen Gesangssound gibt, aber wir haben
die meisten Sachen so eingespielt, daß sich alle zusammen irgendwie gegenseitig auf dem
Kopfhörer hatten und dann haben wir halt solange gemacht, bis eben richtig dachten, wir
hätten einen guten Take und der blieb dann auch so stehen, er wurde hier und da noch
etwas ausgebessert und dann bin ich reingegangen und habe nochmal über das amtliche
Neuband gesungen. Und der Rest war mischen.
Steve: Eine ganze Menge der
Musik ist auch erst bei den Takes entstanden. Wenn du die Sachen halt ein paar Mal
gespielt hast, dann sind da ein paar Sachen dazugekommen, die waren vorher einfach nicht
da oder wurden nie so geprobt. Die Hälfte der Songs z.B. waren eigentlich noch nicht so
ganz klar eigentlich, das haben wir erst im Studio eigentlich klar gemacht. Und wenn man
von Mittags bis abends dabei bist, dann kommen da einfach ein paar Sachen dazu, die sind
einfach gut oder nicht so gut und die guten haben wir behalten, die schlechten haben wir
einfach rausgeschmissen.
Kai: Wir haben dann z.B. von
einem Song am Tag 30 Takes gemacht, vielleicht ein bißchen übertrieben, 20-25.
Stefan: Es gab dann halt
Dinge, die im Demo einfach fest waren, die wir versucht haben nachzuspielen, bis wir
gemerkt haben, das liegt der Band gar nicht. Dann hat die Band das halt so umgesetzt, wie
sie es spielen kann.
? Was ist Euer Lieblingslied auf
der neuen Scheibe?
Kai: Oh, die sind ja noch gar
nicht alle drauf. Im Moment ist mein Lieblingslied "Kokain", weil ich das schon
lange nicht mehr gehört habe und weil das gut gemischt ist, aber das ändert sich jeden
Tag.
? Die neue Single klingt ja
frischer, was vielleicht an der Spontanität liegt. Mag es vielleicht auf daran liegen,
daß ihr in den letzten Jahren weniger Erfolg hattet, weil es auch etwas überproduziert
war?
Kai: Ja, wir waren auch nicht
so frisch. Und überproduziert ist vielleicht gar nicht schlecht. Es wurde viel gemacht,
wie: Jetzt machen wir hier noch was und da noch einen Overdub. Und dann haben wir auch was
mit Keyboards gemacht. Diesmal aber haben wir uns gedacht, wir können auf die Lieder
vertrauen, also auf die Lieder an sich. Das muß in sich funktionieren. Das ist auch
zeitgemäßer und macht auch nebenbei bemerkt im Studio mehr Spaß
Jango: Wir haben fast nur
mit Computern gearbeitet. Scheiß auf die Gitarren, scheiß auf den ganzen Mist...
Stefan: Sag mal, wer ist das
denn eigentlich?
Kai: Ich weiß gar nicht,
wer den eingeladen hat?
Stefan: Ist das nicht der
furchtbare Metalgitarrist von Jingo die Gurke?
? Seht Ihr Euch selber eigentlich
eher als Liveband oder eher als eine Band, die im Studio arbeitet?
Stefan: Im Studio. Wir sind
ausgetragene Hifi-Spezialisten (lacht).
Steve: Wir kennen jedes
Knöpchen in den Studios.
Stefan: Also, in dieser
Besetzung kann ich das noch gar nicht sagen, aber wir möchten gerne eine gute Liveband
werden und ich habe beste Hoffnungen, daß das jetzt so sein wird. Wir haben ja bisher nur
im Studio zusammengearbeitet, deshalb ist diese Frage eigentlich...
Kai: Bei der Session für
diese Platte hat sich herausgestellt, daß viele Sachen im Proberaum entstehen, von daher
kennen wir uns schon und wir wissen, daß wir auch live unter Umständen klingen könnten.
Stefan: Aber jeder brennt
auch darauf, live endlich mal wieder ablassen zu können.
Steve: Aber hallo, wenn der
Bassist jetzt hier wäre, würde er mal richtig auf den Tisch klopfen.
? Okay, wir bedanken uns erstmal.
Kai: Alles klar und ich hoffe,
man sieht sich auf der Tour.
(A.P. + H.H.)
EXTRABREIT - Superfett (CD
1996)
(BMG)
Zum 17-jährigen Bandjubiläum hat die Band EXTRABREIT ein Best Of-Album
herausgebracht, wo aber nicht nur die Singles hintereinandergeschnitten wurden, sondern
alle Songs mit moderner Technik und im "superfetten Breitwand-Sond" neu
eingespielt wurden. So etwas ist immer weitaus positiver, als so eine billige Abzock-Best
Of-CD. Trotzdem ist man versucht, hier zu sagen, daß es doch dieses eine Mal besser
anders herum gewesen wäre. Es gibt einige tolle Stücke, wie z.B. "Hurra, hurra, die
Schule brennt", das mit Bläsern aufgepeppt wurde und als zweite Version eines
Klassikers neben dem Original stehen bleiben darf. Etwas enttäuschend sind die
bedrohlichen Tracks wie "Polizisten" oder "Der Präsident ist tot",
die im trockenen 80er-Sound bedeutend mehr Atmosphäre haben. Gleiches gilt für
"Kleptomanie". Weiterhin gibt es zu hören eine superschnelle Punkversion von
"Annemarie" und eine schnelle Version von "3-D". Insgesamt sind 17
Songs neu aufgenommen worden. Die Stücke neueren Datums, wie z.B. "Jeden Tag, jede
Nacht" oder "Nichts ist für immer" (mit Harald Juhnke) haben demgegenüber
kaum eine Veränderung hinnehmen müssen, vielmehr haben sich alle anderen Stücke dem
aktuellen Stil angenähert. Alles in allem ein Album, das weniger hält, als ich mir davon
versprochen habe. Wie gesagt, ein reines Best Of-Album oder vielleicht ein echtes
Live-Album neueren Datums oder gar eine Compilation älterer Live-Aufnahmen, Maxisingles
und B-Seiten wäre ein echter Knaller gewesen. (H.H.)
EXTRABREIT Welch ein
Land, was für Männer (LP 1981)
(Metronome)
Eines muß man gleich vorweg sagen: Bei diesem
Album handelt es sich um eines der besten Alben, die während der Zeit der Neuen Deutschen
Welle veröffentlicht wurden und auch heute noch zählt es bei mir zu den Top 50 der
wichtigsten Alben aller Zeiten. Alleine schon der Klassiker "Polizisten", der
damals von vielen Radiostationen boykottiert wurde, obwohl es ja gar nicht wirklich gegen
Polizisten gerichtet ist, ist unvergessen und spiegelt den Sound und das Feeling der
damaligen Zeit gut wieder. Auch der Track "Der Präsident ist tot" ist ein
wahres Meisterwerk und "Allegro für Annemarie" war 1981 der Inbegriff der
Schlüpfrigkeit. Nicht zuletzt beschrieb die Hauptzeile aus "3-D" das
Lebensgefühl Anfang der 80er: "Die Welt ist gut, die Welt ist schlecht, ich seh mehr
als ich begreifen kann". Dementsprechend war auch das Cover in 3-D gehalten und eine
entsprechende Blau-Rot-Brille war beigefügt. (H.H.) |