BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

CHRISTIANA – Final Church (12“ 1982)

(Rip Off)

Bei CHRISTIANA handelt es sich um niemand anderen, als Christiane Felscherinow, besser bekannt als Christiane F. Das Buch und/oder den Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wird wohl fast jeder kennen, der in den 80er Jahren aufgewachsen ist. Dass Christiane auch musikalisch aktiv war, ist hingegen weniger bekannt, was allerdings kein Wunder ist, denn sie hat alles andere als eingängige Popmusik gemacht, sondern eher avantgardistische Klänge produziert. Das wiederum liegt nahe, wenn man sich ansieht, mit welchen Musikern sie hier zusammen gearbeitet hat. Dabei sind Namen wie FM Einheit und Alexander von Borsig (Einstürzende Neubauten), der auch nicht unbekannte Produzent Jon Caffery und die meist unterbewertete früh-NDW-Ikone Mona Mur, dazu noch einige weitere, deren Namen mir allerdings spontan nichts sagen. Nun ja, viele werden sagen, dass es logisch war, dass so ein Junkie wie Christiane musikalisch in die Punk/Wave/NDW Ecke „abgleiten“ musste, aber ich denke, das hatte auch einfach mit dem damaligen Zeitgeist zu tun, der auch eine gewisse Antihaltung gegen die gängigen Erwartungen beinhaltete.

Der Titeltrack „Süchtig“ ist einerseits durchaus eingängig und tanzbar, hat aber viele Effekte und schräge Momente, so dass ein kommerzieller Erfolg von Anfang an unwahrscheinlich war. Trotzdem ist der Titel ein Ohrwurm. Ähnliches gilt für den „Hhealth Dub“-Mix, nur dass dieser noch schräger ist. Die Basslinie erinnert gelegentlich ein wenig an „I´m A Cult Hero“ von den Cult Heros (Cure Nebenprojekt Ende der 70er Jahre). Nicht nur deswegen kann man sich schon wieder streiten, ob diese Platte nun New Wave oder NDW ist, genau wie bei den Neubauten.

Der zweite Titel heißt „Spinnen“, bei dem die Neubauten-Einflüsse übermächtig sind, das hätte auch Blixa Bargeld schreien können.

Auf dem Cover ist noch ein kurzer Text abgedruckt, in dem Christiane Felscherinow nochmals kurz auf Buch und Film eingeht, wobei sie offensichtlich mit dem Film nicht besonders zufrieden war. Zudem wurde diese Platte erstmalig in den USA veröffentlicht, allerdings nachträglich extrem bearbeitet und mit einem scheußlichen Cover versehen, so dass sie die Platte stoppen ließ und sie in Deutschland in der nun vorliegenden Form neu aufgenommen hat. Gut so, denn auch, wenn Christiane keine große musikalische Karriere vergönnt war, hat sie hiermit doch eine lohnenswerte Platte produziert, die sich in New Wave- und NDW-Sammlungen gut macht und für Neubauten-Fans und –Sammler sowieso unverzichtbar ist. Übrigens hat sie auch an dem Film „Decoder“ mitgearbeitet, ebenso am dazugehörigen Soundtrack. Leider habe ich keine Ahnung, was aus Christiane Felscherinow geworden ist. Kultig ist nebenbei bemerkt der Aufdruck „Super MAX Single“ (tatsächlich ohne „i“ bei „Max“) auf dem Cover. (A.P.)