BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

CAMP SOPHISTO – Songs In Praise Of The Revolution
CAMP SOPHISTO – Camouflage

CAMP SOPHISTO – Songs In Praise Of The Revolution (7“ 1982)

(Pure Freude)

Für unverschämt viel Geld habe ich diese Single gekauft, aber sie ist mir jeden Cent wert, den ich dafür ausgegeben habe, denn obwohl CAMP SOPHISTO bis heute nur recht wenigen Menschen bekannt sein dürften, ist die Platte grandios und für jeden Fan von Peter Hein (Fehlfarben, Mittgaspause, Family 5) potentieller Altarschmuck. Klingt übertrieben? Naja, ich liebe halt Hein´s Texte und seine Art zu singen, zudem ist die Musik auch noch richtig gut. „Obsession“ ist ein treibender Wave-Punk Song mit Hitcharakter, der aber natürlich in Zeiten von Markus, Nena, Hubert Kah und Frl. Menke kein Hit geworden ist. Ist vielleicht auch besser so. Düsterer wird es bei „Beginner´s Guide“ (übrigens sind die Texte trotz der englischen Titel auf Deutsch), das von einer fies schneidenden Gitarre geprägt wird. Das ist eigentlich schon keine Neue Deutsche Welle mehr, aber auch nicht mehr Punk und noch nicht Gothic. Wie auch immer, damals wurde diese Art Musik einfach New Wave genannt und das trifft es dann doch am besten. Also, Augen auf nach dieser Platte und schnell zugegriffen, wenn sie von einem Ahnungslosen auf dem Flohmarkt für ein paar Euro verkauft wird, oder aber viel Geld zu einem Händler bringen... (A.P.)


CAMP SOPHISTO – Camouflage (Mini-LP 1984)

(Sneaky Pete Records)

Die meisten Leute werden das erste Mal auf der „Ghostriders Of German Gothic Vol.2“ CD Compilation von CAMP SOPHISTO gehört haben, auf der der Song „Le Mepris“ erschienen ist. Ansonsten war die Band lange Zeit fast vergessen, nur Sammler von altem deutschen Wave haben viel Geld für die Platte bezahlt, wenn sie denn irgendwo mal aufgetaucht ist. Dennoch sollte man wenigstens den Sänger Peter Hein kennen, denn in Gruppen wie Mittagspause, Family 5 und vor allem Fehlfarben hat er deutsche Musikgeschichte geschrieben (was er selber sicher nicht so sieht und bestimmt nicht so gerne hört).

Wer aber in den Besitz dieser MiniLP kommt, darf sich über ein Kleinod deutschen New Waves freuen. Die A-Seite enthält zwei Versionen des Titelsongs „Camouflage“, der sich fast ein bisschen nach Belfegore anhört. Viel besser ist aber die B-Seite, auf der teilweise auch Deutsch gesungen wird, was sehr hilfreich zum Verstehen der stets guten Texte von Hein ist. „Am Rande Des Abgrunds“ vereint die besten Tugenden von Mittagspause und Fehlfarben, nämlich punkigen New Wave Sound mit kantigen Texten, ebenso wie das folgende „Sensibel“. Danach kommt das schon bekannte „Le Mepris“, ein Song, der deutlich den Bogen zum Gothic spannt. Auch hier klingt es wieder ein bisschen nach den rhythmischen Sachen von Belfegore und manchmal klingt der Gesang fast so, als wenn Genesis P-Orridge einen kleinen Gastauftritt gehabt hätte. Die viel zu kurze Platte endet dann auch schon wieder mit „Herbst ´83“, das ebenfalls allen Fans von Hein´s Stimme und seinen Texten gefallen dürfte. Fast scheint es mir so, als wenn die Ende der 80er Jahre erfolgreiche Hamburger Band Die Erde ein wenig durch diese Scheibe inspiriert worden sein könnte. Damit wurde dann auch schon wieder das Kapitel CAMP SOPHISTO geschlossen, aber durch seine Hauptband Family 5 blieb uns Peter Hein ja (mit Unterbrechungen) bis heute erhalten. Greift zu, wenn Ihr diese Platte irgendwo auftreiben könnt, auch, wenn Euch der preis sicherlich die Tränen in die Augen treiben wird. (A.P.)