BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

Compilation – 17.6.82 SO36 (LP 1982)

(Neue Zeiten)

Das S.O.36 in Berlin genießt einen legendären Ruf als Laden für Punk und „Neue Musik“ Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre. Dort traten Bands wie die Einstürzenden Neubauten, Malaria, P1/E, Soilent Grün und unzählige andere auf. Es gibt sogar den mehr als unterhaltsamen Film „SO WAR DAS S.O. 36 “ auf Video (Besprechung auch auf unseren Seiten), in dem Macher, Bands und Gäste zu Wort und Klang kommen. Aus heutiger Sicht verklärt man den Laden wahrscheinlich ein bisschen, wie es bei Rückschauen fast immer ist, aber dennoch haben alle wichtigen und unwichtigen Bands damals dort gespielt. Zum Beispiel auch die auf diesem LP-Sampler vertretenen, die bis auf wenige Ausnahmen völlig unbekannt blieben. Lediglich LENINGRAD SANDWICH und UNLIMITED SYSTEMS dürften den meisten Leuten ein Begriff sein (spätestens seit der „Godfathers/Ghostriders Of German Gothic“ Sampler Reihe). Namen hingegen wie ALU, DIESE SEITE (LA NOIA), WIRKUNGSGEFÜGE D/E, DREIDIMENSIONAL und RAUSCHENDER BEIFALL sind längst vergessen und ich glaube eigentlich nicht mal, dass das echte Bands waren. Für diese Szene wurde mal der Begriff „Geniale Dilettanten“ geprägt und hier hört man deutlich warum. Die Gruppen sind teilweise völlig amusikalisch und dürften ihre „Songs“ hauptsächlich improvisiert haben. Dennoch hat das Ganze was „geniales“, auch wenn nur die Botschaft rüberkommt, dass jeder ein Musiker sein kann und es nicht wichtig ist, was man macht, sondern nur, DAS man was macht! Es ist schon unglaublich, dass so eine Platte überhaupt veröffentlicht wurde, heute wäre das kaum noch möglich, höchstens ein paar Cassettenlabel in den 80ern und frühen 90ern haben sich so was getraut. Anfang der 80er wurde so eine Platte aber sogar gekauft, und sei es nur, weil man irgendjemanden aus irgendeiner der beteiligten Bands von der Schule kannte. Letztendlich muß man diese Compilation natürlich der NDW zurechnen, für die Leute, die damit aber Nena, Markus, Hubert Kah und Peter Schilling verbinden, oder noch schrecklicher: Frl. Menke, dürfte es sich nur um atonalen Krach handeln. Wer aber offen ist für experimentelles, eigenständiges und schräges, hat hier bestimmt viel Freude. Und selbst, wenn man nur die tollen Wavesongs von LENINGRAD SANDWICH mag, lohnt die Platte allemal. Irgendwie kultig, gerade, weil alles so „genial dilettantisch“ ist. (A.P.)