BACK AGAIN: METAL REVIEWS

10 FOLD B-LOW – Low Tuned Output (CD 28.06.2004)

(Locomotive Music)

Ein Wahnsinns-Debütalbum bringt das Kölner Quintett 10 FOLD B-LOW hier an den Start. „Low Tuned Output“ gehört mit Sicherheit zu den besten CD’s, die in letzter Zeit über das spanische Label Locomotive Music erschienen sind. Ein Fazit, das ich einfach vorwegnehmen muss. Die 2001 gegründete Combo bedient sich hörbar bei vielen Genre-Größen, bewahrt aber dennoch – auf fast unerklärliche Weise – ein notwendiges Maß an Eigenstil. Elemente aus modernem Thrash Metal á la EKTOMORF, SOULFLY und MACHINE HEAD, gepaart mit Nu Metal-Einflüssen welche von SLIPKNOT über KILLSWITCH ENGAGE bis hin zu KORN reichen, Grunts in SIX FEET UNDER-Manier, wechselnd mit Shouts, wie sie genauso gut von Max Cavalera oder Burton C. Bell stammen könnten, fügen sich zu einem Klangbild zusammen, das beinahe ein neues Level der Dynamik und Aggression erreicht. Zugleich lassen es 10 FOLD B-LOW aber auch nicht an ruhigeren Passagen sowie cleanem Gesang vermissen. Abgerundet wird die Reihe ihrer musikalischen Inspirationsquellen übrigens von MUDAVAYNE und MESHUGGAH, gerade durch die offensichtliche Vorliebe für Letztere, gewinnt der Sound noch mehr Progression. Das Album an sich beginnt mit einem sehr düsteren Intro bzw. „Input“ auf elektrischer Basis, welches außerdem maßgeblich zur Einprägung des Bandnamen beiträgt. Absolut hörenswert. Die gut aufgebaute, verstörende Atmosphäre wird jedoch sogleich von mächtig sägenden Riffwalzen niedergemacht. „Break Your Neck“ zeigt dem Hörer von Anfang an, wo es langgeht. Brutal und kompromisslos ertönt der Song durch die Boxen. Erst im Mittelteil wird er in Form eines ruhigen, clean gesungenen Parts mit leicht depressiv/melancholischem Flair aufgelockert. Dies ist allerdings nicht von langer Dauer: Sofort staut Sänger Thomas wieder jegliche Aggressionen zusammen, um dem Track ein glanzvoll-brachiales Ende zu bescheren. „Run“ kommt sehr treibend und mit geradezu rotierenden Gitarren daher. Durch das kurze Aussetzen der 4-Saiter, die von Steffi und Dirk bedient werden, gönnt sich der Song zwischendrin aber immer etwas Luft. „Pain In Progress“ wird wohl für alle Maggots ein wahrer Leckerbissen sein, denn das Stück würde sich perfekt auf dem selbstbetitelten Erstling von SLIPKNOT einfügen. Beinahe exzessive Emotionen kennzeichnen diese Nummer. Wer mit SLIPKNOT vertraut ist, weiß was er zu erwarten hat. „Left Alone“ sorgt erstmals für deutliche Abwechslung. Der Song weist ausgeprägte Nu Metal-Elemente sowie recht einprägsame Hooks auf, die ansonsten leider nur sehr rare gesät sind. Es folgt „Bow Down 2 No 1“, bei dem wieder deftig die Keule ausgepackt wird. Das ist fast Thrash Metal in Reinform, was man hier vor den Latz geknallt kriegt. „Burning“ verschafft dagegen etwas Erholung, jedoch höchstens im Verhältnis zu dem vorangehenden Track gesehen. „Obey“ beweist sich verdammt fortschrittlich und will mich teilweise ein bisschen an KORN erinnern. Vor allem das gut gestrickte Riffing des Songs ist zu loben. „Final Loneliness“ bewegt sich mal wieder auf groovig- und druckvollstem Niveau. „Away“ driftet noch weiter in die Gefilde von KORN ab, als es zuvor „Obey“ tat. Äußerst positiv auf der ganzen Platte fällt der schön differenzierte Bass von Pexxy auf, der auch bei diesem Track sehr gut zur Geltung kommt. Zum Abschluss gibt es mit „Bloodshed“ nochmals ein ordentliches Brett, das dennoch ein paar melodische Einschübe beinhaltet. Ein bedrohliches Outro bzw. „Output“, ähnlich wie das Intro gestaltet, stellt den entgültigen Schluss dieses weit überdurchschnittlichen Albums dar, dessen einziges erwähnenswerte Makel in dem mangelnden Auftreten von vollends intensiven, eingängigen Hooklines besteht. FOLD B-LOW sind unumstritten eine sehr talentierte Gruppe, von der man hoffentlich noch Einiges hören wird. (Daniel Hinrichsmeyer)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden