BACK AGAIN: WAVE / POP

Kevin Cummins - THE SMITHS (Buch)
THE COMPLETE PICTURE

LOUDER THAN BOMBS

RANK
STRANGEWAYS, HERE WE COME

Kevin Cummins – THE SMITHS (Buch 2002)

(Soundtrack – Books About Music  ISBN 3-89602-424-8 )

Muss man über die SMITHS als eine der wichtigsten britischen Bands der 80er Jahre noch etwas schreiben? Vielleicht, dass ohne sie der Brit-Pop heute nicht das wäre, was er darstellt? Dass es die Band mit einem der charismatischsten Sänger überhaupt war? Die Wichtigkeit einer getrennten Band erkennt man immer daran, dass sich die Platten auch Jahre oder Jahrzehnte nach der Trennung noch verkaufen, dass Bücher über sie erscheinen und das es regelmäßig Reunion-Gerüchte gibt, es aber glücklicherweise nie dazu kommt. All das trifft hundertprozentig auf die Engländer zu. Ich hätte beinahe Angst davor, die SMITHS in Originalbesetzung auf der Bühne zu erleben, weil es fast unmöglich ist, dass meine Erwartungen auch nur annähernd erfüllt werden.

Nun ist in Deutschland ein opulenter, großformatiger Bildband mit Fotos von Kevin Cummins erschienen, der die Karriere der Band durch die 80er Jahre begleitet hat und auch in den 90ern Morrissey und Johnny Marr bei ihren jeweiligen Soloarbeiten ablichtete. Es erscheint logisch, dass dieses kongeniale Songwriter-Duo den Hauptteil der Bilder füllt und ich finde es etwas schade, dass die anderen Bandmitglieder dabei etwas kurz kommen. Aber wer kann sich schon gegen die Ausstrahlung eines Morrissey behaupten?

Auf über 100 Seiten gibt es jede Menge wunderschöne, atmosphärische Bilder in Farbe und Schwarz-Weiß auf edlem Papier gedruckt. Dazu gibt es einige Zitate des Sängers, die teilweise richtig schön zynisch sind, eine Einleitung und eine kurze (sehr kurze!) Biographie über die Band. Zu guter letzt findet man noch den Text zu Farin Urlaubs Song „Sumisu“, der zwar die SMITHS erwähnt und auch musikalisch eine Hommage an sie ist, aber letztendlich hier doch fehl am Platze erscheint (wobei ich anmerken möchte, dass ich den Song für einen der Besten halte, die Urlaub in den vergangenen 20 Jahren geschrieben hat!). Erfreulich ist auch der faire Preis von knapp 20 €, den sich nun wirklich (fast) jeder Fan leisten kann. Natürlich wäre ein gebundenes Buch noch edler gewesen, aber man kann nicht alles haben.

Zwei kleine Kritikpunkte gibt es aber doch noch. Zum einen hätte ich gerne mehr Bilder aus der Frühphase der SMITHS gesehen, so von 1983 bis 1985. Zum anderen ist es zwar schön, wenn die Fotos richtig groß sind, aber bei zweiseitigen Fotos, die so angeordnet sind, dass der/die Musiker genau in der Mitte durch den Buchknick geteilt oder kaum zu erkennen sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn, zudem man das Buch auch nicht zu weit aufklappen sollte, da die Seiten dann möglicherweise aus dem Leim gehen. Von diesen Bildern gibt es unter den rund 100 Fotografien aber nur etwa 4 oder 5 Stück, bei denen man dann halt viel Umgebung sieht, aber wenig Inhalt. Das sollte dem entsprechend dann auch niemanden davon abhalten, sich dieses Buch zuzulegen, wenn man die SMITHS mag. Ganz wunderbar! (A.P.)

THE SMITHS – The Complete Picture (Video/DVD 1992/2000)

(Wea)

Daß die SMITHS einige der besten und perfektesten Popsongs aller Zeiten geschrieben haben, steht wohl zweifellos fest und da lasse ich auch keinen Widerspruch zu. Für mich sind die SMITHS größer als die Beatles und ohne diese Band hätte es den ganzen Brit-Pop Hype wahrscheinlich überhaupt nicht gegeben. Schön, dass es eine Art „Best Of“ auch auf Video und DVD gibt. „The Complete Picture“ enthält 11 Videoclips (teilweise TV-Auftritte) und den Kurzfilm „The Queen Is Dead“ vom genialen Regisseur Derek Jarman.

Obwohl die TV-Auftritte eigentlich völlig schlicht sind, die Band spielt einfach vor einem kleinen Publikum, zeigen gerade diese, was die SMITHS ausgemacht hat, nämlich die Fähigkeit, eingängige, aber nicht oberflächliche Ohrwürmer zu schreiben und durch einen charismatischen Frontmann perfekt rüberzubringen. Musik auf den Punkt gebracht. Hier wird gezeigt, dass ein guter Song kein großes Brimborium braucht, um zu überzeugen. Die Videoclips der Gruppe überzeugen ebenfalls durch Schlichtheit und eine Menge Selbstironie, bestes Beispiel hier der grandiose „Ask“-Clip, der ebenfalls von Derek Jarman gemacht wurde. Fast alle großen Hits wie „Panic“, „The Boy With The Thorn In His Side“, „Girlfriend In A Coma“ oder „Sheila Take A Bow“ sind dabei, dazu noch einige andere. Mit 50 Minuten ist die Zusammenstellung eigentlich viel zu kurz, man würde gerne noch viel mehr von den SMITHS sehen, aber die Freude, überhaupt Bildmaterial vorliegen zu haben, ist groß.

Bild- und Tonqualität der DVD von Wea sind einwandfrei, allerdings gibt es leider kein Bonusmaterial. Da hätte man bestimmt noch das eine oder andere Interview mit draufpacken können, oder eine Discographie. Aber auch hier kann man argumentieren, dass die Musik der SMITHS für sich selber spricht. Definitiv eine der besten Musik DVDs bisher. Sollte in jeder Sammlung stehen. (A.P.)


THE SMITHS - Louder Than Bombs (CD 1993)

(Wea)

„Louder Than Bombs“ ist eine der zahlreichen Zusammenstellungen von den Hits der SMITHS, wobei es bei der unendlichen Anzahl genialer Lieder keine definitive Best Of... geben kann. Diese CD wurde meines wissens nach für den ausländischen (nicht britischen) Markt zusammengestellt, hauptsächlich wohl für die Amis und ist in vielen Ländern erschienen, zum Beispiel auch in Portugal etc.
Neben den Hits „Hand In Glove“, „Panic“, „Shoplifters Of The World Unite“, „Ask“ und diversen anderen, befinden sich hier aber auch unbekanntere Songs wie „Golden Lights“, „These Things Take Time“, „Back To The Old House“ oder „Oscillate Wildly“ und erfreulicherweise zwei meiner Lieblings-Songs der Band um Sänger Morrissey und Gitarrist Johnny Marr, nämlich „Unloveable“ und „Asleep“. Insgesamt finden sich 24 Titel auf der CD, die sich für Einsteiger recht gut eignet, auch wenn ein paar der kultigsten Stücke fehlen, zum Beispiel „Some Girls Are Bigger Than Others“. SMITHS-Fanatiker und -Sammler werden natürlich schon alle Stücke haben, alle, die eine der einflußreichsten Gruppen der 80er aber erst noch kennenlernen wollen, dürfen hier zugreifen und sich dann die regulären Platten der Gruppe kaufen. Man bedenke: ohne die SMITHS hätte es wahrscheinlich den heutigen Brit-Pop in dieser Form nicht gegeben! (A.P.)


THE SMITHS - Rank (CD 1988)

(Wea Records)

Sie waren die größten und die besten, ohne sie würde es Gruppen wie Oasis und Blur etc heute gar nicht geben. Nach dem letzten regulären Album "Strangeways, Here We Come" wurde noch dieses einzige offizielle Live-Album der SMITHS veröffentlicht, welches ein Konzert von 1986 enthält und in meinen Augen zu den besten Liveplatten überhaupt gehört. Daß die SMITHS grandiose Songs geschrieben haben und mit Morrissey einen außergewöhnlichen Sänger hatten ist unbestritten, daß sie aber auch eine kraftvolle Liveband waren, dürften nur die wenigsten der jüngeren Hörer noch wissen.

Mit "The Queen Is Dead" beginnt das Konzert gleich mit einem der SMITHS-Oberhämmer. Die Fans bekommen aber auch tolle Popsongs wie "The Boy With The Thorn In His Side", "Bigmouth Strikes Again", "Still Ill", "Panic" oder "Rusholme Ruffians" geboten, außerdem einige weniger bekannte Single-B-Seiten und Album-Tracks und schlußendlich eine tolle Version von "Ask". Was will man da noch mehr? Diese Gruppe war groß und wird es immer sein. (A.P.)


THE SMITHS - Strangeways, Here We Come“ (CD 1987)

(Wea)

„Strangeways, Here We Come“ war das letzte reguläre SMITHS-Album, danach folgte nur nur noch das gelungene „Rank“-Livealbum und dann begann die Zeit der Best of...-Kopplungen. „Strangeways...“ ist mit Sicherheit das musikalisch eingängigste Album der Gruppe, aber dennoch ein typisches Album der SMITHS, nicht nur, was überlange Songtitel angeht. Mit „Girlfriend In A Coma“ und „Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me“ waren zwei hervorragende Singles vertreten, ebenso wie mit dem schnelleren „I Started Something I Couldn´t Finish“, heimlicher Hit der Platte ist aber der Opener „A Rush And A Push And The Land Is Ours“. Textlich geht es wie immer extrem zynisch zu, nachzuhören in „Death Of A Disco-Dancer“, „Unhappy Birthday“ und vor allem in „Paint A Vulgar Picture“. Das hat Morrissey solo nur noch in „Margaret On The Guillotine“ von seinem Debut „Viva Hate“ getoppt. Mit „I Won´t Share You“ ist einmal mehr ein wunderschönes Liebeslied dabei.
Ihre größte Zeit hatten THE SMITHS mit „Meat Is Murder“ und dem ewigen Klassiker „The Queen Is Dead“ hinter sich, „Strangeways, Here We Come“ ist ein typisches SMITHS-Album, ganz hervorragend,und ein würdiger Abschluß für eine Band, die stilprägend war. Danach wäre warscheinlich nur noch Selbstkopie gekommen und somit sind die SMITHS auch als Gruppe in die Musikgeschichte eingegangen, die den richtigen Zeitpunkt zum aufhören gefunden hat. Morrissey solo ging dann in eingängigere Gefilde, ohne den textlichen Biss zu verlieren und eine mögliche SMITHS Reunion ist immer mal wieder Thema in der Gerüchteküche. Ich weiß gar nicht so genau, ob ich das will. Dennoch kommen mir wehmütige Gedanken an die guten alten Zeiten beim Hören dieser Platte und ich frage mich, was mein alter Schulfreund „Leibi“ heute so macht, der die SMITHS sehr mochte. (A.P.)