BACK AGAIN:  INDEPENDENT

DIE ART - Age Of Consent
DIE ART - Adnama / Radiokrieg
DIE ART - Gold
DIE ART - I Love You (Marian)

DIE ART - Age Of Consent (MCD)

(Our Choice/Rough Trade)

Nach „Radiokrieg" koppeln DIE ART nun auch noch das New Order Cover „Age of Consent" aus dem noch aktuellen Album „Adnama" aus (heißt immer noch rückwärts gelesen Amanda !). Die normale Version ist recht gelungen, allerdings sehr nah am Original gehalten. Der Remix ist für meinen Geschmack allerdings zu „modern" gehalten, solche Dance- oder Breakbeats (oder wie auch immer sowas heißen mag), gefallen mir einfach nicht.
Was die Maxi dann aber doch kaufenswert macht, sind zwei akustisch gehaltene Livetracks. Hier hört man durchaus auch New Order-Einflüsse, sowie beim Titel „Ozean" ein bißchen von den späten Die Erde (Vergleiche, die ich auch schon im letzten Heft zur „Adnama" CD genannt hatte). Alles ist schön dezent gehalten, so daß man vor allem den guten Gesang entdecken kann (wenn man es denn bisher noch nicht getan hat!). Die Wurzeln von DIE ART lagen in den späten 80ern noch im Punk/Wave-Bereich, heute sind sie ein Pop-Band, allerdings eine der guten. (A.P.)


DIE ART - Adnama (CD)
DIE ART - Radiokrieg (MCD)

(Our Choice/Rough Trade)

Das Quartett aus Leipzig hat uns ihr siebentes Album beschert inkl. einer ausgekoppelten Maxi-CD. Alles in allem handelt es sich um wirklich wunderschönen Gitarrenpop mit richtig schrammeligen, fetten Gitarrenteppichen. Jedes Stück auf dem Album ist eine Perle für sich. "Radiokrieg" ist ein netter Popsong mit annähender Radiotendenz und fast tanzbar, "Ozean" ist ein weiterer netter Popsong, "Age Of Consent" eine gelunge Coverversion von New Order, "Don´t Melt The Bells" ist ebenfalls nett und fast tanzbar. Weiter geht es mit der "most perfect popsingle" (wenn man das mal so beschreiben darf) "Nie", eine funkelnde Popperle, die melodisch und einzigartig sein dürfte. Dann kommt eine weitere Coverversion, die von Amanda Lear geklaut ist (glaube ich jedenfalls) und "Follow Me" heißt. Normalerweise bin ich gar nicht so ein Freund von Coverversionen, jedenfalls, wenn sie einfallslos runtergeleiert sind, doch "Follow Me" ist irgendwie düster und atmosphärisch und der Song wird dadurch sehr interessant. Als nächstes folgt eine weitere Gitarrenpop-Nummer namens "All I Find Is?" und ein kleiner Rabengesang namens "S4". Als letztes auf der CD ist das ellenlange "Machines Longoureuses". Das Info nennt es ein "besonderes Klanggebilde". Ist auch okay, der Song ist leicht düster, vielleicht etwas zu lang, doch dafür nicht im geringsten poppig. Ist aber genehmigt als CD-Ausklang.

Wer nur mal DIE ART ein wenig testen will, kann sich die Maxi-CD zulegen, auf der die Songs "Radiokrieg" und "Follow Me" zu hören sind.

So zum Abschluß muß ich gestehen, daß jeder Song auf dem Album (und damit auch auf der Maxi) wirklich gut und prima ist. Ich kannte DIE ART bisher leider noch nicht, werde aber jetzt mal zusehen, daß ich weitere Alben auftreiben kann. (H.H.)

DIE ART – Gold (LP 1991)

(Zong/Semaphore)

DIE ART gehörten zu den DDR Bands, die sich nach der Wende auch im neuen Gesamtdeutschland einen gewissen Status erspielen konnten, auch wenn die Haupt-Fangemeinde weiterhin in den neuen Bundesländern zu finden war. „Gold“ war das zweite Album nach „Fear“ und bot alles, was die Band schon zu Tapezeiten im DDR-Underground ausgemacht hat, nämlich angepunkten Gitarren-Wave/Gitarren-Rock, der gut nach vorne losgeht und richtig Spaß macht. Live ging es bei der Band damals bestimmt gut ab, aber leider war es mir nicht vergönnt, sie mal auf der Bühne zu sehen. Während DIE ART auf späteren Platten auch mal ruhigere Töne anschlug und unter anderem ihre Vorliebe für New Order auslebte, wird hier noch ziemlich geradeaus losgerockt, wozu der raue Sound gut beiträgt. Dass die Band aber mehr konnte, zeigt sich in ruhigen, akustischen Liedern wie „Fear (Jane Plays Guitar)“. Eine vielseitige, richtig gute und solide Platte. Manchmal erinnert es mich an frühe New Model Army, aber nur ein kleines bisschen. (A.P.)


DIE ART – I Love You (Marian) (7“ 1990)

(Peking Records)

Neben Die Skeptiker und Die Vision gehörten DIE ART wohl zu den wichtigsten Wave- und Punk-Bands des DDR-Undergrounds vor der Wende, die sich dann aber auch „im Westen“ einen guten Namen erspielen konnten. Die Single „I Love You (Marian)“ gehört auf jeden Fall zu den bekanntesten Songs der Gruppe und ist auch einer ihrer schönsten. Gitarren-Wave mit Punkfeeling und Ohrwurmmelodie, so muss es sein, um mich alten Nostalgiker zu überzeugen. Erinnert mich alles ein bisschen an die leider viel zu unbekannte Hamburger Band Rope, weiterhin an die Amis Missed In Diary oder die längst wieder vergessenen Deutschen Waver Untitled. Schade, dass „I Love You (Marian)“ nicht zu einem echten Hit und Klassiker geworden ist, der Song hätte es auf jeden Fall verdient. Die B-Seite ist mit „Das Schiff“ bestückt, ebenfalls einem der bekannteren Songs der Gruppe. Hier wird´s düsterer, etwas härter und deutschtextig. Waren DIE ART vielleicht die ostdeutschen Fehlfarben? Sie werden´s nicht gerne hören oder lesen, aber so ganz von der Hand zu weisen ist der Vergleich nicht. Sollte man auf Flohmärkten noch Platten von DIE ART entdecken, kann man sie, wenn man auf leicht punkigen Wave-Rock steht, bedenkenlos mitnehmen, die Gefahr einer Enttäuschung besteht nicht. (A.P.)