BACK AGAIN: ELECTRO

SUPERIKONE – Energie
SUPERIKONE – Opiate

SUPERIKONE – Energie (Promo-CD-R 2005)

(Phobotaxis)

SUPERIKONE ist eine Band, oder besser ein Projekt, das bereits seit Mitte der 90er Jahre, zunächst unter dem Namen Lunastoy, besteht und neben einigen CDs vor allem eine Menge Samplerbeiträge veröffentlicht hat. Nun soll mit dem Album „Energie“ der größere Durchbruch in der Szene angeschoben werden. Dabei schießt die Promoagentur den Vogel ab, indem sie 14 Seiten Discographien, Fotos, Flyer, Rezensionen und sogar eine total blödsinnige statistische Auswertung des Musikverlages schickt, aber nicht das komplette Album, sondern nur eine unvollständige, gebrannte 6-Track CD-R mit einem schlecht ausgedruckten Cover. Will man dort nicht, dass sich die Schreiber eine eigene Meinung bilden oder denkt man einfach, die sind zu faul dazu?

Dabei ist es ausgesprochen schade, wenn man schon vor dem Einlegen der CD so einen schlechten Eindruck von einer Band bekommt, von der man noch nie gehört hat. Und echt übel ist es, wenn man deswegen die CD-R ewig liegen lässt, weil man nichts davon erwartet und diese dann wider erwarten gar nicht so schlecht ist, wie es hier der Fall ist.

Nach dem selbst erdachten Motto „Der Traum der 80´er im Sound der 90´er trifft auf die Fragen des 21. Jahrhunderts!“ (hallo Deppenapostroph!) spielt sich SUPERIKONE durch alle möglichen Musikstile und beweist dabei durchaus Gespür für eingängige Melodien und tanzbare Rhythmen. Irgendwo in der beiliegenden Papierflut steht was von Electro-Pop, Dark Wave, EBM und NDW und tatsächlich sind das die Eckpunkte des Sounds von SUPERIKONE, wobei der Dark Wave-Anteil mit Clubpotential nicht nur aufgrund der deutschsprachigen Texte am stärksten ist. Allerdings sind die Texte nicht peinlich und haben mit irgendwelchen Todeskünstler wenig zu tun. Nett ist es immer dann besonders, wenn einige Sounds zu hören sind, die beinahe an guten alten Italo-Disco erinnern. Textlich und vom Gesang her kommen ganz ganz entfernt sogar Gedanken an die 90er Jahre Underground-Band Lore Of Asmoday auf.

Auf jeden Fall ist jedes Stück des Albums „Energie“ tanzbar, ruhigere Töne gibt es nicht zu vernehmen, insofern eine CD, die definitiv nur für die Clubs geeignet ist und dort ihre Liebhaber finden wird, aber nichts zum zu Hause hören. Mir persönlich gefällt der intensive Album-Opener „Machtmenschen“ am besten, auch, weil hier durchaus auch politisch Stellung genommen wird, was in der heutigen Dark Wave-Szene ja leider eher die Ausnahme ist. Unpolitisch macht hirntot, insofern hat SUPERIKONE schon einige Bonuspunkte gesammelt. Der winzige „Nazis Raus“-Druck auf der Coverrückseite ist ein weiteres klares politisches Bekenntnis, das natürlich lobenswert ist. (A.P)


SUPERIKONE – Opiate (CD 29.03.2004)

(Upscene Records/Indigo)

SUPERIKONE ist ein neues Ein-Mann-Projekt von  Malte Schmidt-Kohl, der bisher unter dem Namen LUNASTOY, PHOBOTAXIS und MALTE EL NINJO musikalisch tätig war. Ich habe das Gefühl, dass Malte sich gesagt hat: So, die Zeit ist reif, jetzt mache ich das, was ich schon immer machen wollte und fröne der Musik, die mir Spaß macht und die ich schon immer geliebt habe. Die Sprache ist hier von Minimal-Electro-Sound mit eindeutigen NDW-Tendenzen, wie sie momentan wieder modern sind. Dazu gibt es natürlich deutsche, wirklich gute Texte. Malte allerdings mixt das Ganze mit einer gehörigen Portion Darkwave, was sich insbesondere in den Lyrics wiederspiegelt. Diese sind recht tiefgängig, ein wenig lyrisch und nicht zuletzt sehr intelligent. Und weiterhin würde ich SUPERIKONE noch Tendenzen in Richtung Pop andichten, auch wenn die Sache nicht unbedingt charttauglich ist- Ich persönlich finde das Album richtig klasse, würde es ohne Zweifel schon mal für die Top Ten 2004 nominieren. Wer LUNASTOY kennt, darf sich freuen, denn es gibt eine neue Fassung von „Tränen“ zu hören. Ansonsten würde ich noch herausstellen: „Opiate“, „Warten“ und „Höher, schneller, weiter“. Electro-Minimal-NDW-Darkwave-Fans sollten definitiv mal ein Ohr riskieren. (H.H.)

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden