BACK AGAIN: ELECTRO

SÜTTERLIN – Bandscheibe
SÜTTERLIN – s.t.

SÜTTERLIN – Bandscheibe (LP 2004)

(Institut Zur Freundlichen Nutzung Von Kernkrach www.kernkrach.de )

Mit SÜTTERLIN fing alles an. Heinz Stelte machte unter diesem Namen in den frühen 80er Jahren einige Cassetten mit minimalistischem NDW-Sound, der aber nie über den engeren Bekanntenkreis hinaus bekannt wurde. Irgendwann war anderes wichtiger und Heinz machte nur noch sporadisch Musik. Jahre später lernte er Jörg Steinmeyer kennen und gründete mit ihm in einem Anfall von Nostalgie für die schrägen Sounds der frühen 80er das Label „Institut Zur Freundlichen Nutzung Von Kernkrach“, wo die beiden aus Spaß eine Single mit Aufnahmen von SÜTTERLIN veröffentlichten. Diese Platte in 100er Auflage und mit jeweils individuellem Tapeten-Cover, war sofort vergriffen und das Kernkrach-Label damit schnell mehr geworden, als ein einmaliger Spaß. Nach vielen 7“ EPs von Gruppen aus dem absoluten Cassetten-Underground der 80er Jahre, die alle trotz steigender Auflagenzahlen in kürzester Zeit ausverkauft waren, erschien nun die erste Kernkrach-LP. Es handelt sich, wie sollte es anders sein, um eine Zusammenstellung von SÜTTERLIN-Stücken aus dem Jahre 1982, die jedem Fan von Minimal-Electro und „echter“ NDW ein wahrer Ohrenschmaus sein müssten. Neben einigen experimentelleren Sounds und Improvisationen sind auch ein paar echte Ohrwürmer vertreten, allen voran das geniale „Weihnachten Fällt Aus“, das eigentlich bei allen Minimal-Partys der Hit des Abends sein müsste. Dazu gibt es jede Menge analog erzeugter Bleeps und Klonks aus dem Korg MS-10 Synthesizer und einiges mehr an mysteriösen Klängen, die damals zur New Wave Zeit aus Übermut produziert wurden. Neben einigen Stücken, die auf den damaligen Tapes erschienen sind, enthält diese LP jede Menge bisher nie veröffentlichte SÜTTERLIN-Tracks. Und im Archiv von Heinz schlummert noch viel mehr Material. Dass er es aber auch heute noch kann, bewies er auf dem ersten Kernkrach-Festival, wo er bei seinem ersten Auftritt seit Jahrzehnten den aktuellen Minimal-Bands locker was vormachte und sogar ein brandneues Stück spielte, das wohl gute Chancen auf den Szenehit des Jahres haben dürfte. Das Publikum feierte den sichtlich gerührten Musiker frenetisch ab.

Die auf 333 Exemplare limitierte LP kommt mit einem informativen Booklet und sollte in jeder Minimal-Electro-Sammlung stehen. (A.P.)


SÜTTERLIN – s.t. (7“ 2002)

( www.kernkrach.de )

Die SÜTTERLIN 7“ war letztes Jahr die erste Veröffentlichung des jungen „Instituts zur freundlichen Nutzung von Kernkrach“ und auf lächerliche 100 Exemplare limitiert, die natürlich längst ausverkauft sind. Damit dürfte dieses Stück Vinyl schnell zu einem teuren Sammlerstück unter Minimal-Electro-Freunden werden und bei Ebay unglaubliche Preise erzielen, denn die Klänge der drei Tracks aus dem Jahre 1981/82 sind ziemlich mitreißend. Das Projekt dürfte kaum jemand kennen, sind doch die wenigen Cassetten-Produktionen damals nur in minimalsten Auflagen erschienen und wohl nur im Freundeskreis verteilt worden. Die Klänge sind genau das, was man damals aus einem Korg-Synthesizer rausholen konnte. Projekte wie dieses gab es damals unzählige und so ist es immer erfreulich, wenn das eine oder andere nach rund 20 Jahren doch noch den Weg an die Öffentlichkeit findet. Wenn die Gruppe heute Musik machte, würde ich sagen, sie klingen irgendwie nach Bands wie New Dimension, Weltklang, Stratis und den anderen „üblichen Verdächtigen“, doch haben sie ihre Musik zur gleichen Zeit oder sogar vor diesen alten Helden gemacht, so dass man nie sagen kann, dass sie etwas nachgemacht hätten. Die drei Titel kommen ohne Gesang aus, was das Ganze noch experimenteller erscheinen lässt. Nur im dritten Lied „Verrückte Weltgeschichte“ werden bekannte Tonaufnahmen, wie die legendäre Radioreportage vom Fußball-WM-Endspiel 1954 und leider auch Hitler´s „Totaler Krieg“-Rede eingespielt. Nun, damals waren Hitler-Samples noch nicht so peinlich wie heute, wo man damit niemanden mehr provozieren kann, insofern ist das schon okay. Ganz nebenbei sollte SÜTTERLIN noch nachträglich einen Preis für einen Songtitel wie „Der Rasende Gartenzwerg“ bekommen. Schade, dass diese Single kaum noch irgendwo zu finden sein dürfte. Ähnlich wie bei der auf 100 Exemplare limitierten Radierer-10“ kommen hier viele Leute zu spät. Trotzdem sollte man nach der Single Ausschau halten. (A.P.)

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden