BACK AGAIN: ELECTRO

THE RORSCHACH GARDEN – Flow Of Life
THE RORSCHACH GARDEN – Far Away From Paradise
THE RORSCHACH GARDEN – State Protection
THE RORSCHACH GARDEN - Devotion

THE RORSCHACH GARDEN – Flow Of Life (MiniLP 2003)

(Thrillbeatconstruction/Hausmusik)

Nach Jahren im absoluten musikalischen Untergrund, in denen es „nur“ Tape-Releases gab, haben die Liebhaber feinster Minimal-Wave-Klänge nun endlichTHE RORSCHACH GARDEN entdeckt und schon gibt es eine ganze Flut von Veröffentlichungen auf gutem alten Vinyl. Die neueste ist nun eine schöne Vinyl-Mini-LP mit 8 Songs, die bei Thrillbeatconstruction erscheint und wie fast immer sehr eigenwillig, aber gut geschützt in die gute alte Gnubbel-Popp-Folie verpackt ist und ein kleines Beiblatt enthält. Musikalisch gibt es natürlich kaum Überraschungen. Los geht´s mit der schon bekannten A Flock Of Seagulls-Coverversion „Space Age Love Song“, wobei es sich wohl um eine andere Version handelt, als auf der Bubblegum-Single. Das ist aber auch völlig egal, denn hier handelt es sich endlich mal um eine wirklich gute Coverversion. Mit „Named By Numbers“ geht es ungewohnt kraftvoll und gar nicht mal so minimal wie sonst weiter, was aber natürlich nicht heißt, dass es sich hier nicht um einen absoluten Ohrwurm handeln würde. Typischer ist schon wieder die „Synth Version“ von „Flow Of Life“, die so was von 80er-Jahre-mäßig ist, dass man fast glaubt, die Aufnahme wäre original damals entstanden. Mit „Beefcake´s Spurspaten Mix“ gibt es am Ende der A-Seite ein Vorführung der sehr experimentellen Seite des Projektes, die man so nach den ganzen Wave-Pop-Sachen schon fast bei THE RORSCHACH GARDEN vergessen hatte, die aber auf den frühen Tapes sehr häufig zu hören war. Natürlich macht sich hier besonders auch der Einfluss des befreundeten Projektes Beefcake bemerkbar.

Ähnlich beginnt auch die B-Seite. „Freedom Of Choice“ erinnert beinahe ein bisschen an einige Sachen von Malte Steiner´s Notstandskomitee und kombiniert sehr schön verzerrte Minimalrhythmen, monotonen Gesang und ambiente Keyboardflächen. Keine Ahnung, ob man so was schon Ambient oder Trip Hop nennt oder sonst wie stilistisch genau benennen kann. Auch „Consuming Drugs“ ist extrem minimalistisch und monoton, erinnert mich aber eher an Malte Steiner´s anderes Projekt Das Kombinat.

Ziemlich spacig ist dann „Bizarre“, das aber doch eine gewisse Unruhe verbreitet und deshalb als Chill-Out-Musik kaum Sinn macht. Aber gerade das ist ja die Stärke von THE RORSCHACH GARDEN, sich musikalische Dinge zu eigen zu machen und etwas Neues daraus zu formen. Ausklingen tut die Platte dann wieder ein wenig eingängiger mit „Pandem´s We Are!...Are We? Mix“, das ein ganz kleines bisschen an Depeche Mode Mitte der 80er Jahre erinnert, oder auch an die ersten Recoil-Sachen. Eine sehr schöne Platte, wobei ich als alter Waver ja vor allem die eingängigeren Sachen mag, ohne die anderen aber abzulehnen. THE RORSCHACH GARDEN beweist einmal mehr, wie vielseitig dieses Projekt ist. (A.P.)

THE RORSCHACH GARDEN – Far Away From Paradise (7“EP 2003)

(Disorder Records/Genetic Music disorder-records@web.de , www.geneticmusic.de )

Und schon wieder eine 7“ von THE RORSCHACH GARDEN, deren beide Singles auf Bazooka Joe ja schon zu echten Sammlerstücken geworden sind.

Der gute Uwe von Bakterielle Infektion hat nun sein eigenes kleines Label gegründet und dies hier ist seine erste Veröffentlichung und ich freue mich, dass ich auch einen kleinen Teil dazu beitragen konnte.

Wer THE RORSCHACH GARDEN bisher schon kannte, weiß, was ihn erwartet, lupenreiner Synthie-Wave im Stile der 80er Jahre mit einem unglaublichen Charme. Klar erfinden THE RORSCHACH GARDEN diesen Sound nicht neu, aber sie haben ein Händchen für absolute Ohrwurmmelodien und genau das macht die Musik so wundervoll, dass ich die Platte gleich mehrmals hintereinander gehört habe.

Drei Tracks werden geboten, die allesamt gut sind, wobei „Desire“ ein echter Hit ist. Dieser Titel stammt nebenbei bemerkt vom 1995er Tape „Tiny Plastic World“, das in Restbeständen noch bei uns bestellt werden kann (Mail an: sam@backagain.de – etwas Eigenwerbung muss erlaubt sein). Musikalisch gibt es eine Mischung aus Electro-Pop und New Wave, irgendwie, als wenn der frühe Fad Gadget mit A Flock Of Seagulls (ohne Gitarren), Trans X und Radiorama zusammen gearbeitet hätte. Muss man dazu noch mehr schreiben?

Was mich an der ganzen Minimal-Electro-Szene immer stört, ist, dass kaum Wert auf vernünftige Cover gelegt wird. Da kommen LPs mit einem Artwork raus, die die Möglichkeiten der großen Hülle absolut nicht nutzen oder Singles, die im einfach weißem Cover erscheinen, CD-Booklets enthalten keinerlei Informationen oder aber die Veröffentlichungen haben einfach gar keine Cover (wie die ersten beiden THE RORSCHACH GARDEN-Singles. Diese neue Platte hat zumindest ein gelungenes Beiblatt, aber ebenfalls kein richtiges Cover. Für mich sollte eine Schallplatte immer noch ein Gesamtkunstwerk sein und dazu gehört halt auch eine ordentliche Hülle.

Das sollte natürlich niemanden abhalten, die Single trotzdem umgehend zu kaufen, zumal sie auf lediglich 400 Exemplare limitiert ist (davon 100 Exemplare auf rotem Vinyl, der Rest in Schwarz). So lasse ich mir das 80er-Revival gefallen! (A.P.)


THE RORSCHACH GARDEN – State Protection (7“ 2002)

(Bazooka Joe bubblegum@bazooka-joe.com )

Auf Bazooka Joe sind insgesamt 2 Vinyl Singles von THE RORSCHACH GARDEN erschienen und beide sind aufgrund ihrer geringen Auflage sehr schnell zu teuren Sammlerstücken geworden. Man kann gar nicht sagen, dass eine der Platten besser oder schlechter wäre, vielmehr muss man sie als Zwillings-Veröffentlichungen ansehen, da die Aufmachung im farbigen Vinyl und der wunderschöne 80er Jahre Retro-Sound perfekt zusammen passen.

Hier ist mit „State Protection“ ein absoluter Minimal-Pop Ohrwurm vertreten, der zu den besten Stücken des Projektes von Philipp Münch gehören dürfte. Der zweite Titel „Insects“ ist hingegen schwerer verdaulich und klingt seinem Namen entsprechend wie ein wuseliger Insektenstock. Die B-Seite „Down To The Ground“ wiederum ist ein minimal-elektronisches Experimentalstück, das beinahe nach einer aufs Winzigste reduzierten Mitt-80er Single-B-Seite von Depeche Mode klingt, wie sie von Alan Wilder geschrieben sein könnte. Mit dieser Single bestätigt Philipp Münch wieder einmal, dass er die unterschiedlichen elektronischen Musikstille perfekt beherrscht und von poppigen Ohrwürmern bis zum Industrial-angelehnten Experimentalstück alles produzieren kann. Definitiv ein Sammlerstück, das allen Minimal-Electro-Freunden ein glückliches, debiles Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte. Wie bei Bazooka Joe üblich, gibt es wieder ein Bazooka Joe-Kaugummi dazu! (A.P.)


THE RORSCHACH GARDEN - Devotion (7“EP 2002)

(Bazooka Joe)

Phillip Münch´s Projekt THE RORSCHACH GARDEN gibt es nun auch schon über ein Jahrzehnt und erfreut sich großer Beliebtheit bei Freunden von minimal-elektronischen Klängen. Neben unzähligen Tapeveröffentlichungen gibt es auch einige wenige Vinyl-Releases, so diese hübsche 4-Track Single im farbigen Vinyl und mit einem kultigen Bazooka-Joe Kaugummi als Zugabe, allerdings ohne Cover und somit praktisch ohne weitere Infos, als den Songtiteln, die direkt auf dem Plattenaufkleber stehen. Der erste Track ist eine, Liebhaber erkennen es nach wenigen Sekunden, Coverversion von A Flock Of Seagull´s „Space Age Love Song“, die sich, allerdings ohne Gitarren, recht nahe an das Original hält und mir ein freudiges Grinsen entlockt. Im gleichen 80er-Minimal-Electro-Pop-Stil geht es drei weitere Songs lang weiter, die allesamt direkt aus den frühen Jahren meiner musikalischen Lieblingsdekade stammen könnten. Selten habe ich eine so konsequente 80er-Retro-Platte gehört, die nicht einfach nur versucht, auf der angeblich laufenden Revival-Welle mitzuschwimmen, sondern ehrlich den Geist dieser Zeit wieder spiegelt. Dass Phillip Münch aber nicht einfach nur ein unverbesserlicher Nostalgiker ist, beweist er mit anderen musikalischen Projekten oft genug, da darf er mit THE RORSCHACH GARDEN schon mal hemmungslos dem Synthie-Wave huldigen. Keine Ahnung, auf welche Auflage dieses Kleinod limitiert ist, sicher ist jedoch, dass die Platte in nicht allzu ferner Zukunft ein gesuchtes und entsprechend teures Sammlerstück sein wird, also schnell beim Mailorder des Vertrauens bestellen, zum Beispiel in der Mailorder-Rubrik von www.bakterielle-infektion.de müsste es noch einige wenige Exemplare geben. Fazit: wer A Flock Of Seagulls mag und sie so liebevoll covert kann kein schlechter Mensch sein. (A.P.)

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden