BACK AGAIN: ELECTRO

CARLOS PERON – Porcellum Traianum – Best Of...Vol.II
CARLOS PERON – Die Schwarze Spinne
CARLOS PERON – La Salle Violette

CARLOS PERON – Porcellum Traianum – Best Of...Vol.II (DCD 2001)

(Antik/Warner Chappell)

Was soll man zu CARLOS PERON noch schreiben? Daß er vor ewigen Zeiten mal Yello mitbegründet hat? Weiß eh jeder. Daß er ein häufig genialer Soundtüftler ist? Wissen auch die meisten, aber wer kennt eigentlich wirklich die Musik von PERON? Ehrlich gesagt kenne ich kaum jemanden, der CDs des Schweizers hat, aber der Name ist jedem bekannt. Vielleicht wissen die Menschen einfach nicht, mit welchem der unzähligen Projekte sie den Einstieg wagen sollen? Nun, dem kann man Abhilfe schaffen, z.B. mit dieser zweiten Best Of... Kopplung, die „Porcellum Traianum“ betitelt wurde und neben vielen mehr oder weniger bekannten Stücken auch ein unveröffentlichtes, sehr experimentelles Stück aus der Pre-Yello-Zeit von 1977 enthält, aber auch ein brandneues aus einem Novel-Soundtrack. Dazwischen gibt es unendlich viele Tracks, die von experimentell bis poppig-tanzbar reichen und dem einen oder anderen wird erst jetzt auffallen, dass irgendwelche Stücke, zu denen man in den Clubs tanzt von PERON stammen. Obwohl die Auswahl der „besten“ Songs aus über 20 Jahren natürlich sehr subjektiv geschehen muss, eignet sich die Doppel-CD ziemlich gut, um die Vielseitigkeit eines Ausnahmemusikers kennen zu lernen. Von Industrial bis Pop ist hier alles vertreten, auch die EBM-Fans werden nicht enttäuscht und Fetisch-Soundtracks, sowie mittelalterlich inspirierte Tracks sind eine Selbstverständlichkeit. Ich war nie ein großer Yello oder PERON-Fan, da seine Platten selten durchgehend gut waren , aber der eine oder andere Hit war immer dabei und lässt sich jetzt auf „Porcellum Traianum“ (Spanferkel á la Trajan) wiederfinden. Das macht die Doppel-CD zu einer rundum gelungenen Veröffentlichung. (A.P.)


CARLOS PERON – Die Schwarze Spinne (CD 2001)

(Antik/Warner)

Warum wird ein Album aus dem Jahre 1983 nun zum insgesamt vierten Male veröffentlicht? Ganz einfach, weil es ein wegweisender Electro-Klassiker ist! CARLOS PERON, Gründungsmitglied von Yello und ansonsten auf allen Hochzeiten tanzend, komponierend und produzierend, hat 1983 diese Electro-Perle geschaffen, die als Soundtrack zum gleichnamigen Film „Die schwarze Spinne“ diente. Den Film kenne ich nicht, aber der Soundtrack ist großartig und, nicht zuletzt wegen einer soundtechnischen Überarbeitung, immer noch zeitgemäß. Das Album darf man getrost als direkten Vorläufer und Einflussgeber für EBM und Techno ansehen. Die meist instrumentalen Titel (wie es sich für einen Soundtrack gehört) sind überwiegend tanzbar, aber doch nicht hohl und oberflächlich, hier werden noch Stimmungen transportiert. Kern des Albums und ein definitiver, häufig remixter Electro-Klassiker ist natürlich „Der Komtur (ParaDOX Remix)“, der auch heute noch in guten Discos laufen dürfte und die Tanzflächen füllt. Was PERON so in den vergangenen etwa 10 Jahren gemacht hat, ist mir ehrlich gesagt meist am Arsch vorbeigegangen, so uninteressant fand ich das, bis auf einzelne Songs, aber „Die schwarze Spinne“ gehört definitiv zu den Werken, die man als Electro-Liebhaber besitzen sollte. Hier ist mal wieder die Chance dafür, sich das Album in allerbester Soundqualität anzuschaffen. (A.P.)

CARLOS PERON – La Salle Violette (CD 2001)

(10´000 Zippers/Warner)

Schon früh hat CARLOS PERON sich musikalisch mit der Fetisch-Szene auseinandergesetzt, bevor sie sich im Laufe der 90er Jahre optisch und inhaltlich mit der Dark Wave-Szene immer mehr vermischte. Gemeinsam mit RADU MAARINESCU ist nun ein weiteres Werk erschienen, dass diesem Bereich zugeordnet werden kann und wie man es von dem vielseitigen Musiker PERON nicht anders erwarten konnte, hat er einen ganz eigenen Blickwinkel. Statt plumper, tanzbarer Electro-Sounds mit Stöhn-Samples, schaffen PERON und MARINESCU eine ganz eigene, vielschichtige Klangwelt, die schon eher einem Soundtrack gleicht, als normalen Song-Kompositionen. „La Salle Violette“ ist eine durchgehende über 50 minütige Komposition, die sich ständig verändert und sehr abwechslungsreich ist, definitiv aber nicht zum nebenbei hören. Man sollte sich schon die Zeit und Ruhe nehmen, in die Klangwelten einzutauchen und möglichst viele Feinheiten entdecken und in sich aufnehmen. Die Sounds sind meist atmosphärisch und tragend, immer wieder auch rhythmisch, wobei das dann die weniger gelungenen Passagen sind. Etwa nach elfeinhalb Minuten kommt eine Passagen, die sich nach einem fiesen 70er Jahre Pornofilm anhört, aber auch das geht vorbei. Die teilweise trancigen Sounds sind ständig mit verschiedensten Samples  ergänzt, was das ganze Werk recht lebendig erscheinen lässt. „La Salle Violette“ kling vom Sound her ausgesprochen modern, ohne die derzeit so angesagten, wie nervenden Dance- und Technostrukturen zu verwenden. An Klangqualität und dem passenden Artwork gibt es ebenfalls nichts auszusetzen, so dass diese CD für Fans von anspruchsvoller, konzeptioneller Elektronik allemal eine Chance verdient, auch wenn „La Salle Violette“ sicher nicht für ein Massenpublikum geeignet ist. (A.P.)