BACK AGAIN: ELECTRO

P16.D4 – Wer Nicht Arbeiten Will Soll Auch Nicht Essen (LP/MC 2004/1981)

(Was Soll Das? Schallplatten www.wsdp.de  – Wahrnehmungen)

Früher als ursprünglich angekündigt ist beim guten Franck die LP „Wer Nicht Arbeiten Will Soll Auch Nicht Essen“ erschienen. Es handelt sich hierbei um die Vinyl-Veröffentlichung eines 1981er Tapes der legendären deutschen Avantgardisten P16.D4. Mit dieser Platte dürfte vielen Sammlern eine große Freude gemacht werden, denn die Originaltapes dürften kaum noch irgendwo aufzutreiben sein. Es wäre schade, wenn diese frühen Werke einer wegweisenden Band vergessen würden und so gebührt Was Soll Das? Schallplatten großer Dank für diese LP, auch, wenn sie nur in einer Auflage von 300 Stück vertrieben wird.

P16.D4 muss man immer ein bisschen in einem Atemzug mit Gruppen wie Einstürzende Neubauten und Die Tödliche Doris sehen, auch, wenn die Klänge aller Bands unterschiedlich waren. Der Ansatz, aus der Improvisation und Zerstörung gängiger Musikstrukturen neue Klänge zu schaffen war ähnlich und alle anderen Bands/Projekte, die das seit Anfang der 80er versucht haben, waren halt nur noch „Nachmacher“ von diesen drei bekannten Namen. Das der Sound von P16.D4 aber alles andere als strukturloser Lärm war, zeigt sich an einigen Stücken deutlich, beispielsweise an „Hoss C.“, das, als nette Hommage an „Bonanza“, durchaus Hitcharakter hat. „Die Zwanghafte Einweisung Des Anselm Weinberg In Die Freibank“ ist hingegen ein düsteres, unendlich langes Improvisationsstück, das wie eine Persiflage auf die leidigen 70er Jahre Rockopern erscheint. „Tanzmusik“ ist genau das nicht, was der Name zu versprechen scheint. Andererseits war Strawinsky´s „Le Sacre Du Printemps“ ja auch als Ballett geschrieben worden und ist zum modernen Klassiker geworden. Über Strawinsky wurde geschrieben: „Betrachtung des Notenbildes (Danse sacrale, Partitur S. 129): große Besetzung, komplizierte Rhythmik (Taktwechsel), keine Melodie, zerrissener Charakter, großer Tonumfang.“ Die Parallelen zu P16.D4 sind verblüffend, auch, wenn das sicher nicht so gedacht war, als die Cassette entstand.

Sehr interessant ist auch, dass der Titel „Nippon“ extrem stark an „Ulankalakulot“ von den Virgin Prunes erinnert, wobei der Song der Engländer deutlich später erschienen ist. Gerade „Nippon“, wie auch „Hoss C.“ sind die straigtesten Songs und dürften auch für Fans von frühem NDW-Sound (was P16.D4 nicht gerne hören werden...) und Minimal (-Electro-) Klängen interessant sein. Aber auch die avantgardistischen und fast atonalen Tracks sind ungemein spannend und machen die Platte zu einem weiteren Höhepunkt auf Was Soll Das? Schallplatten, also schnell zugreifen! (A.P.)

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden