BACK AGAIN: ELECTRO

METALLSPÜRHUNDE – Blut & Spiele
METALLSPÜRHUNDE – Preview 2

METALLSPÜRHUNDE – Blut & Spiele (CD 2003)

(Metallspürhunde/Helvetic Production www.mshunde.ch )

Nach langer Ankündigung ist nun das zweite Album der Schweizer METALLSPÜRHUNDE erschienen, das auf den wirklich schönen Namen „Blut & Spiele“ hört. Es würde mich nicht wundern, wenn die sympathische Gruppe mit diesem Album ihren Bekanntheitsgrad um einiges erweitern könnte, denn die Musik ist sowohl für die Clubs der „schwarzen Szene“, als auch für die Bühnen in kleinen Clubs und auf großen Festivals geeignet und trotz der deutschen Texte niemals peinlich.

Im Grunde finde ich alles an diesem Album besser, als bei der letzten CD „Preview2“, die an sich schon nicht übel war. Die METALLSPÜRHUNDE schaffen es absolut eingängige, poppige Melodien mit tanzbaren Rhythmen und hübschen 80er-Jahre-Synthiesounds zu verbinden. Erfreulich ist dazu noch, dass die Gitarren eher rockig, als metallig sind, wie noch auf der letzten Veröffentlichung. Auch das Coverartwork ist sehr gelungen, gerade, weil es ziemlich schlicht gehalten ist. Nach mehrmaligem Anhören ist mir kein Titel negativ aufgefallen, dafür aber einige sehr positiv, beispielsweise „Rattenfänger“ und besonders „Ganz Allein“.

Sicher, der Stilmix der Band ist nicht wirklich innovativ und neu, aber wird sehr frisch rübergebracht und macht Spaß. Irgendwie eine Mischung aus Das Ich/Goethes Erben (wegen des Gesangs), Oomph! (in ihren besseren Zeiten), Welle: Erdball (wegen der Minimal-Synth-Pop-Anklänge) und coolem 80er Jahre Pop mit einigen EBM-Anleihen. Mit dieser Mischung kann die Gruppe sicherlich alle möglichen unterschiedlichen Strömungen in der Dark Wave-Szene bedienen, ohne sich aber anzubiedern. Die Schweizer schaffen es tatsächlich, aus verschiedenen Einflüssen einen recht eigenen Stil zu formen, der aber trotzdem sehr vertraut klingt. Welche Band kann das schon von sich behaupten? Ein echter Geheimtip (noch!) im noch jungen Jahr 2004… (A.P.)


METALLSPÜRHUNDE – Preview 2 (CD 2001)

( www.mshunde.ch )

Die METALLSPÜRHUNDE habe ich schon in meiner Kritik zum „New Swiss Waves“ Sampler für ihren Bandnamen und ihre professionell klingende Musik gelobt. Nun liegt mir liegt mir mit „Preview 2“ eine ganze CD der Schweizer vor und ich kann mir ein viel besseres Bild von ihnen machen. Nachdem sie im vergangenen Jahr bereits einige Festivals auch in Deutschland gespielt haben, dürften sie dem einen oder anderen nicht mehr ganz unbekannt sein. Da die Homepage der Band wohl gerade neu gestaltet wurde, scheint noch nicht alles zu funktionieren, jedenfalls kann ich nur die News und die Links anklicken. So weiß ich leider nicht genau, ob es sich bei „Preview 2“ um eine reine Promo-CD oder um ein frei verkäufliches Album handelt. Im Zweifelsfalle einfach nachfragen. Selber nennt die Gruppe sich „EBM-Band“, was ich allerdings etwas einseitig finde, denn bei fast allen Liedern sind deutlich mehr Einflüsse zu hören. Natürlich gibt es deutliche Einflüsse der guten alten Electronic Body Music und das Grundgerüst der Gruppe ist schon sehr elektronisch. Allerdings wird bei den Liedern immer eine schön verzerrte Gitarre gespielt und es gibt unendlich viele kleine Electro-Spielereien. Auf dem „New Swiss Waves“-Sampler habe ich die Band noch mit Rammstein und Oomph! Verglichen, was aber wohl hauptsächlich auf den dort gebotenen Song „Engel & Teufel“ zutrifft, der sich auch hier wieder findet. Ansonsten klingen die METALLSPÜRHUNDE aber doch recht eigenständig, irgendwo zwischen Wave, Dark Wave, EBM und ein wenig Electro-Metal-Crossover. Vielleicht liegt es an den Deutschen Texten oder aber ich lasse mich zu sehr durch das Info beeinflussen, in dem steht, dass ein Musiker der Band schon mit Lacrimosa und Christian Dörge/Syria gearbeitet hat, aber ich finde schon, dass es hier und da Anklänge an diese Musiker gibt. Ich frage mich nur, ob ich das auch denken würde, wenn ich´s nicht vorher gelesen hätte. Wie auch immer, eine Kopie von irgendwem anderes sind die METALLSPÜRHUNDE definitiv nicht, sondern sie ziehen sehr professionell und konsequent ihre Linie durch. Mit „Engel & Teufel“ und „Mea Culpa“ sind zwei potentielle Hits dabei, die sich auch auf einem „Zillo Club-Hits“-Sampler (oder einem vergleichbaren Produkt) gut machen würden, auch wenn „Mea Culpa“ etwas unterproduziert klingt. Hier sollte sich mal ein guter Remixer ranmachen und der erste Club-Hit wäre den Schweizern sicher. Genau hingehört habe ich natürlich beim Remix des Titels „Herrenmensch“ und bin erfreut, dass es sich um ein klares Statement gegen Nazi-Deppen handelt. Mit diesem Remix könnte die Gruppe sogar für ein wenig Aufsehen in der Rhythm/Noise-Industrial-Szene sorgen und vielleicht sogar den dort leider auch vertretenen „Sozialdarwinisten“ vor den Kopf stoßen, was ja nie falsch sein kann. Da es viel zu wenige „schwarze“ Bands gibt, die sich politisch klar äußern, haben die METALLSPÜRHUNDE alleine dafür schon Bonuspunkte verdient. Einen richtigen Electro-Smasher gibt es am Ende der CD dann noch mit einem Remix von „Erntezeit“, so dass sich eine rundum gelungene CD ergibt.

Zusätzlich habe ich von der Band freundlicherweise noch eine aktuelle 3-Track-Promo-CD bekommen, die den aktuellen Stand zeigt. Am grundsätzlichen Stilmix hat sich nicht viel geändert, jedoch ist die Produktion deutlich besser geworden. Bei „Ganz Allein“ kommt man nicht umhin, an Das Ich zu denken, was vor allem am Gesang liegt, dazu härtere Electro-Metal-Crossover-Gitarrenklänge und ein weiterer Anwärter für die Tanzflächen der schwarzen Clubs ist perfekt. Minimalistischer Electrosound treibt „Rattenfänger“ nach vorne und „Maschinenstaat“ ist beinahe schon poppig und eingängig. Erinnert mich seltsamerweise wegen der Electro-Spielereien ein wenig an Welle: Erdball oder Der Liederkranz. Definitiv ein Hit-Anwärter.

Mit gefallen die METALLSPÜRHUNDE am besten, wenn die Gitarren nicht so sehr im Vordergrund stehen oder ganz weggelassen werden. Auf jeden Fall darf man sich auf ein hoffentlich bald erscheinendes zweites Album freuen und außerdem beweist die Band einmal mehr, dass sich die Schweizer Musikszene nach starken 80er- und schwachen 90er-Jahren wieder erholt hat und durchaus in der Lage ist, international konkurrenzfähige Gruppen hervor zu bringen. Den METALLSPÜRHUNDEN würde ich sogar einen kommerziellen Durchbruch zutrauen. (A.P.)

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden