BACK AGAIN: ELECTRO

MACHISTE – Reale Vita CU Remake E.P.
MACHISTE – The Italian Stallion
MACHISTE vs. THE ISOLATIONS – We Save The Musical Landscape

MACHISTE – Reale Vita CU Remake E.P. (12“EP 2003)

(Thrillbeatconstruction/Hausmusik/Morr Music www.thrillbeatconstruction.de )

Und wieder Vinyl von MACHISTE, den vor ein, zwei Jahren noch niemand als Musiker kannte, der seitdem aber durch diverse Veröffentlichungen auf Thrillbeatconstruction so manchen 80er-Retro-Freak begeistert haben dürfte, ganz abgesehen, dass er mit seinem anderen Bandprojekt Beefcake auch schon ein paar Erfolge vorweisen kann.

„Reale Vita CU“ war mal auf einem Doppel-LP-Sampler vertreten und wird auf dieser neuen 12“EP nun von diversen Musikern remixt. Dabei kommen sehr unterschiedliche Versionen eines wunderbaren, eingängigen Ohrwurms heraus.

Am Anfang gibt es aber zunächst mal MACHISTE´s Originalversion zu hören, sozusagen als Vergleich, um beurteilen zu können, was die anderen aus dem Track gemacht haben. Ich bin ja sonst nicht so ein Remix-Fan, weil es häufig so ist, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen Versionen eher klein sind. Hier ist es aber anders...

Zunächst versucht sich SKANFROM an dem Titel und macht daraus eine leicht hektische Electro-Wave-Version. Dabei gibt es wie gewohnt keinen überflüssigen Schnickschnack zu hören, sondern absolut typischen SKANFROM-Sound, wie ihn die zahlreichen Liebhaber des Projektes hören möchten. Der danach folgende Mix von PANDEM ist atmosphärischer angelegt und baut einige kleine Soundspielereien ein.

Auf der B-Seite legen dann ISAN einen schön minimalistischen Remix vor, der wiederum direkt aus den 80er Jahren stammen könnte, da geht mir doch das Herz auf. Klingt fast, wie aus einem uralten Atari-Telespiel. Am Ende stehen HERRMAN & KLEINE mit ihrer Interpretation von „Reale Vita CU“, die sich dem Hörer erst nach mehrmaligem Hören erschließt, dann aber ihren ganz eigenen Charme entfaltet. Zunächst klingt es etwas ziellos, mit der Zeit gewöhnt man sich aber an die hektische Rhythmik.

Bleibt zu sagen, dass alle hier zu hörenden Versionen durchaus unterschiedlich und jede auf ihre Art und Weise gelungen sind, aber den Original-Titel nicht wirklich erreichen. Die Platte ist mal wieder sehr individuell verpackt, wobei mir ja ein ganz normales, schön gestaltetes Cover lieber wäre, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Keine Frage, diese Platte ist wieder einmal ein Werk für hemmungslose 80er Jahre-Romantiker wie mich. Wer unbedingt immer Vergleiche braucht, kann sich die Musik irgendwo zwischen A Flock Of Seagulls, The Rorschach Garden und Skanfrom vorstellen. (A.P.)


MACHISTE – The Italian Stallion (CD/LP 2002)

(Thrillbeatconstrucion www.thrillbeatconstruction.de )

MACHISTE habe ich erstmals auf der 12” “Machiste vs. The Isolations“ gehört und war da von völlig begeistert. Feinster, authentisch klingender 80er Jahre-Minimal-Wave-Pop-Sound, der mich neugierig auf mehr Material des italienischen Musikers gemacht hat, der ansonsten eine Hälfte des Electronica-Projekts Beefcake ist..

Zum Glück hat Thrillbeatconstruction weiteres Material veröffentlicht, so auch diese CD/LP, die teilweise unterschiedliche Stücke enthalten. Die CD ist zudem musikalisch umfangreicher und bietet zusätzlich zwischen den Stücken noch kleine Stimmeinspielungen, die die Zusammenstellung der durchgehend instrumentalen Songs etwas auflockern. Dafür kommt die LP in einer netten Verpackung, während die CD in einer normalen Hülle erschienen ist. Als Sammler kommt man nicht umhin, sich beide Versionen dieser Veröffentlichung zu besorgen.

Musikalisch sind jede Menge kleiner, verspielter Minimal-Kompositionen ohne Titel zu hören, die mal eingängiger nach ganz frühen Depeche Mode oder A Flock Of Seagulls klingen, mal tanzbar oder auch etwas experimenteller erscheinen. Im Ohr bleiben die meisten Tracks, obwohl sie wahrscheinlich größeren Hitcharakter hätten, wenn hin und wieder Gesang dabei wäre. Insgesamt fühle ich mich häufig an die Musik von Philipp Münch´s Projekt The Rorschach Garden erinnert.

Mit Veröffentlichungen wie dieser wird einmal mehr bewiesen, dass es nicht immer große, monumentale Studioproduktionen sein müssen, sondern auch gute Musik mit einfachen Mitteln entsteht. Wenn man das ganze angebliche 80s Revival ernst nehmen könnte, müsste eine Platte wie diese ein Hit werden. So bleibt es aber eine mehr als sympathische Undergroundproduktion, die alle Fans von melodischem Minimal-Electro-Wave-Pop-Klängen erfreuen dürfte. (A.P.)


MACHISTE vs. THE ISOLATIONS – We Save The Musical Landscape (12“EP 2002)

(Thrillbeatconstruction www.thrillbeatconstruction.de )

Überall wird vom grassierenden 80s-Revival gesprochen, dass sich bisher aber hauptsächlich auf Nochmal-Geldverdien-Reunion-Touren von alten Leuten, die in den 80ern mal Musik gemacht haben und schlechte Kindergarten-Techno-Coverversionen beschränkt. Ausnahmen wie Soft Cell, Deutsch Amerikanische Freundschaft und Fehlfarben bestätigen hier nur die Regel. Am schlimmsten tut sich hier wohl Nena hervor, die für Geld wirklich alles macht, sogar Hausmütterchen-Werbung für „Weisser Riese“, aber das tut hier nichts zur Sache. Wenn es wirklich ein 80s-Revival geben würde, müsste diese Platte von THE ISOLATIONS vs. MACHISTE wochenlang in den Top10 der Hitparaden stehen, denn hier wird wirklich der Geist der 80er Jahre wieder lebendig und das fast ganz ohne moderne Einflüsse oder Coverversionen. Stattdessen nimmt man sich die besten Momente von Trans X, When In Rome, frühe Human League, Soft Cell, Ultravox, Visage und vielen anderen und legt vier wunderbare Tracks vor, die so auch 1982 entstanden sein könnten. Alleine THE ISOLATIONS´ „Untitled“, ein „geheimnisvolles“ Projekt aus Berlin, rettet mir schon den Tag. Der Remix des Stückes vom Italiener MACHISTE ist beinahe genau so gut.

Die B-Seite enthält den MACHISTE-Titel „Mosca Via“ in der Original-Version und als Skanfrom-Remix und steht den ersten beiden Tracks kaum nach, der Hammer bleibt aber THE ISOLATIONS´ „Untitled“, definitiv ein neues Lieblingslied von mir.

Sehr schön auch das leicht makabre Cover und der Aufdruck „Super-Sound-Maxi-Single“!

Einfach perfekter Minimal-Electro-Wave, der in den frühen 80ern sicherlich ein Hit geworden wäre und heute auch von irgendwelchen Techno-Deppen remixt würde...insofern ist es sogar gut, dass der Song ganz neu und kein alter Klassiker ist. (A.P.)

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden