BACK AGAIN: ELECTRO

TOUR DE FRANCE SOUNDTRACKS
EXPO 2000 REMIX
EXPO 2000 - Kritik 1
EXPO 2000 - Kritik 2

SHOWROOM DUMMIES
THE MIX

COMPUTERWELT
DIE MENSCH-MASCHINE
TRANS EUROPA EXPRESS
RADIOAKTIVITÄT
AUTOBAHN

KRAFTWERK – Tour De France Soundtracks (CD 2003)

(Emi)

Nach 20 Jahren endlich ein neues Album von KRAFTWERK? Mit richtig neuen Stücken? Das Unglaubliche ist wahr geworden, mit „Tour De France Soundtracks“ erscheint das erste Album seit „Electric Cafe“ (mal abgesehen vom Remix Album „The Mix“ Anfang der 90er). Millionen von Fans haben mit feuchten Fingern (resp. Ohren) darauf gewartet. Würden KRAFTWERK im alten Stil weiter machen? Würden sie die modernen Einflüsse verarbeiten? Würden sie gar wie früher etwas Zukunftsweisendes präsentieren?

Im Prinzip will man als Fan aber natürlich das bekommen, was man an der Band immer liebte und da werden die Massen mehr als gut bedient. Natürlich klingt KRAFTWERK 2003 nicht mehr wie zu Zeiten der großen Klassiker „Radioaktivität“, „Trans Europa Express“, „Die Mensch-Maschine“ oder „Electric Cafe“, aber Elemente all dieser Meisterwerken sind immer noch vorhanden und werden ausgebaut. Trance und Techno haben ihre Spuren im Sound hinterlassen, ohne aber zu sehr in den Vordergrund zu kommen. Geblieben ist die elektronisch verfremdete Stimme und die perfekte Produktion, ein Singlehit im Stile von „Das Model“, „Die Roboter“ oder „Musique Non Stop“ ist nicht dabei, wenn man mal von der Neuaufnahme des alten Hits „Tour De France“ absieht, aber das ist auch gar nicht nötig. Stattdessen werden die Hörer mit verspielten und ausgeklügelten elektronischen Kompositionen verwöhnt, bei denen manche, wie zum Beispiel “Vitamin“ durchaus auch Ohrwurm-Qualitäten haben.

Der Anfang der CD mit den Stücken „Tour De France Etape 1-3“ ist noch sehr komplex und experimentell. Danach folgen jedoch einzelne Stücke, die mehr Songcharakter haben, was mir persönlich bei KRAFTWERK immer besser gefallen hat. Insofern birgt die CD kaum Überraschungen, die ich mir aber auch gar nicht wirklich gewünscht habe. Die Frage ist doch eigentlich, ob KRAFTWERK heute altmodisch und „retro“ klingen, oder ob sie Ende der 70er/Anfang der 80er musikalisch schon so weit voraus waren, dass sie heute immer noch innovativ und modern klingen. Ihr Einfluss auf die Musikwelt bleibt jedenfalls unbestritten. Wer jahrelang gierig auf neues Material gewartet hat und jetzt rum meckert, dass das Album enttäuschend sein soll, der sollte sich mal überlegen, wofür er KRAFTWERK früher geliebt hat, denn genau das wird hier geboten. Wenn die Düsseldorfer etwas völlig anderes gemacht hätten, wäre das Geschrei auch groß gewesen.

Für mich reiht sich „Tour De France Soundtracks“ problemlos in die Reihe der Vorgängeralben ein, allerdings eher im Mittelfeld und nicht an der Spitze. Ich jedenfalls bleibe KRAFTWERK-Fan. Wahrscheinlich wird wieder einmal zuerst im Ausland erkannt, dass KRAFTWERK auch heute noch wichtig sind. Die Deutschen meckern erstmal rum und erkennen das dann Jahre später. Selbst schuld. (A.P.)


KRAFTWERK – Expo 2000 Remix (MCD 2000)

(Kling Klang/Emi-Electrola)

Zum Ende der Expo 2000 in Deutschland bringt das Elektroprojekt noch eine Maxi mit Remixen ihres Tracks "Expo 2000" auf den Markt, allerdings nicht selbst remixt, sondern von diversen anderen Leuten. Es beginnt mit dem "Orbital Mix", der dem KRAFTWERK-Track seine Atmosphär läßt und eigentlich auch von Hütter und Konsorten selbst sein könnte. Es folgt ein tranciger "Francois K + Rob Rives Mix" mit, der nicht schlecht ist und auch die Expo-Roboterstimmen erklingen läßt. Der "DJ Rolando Mix" ist auch nicht allzu übel, klingt wie ein Clubmix mit hüpfenden Bässen. Der "Underground Resistance Mix" piept herum und hat einen Tanzrhythmus unterlegt, leider absolut nicht erwähnenswert. Der "Ur Infiltrated Mix" ist auch nur dahingeschludert und langweilt und der "Ur Thought 3 Mix" läßt wenigstens noch KRAFTWERK irgendwo raushören. Alles in allem eine eher unnötige CD, nur für Hardcore-KRAFTWERK-Fans. So hat sich die Expo wenigstens für KRAFTWERK gelohnt, zwei CDs innerhalb eines Jahres ist ja fast schon Overkill. (H.H.)


KRAFTWERK - Expo 2000 (MCD 1999)

(Kling Klang/Emi-Electrola)

KraftwerkUnendlich lange haben wir gewartet, das letzte echte Album gab es 1986 und hieß "Electric Cafe", 1991 wollte man die Fans noch etwas verwöhnen und brachte "The Mix" raus. Einige Zeit danach gab es dann noch eine Tour und dann sind KRAFTWERK endgültig in den Untergrund getaucht. Seit Jahren gibt es Gerüchte, daß ein neues Album auf den Markt kommen soll, und nun, endlich wieder ein Lebenszeichen. Es gibt eine neue Maxi-CD, denn KRAFTWERK haben das offizielle Lied zur Expo 2000 komponiert. Von KRAFTWERK erwartet man immer bahnbrechendes, sie waren er Vorläufer der Synthesizermusik, haben den Elektro-Pop kreiert, die Neue Deutsche Welle und Techno maßgeblich beeinflußt und haben sogar mit "Electric Cafe" Drum´n Bass vorweggenommen. Nun muß natürlich neue Musik KRAFTWERKs wieder neue Maßstäbe setzen, tut sie aber nicht! "Expo 2000" ist ein Mischmasch aus ihren alten Platten. Man hört hier und da etwas "Autobahn" raus, "Tour de France" ist ebenso vertreten wie "Nummern" und "Musique Non Stop" und gewürzt ist alles mit den unterschiedlichten Roboterstimmen, die wir von den verschiedenen Alben der Elektroniker kennen. KRAFTWERK gibt also keine neuen Musikanstöße, wie alle vermutet haben und das wird viele Kritiker dazu veranlassen, die Scheibe zu verreißen. Für KRAFTWERK-Fans ist die Scheibe aber eine Gabe Gottes. Worauf ich noch warte, ist eine Wiederveröffentlichung der ganzen alten Maxiversionen und B-Seiten. (H.H.)


KRAFTWERK - Expo 2000 (MCD 1999)

(Kling Klang/Emi)

Nach ewigen Zeiten, die nur mit einigen wenigen Konzerten überbrückt wurden, gibt es endlich etwas wirklich neues von KRAFTWERK, sieht man mal von der eher mittelmäßigen „The Mix“ ab, eigentlich die ersten wirklich neuen Aufnahmen seit „Electric Cafe“, was immerhin schon Mitte der 80er Jahre war (dabei muß ich ganz nebenbei gesagt an Michaela Mertins denken, lang lang ist´s her...). Durch die Produktion des Expo 2000 Jingles waren KRAFTWERK ja vor einigen Monaten plötzlich wieder ziemlich im Rampenlicht, mit dieser MCD beweisen sie nun, daß sie nichts verlernt haben und nicht zu unrecht behauptet wird, daß sie die elektronische Musik wie keine andere Gruppe beeinflußt und geprägt haben. Vier Mixe des neuen Stückes finden sich auf der CD wieder, wobei der Radio Mix eigentlich nicht einmal der eingängigste ist, aber dennoch sofort im Ohr bleibt. Obwohl die Musik alles andere als poppig ist, könnte ich mir vorstellen, daß es ein Hit wird. Musikalisch schließt man eigentlich nahtlos an „Musique Non Stop“ und eigentlich das ganze „Electric Cafe“ Album an. Bester Mix, vielleicht auch, weil am leichtesten zu konsumieren und am tanzbarsten, ist der „Kling Klang Mix 2002“, das läuft bei mir teilweise 10 x hintereinander. KRAFTWERK haben mit dieser Maxi bewiesen, daß man auch im kommenden Jahrtausend mit ihnen rechnen muß, bleibt nur zu hoffen, daß es mal ein wirklich neues Album gibt, daß an Klassiker wie „Radioaktivität“, „Die Mensch-Maschine“ oder „Electric Cafe“ anschließen kann. (A.P.)


KRAFTWERK – Showroom Dummies (CD 1992)

(Cleopatra Records)

Die US-Firma CLEOPATRA RECORDS besitzt offenbar die US-Rechte an diversen KRAFTWERK-Releases, wie zum Beispiel „Radioactivity“, „Trans Europe Express“ und „The Men Machine“. Die CD „Showroom Dummies“ ist im Grunde nur ein kleiner Sampler mit Tracks, die allesamt bereits veröffentlicht wurden. „The Robots“ ist gleich in zwei Versionen enthalten, einmal die sogenannte „Extended Version“, doch es stellt sich heraus, dass es die ganz normale Album-Version ist. Danach kommt dann noch halt eine kurze Version des gleichen Stückes. Auch der Bonustrack (wieso ist das ein Bonustrack?) „Spacelab“ ist exakt das Gleiche, was man von der „Men Machine“ her kennt Weiterhin sind noch zwei Versionen des Stückes „Schaufensterpuppen“ zu hören. Einmal die normale Version in Englisch, die man hier als „Single Version“ deklariert hat und einmal, und das dürfte vielleicht das einzige interessante Stück dieser CD sein, die französische Fassung des Stückes mit Titel „Les Mannequins“, das ebenfalls in einer sogenannten „Single Version“ vorliegt. In meinen Augen ist diese CD nur etwas für KRAFTWERK-Sammler. (H.H.)


KRAFTWERK – The Mix (CD 1991)

(Kling Klang/Emi Electrola)

Wieder mussten die Fans satte fünf Jahre warten, um eine neuen KRAFTWERK-LP in die Finger zu bekommen. Neu ist da natürlich ein bisschen zuviel gesagt, denn „The Mix“ bietet in dem Sinne kein neues Material, sondern all die bekannten Stücke in zeitgemäßem Gewand, eingespielt mit dem modernsten, was die digitale Musikwelt zu diesem Zeitpunkt zu bieten hatte. Insgesamt wurde die Musik auch tanzbarer abgemischt. Ungefähr zeitgleich zum Erscheinen der Platte stiegen Karl Bartos und Wolfgang Flür aus der Band aus. Beide waren schon seit „Autobahn“ bei der Band dabeigewesen. Zum Erscheinen des Albums machte KRAFTWERK noch einmal eine ausgedehnte Tour und ich darf stolz verkünden, dass ich das Hamburger Konzert miterleben durfte. Es wird mir niemals vergessen sein. Punkt 20 Uhr startete es, auf die Sekunde genau, wie man es von KRAFTWERK erwartet. Neben Ralf Hütter und Florian Schneider standen noch Fritz Hilpert und Fernando Abrantes auf der Bühne sowie vier Roboter. 20.000 Leute besuchten die acht Konzerte in Deutschland. Leider sollte „The Mix“ die bis heute letzte Veröffentlichung von KRAFTWERK sein, außer einer Maxi-CD zur Expo 2000 in Hannover. Schade. Gerüchte ranken sich jederzeit, dass endlich eine neue LP auf den Markt kommen soll, doch gekommen ist bislang nichts. KRAFTWERK dürfte es auch schwer haben, etwas neues zu veröffentlichen und die Leute zu befriedigen, denn alle erwarten unmögliches von ihnen: Noch nie dagewesenes. Das gibt es leider nicht mehr. Hoffentlich haben KRAFTWERK diesen Anspruch nicht, etwas noch nie dagewesenes zu veröffentlichen, denn sonst hören wir ja nie wieder etwas. (H.H.)


KRAFTWERK - Electric Cafe (LP 1986)

(Kling Klang/Emi)

Dieses Mal mussten die KRAFTWERK-Fans noch länger auf neuen Output warten, nämlich fünf Jahre. Das Material war in Grundzügen eigentlich schon 1983 fertig und sollte unter dem Plattentitel „Techno Pop“ inklusive der Single „Tour de France“ erscheinen, doch irgendwie Ralf Hütter hatte einen Fahrradunfall und so verzögerte sich die Produktion. Zu dieser Zeit auch gab es einen großen Sprung im Synthesizer-Business und alles wurde digital und so haben KRAFTWERK alles wieder abgeblasen und die Stücke neu überarbeitet. Das war ärgerlich, denn die Platte war schon mit Anzeigen beworben worden. „Electric Cafe“ war wieder einmal mehr als wegweisend und brachte die Techno- und Housewelle endgültig ins Rollen. Das Album wirkt, besonders auf der erste LP-Seite, wie ein langer Mix, da die Tracks alle irgendwie miteinander verwoben waren. Der Sound war wieder elektronischer, minimaler und noch tanzbarer, aber ich muss gestehen, dass es sich bei diesem Album um das langweiligste aus der ganzen KRAFTWERK-Schaffensperiode handelt. Okay, „Der Telefonanruf“ oder auch „Musique Non Stop“ sind wirklich gelungen, doch es gibt auch Stücke, die nicht so richtig begeistern können, wie zum Beispiel „Sex Objekt“. Zu „Musique Non Stop“ gibt es übrigens ein, für damalige Verhältnisse, bahnbrechendes computeranimiertes Musikvideo. Leider war dies der letzte KRAFTWERK-Output mit neuem Material und nur noch „The Mix“ Anfang der 90er Jahre führte uns einige KRAFTWERK-Hits im zeitgemäßen Gewand daher. Zur Expo 2000 brachte die Band dann noch eine Maxi-CD auf den Markt, aber die hat keine neuen Eindrücke bringen können. KRAFTWERK haben es wirklich schwer, denn sie sind wieder gezwungen, neues in die Musik zu bringen, doch das können sie nicht, denn es ist alles schon dagewesen. Wäre trotzdem schön, mal wieder was von ihnen zu hören, denn es muss ja nicht immer was neues sein, etwas im alten Stil würde doch auch toll sein. Jedenfalls gibt es schon seit Jahren Gerüchte, dass ein neues Album kommen soll, aber bislang waren das halt wirklich nur Gerüchte. (H.H.)


KRAFTWERK – Computerwelt (LP 1981)

(Kling Klang/Emi)

Gab es bislang immer in relativ regelmäßigen Abständen neue Alben von KRAFTWERK, mussten die Fans dieses Mal satte drei Jahre auf das neue Werk warten. Hierzu haben sie sich komplett von der Umwelt abgekapselt und sind niemals öffentlich aufgetreten. Ein kleines Lebenszeichen zwischendurch allerdings war eine Maxi-CD mit Titel „Tour de France“. Die Welt um sie herum begann sich zu verändern, die ersten Heimcomputer erblickten das Licht der Welt und dieser Entwicklung trugen die genialen Musiker Rechnung. Sie entwickelten neue eigene Musikinstrumente und verfeinerten ihre Musik. Mehr noch als die Vorgänger kann man die Musik Techno-Pop nennen und die ganze Techno-Welle hat ihren Adam in diesem Album. Nicht umsonst hört man immer wieder KRAFTWERK-Samples in diversen Techno-Tracks. In Deutschland kletterte das Album sogar bis auf Platz 7. In England kam wieder alles etwas später und erst im Jahre 1982 kam das Album dort auf Platz 15 der Charts. Sensationellerweise aber waren auch „Die Mensch-Maschine“ und „Trans Europa Express“ dort gleichzeitig in den Alben-Charts. In Deutschland wurde im Zuge der Neuen Deutschen Welle die alten Alben von KRAFTWERK wieder aufgewärmt und „Das Modell“ stieg hoch in die Hitparaden ein.  In meinen Augen ist „Computerwelt“ das allerbeste KRAFTWERK-Album überhaupt und Tracks wie „Nummern“ und „Computerliebe“ sowie „Computerwelt“ sind echte All-Time-Classics. Wirklich fantastisch. Die KRAFTWERK-Fans mussten sich von nun an aber immer länger gedulden, neues von ihrer Band zu hören. (H.H.)


KRAFTWERK – DIE MENSCH-MASCHINE (LP 1978)

(Kling Klang/Emi)

So, Freunde, was soll ich schon groß sagen zu einem der wichtigsten deutschen Alben aller Zeiten? KRAFTWERK hat sich in der Zwischenzeit ein vollkommenes Image aufgebaut und bringen mit diesem Album aus dem Jahre 1978 ihren Beitrag zur Uniformität und Kälte der Zeit. Ihre roten Hemden und ihr Blick gen Osten gerichtet spielen sie auf totalitäre Diktaturen an und stellen sich selbst als Roboter hin, die durch die Mensch-Maschine gefertigt wurden. Auch ihre Musik ist noch kälter, noch maschineller geworden (der passende Soundtrack zum Film „METROPOLIS“ von Fritz Lang), was sie live auf der Bühne dadurch ausdrückten, dass sie sich selbst durch Puppen ersetzten, die sie hinter die Synthesizer stellten. Die Musik selbst ist noch einen Schritt monotoner geworden, aber durchaus tanzbarer. Das ist es, was man „Techno Pop“ nennt und woraus unzählige Musiker ihre Einflüsse zogen. Techno wäre ohne „DieMensch-Maschine“ in dieser Form nicht möglich gewesen. Das Album war ein großer Erfolg, doch erst mit dem Einsetzen der Neuen Deutschen Welle sollte sich auch der kommerzielle Erfolg so richtig einstellen. Die Single „Die Roboter“ schaffte es bis auf Platz 5 in Deutschland, „Das Modell“ sogar Platz 1 in England. Das beweist wohl eindeutig, dass KRAFTWERK ihrer Zeit voraus war, immerhin dauerte es drei Jahre, bis die Platte zu einem Erfolg wurde. Wie eingangs erwähnt, „Die Mensch-Maschine“ ist eines der wichtigsten Alben aller Zeiten und ist wirklich eine absolute Pflichtplatte nicht nur für Fans von Elektronic-Musik. (H.H.)


KRAFTWERK – Trans Europa Express (LP1977)

(Kling Klang/Emi)

Das ist bereits das sechste Album von KRAFTWERK und im Grunde ist es eine Fortsetzung von „Autobahn“, nur das es dieses Mal um die endlose und monotone Reise in einem Zug geht. Das gesamte Album spiegelt dieses Feeling wieder, so dass man „Trans Europa Express“ als wahres Konzeptalbum verstehen kann. Neben dem Titeltack „Trans Europa Express“ sind die zwei bekanntesten Stücke „Schaufensterpuppen“ sowie „Spiegelsaal“. Letzterer wurde sogar von Siouxsie And The Banshees gecovert. Überhaupt wurden KRAFTWERK von vielen Bands auf der Welt verehrt und bewundert. David Bowie war ja schon seit „Radioaktivität“ ganz großer KRAFTWERK-Fan und Bands wie Cabaret Voltaire und Genesis P´Orridge´s haben Teile des Stiles übernommen. Hip Hopper Africa Bambaataa nutzte sogar einen Sample aus „Trans Europa Express“ für seinen großen Hit „Planet Rock“. (H.H.)


KRAFTWERK – Radioaktivität (LP1975)

(Kling Klang)

Nach dem großen Erfolg von „Autobahn“ im Jahre 1974 veröffentlichte KRAFTWERK bereits im Jahre darauf das Album „Radioaktivität“. Da „Autobahn“ auch im Ausland so große Erfolge erzielen konnte, haben die Jungens „Radioaktivität“ auch in einer englischen Fassung auf den Markt gebracht. Dieses Vorgehensweise sollte auch in den nächsten Jahren so weitergehen. Zu dieser Zeit übrigens erhielt die Band ein einmaliges Angebot von David Bowie, bei ihm im Vorprogramm aufzutreten, doch das lehnte KRAFTWERK ab, da man viel lieber am neuen Projekt arbeiten wollte. In Absprache mit Ralf und Florian hat David Bowie dann im Zuge seiner „Thin White Duke“-Tour KRAFTWERK mittels Tonband vorgestellt. Wenn man KRAFTWERK kennt, weiß man, dass dieses Vorgehen viel besser in das Konzept passte. „RADIOAKTIVITÄT“ oder auch „RADIO-ACTIVITY“, wie das Album in Amerika hieß, präsentierte einige unvergessene Melodien, wie zum Beispiel das Titelstück „Radioaktivität“, welches noch einen absoluten Pro-Atomkraft-Text aufwies. Auf ihrer Mix-CD Anfang der 90er dann wurde die Zeile „Radioaktivität“ geändert in „Stoppt Radioaktivität“. Interessant sind noch „The Voice Of Energy“ und“ Ohm Sweet Ohm“, wobei auch weiterhin zu sagen ist, dass „Radioaktivität“ eher ein Konzept-Album ist, auf dem die poppigen und melodischen Elemente Klangexperimenten unterworfen wurden. Trotzdem, ein wahrer Klassiker. (H.H.)


KRAFTWERK – Autobahn (LP 1974)

(Kling Klang/Emi)

Viele, die sich nicht so sehr mit KRAFTWERK auskennen, glauben, dass „Autobahn“ die erste Schallplatte dieser Gruppe sei. Dies ist allerdings nicht wahr, denn es ist bereits die vierte, bzw. schon die fünfte. Ralf Hütter und Florian Schneider haben sich in Düsseldorf auf der Universität kennen gelernt und arbeiten seit 1968 musikalisch zusammen. 1970 veröffentlichten sie zusammen mit einigen anderen Musikern unter dem Bandnamen ORGANISATION ihre erste LP mit Namen „Tone Float“. Gleich darauf gründeten sie ihr Studio mit dem genialen Namen KLING KLANG und Ralf und Florian spielten fortan alleine und unter dem Namen KRAFTWERK. Die erste Platte mit Titel „Kraftwerk“ war bald eingespielt und man tingelte ein wenig in der Gegend umher, ergatterte sogar einen TV-Auftritt im „Beat-Club“ mit ihrem Stück „Truckstop Gandolero“. Schon mit ihrem zweiten Album „Kraftwerk 2“ konnten sie noch mehr Aufmerksamkeit erregen. Kurz darauf folgte die Langspielplatte „Ralf und Florian“. Bis hierhin war die Musik noch sehr gewöhnungsbedürftig, geht ein wenig in die Freejazz-Richtung.

Danach taten die zwei ihren geschichtsschreibenden Schritt und kauften sich den legendären Mini-Moog. Dieses Gerät benutzen heute sogar noch einige DJs und Musiker, es ist nicht besonders komfortabel und man kreiert Töne, indem man etliche Kabel in die vielen verfügbaren Buchsen steckt und Tausende von Knöpfen und Reglern dreht. Außerdem entledigten sich Ralf und Florian ihrem hippymäßigen Äußeren und stylten KRAFTWERK durch, vergrößerten sich sogar zu einem Quartett. Mit ihrem 1974 erschienenen Album „Autobahn“ und der gleichnamigen Single haben sie den ganz großen Durchbruch geschafft. „Autobahn“ ist ein echter Durchbruch und legte den Grundstein für eine sagenhafte Welteroberung. Kaum eine Band, die nicht in irgendeiner Form von KRAFTWERK beeinflusst wurde. Alleine schon das Titelstück „Autobahn“ hat eine Länge von 23 Minuten und brach damit alle Popmusik-Normen. Außerdem brachte Ralf als Sänger das erste Mal Stimmen (mit einem Vocoder verfremdet) in die Musik ein, jedenfalls bei „Autobahn“. Die zweite Seite der LP beinhaltet die Tracks „Kometenmelodie 1“, „Kometenmelodie 2“, „Mitternacht“ und „Morgenspaziergang“ und sind wieder allesamt instrumental.

„Autobahn“ dürfte eines der wegweisendsten und revolutionärsten Alben aller Zeiten sein. Derart elektronische Musik mit Pop zu verbinden und dies auch noch zu einem kommerziellen Erfolg zu führen, ist ein Kunststück, welches man KRAFTWERK ohne Kompromisse zuordnen muss. In Deutschland hat sich die Single und die LP in den Top Ten platziert, doch „Autobahn“ ist auch das erste deutschsprachige Album, dass in den USA bis in die Top Ten kam (genaugenommen Platz 5). Dies ist Capitol Records zu verdanken, die großen Weitblick bewiesen haben und in KRAFTWERK großes Potenzial sahen. In England übrigens schaffte es das Album sogar bis auf Platz 4. (H.H.)