BACK AGAIN: ELECTRO

KLINIK - End Of The Line
KLINIK - Live

KLINIK - End Of The Line (CD-Box 2001)

(Dependent/SPV)

KLINIK gehört Mitte bis Ende der 80er Jahre zur Speerspitze der belgischen EBM-Szene und waren neben Front 242 wohl die einflußreichste Band. Nach dem Ausstieg von Dirk Ivens und dessem Erfolg mit Dive und Sonar, führte Marc Verhaegen KLINIK alleine weiter, konnte aber nie an die früheren Erfolge anschließen. Nun liegt eine umfassende Retrospektive vor, in Form von 4 CDs, wovon jeweils eine Remixe enthält, eine ein komplettes Livekonzert von 1989, eine eine Best Of Zusammenstellung aus der Zeit mit Ivens und eine weitere eine Best of aus den 90ern. Optisch ist das ganze KLINIK-typisch recht schlicht gehalten, aber wirkt doch sehr edel. Schade nur, daß das dicke Booklet ausgesprochen wenig Informationen enthält, wenigstens eine komplette Discographie habe ich erwartet, wurde diesbezüglich aber enttäuscht.

CD 1 enthält 12 Remixe und Bearbeitungen von Musikern und Gruppen wie Tim Schuldt, Dirk Ivens, Covenant, P.A.L., Attrition, Suicide Commando, Winterkälte und einigen anderen. Ich bin an sich kein großer Fan von Remixen. Hier gibt es bessere und schlechtere, aber kein Studioarbeiter erreicht auch nur im entferntesten die Atmosphäre der Originalsongs. CD2 ist die Best Of Zusammenstellung der 80er Jahre und enthält unsterbliche Klassiker wie „Sick In Your Mind“, „Black Leather“, „Insane Terror“ und und und...leider nicht immer in den besten Versionen, aber trotzdem kommen hier nostalgische Gefühle auf. Fehlen tut lediglich „Moving Hands“, das aber immerhin auf der Remix- und der Live-CD enthalten ist und somit nicht ganz in der Box fehlt. Vermissen tue ich weiterhin Sachen wie „Sabotage“, „Decay“, „Burning Inside“ und „Melting Close“, aber das ist natürlich nur meine subjektive Meinung und dann wäre es wahrscheinlich eine 5-CD-Box geworden (was ja auch nicht schlimm wäre). Die Live CD 3 enthält weitere Klassiker wie „Fever“ und „Face To Face“ und zeigt, daß auch Electro-Bands durchaus interessante Bühnenaktivitäten entwickeln können. CD 4 schlußendlich zeigt noch einmal, wie Marc Verhaegen in den vergangenen 10 Jahren versucht hat, KLINIK mit wechselnden Mitmusikern am Leben zu erhalten und durchaus auch gute Musik produziert hat, ohne jedoch jemals die Intensität des Originals zu erreichen. Das haben Anfang/Mitte der 90er Epigonen wie Plastic Noise Experience oder dir frühen Suicide Commando besser gemacht.

Dennoch ist diese Box ein gelungenes und relativ preiswertes Sammlerstück und zeigt, wo viele heutige Bands ihre Einflüsse her haben. KLINIK waren nunmal stilprägend und ohne sie klänge sowohl die heutige Electro-, als auch die Minimal- und Industrial-Szene wahrscheinlich ganz anders. (A.P.)


KLINIK – Live (CD 1993)

(Antler Subway)

Das belgische Projekt KLINIK hat seit Mitte der Achtziger die EBM-Szene stark beeinflusst. Nach dem Weggang von Marc Verhaegen allerdings hat der Einfluss-Faktor stark nachgelassen. Dieses Album hier präsentiert 13 Songs, die im Jahre 1993 in Hamburg, Osnabrück, Würzburg, Berlin und Gent (Belgien) aufgenommen wurden. Darunter gibt es auch drei Stücke („Arrogance“, „Hypnotize“ und „Test-File“), die bislang noch auf keinem Album zu finden waren. Der Rest ist bekanntes bis halbbekanntes Material. Die einzelnen Tracks bestehen eigentlich zum größten Teil aus vorprogrammierten Sequenzern, die unendlich lange rauf und runter zucken. Das zieht sich vom Anfang der CD bis zum Ende und ist einfach und definitiv langweilig. Sorry, dass ich das so offen sagen muss und ich mir damit wahrscheinlich Feinde mache, aber innovativ oder spannend finde ich das leider nicht. Ich kann dieser Sache nichts abgewinnen. (H.H.)