BACK AGAIN: ELECTRO

Split - BRANDSTIFTER / HEIMCOMPUTER 80
HEIMCOMPUTER 80 – Unsere Moderne Welt

Split - BRANDSTIFTER / HEIMCOMPUTER 80 (7“EP 2003)

(www.kernkrach.de )

Das „Institut zur freundlichen Nutzung von Kernkrach“ ist bekannt fürs Ausgraben von Früh-80er Minimal-Electro- und Wave-Klängen und der Veröffentlichung davon auf originell verpackten und limitierten 7“-Singles.

Heinz und Jörg sind jedoch auch auf heute aktive Bands gestoßen, die einen lohnenswerten Sound produzieren und haben deshalb das Sublabel Hertz-Schrittmacher gegründet.

Die erste Veröffentlichung ist diese Split-EP von BRANDSTIFTER und HEIMCOMPUTER 80. Zumindest das zweit genannte Projekt kennt man spätestens seit der schönen CD „Unsere Moderne Welt“, aber auch der BRANDSTIFTER ist mir schon mal irgendwo auf Tape oder so zu Ohren gekommen.

BRANDSTIFTER ist mit dem langen Stück „Diddl Youth“ vertreten, dass zwar soundtechnisch nicht ganz überzeugt (ziemlich übersteuert), aber ansonsten ein schön chaotisches Minimal-Wave-Stück ist. Ist es vermessen, wenn ich mich an Bands wie Chrome oder Tuxedo Moon erinnert fühle? Der zweite Track „Leptosomen“ geht nur eine gute halbe Minute und ist wohl eher ein Sound-Experiment, als ein richtiges Lied. Dafür wird einmal mehr die Überlegenheit der Vinyl-Schallplatte gegenüber der CD bestätigt, denn hier gibt es am Ende eine Endlosrille.

Von HEIMCOMPUTER 80 gibt es dann wieder gewohnte Klänge mit dem Stück „Computron“ zu hören. Minimalistischer Computersound mit jeder Menge Samples, die wohl aus diversen Computerspielen stammen dürften und verfremdet wurden. Ähnlich geht es auch beim zweiten Track „12XU“ vor, der wohl eine Coverversion, eine sehr eigenwillige wohl gemerkt, eines alten Wire-Songs ist.

Um es mal in C64-Basic zu schreiben:

10 goto „kernkrach website“
20 print „ich möchte diese single bestellen“
30 poke 65253 = „ hoffen, dass es noch ein Exemplar gibt“.

Wie immer ist die Platte auf 200 Exemplare limitiert und kommt in stets individueller, Hand gemachter Verpackung. Diesmal hat man bei Kernkrach einen Karton mit alten Polizei-Formularvordrucken gefunden und diese statt dem Altpapier einer sinnvolleren Verwendung zugeführt. Wieder einmal ein Pflichtkauf, wenn man mit dieser Musikrichtung etwas anfangen kann. Und auch wieder einmal eine absolut liebenswerte, individuelle Veröffentlichung. (A.P.)


HEIMCOMPUTER 80 – Unsere Moderne Welt (CD 2002)

(L.White Records www.lwhite-records.de www.8bit-musik.de )

Und wieder mal eine Minimal-Electro-Scheibe, die auf lächerliche 200 Exemplare limitiert ist. Mit dem Argument, dass man nicht weiß, wie viele Exemplare von so einer Veröffentlichung weggehen und man deshalb nur wenige hergestellt hat, kann mir inzwischen keiner mehr kommen, denn erstens weiß inzwischen jeder, dass es eine gewisse Klientel für solche Klänge gibt, so dass auch einige 100 CDs mehr weggehen und zweitens wird ja ganz bewusst mit der geringen Auflage geworben. Immerhin hat L.White Records nicht aufgrund der kleinen Auflage den Preis unverschämt hoch angesetzt, wie manch andere Bands und Labels es tun. Gerade bei einer CD-R Veröffentlichung, wie hier, macht eine Limitierung keinen Sinn.

Aber das ist in dieser Szene ein allgemeines Problem und soll nicht meine Meinung zur Musik von HEIMCOMPUTER 80 beeinflussen. Kurz gesagt: die Musik hält, was der Projektname verspricht. Minimalistische Electroklänge, ganz im Stile der 80er Jahre, die auf Heimcomputern von so kultigen Herstellern wie Atari, Commodore und Schneider produziert wurde. Schon die ausgesprochen erfolgreichen Welle: Erdball haben auf ihren letzten Alben immer auch ein Lied vom Commodore C 64 dabei gehabt und das klang immer ausgesprochen sympathisch. Teilweise klingt es tatsächlich wie die legendäre Musikuntermalung zu vielen Spieleklassikern. Mal ist es tanzbar, mal etwas experimenteller und eben immer extrem minimalistisch. Allerdings muss ich dem heutigen Glauben widersprechen, dass die damaligen Computer eben nur derartige Klänge zustande gebracht haben. Da war durchaus mehr drin, nur ist eben diese Musik, die es auch hier zu hören gibt derzeit angesagt und so wird sich gar nicht bemüht, mehr aus den alten Maschinen herauszuholen. Das heißt jedoch nicht, dass ich auch nur das Geringste gegen „Unsere Moderne Welt“ einzuwenden hätte, im Gegenteil, die CD macht wirklich Spaß, auch wenn es stilechter gewesen wäre, das Ganze auf Vinyl zu veröffentlichen. Viel Gesang gibt es nicht, hauptsächlich Sprachsamples, in denen auch mal politische Themen vorhanden sind, die aber insgesamt zu schwammig bleiben, um sich da ein Urteil zu bilden, ob es nur ein Stilmittel oder tatsächlich eine Stellungnahme ist. Wer Vergleiche braucht, sollte sich in seiner Fantasie irgendwas zwischen Notstandskomitee/Das Kombinat und Welle: Erdball/Bakterielle Infektion vorstellen und trifft den Punkt damit recht genau. Die CD kommt mit einem gedruckten A5 Cover in einer Plastiktüte, der auch noch eine gute alte 5 ¼ Zoll Diskette beiliegt, die ich leider nirgendwo reinschieben kann, um zu überprüfen, ob sie irgendwelche interessanten Daten enthält. Im Zeitalter von CD-R, DVD+R, Tesafilm und anderen Datenspeichern also ein netter Anachronismus, der bei dieser CD Sinn macht, aber natürlich nicht mehr als ein netter Scherz ist. Natürlich dürfte es inzwischen schwer sein, die Veröffentlichung irgendwo zu bekommen, aber im Mailorder Bereich von www.bakterielle-infektion.de sollten Chancen bestehen.(A.P.)

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden