BACK AGAIN: ELECTRO
|
BAKTERIELLE INFEKTION –
Cities Of Glass BAKTERIELLE INFEKTION – Cities Of Glass (CD 2005) (Genetic Music www.geneticmusic.de )
Thema der CD ist, knapp zusammengefasst, der Überwachungsstaat und so geht es in „Die Hand Der Bundesregierung“ gleich mit Aufnahmen aus dem „Deutschen Herbst“ 1977 los. Man hört die Stimme Hanns Martin Schleyers, der damals von Terroristen der Rote Armee Fraktion entführt und später ermordet wurde, um Terroristen freizupressen. Ein düsterer Anfang, der gleich danach vom ersten Hit des Albums abgelöst wird, „Actors On Stage“, bereits bekannt von der „Global Players“ Live-7“. Keine Frage, dass das ein Hit in allen Clubs und auf den einschlägigen Partys wird. Mit „We Don´t Have Any Dreams“ und „At Home“ bleibt es minimalistisch, wird aber gleichzeitig auch waviger, während der Titeltrack „Cities Of Glass“ klassischen Minimal-Electro bietet, der nicht zu eingängig daher kommt und vor allem die „ganz alten“ Fans begeistern dürfte. Wer die Single von The Normal auch heute noch mag, liegt hier richtig. Ähnliche Richtung, aber noch experimenteller und düsterer: „Crawling And Falling“. „Untitled And Unfinished“ enthält einen Text von Ian Curtis (Joy Division), der nicht mehr von der Band vertont wurde. Hier klingt das Stück zwar nicht wirklich nach Joy Division, trifft aber dunkel-wavig den Geist der Gruppe recht gut. Das wird sicher ein BAKTERIELLE INFEKTION-Langzeit-Favorit. „Großstadtleben“ ist dann wieder ein treibender Clubhit, der direkt aus der Früh-80er Tapeszene stammen könnte, die zum Beispiel das Kernkrach-Label so schön aufarbeitet. Wenn man´s nicht wüsste (und der Sound nicht so gut wäre), würde man den Song nie ins 3. Jahrtausend einordnen. Ein wenig an Kraftwerk, zumindest, was die Musik angeht, erinnert „Nothing Real“, ein absoluter Ohrwurm. Ein kurzes Instrumentalstück im ähnlichen Stil ist „Made In Europe“, bevor „No World Without Borders“ endlich auch mal die Industrial-beeinflusste Seite der Berliner zeigt, die in den letzten Jahren leider etwas in den Hintergrund gerückt ist. Klinik-Fans werden hier begeistert sein, genau, wie ich. „Wegen Dir“ ist kein Ärzte Cover, wie man annehmen könnte, sondern ein ultra-eingängiges, spaciges Minimal-Wave Stück, das ebenfalls aus den ganz frühen 80ern stammen könnte und ein wenig an den frühen Gary Newman erinnert. Da BAKTERIELLE INFEKTION auch immer für die eine oder andere Überraschung gut sind, haben sie hier unter dem Titel „Keine Angst“ Razzias „Arsch Im Sarge“ gecovert. Allerdings ist der eigentlich gute Text kaum zu verstehen, wenn man das Original nicht kennt und das Stück hat nicht die Energie des Punk und ist zu vorhersehbar. Leider eine nicht ganz so gelungene Coverversion, die aber live deutlich dazu gewinnen dürfte. Nun, ich bin sowieso kein großer Fan von Coverversionen. „Postage“ ist ein atmosphärisches Instrumental mit vielen schönen Atari-Telespiel-Sounds und „Echo“ schlussendlich schließt das Album ab und fungiert als kurzes Outro. Damit endet ein durchweg spannendes Minimal-Electro-Album, das sich selbst keine Grenzen setzt (deutsche Texte, Samples, englische Texte, Instrumentals, unzählige Einflüsse). Einziges kleines Manko ist vielleicht, dass der Gesang nicht besonders „offensiv“ abgemischt wurde und so hier und da eher wie ein zusätzliches Instrument erscheint, aber das ist natürlich völlig in Ordnung, wenn es gewollt ist. Auf jeden Fall werden sich andere aktuelle Minimal-Bands an diesem Werk orientieren müssen. Dass ein paar langlebige Clubhits aus „Cities Of Glass“ bleiben, dürfte sowieso keine Frage sein. (A.P.) Split – BAKTERIELLE INFEKTION / A² (7“EP 2002) (MNDR)
Dafür wird man aber voll
und ganz durch die Musik entschädigt, denn die ist durchgehend absolut
klasse! Die zwei Titel von A² sind mal wieder so minimalistisch, wie man
es sich nur wünschen kann, kleine Electroperlen, die so auch aus den
Jahren 1980-82 oder so stammen könnten, wobei mir der erste Titel „Ziellos
Ohne Sinn“ etwas besser, als der zweite „Special Forces“ gefällt. Auch
BAKTERIELLE INFEKTION bieten gewohnte Klänge und dürften mit „Tonight“
auch wieder den einen oder anderen Discotheken-Einsatz bekommen. Auf dem
Cover steht als zweiter Song „Actor´s On
Schade, dass diese Single mal wieder auf wenige Exemplare limitiert ist und dadurch zum einen ziemlich teuer wird und zum anderen auch kaum noch erhältlich sein dürfte. Versucht es mal bei www.geneticmusic.de oder www.bakterielleinfektion.de (von A² habe ich leider keine Emailadresse zur Hand. Für Minimal-Electrofans gibt es hier auf jeden Fall vier wunderbare Tracks zu hören, die eigentlich in viel mehr, als nur 300 Sammlungen gehören. (A.P.) BAKTERIELLE INFEKTION – Global Players E.P. (7“ EP 2002) (Invisible Records, invisible-records@gmx.net )
Liveplatten von Electrobands sind häufig ausgesprochen langweilig, weil kaum Platz für Improvisation ist und alles meist wie auf den Studioreleases klingt. Anders bei BAKTERIELLE INFEKTION, die doch anders klingen , als gewohnt, natürlich vor allem wegen des Gesanges. Die Songs werden nicht einfach nur reproduziert,sondern klingen deutlich rauer und eben live. Leider hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit Uwe Marx und Roger Semsroth auf der Bühne zu erleben, aber mit dieser Single bin ich sehr gespannt darauf. Wer auf Minimal-Electro steht und da auch mal auf weniger sterile Klänge, sollte versuche, sich dieses Schätzchen zu sichern. Dürfte demnächst bei Ebay unverschämte Sumen kosten. (A.P.) BAKTERIELLE
INFEKTION – Dreamless (CD 2000) (Genetic
Music, www.conx.de/genetic,
www.bakterielle-infektion.de
)
„Dreamless“ bietet gut 40 Minuten minimalistische, elektronische Analogsounds, die in der gleichen Form auch bereits in den 80ern erschienen sein könnten. Zu den Vorbildern des Duos dürften Helden wie Christof Glowalla, Inertia und wohl auch ganz besonders The Klinik gehören. Aber auch Musiker wie Fad Gadget („Duroplast“) oder John Foxx stehen sicherlich in den Plattensammlungen der Bandmitglieder. Auf „Dreamless“ sind die Sounds ausgesprochen experimentell, daß die Band aber auch poppiger und eingängiger zu Werke gehen kann, hat sie spätestens seit der Split 7“ mit Christof Glowalla bewiesen. Diese CD ist endlich mal ein für jeden zugängliches Werk von BAKTERIELLE INFEKTION, während die bisherigen Veröffentlichungen meist auf Kleinstauflagen limitiert waren, was ich sehr schade finde, da es die Preistreiberei, die besonders im Industrial-Bereich immer schlimmer wird, unnötig unterstützt. Gute Musik sollte doch jedem zugänglich sein! Tanzbar sein können Uwe und Roger übrigens auch, was sie z.B. in „Living Like A Robot“ eindrucksvoll beweisen, das wie eine Mischung aus Kraftwerk und uralten Bands wie Weltklang oder Stratis klingt. Also, wenn man mal was von BAKTERIELLE INFEKTION in die Finger bekommt, sollte man das nicht stehen lassen, könnte schnell zu einem gesuchten Sammlerstück werden. (A.P.)
(A & T
Records / www.bakterielle-infektion.de ) Wie beinahe alle früheren BAKTERIELLE INFEKTION Veröffentlichungen, ist auch diese 1999er Maxi (damals limitiert auf 400 Exemplare in einer DVD-Box) nicht mehr erhältlich und sicherlich ein gesuchtes Sammlerstück. Wie gewohnt gibt es minimalistischen Analog-Techno Sound im Stile der 80er zu hören. Hier fühle ich mich diesmal ein wenig an damalige Projekte wie Das Kombinat und frühe Plastic Noise Experience erinnert, wobei „Switched Off“ sicherlich in einigen guten Discos und bei entsprechenden Parties einen Tanzflächenfüller abgeben dürfte. Aber auch die übrigen 4 Lieder, besonders „In Parallel“, überzeugen durchweg. Knapp 15 Minuten purer BAKTERIELLE INFEKTION-Sound, der Freunde und Sammler von rhythmisch-tanzbarem Minimal-Experimental-Electro in Verzückung geraten lassen dürfte. (A.P.) BAKTERIELLE INFEKTION – Sleepless (CD-R 1998) (A & T
Records, www.bakterielle-infektion.de
)
|