BACK AGAIN: ELECTRO

ANTI TRUST – It´s Not The End But The Bridge To The Evasion On Stake
ANTI TRUST - Anxiety

ANTI TRUST – It´s Not The End But The Bridge To The Evasion On Stake (Tape 1986)

(NLW lindbergh@backagain.de )

Die vierte reguläre ANTI TRUST Cassette sollte auch die letzte sein, nicht, weil Haiko Herden keine Lust mehr gehabt hätte, Musik zu machen, sondern, weil er das ANTI TRUST-30 Minuten-Konzept nicht mehr durchhalten konnte oder wollte (nehme ich mal an). Die Folge war das Projekt The Evasion On Stake, das bis weit in die 90er Jahre hinein Musik aufnahm, veröffentlichte und in einer damals lebendigen Tapeszene so manchen Erfolg verbuchen konnte, auch live bei Auftritten in ganz Deutschland. „It´s Not The End But The Bridge To The Evasion On Stake“ ist genau das, was der Titel andeutet, eine Überleitung vom einen zum anderen Projekt. Hier werden alte ANTI TRUST Stücke nochmals in neuen Versionen vorgestellt, aber auch Lieder präsentiert, die man eigentlich schon The Evasion On Stake zuordnen kann. Dabei beschränkt Haiko sich auf instrumentale Titel, die sich ziemlich genau zwischen dem Minimal-Wave von ANTI TRUST und dem Monumental Wave-Pop von The Evasion On Stake bewegen und die typischen Streichersounds zu Gehör bringen, die man so lieb gewonnen hat. Leider ist das alte Problem der manchmal übersteuerten Aufnahmen auch noch vorhanden, so dass einige wirklich gute Songs  soundtechnisch doch ein wenig verlieren. Das macht eine Wiederveröffentlichung teilweise etwas schwierig, aber ein spaciges Instrumentalstück wie „Carillon“ findet sicher irgendwann seinen Weg zu einer breiteren Hörerschaft. Letztendlich merkt man den Songs an, dass sie in einer Übergangsphase entstanden sind und teilweise etwas unfertig klingen, aber die vorhandenen Ideen sind großartig und wurden später ausgebaut. Dementsprechend ist „It´s Not The End But The Bridge To The Evasion On Stake“ eigentlich eine Doppelveröffentlichung, nämlich das letzte Tape der ersten ANTI TRUST-Phase und das erste von The Evasion On Stake. Welche Musiker bekommen solch ein geniales Konzept schon hin? (A.P.)


ANTI TRUST - Anxiety (Tape 1986)

(haiko@backagain.de)

Haiko Herden , Macher der Back Again-Seiten und von www.haikosfilmlexikon.de ist vielseitig begabt. Neben den Internet Seiten macht er noch eine monatliche Fernsehshow im Offenen Kanal Hamburg, hat jahrelang im gleichen Kanal eine Radioshow moderiert, dreht Filme und macht seit den frühen 80er Jahren Musik. Die meisten Bands und Projekte sind sang- und klanglos vergessen, aber mit seinen Bands The Black Ribbon, Johnny Beton und vor allem The Evasion On Stake kann er auf diverse Tapeveröffentlichungen, Beiträge zu CD-Samplern und Liveauftritte zurückblicken. Vor dem Soloprojekt The Evasion On Stake gab es bereits ein anderes Projekt, welches heute nahezu vergessen ist: ANTI TRUST. 1986 gegründet mit dem Konzept, für einen Song incl. Textschreiben, Komponieren und Aufnahme nicht mehr als eine halbe Stunde zu brauchen, sind in dem Jahr zwar unzählige wirklich billige Schrottsongs entstanden, aber auch ein paar Perlen, die das Zeug gehabt hätten, zu Minimal-Electro-Klassikern zu werden, was aber wohl daran gescheitert ist, daß vernünftige Aufnahmemöglichkeiten und die Möglichkeit zu einer vernünftigen Veröffentlichung fehlten. Wirklich konsequent durchgezogen wurde das „30 Minuten“-Konzept auf dem ersten Tape „Anxiety“. Auf knapp 60 Minuten sind insgesamt 23 Songs vertreten, die man größtenteils wohl als rohe Ideen beschreiben kann. Viele der Songs sind in späteren Jahren von anderen Bandprojekten ausgearbeitet und in besserer Qualität aufgenommen worden und so im kleinen Rahmen zu „Kultsongs“ geworden. Schon auf „Anxiety“ hat Haiko aber gezeigt, daß es ihm völlig egal ist, was musikalisch gerade so angesagt ist. Mit einem aus heutiger Sicht primitiven Casio-Synthie wurden teils eingängige, teils experimentelle Songs aufgenommen, die besser ausgearbeitet echtes Hitpotential gehabt hätten. Nun ja, an den Texten hätte man noch etwas mehr feilen können, da scheint damals der Reimfaktor teilweise wichtiger gewesen zu sein, als der Inhalt. Schade, daß die Aufnahmequalität teilweise berauschend und stark übersteuert ist, sonst könnte man so manchen Titel durchaus heute auf einem Minimal-Label wie „Genetic Music“ veröffentlichen und mit Sicherheit die nicht geringe Fanschar solcher Projekte wie Bakterielle Infektion, Alien Skull Paint oder Nejet Nok ansprechen können. Mit den nachfolgenden Tapes „Cindy S.“ und „Brennendes Land“ verfeinerte ANTI TRUST seinen Stil und schuf weitere Minimalperlen, von denen die besten nur auf eine vernünftige Veröffentlichung warten. (A.P.)

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