BAD MANNERS - Don´t Knock The Baldhead


Erstveröffentlichung: CD / Pork Pie / Efa

Aus dem Hause PORK PIE, bekannt für gute Ska-Scheiben, kommt wieder einmal etwas neues. Die Band von BUSTER BLOODVESSEL ließ es sich nicht nehmen, ein neues Album bei diesem Label rauszubringen. Jetzt im Jahre 1997 ist die Band 20 Jahre alt geworden. Die Entstehung des Albums hat ebenfalls viele Jahre gedauert, doch herausgekommen ist eine Mixtur aus ultrahippen Songs, die allesamt einfach prima sind, weil sie melodiös und, ich kann es gar nicht beschreiben, einfach gelungen sind. Die BAD MANNERS sind übrigens nicht nur durch ihre Musik bekannt geworden, sondern auch durch oben genannten Sänger, der wohl ein wenig schwergewichtigt ist, schon in Filmen mitspielte wie z.B. in Stephen Frear´s ""Sammy und Rosie tun es"" und der ein Hotel namens Fatty Towers eröffnete, ein Haus nur für dicke Leute, die dazu stehen. Also, wenn Ihr Euch was gutes tun wollt und auf Two-Tone-Ska steht, dann sei Euch diese BAD MANNERS-CD wärmstens ans Ohr gelegt! (H.H.)

DOPPELBOCK - Ich bin ein Gott


Erstveröffentlichung: CD / Modern Music Records / Rough Trade

Also, das Info zu dieser CD sagt, daß sich die Bad Homburger DOPPELBOCK im Jahre 1980 gegründet haben und im Jahre 1992 ihre Debüt-LP selbst rausgebracht haben. Das ist natürlich eine tolle Sache, die hätte ich ja mal gerne gehört, eine LP, auf die eine Band zwölf Jahre hingearbeitet hat. Nach dieser Veröffentlichung gab es dann eine Demo-CD in 1994 und nun kommt ""Ich bin ein Gott"". Musikalisch geht es hier um Proleten-Punkrock mit leichten Rock´n Roll-Einschüben, was ja auch seine gewissen Reize hat, so werden hier z.B. textlich die Dinge angesprochen, die das Leben bestimmen: Alkohol, Sex, dämliche Nazis und Parties. Ja, also Dinge, die einen berühren. DOPPELBOCK sind vielleicht nicht unbedingt die originellste Band unter dem Punkrockhimmel, aber auf alle Fälle eine Bereicherung der Sammlung mit Wiederaufleg-Garantie. (H.H.)

DIE DORAUS & DIE MARINAS - Kleines Stubenmädchen


Erstveröffentlichung: 7 Inch 1982 / Teldec

Nach dem Megahit „Fred Vom Jupiter“ und der erfolgreichen LP „Blumen Und Narzissen“ war der Druck, einen Nachfolgehit produzieren zu müssen immens. Mit „Kleines Stubenmädchen“ gelang es ANDREAS DORAU zwar vom musikalischen Standpunkt her, nicht jedoch, was die kommerzielle Seite angeht. Mir persönlich gefallen viele DORAU-Lieder heute besser, als „Fred Vom Jupiter“, „Kleines Stubenmädchen“ gehört definitiv zu den schönsten Songs. Die Melodie ist wunderschön, der Gesang gewohnt naiv und der Text, wenn man möchte, auch schlüpfrig interpretierbar. Warum das 1982 kein Nummer 1-Hit geworden ist, verstehe ich nicht. Wahrscheinlich hatten die Schlagerproduzenten der großen Plattenfirmen zu diesem Zeitpunkt schon die Fäden der NDW in der Hand, um sie kommerziell auszuschlachten und da passte ein sich leicht anarchisch gebender Jüngling, dem Gerüchte auch noch Beziehungen zu seinen minderjährigen Chorsängerinnen nachsagten, wahrscheinlich nicht ins Bild und so wurde nicht viel Promotion gemacht. Egal, so dürfen die Leute, die diese Single kennen und besitzen, sich wenigstens ein bisschen exclusiv fühlen.

Auf der B-Seite gibt es noch mal den wunderschönen LP-Track „Tulpen Und Narzissen“, der vielleicht einer der typischsten des frühen ANDREAS DORAU ist. Sehr schöne Single, die man als NDW-Fan nicht stehen lassen sollte. (A.P.)

CHRISTIAN DöRGE - Lycia


Erstveröffentlichung: CD 1994 / Hall Of Sermon / SPV

Mit „Lycia“ bringt CHRISTIAN DÖRGE nun auch seine erste CD raus. Außer den Texten und der produktion hat CHRISTIAN DÖRGE bei dieser CD allerdings nicht allzuviel gemacht, wie es scheint. Die Musik wird hauptsächlich durch die Gastmusiker wie Tilo Wolff (LACRIMOSA), Oswald Henke (GOETHES ERBEN) und Troy (CATASTROPHE BALLET) bestimmt, die einzelnen Songs hätten auch problemlos auf den einzelnen Alben dieser Musiker erscheinen können. Auch wenn man die Bezeichung „Neue Deutsche Todeskünstler“ nicht so mag, diese CD gehört sicherlich zu denen, die im allgemeinen in diese Richtung eingeordnet werden. Spannend wird diese CD dann auch nur bei den Songs, die rockiger sind, wie z.B. „Kriegsvögel“. Wirklich schlecht ist diese CD nicht, nur für meinen Geschmack nicht überzeugend genug. Erwähnenswert ist allerdings das gelungen gestaltete Booklet, das alle Texte und einige schöne Fotos enthält. (A.P.)

DöRTE - Top 13

/ Langstrumpf Rec.

DÖRTE ist, um das erst einmal klarzustellen, kein Mädel, sondern eher ein Typ, der Thorsten Spiekermann heißt und früher Bassist bei den STURMSCHÄDEN war. Nach einem bewegten Leben und einem verschlissenem Poloshirt hat DÖRTE sich dann auf DÖRTE konzentriert und ähnlich wie Buttermaker (die beiden haben auch Kontakt) steht er nun alleine mit Akustikgitarren auf der Bühne und trällert seine Lieder, während sein 4-Spur-Recorder neben ihm dudelt. Heraus kommen kleine Pop- und Rock´n Roll-Songs mit schönen Melodien und netten, persönlichen Texten. Persönliches Lieblingslied meinerseits ist „Disco Party"". (H.H.)

HOLGER DOSCH - Stätten Der Welt


Erstveröffentlichung: Buch 2004 / Bodensatz Verlag / ISBN 3-00-012323-7

Ein Buch über die größten Natur- und von Menschen erschaffenen Sehenswürdigkeiten der Welt...keine besondere Erwähnung wert, sollte man denken. Bei diesem Buch ist alles anders. Bilder vom Taj Mahal, der Chinesischen Mauer, dem Berliner Reichstag, dem Eiffelturm und den Niagarafällen kennt man zur Genüge, aber wie sieht es da eigentlich hinter den Kulissen aus? Dieser Frage hat sich Holger Dosch angenommen und an all diesen und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten das fotografiert, was hin und wieder weitaus wichtiger ist, als jedes Naturereignis oder jedes Monument menschlicher Leistungsfähigkeit: die Toiletten!

Nun ist dies nicht das erste Buch über öffentliche Toiletten. Vor gar nicht so langer Zeit haben Stefan Schabenberger und Lars Lindigkeit ihr Buch „Spülen Nicht Vergessen“ mit Bildern öffentlicher Toiletten (inclusive der Benutzer) in Deutschland veröffentlicht, das in Thomas Gottschalk´s Sendung „Wetten Dass...“ ordentlich Werbung bekam und auch tatsächlich recht gelungen ist. Holger Dosch geht das Thema etwas zurückhaltender an und liefert dennoch das bessere Buch ab, weil es weniger Effekt heischend daher kommt. Das Format ist kleiner, es steht kein ganz großer Verlag dahinter, der viel Kohle in Promotion stecken kann und außerdem sind die Bilder ohne menschliches „Beiwerk“ aufgenommen. In seiner Schlichtheit wirkt das Buch sympathisch.

Das Ganze ist auch weniger als das Konkurrenzprodukt auf Belustigung ausgerichtet, sondern sehr sachlich kommentiert, was einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Die Toiletten selbst werden überhaupt nicht kommentiert, sondern es gibt Fakten zu den jeweiligen Orten und einen kurzen persönlichen Kommentar. Im Prinzip also ein ganz normaler Fotoband, nur, dass statt der beschriebenen Stätten eben die jeweils dazu gehörende öffentliche Toilette abgebildet ist.

Dabei ist hoch interessant, wie unterschiedlich in den verschiedenen Regionen der Welt die Bauweise der Toiletten ist. Dass die hygienischen Zustände natürlich auch extrem unterschiedlich sind, ist keine Frage, aber da gibt es so manche Überraschung, denn nicht immer sind die Verhältnisse so, wie man es erwarten würde. Da gibt es einfache Löcher im Boden und vollautomatische High-Tech-Klos, enge Kabinen und geräumige, weiße Toilettenschüsseln, schwarze, braune, silberne und und und.

Und einmal mehr gibt es den Beweis: auf der ganzen Welt gehen die Leute auf Klo, es ist also nicht wie in Hollywood-Filmen, wo diese Örtlichkeit kaum zu existieren scheint.

Ein schönes Buch, ein ungewöhnliches Buch über die gewöhnlichste Sache der Welt und ein sehr unterhaltsames Buch, das auf dem Bücherregal in der heimischen Nasszelle seinen Ehrenplatz finden sollte. (A.P.)

DOSSCHE - Existenz


Erstveröffentlichung: CD 2003 / Zeitbombe Ways / Indigo

Über DOSSCHE habe ich schon so einiges gelesen und auf Zeitschriftenbeilage-CDs gehört. Ob ich bisher je einen Artikel zu ende gelesen oder ein Lied zu ende gehört habe, bezweifle ich mal. Nun habe ich also auch mal ein ganzes Album, das zweite von Doktor Psycho, und kann mir eine vernünftige eigene Meinung bilden.

An sich ist die Musik recht leicht zu beschreiben, denn sie bewegt sich in bekannten Alternative-Rock-Gefilden mit häufigem Einsatz von Metalgitarren und häufig leichten Popmelodien, dazu durchgehend deutsche Texte. Irgendwo zwischen Oomph!, Rammstein, Blind Passengers, Umbra et Imago und Goethes Erben. Das Ganze ist ordentlich produziert, häufig tanzbar und dürfte Fans dieser Art von Musik sicher begeistern. Meine Welt ist es nicht so ganz, aber ich würde nie sagen, dass die CD schlecht ist, nur weil´s nicht mein Geschmack ist.

Was ich den Musikern aber wirklich übel nehme, ist die Coverversion von Rheingold´s „Dreiklangsdimensionen“. Wie man einem derart atmosphärischen Song so jede Seele nehmen kann und ihn zu einem banalen Clubtrack macht, ist schon unglaublich und frech.

Warum immer, wirklich immer, erwähnt wird, dass Herr Dossche praktizierender Psychologe ist, leuchtet mir auch nicht ganz ein, wenn gleich danach gesagt wird, dass die Songs von ihm eben „nicht von der Psycho-Couch“ kommen. Über den einen Musiker der früheren Hamburger Band Fortification 55 wurde doch beispielsweise auch nie geschrieben, dass er „praktizierender Bäcker“ war...

Überhaupt, der Waschzettel zu diesem Album strotzt nur so vor Geschwafel im Stile von „So kann und darf man Dossche zumindest als Songregisseur tiefer mentaler (Lebens-) Filme sehen, wenn nicht gar als ´den musikalischen Wilhelm Reich des avantgardistischen Dark Pops´“. Auch vor Vergleichen mit David Lynch´s Meisterwerk „Blue Velvet“ schreckt man nicht zurück. Vielleicht sollte sich der Schreiber mal selber auf die Couch des Doktors begeben...okay, das war jetzt etwas zynisch, ich gebe es zu.

Naja, was zählt ist ja die Musik und die ist solide, wenn auch nicht innovativ. Zudem ist das Booklet sehr edel und schön gestaltet, was ja auch Freude macht.

Lustigerweise habe ich diese CD 3 Monate vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin bekommen...aber welchen Sinn macht es für das Label, eine fertige Produktion so lange rum liegen zu lassen? Oder richtet sich das Label etwa nach der Erscheinungsweise der bekannten deutschen Musikzeitschriften, die alle im Juli/August eine Doppelausgabe haben? Das wäre nun wirklich peinlich... (A.P.)

DOUGHNUTS - Feel Me Bleed

/ Victory Europe, We Bite / SPV

Hardcore der alten Schule bringt uns eine reine Damenband namens DOUGHNUTS, die gegenüber Männerbands, die ja doch in der Überzahl sind, keinen Deut weicher oder, ja, anders sind, sondern durchaus zu überzeugen wissen mit harten, gemeinen Sounds und Songs, die aber trotzdem hier und da einige melodische Elemente haben. ""Feel Me Bleed"" ist die dritte Veröffentlichung der Band, die ersten zwei sind mir zwar leider nicht bekannt, aber man sagt, daß diese auch hörbar seien. Die Band hebt sich vielleicht nicht durch große, musikalische Eigenständigkeit aus der Masse ab, aber dafür ist die Musik satt und bodenständig. Für Freunde des Genres auf keinen Fall ein Fehlgriff! (H.H.)

DOVER - Late At Night


Erstveröffentlichung: CD / Loli Jackson Records / Chrysalis

Ungefähr im Jahre 1992 gab Christina Llanos eine Anzeige in einer großen, spanischen Musikzeitung auf und suchte Bandmitglieder, die ihren musikalischen Geschmack (Nirvana, R.E.M., Jesus Lizard, Hüsker Dü, Social Distortion) teilten. Es fanden sich ein paar Leute und bis zum Jahre 1995 gab es dann nach vielen Proben und Konzerten das Debüt-Album ""Sister"". Es verkaufte sich satte 800 mal, was die Band nicht sonderlich erfreute. Im Jahre 1997 kam dann das nächste Album auf den Markt mit Titel ""Devil Came To Me"", dieses mal bei einem Major Label. Für eine Fernsehwerbung wurde dann auch ein Song des Albums verwendet und das war der Auslöser, der diese Platte immerhin 500.000 mal verkaufen ließ und der Band fünfmal Platin einbrachte. Außerdem heimste man noch diverse Preise ein und gründete für dieses Album hier sogar ein eigenes Label namens Loli Jackson Records. Musikalisch jedenfalls sind DOVER eindeutig in die Rockecke einzuordnen, sehr melodisch und mit Frauengesang sowieso schon mal als positiv zu verzeichnen, da es gerade in diesem Genre viel zu wenig gibt. Weiterer Bonuspunkt ist natürlich das Herkunftsland Spanien. Alles ist sehr kraftvoll, fett und treibend eingespielt, live soll die Band auch sehr gut rüberkommen und alles spricht dafür, daß Ihr Euch die CD einmal zu Gemüte führen solltet. (H.H.)

DRACONIS - Overlords Of The Greying Dawn


Erstveröffentlichung: CD / Dark Realm Records

DRACONIS ist eine Black Metal bzw. Death Metal-Band, die sich im Jahre 1995 zusammengefunden hat und sich dazu aufgerafft hat, extreme, harte Deathsounds zu kreiren und düstere, aggressive Texte zu schreiben. Wie die meisten Bands des Genres geht DRACONIS genau in dem Deathmetal-Klischee auf mit deathigen Gitarren, satanischen und antichristlichen Düstertexten und einer verzerrten Teufelsstimme als Sänger, bei der man nicht ein Wort versteht. Man darf DRACONIS dafür aber bescheinigen, daß sie rockiger sind als manch einer ihrer Genrekollegen, denn es ist hier nicht nur Krach zu hören, sondern man hört tatsächlich einige Riffs heraus, die die Songs voneinander unterscheiden läßt. Trotz allem überwiegt natürlich das Typische, was Deathmetal so ausmacht und oben schon aufgezählt wurde. Für Freunde ganz sicher ein leckerer Appetithappen und da der musikalische Output der Band überdurchschnittlich ist, soll dann im Herbst 1998 sogar schon die nächste CD für uns erscheinen. (H.H.)

DRACUL - Speichel Und Blut


Erstveröffentlichung: CD / Spirit / SPV

Well, here we have the second release of DRACUL, which is nothing else than a side-project of Umbra Et Imago, as everybody knows and I am not really sure, how to write about this CD. I really find Umbra Et Imago very ridicolous and absurd, because of their really pathetic and cliche-like image and so it is hard to be fair about DRACUL. Anyway, there are some interesting tracks on this release, which is nearly totally electronic plus some antique instruments like bagpipes and a lot of 80s influences. There are some nice songs like ""Tanzen"", which is created for the dancefloors of your local underground discos or ""Zum Lobe Des Herrn"", but I forgot most of the songs five minutes after I heard them, there is nothing really special in this music. Of course we find some sexual fantasies in the lyrics, as we know it from Umbra Et Imago, but that makes me smiling, I had such fantasies in my puberty in the mid 80s.

Not a bad work, but all in all not my cup of tea. How can we call the style? Maybe GBM (Gothic Body Music) ? (A.P.)



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