TOBIAS BERNSTRUP - Technophobic

Wiederveröffentlichung: CD 2018 / Nadanna / Anna Logue Records/Electro Aggeression Records / NADA 7
Erstveröffentlichung: LP 2018 / Nadanna / Anna Logue Records/Electro Aggeression Records / NADA 7

Der Schwede TOBIAS BERNSTRUP ist inzwischen auch schon rund 20 Jahre in der Musikszene aktiv und hat auf Labels aus ganz Europa mehrere Alben und einen Haufen Singles veröffentlicht, so dass wohl fast jeder, der 80s-inspirierten Electro-Pop mag, schon mal irgendwo über den Namen gestolpert ist. Den ganz großen Durchbruch hat BERNSTRUP trotzdem nicht geschafft - wäre aber in den 80er Jahren bestimmt zum Star geworden. Der Sound ist ultra-eingängig, schon synth-poppig und italo-discoig, wird aber mit moderner Produktion und teilweise zeitgemäßen Rhtyhmen kombiniert, so dass die Songs alles andere als altbacken klingen.

Auf dem deutsch-kanadischen Kooperationslabel Nadanna (Anna Logue Records und Electro Aggression Records) legt der Schwede nun das insgesamt sechste Album vor und liefert damit genau das ab, was man sich als Fan erhofft und erwartet. Natürlich ist jeder Songs ein kleiner Ohrwurm (spätestens nach dem zweiten Anhören, und natürlich ist das alles ganz tief in den 80er Jahren verwurzelt. Aufgrund der heutigen Produktionsmöglichkeiten klingt das hier und da auch nach dem Ende der 90er/Anfang der 00er Jahre populär gewordenen Future Pop und hätte damals auch hervorragend auf das leider nicht mehr aktive A Different Drum-Label gepasst. Nadanna ist da aber eine gute aktuelle Alternative, haben sich doch Marc und Nader zum Ziel gesetzt, genau für diese Art von Musik einen Kanal zu schaffen.

Beim Album selbst braucht man keine Überraschungen erwarten, zum Start gibt es ein paar Electro-Pop-Songs, die in ähnlicher Form auch um 1983/84 herum hätten erscheinen können. Dann wechselt der Sound mehr in Richtung Italo Disco, ist ist der Titelsong „Technophobic“ fast schon eine perfekte Alternative zu Gazebo und „Something To Believe In“ wäre ein schöner Hit für Ryan Paris gewesen, hätte dieser ihn damals veröffentlicht. „Hear Me Calling“ (und auch „Utopia“) erscheint wie eine Hommage an Den Harrow und so geht es weiter. Bei „Uncanny Valley“ kommen Gedanken an Projekte wie Hipnosis oder Laser Dance auf. Bei fast jedem Song würde einem ein passender Vergleich einfallen und gäbe es nicht den Wiedererkennungswertvon TOBIAS BERNSTRUPs Stimme, könnte man fast denken, hier einen verschollenen Sampler aus den 80er Jahren zu hören - was absolut positiv gemeint ist.

Man muss aber auch sage, dass die zehn Tracks über normale LP-Länge dann auch erstmal reichen, zu ähnlich ist der Sound dann, wenn man ihn am Stück hört. Es hatte schon Gründe, warum die meisten Italo-Bands damals fast nur Maxis gemacht haben und die Alben häufig nicht an die Single-Hits anschließen konnten. Und auch BERNSTRUP hat ja über die Jahre eine Menge 12“s veröffentlicht, gerne auch in Kooperation mit anderen Künstlern, so dass immer für ein bisschen Abwechslung gesorgt war. Auf diesem Album ist das Stück „Metropolis Of Tomorrow“ zusammen mit HANTE entstanden. Die LP-Version von „Technophobic“ ist somit eine runde Sache und wirkt gar nicht mal so altmodisch, wie man vermuten könnte. Wer in der damaligen Zeit aufgewachsen ist, wird jede Menge Deja Vus haben. Ob man heutige Jugendliche damit erreicht, vermag ich nicht zu sagen, die hören wohl lieber Acts wie Years And Years.

Die LP erscheint in gewohnt aufwendiger Aufmachung mit edlem Cover in limitierter Auflage mit Limitierungs-Zertifikat. Vinyl gibt es in drei Editionen mit insgesamt gut 400 Exemplaren, teilweise auf farbigem Vinyl. Die CD im DigiPak ist auf 200 Exemplare limitiert und erhält neben den normalen Albumtracks auch noch acht Remixe von Künstlern wie Makina Girgir, Techniques Berlin, Covenant und anderen. Ich bin kein großer Fan von Remixen und wie üblich sind bessere und weniger beeindruckende dabei. Wie es bei Remixen gängig ist, zielen diese überwiegend auf die Tanzflächen ab.

Mit „Technophobic“ wird TOBIAS BERNSTRUP auch diesmal nicht den ganz großen Druchbruch schaffen - das verhindert alleine schon die Limitierung auf gut 600 Exemplare (in allen Formaten), aber einige neue Fans werden sicher hinzugewonnen. Die alten werden sowieso mehr als zufrieden sein. (A.P.)



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