LUC STARGAZER - Lunascape


Erstveröffentlichung: CD 2018 / Reptile Music / Altone Music / RM004

Gefühlt steht im Info zu jeder zweiten derzeit erscheinenden CD was von Post Punk und/oder Shoegaze. Oftmals kann man das dann nur mit viel gutem Willen in der Musik entdecken und man fragt sich, ob die Labels da nicht einfach nur einem Trend hinterherhecheln. Klar, viele von den Gruppen sind nicht schlecht oder sogar richtig gut, aber die meisten waren noch nicht mal in der Lebensplanung ihrer Eltern vorgesehen, als Post Punk seine große Blüte Anfang der 80er Jahre erlebte, so dass sie den Sound nicht aus erster Hand kennen.

Was das alles mit LUC STARGAZER zu tun hat? Wenig, denn man muss der ostdeutschen Gruppe bescheinigen, dass sie ihre Post Punk-Lektion gelernt haben, dazu eine ordentliche Portion Gitarren Wave und natürlich auch ab und zu verhallte Shoegaze-Gitarren spielen können. Aber auch dem Genre Rock kann die Band was abgewinnen.

Der Wave-Einfluss dringt gleich im Opener „The Dragonfly“ in den Vordergrund, was vor allem am Gesang liegt, der hier entfernt an alte Heroen wie Play Dead erinnert. Bei „Dramaboy And Traumaqueen“ direkt danach bleibt es wavig, aber atmosphärischer und Gruppen wie alte Pink Turns Blue und Escape With Romeo scheinen ihre Spuren hinterlassen zu haben. Aufgrund der Eingängigkeit wurde der Song auch als Digital-Single ausgekoppelt. Bei „Brightness“ hingegen kommen plötzlich einige Progressive Rock-Anklänge zum Vorschein und werden dem etwas „spacigen“ Bandnamen gerecht. Kann man mögen, muss man nicht, auch weil die Stimme hier zu sehr an so manche Rockbands der 80er erinnert. Da passen auch Intro, Outro und kurze Zwischen-tracks auf dem Album dazu, die eher Klanglandschaften, als Songs sind und dem Werk einen leichten Konzept-Album-Anstrich verpassen.

„Lucy´s Eyes“ hat ein paar elektronische Momente und eine leichte Dark Wave-Stimmung, „like A Ghost“ ist fast schon Goth Rock mit And Also the Trees-Gitarre und einer der Höhepunkte des Albums. Und so geht es weiter...Waviges wechselt sich mit Spacigem und Rockigem ab, so dass ich den „roten Faden“, der im Info erwähnt wird, nicht so richtig erkennen kann. Bei jedem Song könnte man sicher einen „klingt wie“-Vergleich finden, aber das ist nicht schlimm, denn jede Band hat ihre Einflüsse, die mal deutlicher, mal weniger offen zu Tage treten. Lediglich die erwarteten Shoegaze-Klänge tauchen leider nur selten auf, man sollte also nicht mit diesem Anspruch an das Album herangehen. Wer aber auf etwas melancholischen Gitarren-Wave mit einigen Rock-Einflüssen steht und sich an die Stimme des Sängers erstmal gewöhnt hat - ich finde sie nach mehrmaligem Hören gut, kann aber nachvollziehen, wenn jemand sagt, er mag sie nicht -, macht hier nichts falsch. Der bereits erwähnte Vergleich mit Escape With Romeo ist eigentlich recht passend (halt bis auf die Stimme). Bei der Produktion hätte man hier und da vielleicht etwas mehr Druck in die Songs packen können. Man sollte das Album deswegen eher laut hören, leise und nebenbei entfaltet es nicht alle Qualitäten.

Das Album „Lunascape“ wurde bereits 2017 im kleinen Rahmen von der Band selber digital und als CD vertrieben, nun hat sich das Kölner Label Reptile Music die Band geschnappt und macht das Album einer breiteren Hörerschaft zugänglich. Ich bin überzeugt davon, dass die Band live noch mal eine Schippe drauflegt und wenn die Songs hier und da noch ein bisschen mehr Eigenständigkeit entwickeln, könnten LUC STARGAZER einen langen, erfolgreichen Weg gehen. (A.P.)



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