NACHT ANALYSE - System Trappist 1


Erstveröffentlichung: LP 2017 / Young & Cold Records / YCR/NA03

Nach der Vorab-Cassetten-Single „Doch Träumen Wir/Manipulation“ liegt nun endlich auch das erste „vollwertige“ Album des süddeutschen Duos NACHT ANALYSE vor. So kann man sich nach kleineren, sporadischen CD-Rs, 7“s und eben dem Tape, sowie einigen Liveauftritten und Samplerbeiträgen im Grunde das erste mal ein umfassenderes Bild machen, sozusagen eine Bestandsaufnahme und vermutlich auch eine Art Abschluss der bisherigen Entwicklung. Es ist schon eher ungewöhnlich, dass eine Gruppe erst nach so langer Zeit ein Debütalbum vorlegt, was durchaus auch mal schiefgehen kann, wie man am Beispiel Sonnenbrandt sehen musste, wo das Album im Grunde genau zur (vorübergehenden) Auflösung der Band erschien.

Bei NACHT ANALYSE sehe ich diese Gefahr derzeit aber nicht, sondern bewerte es eher als Aufbruch in eine neue Phase, die sicher mit neuen Tracks und einem hoffentlich nicht so weit in der Zukunft liegendem Nachfolgealbum Fahrt aufnehmen wird.

„System Trappist 1“ bietet ziemlich genau das, was man von NACHT ANALYSE erwartet hat, wenig verwunderlich, sind doch einige Stücke bereits bekannt und es ist anzunehmen, dass das Material über einen längeren Zeitraum entstanden und auch bereits liveerprobt ist. Zu hören gibt es eine Mischung aus Electro Wave, Minimal Electro und die beliebten NDW-Einflüsse. Letztere wurden aber gefühlt ein bisschen zurückgeschraubt und so beginnt das Album mit „Hilfeschrei“ und „Masterplan“ eher reduziert und wavig und schön atmosphärisch produziert. „Masterplan“ klingt fast ein bisschen - und ich weiß, dass ich mich da weit aus dem Fenster lehne - wie frühe (und deutschsprachige) Clan Of Xymox ohne Gitarre. Fast schon poppig - im Sinne der 80er Jahre - mit eingängigen Flächen-Synthies ist „Raumschiff“, das musikalisch an Rheingold erinnert, durch Babsi Per Dus Gesang aber genug Eigenständigkeit liefert. Die erste Seite endet dann auch schon mit „Mann Von Nebenan“, das genau so auch 1982 im Zuge der Neuen Deutsche Welle hätte erscheinen können und dann heute als Single sicher ein gesuchtes Sammlerstück wäre.

Die B-Seite beginnt dann deutlich tanzbarer und treibender mit dem Minimal-Electro-Ohrwurm „Scan Mich Ein“, der schon auf so mancher Party für volle Tanzflächen gesorgt haben dürfte und zudem ein sehr gelungenes Video spendiert bekommen hat. Ein echter Hit. Ich könnte es jetzt nicht belegen, aber ist das eine neue Abmischung des Liedes oder sogar eine Neuaufnahme?

Mit „Manipulation“, schon bekannt von der Vorabcassette, folgt ein weiterer Up-Tempo-Song mit Hitcharakter. Wie schon in der Cassetten-Rezension geschrieben, klingt das ein bisschen nach Trans X, aber auch hier durch den Gesang eingenständig genug, um nicht in den Verdacht der Kopie zu geraten. „Autobahn“ danach ist natürlich keine Kraftwerk-Coverversion sondern noch einmal deutlich an die NDW angelehnt und erinnert beim Gesang an die elektronischeren Stücke von New Days Delay. Etwas weniger speziell ist „Korn Um Korn“, schon eingängig und alles andere als schlecht, aber irgendwie auch nicht so besonders und vielleicht der „Schlager“ des Albums. Ähnlich poppig klingt das Album dann mit „Ostblockromanze“ aus...jedes gute Album braucht nämlich unbedingt eine Ballade. Diese bleibt dann auch sofort nachhaltig im Ohr und ich könnte mir vorstellen, dass das Stück auch live gut ankommt.

Und schon ist das Album nach gefühlt kurzer - aber tatsächlich für eine LP völlig normaler - Laufzeit zu Ende und wird direkt neu gestartet. Wie nicht anders zu erwarten war, ist „System Trappist 1“ eines der Top 10 Minimal/Wave-Alben 2017. Die zwei Seiten der Platten zeigen die beiden Gesichter der Band. Zum einen wavig-atmosphärische Stücke, zum anderen eingängig-tanzbare Tracks, was dem Album einen leichten Konzept-Charakter gibt. Bei den Titeln der A-Seite hätte man beim mastern vielleicht etwas mehr Druck geben können, so klingen die an sich sehr guten Lieder etwas zurückhaltend, aber vielleicht war das ja auch gewollt. Das Covermotiv passt eher zur etwas melancholischen Stimmung der „Wave“-Seite und ist schön individuell mit Wiedererkennungswert. Neben einem Beiblatt liegt der auf 444 Exemplare limitierten schwarzvinyligen LP auch noch ein Downloadcode bei. Eine runde Sache also, die die Vorfreude auf neue Stücke belebt, nachdem hiermit die bisherige Bandgeschichte wohl abschließend dokumentiert ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.youngandcold.de


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