AGE ETERNAL - Wash Away


Erstveröffentlichung: Mini-LP 2018 / Instruments Of Discipline / Third Coming Records / Premium Abundance / IOD026 / TCR014 / PA004

Das erste mal auf AGE ETERNAL - ein Projekt einer jungen Musikerin aus Hannover, wenn ich das richtig verstanden habe - bin ich bei der Januar-2018-Tour von Drab Majesty gestoßen, wo sie in Hamburg das Vorprogramm bestritt. Ein kurzes Reinhören im Internet versprach shoegazige Klänge, was ja grundsätzlich schon mal interessant ist. Der Auftritt selber hat zunächst nicht so richtig gezündet, weniger, weil die Musik nicht interessant wäre, sondern eher, weil die Klänge in diesem Rahmen zu ruhig erschienen. Eine junge, in sich gekehrt wirkende Frau mit Gitarre, nur von vorproduzierten Rhythmen und elektronischen Klängen begleitet, präsentierte teilweise recht lange Stücke einem wohlwollenden Publikum. Zum Ende hin verfing der Sound bei mir aber immer mehr und ich fühlte mich teilweise an das „Victorialand“-Album von den Cocteau Twins erinnert. So kaufte ich das bisher erschienene Tape und die zu diesem Zeitpunkt brandneue Mini-LP und beschäftigte mich zu Hause in entspannterem Rahmen damit. Dort passt die Musik dann auch viel besser und kann ihren ganzen Zauber ausstrahlen, der sich irgendwo zwischen Shoegaze und Ambient bewegt, wobei der bereits genannte Coctau Twins-Vergleich nicht ganz falsch ist, die Musik von AGE ETERNAL aber deutlich düsterer erscheint. Das erste Stück „Saturn Knows I´m Here“ erinnert fast ein bisschen an die frühen Sachen von Danielle Dax und das ist nun ganz sicher nicht das schlechteste Vorbild, auch, wenn die Dame heute leider weitgehend vergessen ist. Etwas ätherischer, aber immer noch recht düster ist danach der Titeltrack „Wash Away“, bevor es fast ein bisschen wavig wird. „Temples Are Burning“ hat einen Gitarrensound, der entfernt an den von Vini Reilly von The Durutti Column erinnert.

„Dropout“ leitet die B-Seite ein und ist irgendwo zwischen Julee Cruise´ Musik aus dem „Twin Peaks“-Soundtrack und der Untermalung eines Derek Jarman-Films einzusortieren, sehr atmosphärisch. Mit „Sacrifice“ finden sich dann „endlich“ die im Konzert herausgehörten „Victorialand“-Anklänge wieder, aber auch das Swans-Nebenprojekt Skin mit der ersten LP „Blood, Women, Roses“ kann hier als Vergleich herangezogen werden. „Tissue Of The Mind“ führt diese Richtung weiter, ebenso wie das eher romantisch-leichte - im Vergleich zu den anderen Stücken - „Your Face Looks Different Tonight“, das ein bisschen was von This Mortal Coil hat und die Platte schon wieder beschließt.

Irgendwo auf der Facebook-Seite von AGE ETERNAL habe ich den Begriff „Ethereal-Gaze“ als Beschreibung der Musik gelesen...das passt schon recht gut. Eigentlich würde man diese Art von Musik kaum von einer deutschen Musikerin erwarten, eher schon von einer Isländerin, die in den 80er Jahren auf 4AD veröffentlicht hat. Umso schöner ist es, dass AGE ETERNAL auch hierzulande mit solchen Klängen für Aufmerksamkeit sorgen kann. Mir persönlich gefällt es zu Hause in der richtigen Atmosphäre (noch) etwas besser als live. Ich würde im richtigen Rahmen aber auf jeden Fall wieder hingehen.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich das Cover-Artwork. Schlicht kann zwar grundsätzlich schön sein, aber hier sieht es - man verzeihe mir die Wortwahl - schnell hingeschludert aus. Vielleicht ist das Konzept bei dem Label, aber ich hätte mir da ein bisschen mehr gewünscht, vor allem, was die Cover-Rückseite betrifft. Dafür gibt es aber einen Downloadcode dazu und am Ende zählt ja nur die Musik - und die ist zauberhaft. (A.P.)

Webadresse der Band: ageeternal.bandcamp.com


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