PERSEPHONE - Interview zu Perle


Erstveröffentlichung: CD 2018 / Trisol

Interview mit Sonja Kraushofer von Persephone zum Album „Perle“ per Phoner-Interview
Backagain: Das letzte Album „Letters to a Stranger“ ist ganze 10 Jahre her, jetzt am 19.01.2018 kommt ein neues Album „Perle“ von euch. Warum mussten wir so lange warten?
Sonja: es kommt mir in der Tat gar nicht so lange vor, dass muss ich schon sagen. Es gab viele verschiedene Gründe. Zum einen ist es bei Persephone so, dass die Alben immer sehr viel längere Zeit gebraucht haben. Das hat mit der Detailarbeit zu tun, da jedes Instrument ja mehr oder weniger live eingespielt wird. Das bedeutet sehr viel Arbeit natürlich und unterliegt einem Zeitfaktor. Dann haben wir dazwischen auch die Band Coma Divine gemacht, zusammen mit Martin, welcher auch bei Persephone mit dabei ist. Martin hatte dabei auch einen sehr tragenden Teil dieser Arbeit übernommen und auch das Album von Coma Divine war musikalisch ein sehr anspruchsvolles. Mit Orchesterparts dazu, bedurfte es einiger Zeit das Album zu schreiben, zu entwickeln und dann auch live zu präsentieren. Wir waren also gut unterhalten und die Zeit ist uns schnell vergangen. Dazu kamen auch private Umstrukturierungen, die auch noch einmal Zeit beansprucht haben.
Dann die letzten 2 bzw. 2 ½ Jahre waren wir dann auch intensiv dran, das Album zu schreiben für Persephone. Es war uns schnell klar, dass wir das auch wirklich fertig bekommen können und vor allem auch wollen. 10 Jahre sind zwar insgesamt eine lange Zeit, aber ich hoffe es hat sich gelohnt.
Backagain: Ihr habt einen historischen Roman als Vorlage genommen?
Sonja: Ja das stimmt. Es gibt einen österreichischen Künstler, Alfred Kubin, welchen ich durch Zufall entdeckt habe. Er malt ganz fantastische, düstere Bilder, sehr expressionistisch, die alle immer in so einem tollen Zwielicht gehalten sind. Dieser Künstler hat einen einzigen Roman geschrieben mit dem Titel „Die andere Seite“. Dieses Buch hab ich zufällig in Wien in einer Buchhandlung entdeckt. Ich bin schon jemand, der nach Cover kauft, und ich dachte mir hier, das sieht ja gut aus.
Ich konnte dann gar nicht mehr aufhören zu lesen, das war eine tolle Geschichte die einen so richtig gepackt hat und hineinzog. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon ein paar Skizzen und Texte, aber irgendwie dachte ich mir, Nein ich finde das jetzt so cool, dass wäre ein tolles Thema. Bei Persephone gab es ja immer so einen groben rahmen anhand dem wir die Texte gebaut haben, und hier hab ich dann richtig Lust drauf bekommen. Martin fand das Buch dann auch richtig cool und ab dem Zeitpunkt waren wir so richtig in dieser Kubin Welt. Ich war auf etlichen Ausstellungen und hab Bücher auch über sein Leben gelesen. Er war sehr zurückgezogen und hat nicht so viele Menschen befürwortet, allerdings mit denen die er mochte gab es rege Briefwechsel.
Das Album heißt eben Pearl, aus künstlerischer Freiheit heraus, Perle geschrieben, inspiriert von diesem Buch. In dem Buch geht es um eine Traumstadt die eben auch so heißt. Der Protagonist reist in diese Stadt, welche zu Beginn noch sehr viel Hoffnung in sich birgt. Er denkt es wird ein Neustart, ist sehr aufgeregt, voller freudiger Erwartung. Als er dann in dieser Stadt ankommt geht es sehr rapide bergab, alles verändert sich. Es gibt darin einen magischen Uhrturm, der fast eine hypnotische Wirkung auf die Bewohner hat, der man sich nicht entziehen kann. Das ist alles ein bisschen strange, zudem über allem eine Übermacht thront, die diese Stadt in den Untergang zwingt.
Wir haben versucht, die Geschichte nicht nachzuerzählen, sondern auf unsere Art zu interpretieren. Wir haben natürlich die spannendsten Stellen des Buches auf uns wirken lassen und haben unsere Interpretationen in Texte und Musik einfließen lassen.
Backagain: Das klingt nach einer sehr apokalyptischen Story diesmal.
Sonja: Oh ja (lacht). Da gibt’s dann diesmal keine Hoffnung!
Backagain: Ihr habt alle Instrumente live eingespielt wieder?
Sonja: ja richtig! Für mein natürliches Empfinden gehört es dazu, dass jedes Instrument einzeln eingespielt wird. Natürlich erfordert dies mehr Zeit, als wenn man es programmieren würde. Ich denke es ist eine andere Arbeitsweise, die mich und Martin für Persephone hier einfach verbindet. Wenn wir dann einmal richtig dran sind, geht es auch recht zügig, trotz dieser Arbeitsweise. Das Album jetzt haben wir von Anfang März bis Sommer ganz gut fertig gestellt. Alleine jedoch in diese Themen und Welten einzutauchen erfordert halt einfach mehr Zeit. Es ist auch nicht so, dass wir alles was geschrieben wurde oder komponiert wurde am Ende auch verwenden. Oft gibt es von einem Lied viele verschiedene Versionen, das war diesmal auch ganz extrem. Martin hat mir ganz viele Versionen vorgespielt und dann wurden auch ganz zauberhafte Ideen verworfen, weil es für dieses Thema noch nicht richtig schien. Irgendwann kam man dann an den Punkt, wo der Ahh – Effekt kam, dass es jetzt rund ist und passt. Ich schätze diese Arbeitsweise sehr!
Backagain: Habt ihr Gelegenheit, eure CD live zu präsentieren?
Sonja: wir haben ein Releasekonzert am 7.april auf Schloss Wernigerode. Es sieht auch ganz gut aus das wir im April noch in Kiev spielen, das ist noch nicht zu 100% bestätigt. Ich bin an Konzerten dran. Auch Brüssel ist für den Herbst schon bestätigt in einem wunderschönen Theater. Konzerte von Persephone sollen an besonderen Orten stattfinden und der Abend zu einem besonderen Event werden. April ist auch ein guter Zeitpunkt für die Konzerte, da ich glaube, dass man sich in die CD erst etwas einhören muss und dann bei den Konzerten die Songs, na ja nicht mitsingen, aber schon kennen kann.
-Ende-
(Maximilian Nitzschke)



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