ANNA ALIENA - The Muse


Erstveröffentlichung: CD-EP 2015 / Go! Diva Records

ANNA ALIENA - The Muse
(VÖ: 30.Oktober 2015 Go! Diva Records)

In den vergangenen Jahren bezeichnete Sängerin und Songwriterin Anna Aliena ihren musikalischen Stil gern als „Alien Pop“ und auch ihre dritte EP aus dem Jahr 2013 trug diesen Titel.
Bereits seit 2011 wandelt die klassisch ausgebildete Mezzosopranistin bereits auf Solo-Pfaden und hat seither in jedem Jahr eine neue EP herausgebracht. Das besondere an ihrer Musik finde ich ist, dass sich zwar der Stil ihrer musikalischen Ausdrucksweise nicht änderte, die Art der Inszenierung aber variiert und stets neu überrascht. Mit „Silly Little Boys“ hat es begonnen, wo es um die Unbeholfenheiten von Männern im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht ging, dem folgte das verträumte „Cinderella“ - der bunten Prinzessin auf der Suche nach dem Prinzen in schillernder Rüstung. Mit „Alien Pop“ definierte sie ganz klar ihren Stil und machte unmissverständlich klar, dass die Musik ihre Leidenschaft ist. Anschließend folgte der schrille-quietschige Ausflug in die Kunst- und Filmwelt Berlins mit „Swinging Berlin“ hinein in lasterhaftes Treiben und gewürzt mit jeder Menge Selbstironie.
Jetzt mit ihrer fünften EP „The Muse“ läutet sie einen Stilbruch ein, ohne sich künstlerisch untreu zu werden. Die Künstlerin hat auf Schminke und Perücke verzichtet, gibt sich ganz natürlich und fast schon schonungslos entblättert. Die in Berlin lebende Künstlerin serviert ihren Fans nun mit ihrer theatralischen Mezzosopranstimme emotionale Balladen im Dreivierteltakt. Anna Aliena ist ganz bei sich selbst, vielleicht verletzlicher da ihr die bisher schützende Maske fehlt. Aber tiefere Einblicke in den kreativen Schaffensprozess und nicht zuletzt auf die Sängerin selbst, gab es auf ihren Soloalben bisher selten. In den neuen Songs thematisiert sie diesmal ihren musikalischen Schaffensprozess und ihre abgöttische Liebe zur Musik. Die Komponistin lässt den Hörer so nah an sich wie selten und gibt Einblicke in ihre inspirierenden Begegnungen mit den Musen. Da wäre zum Beispiel „Sasha“ zu nennen, ein Stück welches die berühmten drei Worte auf Russisch enthält und insgesamt ein paar kurze Momente der Liebe. Anna Aliena wirkt gelöster, befreiter in ihrer Kreativität, so dass einen die fröhliche Aufbruchstimmung mitnimmt. „I am gonna fly away“ ist ein beschwingten Song über die Sehnsucht nach fernen Orten und den Wunsch nach Freiheit. Ihr Gesang wird in orchestrale Arrangements mit vielen Streichern und vergleichsweise wenig Percussion verpackt. Den Wunsch raus aus Berlin hatte sich Anna Aliena für eine kurze Zeit genommen, indem sie nach Kroatien reiste. Das ihr dort dann eine weitere Muse begegnete, könnte ein wunderbarer Zufall gewesen sein. Die Geschichte von Liebe in der Ferne erzählt „Deine Blauen Augen“ beziehungsweise auf kroatisch „Tvoje plave oci“. Diese Ballade rührt zu Tränen, ist so voller Sehnsucht und Leidenschaft. Selten kam Annas Opernstimme besser zur Geltung als in diesem Stück. Sie hat auch kroatisch gelernt und singt ganze Textpassagen in Kroatisch. Nicht zuletzt steigerte dies ihre Beliebtheit in diesem Kulturkreis gerade enorm! Man darf also gespannt sein, auf welche unentdeckten Pfade es die Künstlerin nach der Veröffentlichung noch verschlägt! (Maximilian Nitzschke)



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