SCHNEEWITTCHEN - Für die Liebe Sterben


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Danse Macabre

Schneewittchen – Für die Liebe Sterben
(VÖ: 07.05.2015 Danse Macabre Records)

Ich scheue mich sonst ja eher von Superlativen zu sprechen, aber im Falle vom siebten Longplayer „Für die Liebe Sterben“ des Ausnahme-Duos Schneewittchen ist es angebracht. Sängerin Marianne Iser und Komponist Thomas Duda ist ein grandioses, pathetisches und herrlich schräges Werk gelungen, dass seines Gleichen sucht. Kurz gesagt: Ja hier ist das beste, aufregendste und erotischste Album in der aktuellen deutschsprachigen Musiklandschaft. Ganze drei Jahre mussten die Fans warten, aber ich kann versichern, dieses Warten hat sich absolut gelohnt! Das Hannoveraner Duo zeigt sich inspirierter und vielschichtiger denn je. In den Zeiten von Romantik in Phrasen a la Revolverheld oder unerträglicher kleisterhafter Volksromantik a la Helene Fischer fegen Schneewittchen einmal durch die aktuellen Veröffentlichungen und bringen uns die Schönheit und die Lust an der Sprache und ihrer Sinnlichkeit wieder. Mariannes explizite Lyrik entfaltet sich durch ihre kraftvolle Darbietung, sie singt nicht bloß, sondern geht auf in ihren Geschichten die von Liebe, Auflehnung und Absturz handeln. Vergesst „Ich geh in Flammen auf“ von Rosenstolz, denn wenn einer in Flammen aufgeht dann ist es Schneewittchen. Freiheit etwa ist ein hymnisches Plädoyer an alle Menschen, die gerne aus dem Rahmen fallen. In jedem Song verbrennt sich die ausdrucksstarke Sängerin voll und ganz, selbst bei den ruhigen Tönen. Der Song „Wien“ wird nicht nur zur augenzwinkernden Sozialstudie über die Bewohner dieser morbiden Stadt, sondern wird auch zu einer wunderschönen Liebeserklärung an Wien selbst. Der erste Song „Wir machen Musik“ kommt einer programmatischen Kampfschrift gleich, die mit Zitaten aus Pop und Klassik das Zeug zur absoluten Hymne für das Zweiergespann hat. Musikalische Grenzen scheinen zum sprengen gemacht zu sein, denn egal ob forscher Indie-Dance („Auf den 4ten Blick“), barocker Kammer-Pop („Vergifte Mich“), Variete („Königskinder“) oder Prä-NDW-Rock („Tausend Möglichkeiten“), wichtig ist die Klang-Offensive. Auch Elefanten gibt es zu hören, diese Klänge wiederum stammen von der Bostoner Tierforscherin Andrea Turkalo, die im zentralafrikanischen Dschungel Studien zur Kommunikation der Dickhäuter betreibt. Ihre Geschichte ist geprägt vom Kampf für den Tierschutz und gegen Wilderei. Schneewittchen inspirierte der Kampf zum Song „Mama To Doli“.
Über die Jahre hinweg gewann Schneewittchen durch ihren Zwischen-den-Stühlen-Sound eine große Anhängerschaft, die auch bei der Entstehung von „Für die Liebe sterben“ maßgeblich beteiligt war. Die CD wurde über eine Crowdfunding Kampagne finanziert – und das überaus erfolgreich. Das Endergebnis kam selbst für Marianne und Thomas unerwartet: Rund 21.000 Euro spendeten die Liebhaber und Gönner der Band. Wenn das mal nicht bedingungslose Liebe und
Treue ist! Schneewittchen dankt es den Fans mit einem überwältigend schönen Album, das von keinem geringeren als Christian Decker (Ex Fury in the Slaughterhouse) produziert wurde, und zudem mit Stefan Ackermann (Das Ich) und Jean Michel Tourette (Keyboarder von Wir sind Helden) zwei prominente Gastmusiker an Bord hat. Ja nach langer Zeit ein wahrer Lichtblick auf einem überfischerten, unheiligen, Musikmarkt!







(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.SchneewittchenMusik.de


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