PURTY VIOLET - The Lake


Erstveröffentlichung: Download 2012

Purty Violet – The Lake
"(Vö: Juli 2012 Bezug über Itunes)


Als ich im September 2011 plötzlich die Nachricht von Amira Hani erhielt, dass sich „Osiris T.“ auflösen werden, habe ich erst einmal ordentlich schlucken müssen und glaubte die Hiobsbotschaft nicht. Ganze 15 Jahre lang hatte es diese wunderbare Ausnahmeformation gegeben und nun sollten die kreativen Köpfe Amira und Tassos nichts mehr mit Musik zu tun haben, dass konnte und wollte ich mir nicht vorstellen. Osiris T wurde bereits in den späten 90er Jahren gegründet und war zum damaligen Zeitpunkt noch eher als Projekt anzusehen, denn beide Künstler suchten nach Wegen, die Musik und Performance miteinander in Einklang bringen. Zu ihren Partnern gehörten Tänzerinnen und Musiker aus vielen verschiedenen Kulturkreisen oder auch Feuerkünstler. Akustisch experimentierten beide sehr viel mit unterschiedlichen Sounds und außergewöhnlichen Instrumenten, die sie zum Teil auch selbst entwerfen und umbauen. 1997 verspürten beide die Lust diesen musikalischen Experimenten ein Grundgerüst zu geben und es entstand „Osiris Traumzeit“. Zusammen mit australischen Didgeridoospielern und ägyptischen Perkussionisten entstand ein einzigartiger Sound welcher auf CD gepresst „Dance of Dreams“ getauft wurde. In den nächsten Jahren entwickelten Amira und Tassoz ihren Sound unermüdlich weiter, es wurden Dudelsäcke, Gitarren und elektronische Instrumente gepaart und ein sehr tanzbarer Mix aus schottischer Folkmusik, Mittelalter und Rock entstand. Ein neuer Bandname sollte die stilistische Änderung auch deutlich machen, und so wurde aus Traumzeit „Taurus“. 2002 erringen sie auf den Herbstnächten auf Burg Rabenstein im Fläming den doppelten Bandsieg, genau ein Jahr später lernte ich Amira und Tassoz an eben jenem Ort kennen und schätzen. Ihre künstlerische Art Musik erlebbar zu machen und durch schamanische, meditative Gesangspassagen einprägsam zu gestalten imponierte mir und machte mich über mehrere Jahre hinweg zum Fan. Auch die Anhänger der schwarzen Szene werden in den Jahren aufmerksam auf Osiris T., denn sie spielten unter anderem auf dem Wave Gotik Treffen, dem Mera Luna, dem Burgfolk oder dem Dark Dance Festival. Auf insgesamt fünf Alben festigten sie ihren Ruf als Celtic Folk Rock Band. Um so größer wirkte nun der Schock über das plötzliche Ende dieser musikalischenn Ära und deutlich hörte ich die Ratlosigkeit aus Amira Hanis Stimme heraus, wie und ob man den nun weitermachen will.

Jeder Neubeginn ist erst einmal ein Suchprozess und dieser dauerte im Falle von Amira und Tassos bis in den Oktober 2011 hinein, denn sie gründeten „Purty Violet“ und machen musikalisch weiter. Das Konzept ist nun deutlich einfacher gehalten, denn Amira Hani singt, spielt Cello, Gitarre und Keyboard. Tassos Oz hat den Dudelsack und sein Didgeridoo verstaut und spielt fortan Gitarre, Irish Bouzuki und diverse Perkussionsinstrumente, wenn er nicht gerade ebenfalls singt. Aus der Zeit von Osiris T. Gab es noch zahlreiche unveröffentlichte Stücke, welche bis dahin nicht in das Konzept von Osiris T. Gepasst hatten, aber nun gut zur Geltung kommen würden in einem poppigen Gewand. Während Osiris T. Stücke waren, die sehr expressiv klangen und stets tanzbar waren, so gehen die neun Stücke des Debütalbums „The Lake“ von Purty Violet in eine ganz andere Richtung. Leisere und intimere Momente sind möglich und gewollt, ruhigere Töne angeschlagen.
Mit sanften Gitarrenklängen beginnt „The Lake“ als ruhige Ballade, welche vornehmlich getragen wird von Tassos Oz charismatischer Stimme, und dem weichen Background Gesang von Amira Hani. Als Eröffnung zu einem spannenden Album bildet dieses komplett neu komponierte Stück einen interessanten und gelungenen Cut zu Altwerken der beiden Künstler. Amira und Tassos singen in Songwritermanier die Textzeilen, und reduzieren die Instrumentierung aufs wesentliche, ohne durch große Perkussionen für bombastischen Sound zu sorgen. Einmal mehr kommt das Gespür der beiden für stimmungsvolle Songs zum tragen und begrüßt den Hörer in diesem neuen und doch seltsam vertrautem Klangkosmos. Das zweite Stück „Stadt am Meer“ hat es bereits einmal als ein Stück von Osiris T. gegeben, jedoch ist diese Version nun auch deutlich ruhiger gehalten. Möwen kreischen und Schafe blökenm Hintergrund ehe uns Amira Hanis Gesang hinfort nimmt an das Meer, poetisch und melancholisch lädt diese Art an den Text heranzugehen zum Augen schließen und genießen ein. Wunderbar eingängig empfinde ich den Song „Song of Emere“ welcher auch schon zu den älteren Stücken der Osiris Taurus Zeit stammt, aber in dieser meditativen Art tiefgehender ist. Ich musste zweimal hinhören, um nicht mich an Bands wie Dead can Dance erinnert zu fühlen, denn Amira Hanis Stimme bekommt hier eine solche Ausdruckskraft die betörend ist und umwerfend schön. Erst etwas zeitversetzt erklingt Tassos Oz dazu und lässt die gesamte Songstruktur schweben und meditativ wirkend. Dieser Song ist einer meiner absoluten Favoriten auf diesem Album!
Ebenfalls schon sehr lange einer meiner persönlichen Lieblinge, wenn gleich er auch nie in die Osiris T. Setlisten kam ist der folgende Song „Amade“. Amiras Stimme ist leicht kantig und trotz dessen, das man die Liebe zur eigenen Tochter in jedem Wort als Hörer spürt, gibt sie Zeugnis ab vom Leben, welches auch nicht reibungslos verläuft. Entstanden ist dieses poetische Stück als ein Geschenk für Amira Hanis und Tassos Oz gemeinsame Tochter Mira Amadea, welche sich unter anderem für das Video zu „Longing for Love“ verantwortlich zeichnet. Atmosphärischicht ist dieser Song und erinnert mich ebenfalls an Songs von Dead can Dance. Tassos Oz singt in einer solch tiefen charismatischen Stimmlage das man unweigerlich die Augen schließt und mitgenommen wird, meditativ und tief gehenddd, ehe Amira Hani mit fast schon glockenheller Stimme ihn begleitet und beide in Wechselgesang harmonieren. Im Oktober 2012 begannen die Dreharbeiten zur gelungenen visuellen Umsetzung des Songs, welcher beispielsweise auf www.youtube.com mit dem Suchbegrif „Purty Violet“ anzusehen ist.
Amira darf der Hörer auch gleich allein lauschen, denn in lyrischen Worten singt sie das Stück „Du willst es nicht in Worten sagen“, und lässt die Worte nur durch ihre Betonung wirken, während sie von südländisch klingendem Gitarrenspiel begleitet wird. Jahrmarktsmusik leitet in das nächste Stück „Great Circles“ ein, getragen diesmal wieder von Tassos Oz Stimme welcher mit rauchiger Stimme beginnt, ehe auch hier Amira Hani den Gegenpart mit weicher sanfter Stimme übernimmt.
Man stellt sehr deutlich fest, dass Tassos Oz und Amira Hani ihre musikalischen Erfahrungen mit Hingabe und Liebe in die leider nur 9 Stücke einbringen, und durch das scheinbar gezielte Arrangieren der Instrumente und Stimmen beider Musiker, den Hörer immer gekonnt mitnehmen können. In der Ruhe liegt die Kraft ist so ein Sprichwort, welches mir unweigerlich für Purty Violet und „The Lake“ einfällt. Über die beiden anderen Stücke möchte ich euch gar nichts mehr groß verraten, auf dass ihr einfach selbst hineinhört. Purty Violet gilt es zu entdecken, zu erfahren und lieben zu lernen!
(Maximilian Nitzschke)

E-Mail-Adresse der Band: www.purtyviolet.de


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