QNTAL - Interview 2008




Interview mit Michael Popp von Qntal zu „Purpurea“, „Translucida“ und mit Estampie zu „Al Andaluz“ und „Vocame“ am 28.11.2008 im K17 Berlin

Backagain: Hallo Michael, ich kann mich erinnern das du mir in der Vergangenheit oft gesagt hast, dass dir die Idee eines Best of Albums missfällt. Nun habt ihr mit „Purpurea“ aber doch eben solch ein Album herausgebracht.

Michael: Oh je ja ich weiß! *lacht* Ich war auch erst von der Idee dieses Albums absolut nicht begeistert. Aber was als Argumente mich umstimmen konnten, war das wir im Ausland mittlerweile durchaus sehr bekannt geworden sind in den letzten Jahren. Es ist da natürlich oft sehr schwer jemandem einen Querschnitt unserer Arbeit zu vermitteln, gut nach 17 Jahren und sechs Alben ist das auch nicht gerade einfach *lächelt*. Um eben jenen Querschnitt vermitteln zu können dient „Purpurea“ als eine Werkschau unseres bisherigen Schaffens. Auch die Idee einer Bonus CD mit unveröffentlichten Stücken sprach mich dann sehr an, so dass ich das okay geben konnte. Nun so viel Mitspracherecht hatten wir da zugegebenermaßen gar nicht, letztlich haben uns Experten *zwinkert* gesagt das müsse jetzt eben sein. Es war aber dann doch sehr spannend, denn es hat Gelegenheit gegeben, das alte Material in Ruhe durchzuhören und auch bewußter anzuhören. Für einen Hörer, der wie du Qntal schon länger kennt, wird es viele Aha -“ Erlebnisse mit „Purpurea“ geben. Für Menschen, die Qntal nicht so gut, oder noch gar nicht kennen, liefert es einen guten Überblick denk ich.

Backagain: Dennoch folgen die Songs ja keiner chronologischen Abfolge auf der CD sondern folgen ihrer eigenen Dramaturgie..

Michael: Ja das stimmt, da gab es viel Überlegungen zu. Natürlich hätten wir chronologisch vorgehen können, aber das wäre mir viel zu akademisch gewesen. So nach dem Motto, so klang Qntal im Jahre - oh nee das hätte uns so gar nicht gefallen! Ich gebe zu, es war in der Tat in der Überlegung und hat viel Diskussion bedurft. Jeder in der Band verbindet mit bestimmten Songs und Alben ganz unterschiedliche Assoziationen. Drei völlig andere Vorstellungen unter einen Hut zu bringen war nicht gerade einfach und so hat sich die Anordnung nach rhythmischen Gesichtspunkten bestimmt am Ende.

Backagain: Die zweite CD besteht aus Remixen und Bonusstücken, wobei ihr keine fremden Remixe benutzt habt, sondern nur eure eigenen. Wieso denn das, ist ja eher unüblich *g*!

Michael: Ja das stimmt, es sind nur Remixe von uns selbst darauf. Wir hatten überlegt ob wir fremde Künstler aus der Szene damit betrauen sollten. Zwar hätte das eine Szenevernetzung gezeigt, aber das einheitliche Bild gesprengt. Es sollte ein einheitliches Bild unserer Arbeit entstehen, was fremde Mixe leicht hätten verändern können. Man kann ja nicht jemanden an sein Material lassen und ihm aber vorschreiben, wie er das aufzufassen und am besten noch zu remixen hat. Also kam die Entscheidung sehr schnell, unsere Remixe einfach selber zu machen. Durch Fil haben wir hier einen Fachmann bei Qntal, er mixt ja ohnehin viele Sachen, so dass sich hier neue Interpretationsweisen ergeben haben. Das war auch das erklärte Ziel unsere Vielschichtigkeit zu zeigen.

Backagain: Wenn man zurück schaut bei euch, dann war euer erstes Album ja noch verdammt experimentell, vielleicht auch Ernst Horn verschuldet, heute hingegen klingt ihr schon ganz anders, vielleicht auch durch Fils zutun?

Michael: Mhmm na ja das erste Album war experimenteller als unsere heutigen Album zumindest im elektronischen Bereich betrachtet- das stimmt. Weißt du als Ernst und ich uns kennen lernten, hatte keiner damit gerechnet, das daraus einmal Qntal entstehen würde. Für Ernst und später für mich war es im Grunde eine Art Seitenprojekt zu Deine Lakaien in gewisser Weise. Hiermit konnte er sich im elektronischen Bereich austoben und ich meine mittelalterlichen Dinge hinzutun. Im Pop bzw. Wave Bereich der Lakaien konnte er sich nicht so freizügig austoben und ich war ja auch eher starr. Dann plötzlich die erste CD Produktion und später dann Qntal II. Mit dem Entschluss das Ernst aufhörte vor Qntal III gab es auch erst einmal eine Lücke für uns, der Abstand von Qntal II zu Qntal III war ja auch entsprechend lange. Ich denke in gewisser Weise war es eine Art Neuanfang, denn jetzt sind wir als Band viel stärker zusammen gewachsen, man kann auf andere Dinge zurückgreifen musikalisch. Wir hätten ja damals mit Qntal III nicht einfach denselben Stil weiterfahren können, sozusagen Ernst Horns Stil mit Fil fahren. Das wäre unspannend gewesen und für die Fans uninteressant. Heute sind wir wie gesagt ganz anders gewachsen, können auf vier gemeinsame Alben zurückschauen, und nehmen uns doch immer viel Freiraum zum Experiment heraus.

Backagain: Gibt es ein Lieblingsstück, oder auch ein Lieblingsalbum?

Michael: Spontan ist das „Ad mortem festinamus“, zumal es damals eigentlich eine Art Missverständnis war. Es war ein Song der für uns ein Experimentierfeld war für das Mittelalter und die Hornsche Elektronik. Da es sich inhaltlich um die Verarbeitung eines Totentanzes ging, haben wir daraus entsprechend ein Tanzstück gemacht. Dieses Stück sprach so viele Mittelalterfans und Gothics an, dass daraus plötzlich ein Clubhit geworden ist. Im Grunde war das wohl ein großes Glück, denn ohne dieses Interesse hätten wir vielleicht aufgehört zu experimentieren und es wäre nicht zur Bandgründung gekommen.
Was das Lieblingsalbum angeht, dass ist Qntal III weil es das spannendste Album war, dass es umzusetzen galt. Wir mussten die Anknüpfung finden an Qntal II und doch was Neues kreieren was in der Neuzeit verankert ist. Das war ein verdammt unsicherer Prozess! Doch das schöne an der schwarzen Szene ist, dass sie uns treu geblieben war. Das war verdammt hilfreich für uns!

Backagain: Gab es denn für dich Highlights in 17 Jahren an die du dich immer wieder erinnerst?

Michael: Mhmm Highlights ist schwierig, es gab so viele und manche verschwimmen auch oder geraten in Vergessenheit mit der Zeit. Mir selber ist eigentlich eines immer deutlicher ins Bewusstsein gekommen in den letzten Jahren, ein persönliches Highlight eigentlich, nämlich das Qntal zu einem wichtigen Teil einer musikalischen Tradition geworden ist. Irgendwie sind wir zu einem stilbildenden Teil der Szene geworden, vielleicht nicht immer deutlich im Vordergrund, aber im Hintergrund hab ich den Eindruck haben wir viel bewirkt. Sowohl auf andere Bands, wie auf Fans und Kritiker haben wir mit den Jahren eine große Wirkung gehabt. Qntal und auch Estampie hatten unterschwelligen Einfluß auf viele Bereiche unserer Szene und das ist ein Gefühl das mich sehr mit Stolz erfüllt!

Backagain: Ich würde gern weg von Purpurea, hin zu Translucida kommen, das elektronischer ist als Silver Swan und doch zurückgreift auf alte Alben finde ich..

Michael: Mhmm das stimmt das Translucia etwas waviger daherkommt. Wir betonen ja mit jedem Album immer verschiedene Aspekte unserer Arbeit. Während Silver Swan eher das romantische Gefühl transportierte, ist Translucida wie gesagt waviger. Ich gebe zu bin eher der Silver Swan Fan, aber es war mit Translucida eine bewusste künstlerische Entscheidung es so zu bauen und die neuen Stücke zeigen eine weitere Facette von Qntal. Ich schätze aber dennoch, dass im neuen Album von Qntal mehr akustische Elemente drin sein werden wieder, sei es durch Perkussion oder ähnliches. Vielleicht rücken die elektronischen Dinge mal in den Hintergrund und die akustischen Instrumente dafür in den Vordergrund. Lasst euch überraschen!

Backagain: Mit Estampie habt ihr euch vor nicht zu langer Zeit nach Andalusien begeben musikalisch, erzähl uns doch mal mehr hierüber!

Michael: Nun mit Estampie ist es ja nicht ungewöhnlich, ich verweise hier nur auf das Marco Polo Projekt, Ethnovermischungen zu machen. Die Musik des Mittelalters mit anderen Kulturkreisen zu verbinden reizt uns sehr und Andalusien war für uns alle von Estampie sehr nahe liegend. Hier mischte sich christliche, jüdische und maurische Kultur während des Mittelalters so stark, das jede Kultur ihre eigenen Stücke des Mittelalters besitzt bzw. besaß.
Der Gedanke an solch ein Projekt war schon sehr alt, jedoch war es glückliche Fügung, dass nach einem Konzert ein Fan mir eine CD von L-™ham de Foc in die Hand drückte. Ich hörte mir ihre Musik sehr aufmerksam an und zwei Wochen später spielten sie in München. Es passte sehr gut, und als ich ihnen von unserer Idee erzählte waren sie sofort begeistert. So entstand letztlich „Al Andaluz Project“ und die CD „Deus et Diabolus“. Es wird auch definitiv eine weitere CD geben!

Backagain: Was für weitere Pläne gibt es denn bei Estampie zu berichten?

Michael: Mhmm na ja wir haben ein ganz neues Projekt gerade mit Namen „Vocame“. Die Idee hierzu entstand auf der Tour mit Unto Ashes, wo uns der Bandchef Michael -“ er ist Antiquariatshändler -“ aufmerksam machte auf eine Dame aus Byzanz mit Namen „Kassia“. Deren aufgeschriebene Sammlungen und Texte wird „Vocame“ bestehend aus Syrah, Sarah und Nathalie von Unto Ashes, Lisa Pawelke von ehemals Faun, Sabine Lutzenberger von Helium Vola und Gerlinde Selmann zusammen einsingen. Insgesamt wird es sicher sehr Choral gehalten sein. Wer unser Estampie Album über Hildegard von Bingen kennt wird sicherlich Ähnlichkeiten entdecken im Gesang. Es ist also immer was zu tun, langweilig wird-™s uns nicht!

Backagain: Und Qntals Pläne, WGT oder gar andere Festivalauftritte?

Michael: Mhmm also zum WGT nächstes Jahr sind wir im Schauspielhaus mit Qntal. Was Festivals angeht, die funktionieren gut im Ausland, aber so großartig denk ich nicht dass wir auf Festivals sind. Mal sehen, die neue Show ist sehr auf Gas geben ausgelegt und das mußt du auf Festivals auch, da ist wenig Zeit für eher ruhigere Stücke meistens, aber sicher ist echt noch nichts in der Richtung.

Backagain: Eure Tour geht nun morgen zu Ende, wie war denn die Tour mit Elane?

Michael: Wir waren auf Elane aufmerksam geworden durch Unto Ashes, denn mit ihnen zusammen hatten Elane eine Tour gemacht. So fragten wir bei Wings of Destiny an und luden sie ein uns zu begleiten. Die Tour mit Ihnen war sowohl musikalisch wie menschlich sehr passend. Musikalisch ist es sich recht ähnlich und menschlich harmonierten wir sehr gut! (Maximilian Nitzschke)



[ ZURUECK ]