HUMAN PUPPETS - Human Puppets


Erstveröffentlichung: 7 Inch EP 2005 / Hertz-Schrittmacher-Kernkrach / Kernkrach / Hertz008

Einige Zeit ist seit der letzten Kernkrach-Veröffentlichung vergangen und nun liegt mit der Single der HUMAN PUPPETS ein neues Werk vor, das für das Label etwas Besonderes ist: zum ersten Mal wird eine nicht aus Deutschland stammende Band von Jörg und Heinz veröffentlicht (abgesehen von Rod Droid auf der Split-Single mit Wermut)! Die HUMAN PUPPETS kommen aus Griechenland und von dort ist man nicht gerade Minimal-Electro-Sound gewohnt, vielmehr schon Metal und so einiges an gutem Wave und Gothic-Rock. Dass man aber auch dort der synthetischen Klangerzeugung ganz im Stile der frühen 80er Jahre frönt, beweisen die HUMAN PUPPETS recht eindrucksvoll und es ist im Prinzip kein Unterschied zu hiesigen Produktionen zu bemerken. Die Tracks sind wohl relativ aktuell, klingen aber ziemlich genau, wie aus der Zeit, als diese Art von Musik ihre besten Vertreter hervor gebracht hat. Was will man mehr? Viermal lupenreiner Minimal-Electro-Sound mit Ohrwurmgarantie, da sollte der Sammler direkt zugreifen, denn natürlich ist die Platte wieder streng limitiert. Das Cover ist diesmal schlicht beklebt mit „Fleischsalathygienefolie“, auf die Reste eines Röntgenbildes geklebt sind. Dazu gibt es zwei kleine Beiblätter.
Schöne Scheibe, die Kernkrach/Hertz-Schrittmacher Sammler sowieso haben müssen, die aber auch so manchem Liebhaber eingängiger Minimal-Electro-Pop-Klänge Spaß machen dürfte. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

JOACHIM WITT - Silberblick


Erstveröffentlichung: LP 1980 / Wea

Der gute Herr Witt war schon immer ein musikalischer Bursche. Es ging in der Schulzeit los und seine erste Single erschien im Jahre 1974 unter dem Künstlernamen JULIAN (Titel: ""Ich bin ein Mann""). Die hatte keinerlei Erfolg, doch der ""Goldene Reiter"" entstand schon damals. Im Jahre 1976 gründete er dann die Band DÜSENBERG, mit der man dann 1977 die erste LP veröffentlichte. Drei Longplayer sollten entstehen, bis JOACHIM WITT die Band verließ, um alleine weiter zu machen. Das Album ""Silberblick"" produzierte er aus eigener Tasche, doch 1980 interessierte sich die Wea dafür, nahm WITT unter Vertrag und warf die LP auf den Markt. Die Songs sind durchgägngig genial, es beginnt mir den beiden Singles ""Kosmetik (Ich bin das Glück dieser Erde)"" sowie dem erfolgreichen ""Goldener Reiter"". Außerdem gibt es gibt eine Coverversion von ""Heaven"" (Talkling Heads) mit deutschem Text und das neun Minuten lange ""Sonne hat sie gesagt"", doch das beste Stück dieser LP ist aber ""Ja, ja..."", jedenfalls in meinen Augen. Die Musik an sich ist sehr eigentümlich und schwer zu beschreiben, sie pendelt zwischen einfachen Popsongs und schwermütigen Meisterwerken, die Songs sind irgendwie düster, aber nicht gruftig, die Stimme von WITT tendiert auch zwischen dunkel und quietschend und wirkt oft übertrieben aufgesetzt, aber auch manchmal irgendwie arrogant als auch näselnd schwul. Es ist einfach schwer, die treffenden Attribute für diese sehr eigenständige Musik zu nennen, was sie extrem zeitlos macht. ""Silberblick"" jedenfalls ist ein echter Klassiker. (H.H.)

Wenn ein Musiker mit seinen Veröffentlichungen zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle war, dann war das 1981 JOACHIM WITT, dessen „Goldener Reiter“ wohl einer der ultimativen NDW-Hits ist und von den einschlägigen Samplern und Partys nicht wegzudenken ist. Von den anderen Schlagerbarden unterschied er sich dadurch, dass er schon mehrere Jahre mit seiner Band Düsenberg Platten veröffentlicht hatte, also kein Newcomer war. Sein erstes Soloalbum „Silberblick“ gehört sicher zu den Klassikern dieser Zeit, beeinflusst vom Krautrock der 70er und Bowie´s „Heroes“- und „Low“-Alben, kombiniert mit deutschen Texten, die häufig ziemlich skurril daherkommen. Anders ausgedrückt: New Wave mit deutschen Texten. Der Hit „Kosmetik (Ich Bin Das Glück Dieser Erde)“ eröffnet das Album und hier wird der Bowie-Vergleich am deutlichsten. Obwohl die meisten Songs durchaus eingängig sind, wird der Pop-Charakter durch den Gesang, der weniger harmonisch ist, gemindert. Aber gerade dadurch hob sich WITT von seinen musikalischen Zeitgenossen ab und hat als Musiker bis heute überlebt. Neben den beiden Singles „Kosmetik“ und „Goldener Reiter“ besticht vor allem „Ich Hab´ So Lust Auf Industrie“, das textlich die damalige Stimmung gut widerspiegelt. Besonders erwähnenswert ist auch noch die Talking Heads-Coverversion „Der Weg In Die Ferne (Heaven)“. Mit dem Nachfolge-Album „Edelweiß“ konnte JOACHIM WITT an den Erfolg seines Erstlings anknüpfen, doch im Zuge des Zusammenbruchs der Neuen Deutschen Welle, verursacht durch einen Overkill durch die großen Plattenfirmen, verschwand auch WITT für einige Jahre aus dem Blickfeld der Charts, obwohl er regelmäßig Platten veröffentlicht hat. Mit seinen ersten beiden Soloplatten hat JOACHIM WITT jedoch deutsche Musikgeschichte geschrieben und war neben Ideal einer der wenigen ernstzunehmenden Musiker der kommerziellen NDW. (A.P.)

JOACHIM WITT - Edelweiß

Wiederveröffentlichung: CD 1996 / Wea
Erstveröffentlichung: LP 1982 / Wea

Das zweite JOACHIM WITT-Album ist eine ganze Strecke düsterer geworden, als das erste Album ""Silberblick"". Obwohl hier natürlich eine Menge neuer Songs drauf waren, präsentierte Herr WITT kurz vor der Veröffentlichung des Albums seinen alten ""Goldener Reiter"" im Musikladen der ARD (wo auch andere deutsche Bands anwesend waren) und die Neue Deutsche Welle hatte Einzug in die Stuben der Leute gehalten. ""Der Goldene Reiter"" wurde plötzlich ein Riesenerfolg und stieg bis auf Platz 2 der Charts, die LP kletterte bis auf Platz 10. Die Wea hat dann das Erscheinen von ""Edelweiss"" verzögert, um noch richtig absahnen zu können. Veröffentlichungstermin war dann März 1982, kurz vor der Tour von WITT durch deutsche Lande. Im Sommer kam dann ""Tri-Tra-Trullala"" auf den Markt, der im Dadaistischem Stil auch heute noch zu überzeugen weiß. Auf dem Album jedenfalls gibt es noch eine Menge wirklich toller Titel, es beginnt mit ""Inflation im Paradies (Filmmusik)"", was tatsächlich eine Filmmusik ist, denn JOACHIM WITT hat 1982 in einem Fernsehfilm mit gleichem Titel mitgespielt. Titel wie ""Ich bin der deutsche Neger"", ""Ich fahr nach Afrika"" oder auch ""Strenges Mädchen"" sind Songs, die zwar nicht gleich im Ohr hängen bleiben und deren Texte sich auch nicht beim ersten Hören erschliessen, aber zumeist trotzdem oder gerade deswegen Lieder für die Ewigkeit sind. ""Strenges Mädchen"" ganz besonders, denn das hat er auf seinen 1998er-Touren sogar noch live dargeboten. (H.H.)

Nach dem großen Erfolg des „Goldenen Reiters“ und des dazugehörigen Albums „Silberblick“ schob JOACHIM WITT gleich sein zweites Album „Edelweiß“ hinterher, dass unter eingeschworenen WITT-Fans sogar noch mehr geliebt wird, als der Vorgänger, zudem war „Edelweiß“ auch recht erfolgreich und sticht positiv aus der Masse der 1982 veröffentlichten Schlager-NDW Platten hervor. Auch wenn der „typische“ NDW-Titel „Edelweiß“ zunächst ein recht positives, fröhliches Album vermuten lässt, ist die Platte doch dunkler und schräger, als „Silberblick“. Mehr noch als zuvor kann man die Musik als deutschsprachigen New Wave bezeichnen. Einflüsse des Spät-70er Bowie sind nicht zu überhören, dazu kommen sicher auch Bands wie Pere Ubu oder The Cure, die Herr WITT damals bestimmt gerne gehört hat. Sein Gesangsstil bei „Tri-Tra-Trullala“ (den meisten sicher eher bekannt als „Herbergsvater“) wurde auf ewige Zeiten zu WITT´s Erkennungsmerkmal und hat sicher den einen oder anderen Sänger nachhaltig beeinflusst. Diese Singleauskopplung wurde zudem ein respektabler Hit und wird von den Fans bis heute geliebt. Auch sonst hat JOACHIM WITT Einflüsse unzähliger Bands in sich aufgesogen, so klingt „Ich Fahr´ Nach Afrika“ ziemlich nach DAF, auch eine musikalische Verwandtschaft mit Rheingold glaube ich gelegentlich herauszuhören. Auch schon vorhanden auf diesem frühen Album, sind die häufig nicht klar definierbaren Texte, die gelegentlich zwei- oder mehrdeutig auslegbar sind. Das zieht sich bei WITT bis in die heutige Zeit, mehr als einmal wurden ihm reaktionäre (vorsichtig ausgedrückt) Tendenzen vorgeworfen, was ich persönlich für absoluten Schwachsinn halte. Neben „Tri-Tra Trullala“ ist besonders der Titel „Strenges Mädchen“ kultig geworden und gehört zu JOACHIM WITT´s Spitzenwerken. Leider ging es mit WITT nach dieser Platte für einige Jahre kommerziell, nicht aber künstlerisch, abwärts. Deshalb sollten sich interessierte Leute auch die nachfolgenden Alben mal anhören. (A.P.)

DIE X-AGENTEN - Im Lichtermeer


Erstveröffentlichung: LP 1982 / Reflektor / Metronom

DIE X-AGENTEN habe ich das erste mal auf einem eher unbekannten NDW-Sampler gehört, genauer gesagt das Stück „Wanderer“, das so richtig schön nach deutschsprachigem New Wave klang. Irgendwann habe ich dann mal zufällig die LP der Gruppe auf einem Flohmarkt gefunden und gekauft. Die Gruppe hat etwa 1982 mal in Hamburg als Vorgruppe von Depeche Mode in der Musikhalle gespielt, was ich selber natürlich nicht mitrelebt habe, aber mein Kumpel Recky schwärmt noch heute davon. Die Musik der X-AGENTEN passt hervorragend ins Jahr 1982, als deutschsprachige Musik unter dem Namen Neue Deutsche Welle ihre große Zeit erlebte, obwohl damals auch jede Menge Schlager und Artverwandtes als NDW bezeichnet wurden. „Im Lichtermeer“ ist aber bei Weitem nicht so seicht und oberflächlich, sondern klingen eher wie eine etwas rockigere Variante von Rheingold mit leichten Punk- und Skaeinflüssen. ExKurs treffen auf UKW, treffen auf Nena (ohne den Frauengesang) oder so ähnlich. Texte Covergestaltung, Musik sind absolut typisch für die kurze NDW-Zeit, doch leider war der Gruppe kein größerer Erfolg vergönnt. (A.P.)

XAO SEFFCHEQUE - Sehr gut kommt sehr gut


Erstveröffentlichung: LP 1981 / Schallmauer / Das Büro

Ein NDW Sampler mit exclusiven Songs von DER PLAN, XAO SEFFCHEQUE, KRAFTWERK, WIRTSCHAFTSWUNDER, MITTAGSPAUSE, KFC und vielen anderen klingt eigentlich wie ein Traum. Ein Traum bleibt es auch, denn diese LP ist ein gelungener Witz, keine dieser Bands, die auf dem Cover stehen, ist wirklich vertreten. Stattdessen hat XAO SEFFCHEQUE selber alle diese Bands parodiert und höchstselbst die Songs im jeweiligen Stil der Gruppen eingespielt. Da gibt es dann eine neu getextete Version von „Militürk“ und viele andere Skurrilitäten zu bewundern und man muss Herrn SEFFCHEQUE zugestehen, dass er eine ausgesprochen unterhaltsame Platte gezaubert hat, auf der von New Wave über Ska und Punk bis hin zu Pop alle relevanten Musikstile vertreten sind. Erfeulich ist auch, dass XAO SEFFCHEQUE schon hier die Kommerzialisierung der NDW kritisiert, dass aber auf eine zynische und witzige Art und Weise tut, die zudem noch den Zuhörer unterhält. Viel mehr sollte man zu dieser Platte gar nicht schreiben. Wer die parodierten Bands kennt, wird seine helle Freude an den hier gebotenen Klängen haben. Irgendwie ist die Platte zu einem NDW-Klassiker geworden und sollte eigentlich in jeder Sammlung stehen. (A.P.)

ZEITGEIST - Der Kapitaen


Erstveröffentlichung: 7 Inch 1983 / Glückliche Zukunft / Intercord

1983 erschien das dritte ZEITGEIST-Album „Gib Mir Zeit!“ und die dazugehörige Single „Der Kapitaen“. Obwohl die Single-A-Seite wohl zu den eingängigsten Songs der Band gehörte und auch einen mitsingbaren Refrain im Schlager-NDW-Stil hatte, schaffte die Gruppe auch in der Spätphase der NDW nicht den Durchbruch und löste sich bald darauf auf.

Die B-Seite enthält mit „Chor der Besinnungslosen“ den wohl besten ZEITGEIST-Song überhaupt und ich frage mich, warum das nie ein Kultsong in der Wave-Szene gewurden ist, denn das ist feinster New Wave mit New Romantic-Anklängen, der eigentlich in den heutigen Clubs die schwarzen Tanzflächen problemlos füllen müsste. Es ist eine fremde und seltsame Welt... (A.P.)

ZEITGEIST - Zeitgeist 2


Erstveröffentlichung: LP 1982 / Glückliche Zukunft / Intercord

ZEITGEIST existierten von 1981 bis 1983, brachten drei LPs und einige Singles raus und spielten diverse Tourneen durch die Republik. Wenn ich mir einen Teil der Musiker ansehe, habe ich das Gefühl, dass sie vom Alter her schon in den 70er Jahren in diversen Rockbands gespielt haben dürften und nun auch eine Scheibe vom florierenden NDW-Markt abhaben wollten. Vielleicht ist das unfair, aber ich denke, die Band wäre auch gut auf Achim Reichel´s Ahorn-Label aufgehoben gewesen. Die Namen der Bandmitglieder sagen mir nix, abgesehen natürlich von George Kranz, der auch solo erfolgreich war, hauptsächlich mit seiner Single „Din Daa Daa (Trommeltanz)“ und auch als Studiomusiker große Reputation genießt. Diese zweite ZEITGEIST-LP ist ziemlich typisch für das Jahr 1982, also deutschsprachiger Rock mit vielen Keyboard-Passagen, seltsamen Texten, die weder in die frühe, politisch/künstlerisch ambitionierte NDW, noch zu den Spass-Texten von Markus oder Frl. Menke passen, sondern irgendwo dazwischen liegen. Aufgrund des Frauen-Gesangs darf man es zwischen Ideal und Nichts auf der einen und Jawoll und Fee auf der anderen Seite einsortieren, wobei es doch häufig eher peppiger Deutsch-Rock, als NDW-Pop ist. Zweifellos hat man es hier mit guten Musikern zu tun, die ihr Handwerk verstehen und die Platte ist deutlich besser, als ich sie nach langer Zeit, die sie bei mir nur im Regal stand, in Erinnerung hatte. Wirklich mitreißen tut sie dann aber doch nicht, vielleicht, weil ein Knaller wie die Single-B-Seite „Chor der Besinnungslosen“ fehlt. Hin und wieder gibt es auch einige zeitgemäße New Wave-Anklänge, die aber die Ausnahme bleiben. Eine Platte und Band, die weder hitverdächtig, noch wichtig war, aber doch dazu gehörte. Positiv erwähnt werden muss aber auf jeden Fall, dass die Band für den ganz großen kommerziellen Erfolg nicht oberflächlich genug war. Dazu muss ich gestehen, dass ich aber mit Texten wie „Ein Schwein ist nie allein, am dirty Rhine, everywhere Big Brother und ein Schwein“ trotz der Kritik am Überwachungsstaat nicht viel anfangen kann. Dafür klingt der dazugehörige Song „Ein Hut, ein Stock, ein Reagansturm“ beinahe nach Nina Hagen. Auch „Der Elefant tritt durch die Wand, der Elefant hat viel Verstand, der Alligator stürmt das Tor, noch ein Tor noch ein Tor“ hat wohl mehr mit „Reim dich oder ich beiß dich“-Attitüden zu tun, als mit sinnvollem Inhalt.

Eine Platte unter vielen aus der NDW-Übergansphase 1981/82, die ich in unregelmäßigen Abständen mal auflege. (A.P.)

ZEITGEIST - Frankensteins Kinder


Erstveröffentlichung: 7 Inch 1981 / Biber Records / Bellaphon

„Frankensteins Kinder“ war die Singleauskopplung aus ZEITGEIST´s selbst betitelter Debut-LP von 1981. Zu hören ist für die Zeit typischer NDW-Rock mit nicht ganz ernst gemeintem Text. Die Musik erinnert allerdings noch eher an 70er-Jahre-Rock, als an Punk. Wer auf Jawoll steht, macht mit dieser ZEITGEIST-Single sicher auch nichts falsch. Ein Hit wurde es nicht, aber als NDW-Sammler macht sich die Platte doch gut in der Sammlung. Ich denke mal, wenn die „Rocky Horror Picture Show“ eine deutsche Produktion gewesen wäre, hätte die Musik wohl in etwa wie bei „Frankensteins Kinder“ geklungen. Die B-Seite ist waviger und dürfte auf Fans der frühen Fee gefallen. (A.P.)

DIDI ZILL - Die Neue Deutsche Welle


Erstveröffentlichung: Buch 2003 / Schwarzkopf & Schwarzkopf / ISBN 3-89602-405-1

Lange war dieser Bildband des ehemaligen „Bravo“-Fotografen Didi Zill angekündigt und ist nun endlich lieferbar. Zill hat seit den 70er Jahren unzählige Musiker fotografiert, Bildbände veröffentlicht, Plattencover gestaltet und sich damit einen guten Namen gemacht.

Für „Die Neue Deutsche Welle“ hat er nun einen ganzen Haufen Hochglanzbilder aus der angeblich innovativsten deutschen Musik-Periode zusammen gestellt. „Angeblich“ deshalb, weil hier fast ausschließlich die kommerziell erfolgreichen und musikalisch eher leicht konsumierbaren Künstler portraitiert werden. Die frühe Underground-Szene, die den Boom eigentlich erst ausgelöst hat wurde überhaupt nicht berücksichtigt. Das wird nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Zill in der Zeit fast nur für „Bravo“ gearbeitet hat und die natürlich nicht an Gruppen wie Geisterfahrer, Palais Schaumburg oder Der Plan interessiert waren.

Von den bekannten Gruppen und Einzelkünstlern findet man hier jedoch alle wieder. Spliff, Falco, Nena, Markus, Frl. Menke, Geier Sturzflug, Spider Murphy Gang, Peter Schilling, Kiz, Trio, Joachim Witt, Ina Deter, Tauchen & Prokopetz (das Projekt hieß nicht „DÖF“, wie fast immer und auch hier behauptet wird, so hieß das Album), Hubert Kah, Ixi und UKW sind die Namen, die jeder aus der damaligen Zeit noch kennt, auch, wenn der eine oder andere kaum mehr als einen richtigen Hit hatte und eher Schlager, als eigenständige deutsche Rockmusik gemacht hat. Zu den innovativeren Bands, die trotzdem Erfolg hatten gehören Ideal, Nichts und Rheingold, von den längst Vergessenen finden sich Interzone und Insisters. Etwas fehl am Platze sind schließlich Udo Lindenberg, Nina Hagen und Kraftwerk, denen man in den 70er Jahren sicherlich eine gewisse Vorreiterrolle zugestehen kann, was deutschsprachige Texte angeht, die aber mit der eigentlichen NDW wenig zu tun hatten (abgesehen vielleicht von Kraftwerk´s „Das Model“).

Das Bildmaterial ist durchgehend qualitativ hochwertig und vor allem sehr bunt. Erfreulich ist, dass man viele der Bilder so noch nicht unzählige Male woanders gesehen hat und so macht es wirklich Spaß, sich durch das Buch zu blättern und an alte Zeiten zu denken. Viele Kids von heute werden sicher über die Klamotten lachen und ihre Eltern fragen, ob man Anfang der 80er wirklich so etwas getragen hat...man hat! Abgesehen vielleicht von den unglaublichen gelben Socken von Hubert Kah!

Zu jedem Künstler gibt es einen einseitigen Einleitungstext mit kurzen biographischen Angaben, die meist aber sehr oberflächlich bleiben. Auch der Einleitungstext verklärt die NDW zu einer reinen Spaßbewegung...das war sie nun sicher nicht, sondern wurde von den Medien dazu gemacht. Dabei wurde eine Band wie Trio teilweise sogar als Klamaukkapelle missverstanden, was ihre Arbeit schon beinahe wieder subversiv machte. Auch Zill macht in einem kurzen Interview deutlich, dass die NDW „nur eine weitere vorüber gehende Musikrichtung unter vielen war“. Leider lässt das darauf schließen, dass die Sessions mit den Musikern rückblickend nicht mehr als Auftragsarbeiten waren und er zumindest heute nicht mehr mit dem Herzen dahinter steht. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass dieses Buch für Freunde der Früh-80er Musik aus Deutschland eine schöne Fundgrube ist und man sich lange mit den Bildern beschäftigen kann.

Qualitativ ist das gebundene Buch mit 285 Abbildungen auf über 330 Seiten sehr hochwertig, was den Preis rechtfertigt. Nett auch, dass das Buch komplett im ungewohnten Querformat gedruckt ist, was zwar bei weitem nicht so „abgefahren und schräg rüber kommt“, wie es vielleicht wirken soll, aber doch mal was anderes ist.

Bei manchen doppelseitigen Fotos wäre es besser gewesen, sie nur einseitig und dafür etwas kleiner abzubilden, so wäre beispielsweise Frl. Menke nicht durch den Mittelknick zu einem Monster geworden.

Für NDW- und 80er-Fans aber natürlich trotzdem ein Pflichtkauf! (A.P.)

Kleiner Nachtrag von Haiko: Doch, auch knallgelbe Socken wie Hubert Kah habe ich getragen. Jedenfalls immer dann, wenn die neongrünen in der Wäsche waren. (A.P.)

DIE ZIMMERMäNNER - Ein halbes Jahr


Erstveröffentlichung: 7 Inch / Zickzack / Rip Off

Das Cover ließ schlimmstes vermuten, nämlich langhaarige Hippymusik, aber dem war nicht ganz so, aber doch halb. Es handelt sich hierbei um etwas schwächere Rockmusik, die für Neue Deutsche Welle Songs relativ langweilig und nichtssagend ist, man sieht, daß nicht alles vom legendären Zickzack-Label auch automatisch gut ist. Man wird den Eindruck nicht los, daß es sich hierbei um Schüler handelt, die ihre erste Band gegründet haben. Für Pausenhallen-Konzerte vor Mitschülern ist diese Musik genau richtig. Tu ich der Band hiermit unrecht, immerhin sind DIE ZIMMERMÄNNER eine der Bands der NDW. Ich finde sie einfach nur schlecht, sorry. (H.H.)

ZOFF - Alles Beim Alten


Erstveröffentlichung: CD 2002 / Sireena Records

ZOFF war so Anfang bis Mitte der 80er Jahre die Band um Reiner Hänsch, die im Zuge der Neuen Deutschen Welle einige Bekanntheit erreichte und mit „Sauerland“ einen kleineren Hit hatte, den wohl die Eishockeymannschaft aus Iserlohn zu ihrer Hymne erhob. Mehr als anderthalb Jahrzehnte gab es nichts Neues mehr von der Band zu hören, bis Reiner Hänsch 2002 eine Best Of Compilation zusammenstellte und dazu noch fünf neue Stücke aufgenommen hat.

Die Songs sind auf dem Album chronologisch rückwärts angeordnet, das heißt die fünf Neuaufnahmen sind ganz am Anfang der CD untergebracht. Da wird´s ziemlich deutschrockig mit allem drum und dran, inclusive der üblichen Gitarrensoli und so weiter. Dafür sind die Texte recht gut und die Stimme ist sehr angenehm, so dass die Songs schon deutlich besser sind als all der Deutsch-Rock-Müll von Klaus Lage, Heinz-Rudolf Kunze, Westernhagen oder wer auch immer in diesem Genre einen Namen hat. NDW-Elemente sind allerdings nur noch sehr versteckt zu hören, was aber auch klar ist, da die Band ja eigentlich nie wirklich eine NDW-Band war, sondern nur zufällig in das damalige Fahrwasser geriet, wie so viele andere Kollegen.

Danach gibt es zwei Neuaufnahmen von älteren Songs, unter anderem eben „Sauerland“, bevor die eigentliche Compilation los geht mit Tracks von allen drei regulären Alben.

Man merkt schnell, dass die Band ihren Stil durch die Jahre nicht wirklich verändert hat. Auch Mitte der 80er Jahre bekam man soliden Rock mit ganz guten Texten geboten, nur halt, dass es mehr elektronische Spielereien gibt, was die Band dann halt in die NDW-Schublade verfrachtet hat. Die Songs ähneln sich alle stilistisch sehr, so dass man kaum einzelne hervorheben kann. Das liegt sicher auch am Gesang, den ich, ich wiederhole mich, ziemlich gut finde, weil er überhaupt nicht gekünstelt klingt.

Wenn die Songs auf dieser CD den typischen ZOFF Sound wieder spiegeln, muss ich sicher nicht alles LPs und Singles der Gruppe haben, aber „Alles Beim Alten“ werde ich bestimmt immer mal wieder auflegen, weil das Musik ist, die man, im positiven Sinne, jederzeit gut hören kann. Dazu ein cooles Cover und ein sehr informatives Booklet. (A.P.)



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