WGT 2007 - Der Vorbericht, Teil 2


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2007

Hallo liebe Backagainleser!
Wie wir es euch in unserem letzten WGT Bericht versprochen haben, werden wir euch nun im zweiten Vorabbericht zum diesjährigen Wave – Gotik – Treffen die Bands von H – M vorstellen! Viel Spaß dabei!

Sehr erfreulich ist, dass die Münchner Band „Haggard“ dieses WGT mal wieder live zu sehen sein werden. 1991 wird die Band von Asis Nasseri und Luz Marsen gegründet. Zunächst spielt man eher herkömmlichen Death Metal, bis ihnen das Korsett zu eng wird, und sie beginnen klassische Elemente in ihre Musik mit einzubauen. Ab 1995 kommen eine Sopranistin, eine Violinistin, eine Cellistin und ein Pianist fest zur Band. Auf einer Tour im selben Jahr sind die Reaktionen des Publikums auf die unkonventionelle Besetzung euphorisch, so dass die Band sich um weitere klassische Instrumente verstärkt – insgesamt gehören nun 16 Musiker zur Band. Nach dem Promo Tape „Once.. Upon A December’s Dawn“ (1995) erscheint 1997 die CD „And thou shalt trust..the seer”, die eine bis dato nahezu einmalige Mischung aus Mittelaltermusik, Klassik, Folk und melodischem Death Metal darstellt. Auf dem Nachfolgealbum „Awaking the Centuries“ perfektionieren Haggard ihren Stil weiter. Die CD beeindruckt u.a. durch die Mitwirkung des Moskauer Rundfunkorchesters. Inhaltlich wird neben Assis Nasseris Vorliebe für den russischen Komponisten Rachmaninow vor allem seine Affinität zu den Prophezeiungen des Sehers Michael de Notre Dame, genannt Nostradamus, aus dem 16. Jahrhundert deutlich. Im Jahr 2004 widmet sich die Band dem Schicksal des Astronoms Galileo Galileis an und vertont dieses in ihrem unnachahmlichen Stil. Jetzt im Jahr 2007 soll ihr neues Album erscheinen, jedoch sickert über dessen Inhalt noch so gar nichts durch. Wir dürfen also sehr gespannt sein!

Ebenfalls lange abwesend auf den WGT Bühnen, war „In Strict Confidence“, die ihr neues Album „The Serpent Kiss“ live präsentieren werden. 1989 gründet Jörg Schelte und Dennis Ostermann unter dem Namen „Seal of Secrecy“ ein Quartett. Erst 1991 mit nur einem Demotape bewaffnet, gibt sich die Band ihren heutigen Namen und weckt mit einem weiteren Demotape bald das Interesse der gesamten Electro Szene. 1996 werden In Strict Confidence von den Lesern der Zeitschrift „Bodystyler“ zur Band des Jahres gewählt. Schuld daran sind sowohl das Debütalbum „Cyrogenix“ 1996 als auch die Nachfolge MCD „Collapse“ mit einer genialen Coverversion des Depeche Mode Klassikers „Stripped“. Die Band erlangt in der Folgezeit mehr und mehr Kultstatus und wird zunehmend von anderen Bands als Vorbild angeben. Ende 1999 geht die Band gemeinsam mit „Das Ich“ auf USA Tour. Anfang 2000 erscheint die Maxi CD „Kiss Your Shadow“, die sofort Platz 4 der deutschen Alternative Charts einsteigt. 2002 erscheint „Mistrust the Angels“, wo bereits erste inhaltliche Bezüge zu religiösen Thematiken auffällt, 2004 mit „holy“ fortgesetzt und nun 2006 mit „The Serpent Kiss“ ausgebaut wird.

Das norddeutsche Electro- und Industrialprojekt „Kiew“ gibt es seit Dezember 1990. Die aktuelle Besetzung sind Andreas Thedens, Matthias Kulcke und Stephan Thiemicke. Einflüsse sind gegeben durch Bands wie „Dive“ oder „Skinny Puppy“. In der Clublandschaft wird die industrial – lastige brachiale Klangkombo vor allem durch den Track „Blutrausch zum Feierabend“ bekannt. Liveauftritte werden bestimmt von dem in Zwangsjacke auftretenden Frontmann Thedi. Dieser Auftritt ist zum Markenzeichen geworden, und scheinbar auch zum Programm. Das Album „Divergent“ 2001 ist textlich in den Bereichen Psychose und Neurose bzw. Wahnsinn angesiedelt. Die geschickten Soundkollagen, der Einsatz von bekannten Samples und der Industrialbeat machen Kiew zu einem wichtigen Bestandteil der Szene und machen neugierig auf ihre Liveshow zum WGT!

Die Band „Krypteria“ kann bereits auf drei Alben in ihrer Discographie verweisen, haben sogar schon eine Gold Single an der Wand hängen und komponierten jüngst die offizielle Fan – Hymne für die südkoreanische Fußball Nationalmannschaft. Dennoch beginnt die Geschichte der Band eigentlich erst jetzt! Das klingt zugebenermassen etwas merkwürdig, macht aber völligen Sinn. Das Debütalbum war ein Studioprojekt mit Musicalcharakter, jedoch klang es musikalisch noch sehr poppig. Erst später auf der Bühne wurde den Musikern so richtig klar, wie hart Krypteria eigentlich rocken. Mit diesemn Bewußtsein wird ein Schlußstrich unter die bisherige Bandgeschichte gezogen und widmet man sich jetzt eher knallhartem Rock und Metal. Im August 2006 erscheint ihre EP „Evolution Principle“ und präsentieren einen triumphalen Auftritt zum Wacken Open Air. Der Auftritt beflügelt sie natürlich bei der Arbeit an ihrem neuen Werk „Bloodangel’s Cry“. Das Album kultiviert nicht nur die markante Melange aus kraftvollem Rock, verschiedene Metal – Spielarten, gotischem Flair, klassischen Elementen und gregorianischen Chorälen, sondern wartet darüber hinaus mit Überraschungen en masse auf. Beim Opener „All Systems Go“ haben sie gewaltig an der Härteschraube gedreht, geben sich dann beim Uptempo Rocker „Scream“ erstaunlich modern, nehmen einem mit dem Bass – betonten Groover „I can’t Breathe“ den Atem, betören mit „Time to bring the Pain“ und schließen mit dem 10minütigen Epos „At the Gates of Retribution“, das die Grundthemen des gesamten Albums wieder aufgreift. Schnell stellt man fest, dass nicht nur die Instrumentierung und die Arrangements der enorm vielschichtigen Songs, sondern auch die sorgsam ausgearbeiteten Lyrics durch die Liebe zum Detail besticht. So werden die Texte des Albums von einem roten Faden zusammen gehalten, dessen Konzept die Grundidee von „Faust“ aufgreift und die Thematik in die heutige Zeit transportiert. Seien wir also gespannt, ob wir am Ende sagen können, dass zwei Seelen in unserer Brust angesprochen wurde…!?

Die Mittelalter Rock Band „The Merlons“ wird ursprünglich als „The Merlons of Nehemiah“ gegründet, bevor sie sich 2001 in „Merlons Lichter“ umbenennen. Ihre ersten Alben erwecken mit diesem seinerzeit noch unikaten Musikstil sofort große Aufmerksamkeit, auch wenn sich die Band von ihrem Debüt „Cantorey“ (1993) wegen dessen produktionstechnischen Fehlern eher distanziert. Schon „Eluoami“ (1994) zeigt sich deutlich ausgereifter, die Mittelalterkomponente der Musik verstärkt sich mehr und mehr. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil zu dieser Zeit als „Mittelalter Mystic Folk Crossover“. Auf dem 1998er Album „SinnLicht“ verbindet die Band mittelalterliche Instrumente mit modernem Songwriting. „Der Schamane geht auf die Reise/ die Hexe fliegt/ der Heilige hat eine Vision“, so preist die Band ihr Album „Trance“ von 1999 an. Die CD ist nach dem Willen der Band dafür gedacht, sie in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Anfang 2000 trennt sich Sängerin Antje von der Band, die auf einen Ersatz und damit gänzlich auf eine Sängerin verzichtet. Stattdessen wechselt, wie bereits gesagt, die Band erneut den ‚Namen und wird zu „Merlons Lichter“. Soundtechnisch öffnet man sich nun stärker in alle Richtungen und nimmt verschiedene Soundstile in die Musik mit auf. Auf jeden Fall eine spannende Mischung die und die „Lichter“ auch diesmal live präsentieren werden!

Aus Portugal reist die Goth Metal Band „Moonspell“ an, die 1989 unter dem Namen „Morbid God“ gegründet wird und 1992 sich umbenennt in den heutigen Namen. 1994 debütieren sie mit der Mini CD „Undeer the Moonspell“ auf die 1995 das erste Album „Wolfsheart“ folgt, das noch sehr metallastig klingt. Die zweite CD „Irreligious“ bringt da schon einen deutlichen Schritt nach vorne. Die Melodien werden ausgefeilter, außerdem befinden sich einige literarische Zitate auf dem Album. 1996/97 absolviert die Band eine äußerst erfolgreiche Tour mit „Type of Negative“ und im selben Jahr überrascht das dritte Album „Second Skin“ - eine Doppel – CD – die auf der ersten CD neue Studiotracks und auf der zweiten Live Tracks enthält. Das Album „Sin/pecado“, das im Januar 1998 herauskommt, zeigt die Band weiter gereift. Auf diesem Album erweitern sie erstmals ihr musikalisches Spektrum um Elemente arabischer Musik. Mit diesem Album festigt Moonspell ihren Ruf als Spitzenband des Goth Metal. Auf dem nachfolgenden Album „The Butterfly Effect“ beschäftigt sich die Band mit dem Schmettrerlingseffekt aus der Chaostheorie der modernen Physik. Musikalisch geht hierbei die Band ziemlich hart zur Sache, wobei sich diesmal auch Industrialelemente mit hineinmischen. Auf jeden Fall ist ein Konzert mit ihnen etwas besonderes, wissen Sie doch stets ihrem Ruf gerecht zu werden! (Maximilian Nitzschke)



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