EO IPSO - Endzeitstimmung


Erstveröffentlichung: CD 2006 / GrenTzwert / SX Distribution / GTZ 002

„Achtung – Tanzgefahr!“ warnt uns der Waschzettel dieser CD von den beiden Musikern „ML“ und „SH“, die sich wohl nicht trauen, ihre kompletten Namen zu verraten. Welche Musik könnte von einer Band kommen, die ihr Album „Endzeitstimmung“ nennt? Was ganz Neues, nie Gehörtes will uns der Infozettel weismachen. Und weil das alles so neu ist, ist Dirk Ivens Anfang der 90er Jahre mit einer Zeitmaschine ins Jahr 2006 gereist, hat sich diese CD angehört und zurück in seiner eigenen Zeit Dive gegründet und schamlos von EO IPSO geklaut. Ebenso hat es wohl Winterkälte gemacht und die Tapeband Endzeitgeneration hat sich gleich noch beinahe den Bandnamen unter den Nagel gerissen. EO IPSO sollten diese und unzählige andere 90er Jahre Projekte verklagen, die rhythmischen Industrial mit extrem verzerrten-harsh-noisigen Drumloops gemacht haben. Denn eines ist klar, EO IPSO verzichten „bewusst auf jede Art von Vorbildern“ und bestehen auf die „Einzigartigkeit des Endprodukts“. Songtitel wie „Polizeistaat“, „Verschwörungstheorie“, „Held Für Deutschland“, „Militärkomplex“ und ähnliche bleiben inhaltlich völlig schwammig und in alle Richtungen interpretierbar, so lange weder erläuternde Worte noch verständliche Texte dazu kommen. Übrig bleibt der bloße, und so mit alberne Wunsch, zu provozieren, oder anders ausgedrückt: die Songtitel sind einfach Klischee pur. Zu den Inhalten gibt auch die schlicht gestaltete Website der Band nicht viel her. Dafür bildet das Frontcover gleich zweimal einen Adlerkopf ab, der zumindest eine große Ähnlichkeit mit dem alten Reichsadler hat. Boah, wat provokativ, aber auf der Website wird ja auch der „Künstler“ Marilyn Manson zitiert, der meint, Provokation sei das Wichtigste überhaupt für eine Band. Nein, Musik sollte immer erst mal für sich selber stehen können, ohne, dass man sie sich erklären lassen muss. Zudem zieht mich eine Website mit dem Namen „Kunstscheisse“ auch nicht besonders an.
Genug des Zynismus’, „Endzeitstimmung“ ist definitiv extrem tanzbar, aber alles andere als einzigartig. „Neo-Industrial“ wird der eigene Stil genannt, ist aber eben kaum was anderes, als eine Mischung aus Power-Electronics, harten EBM-Beats, die durch den Verzerrer gejagt werden, ein paar Maschinenhallen-Sounds und unverständlichen Stimmen, die genauso gut auch einfach Stimmsamples sein können. Von der Monotonie her könnte es fast eine Kombination aus Up/Rotor und PAL oder Noisex sein. Das ist zwar nicht aufregend, hat aber doch einiges an Power und dürfte in den Clubs für Bewegung sorgen und vielleicht auch live begeistern. Sympathischer wäre es aber, wenn man sich nicht so gnadenlos selbst überschätzen würde. Fans der frühen Dive-Sachen sollten ruhig mal reinhören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kunstscheisse.net/eo_ipso


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