MILú - Interview 2005




Interview mit Anke Hachfeld zu „Milú“, der Auflösung von „Mila Mar“ und dem Album „No Future in Gold“ zum WGT 2005


BA: War es als Sängerin von Mila Mar sehr schwer, mit der Idee eines Soloprojektes, sich davon erst einmal freizustrampeln?

AH: Ja auf jeden Fall, denn es war ein großer Schritt sich zu emanzipieren aus dem Ganzen. Es wird auch noch weiter gehen, denn ich merke, was auf der Strecke geblieben ist auf dem bisherigen Weg von mir. Ich möcht es jetzt einfach hin bekommen, mich da komplett heraus zu drehen. Es war aber auf jeden Fall ein ganz eigener und schwieriger Weg zu Milú.

BA: Wenn du jetzt zurückblickt auf die Zeit, die du mit Mila Mar verbracht hast, es gab ja teilweise schmerzliche Momente in Form einer neuen Besetzung, wie bewertest du sie selbst auch im Hinblick auf dein eigenes Album nun? Gab es Einflüsse, die sich nun auf deinem Album wiederfinden lassen?

AH: Klar wollte ich etwas eigenes machen, denn Mila Mar ist Mila Mar. Ich wollte da nichts reproduzieren in meinem Soloprojekt, nichts destro trotz ist es meine Stimme. Das, was ich mit meiner Stimme mache, oder eben mit meiner Person, äußert sich halt in einer anderen musikalischen Form. Mir selber ist das aber auch gar nicht so bewußt gewesen, ob hier Einflüsse vorhanden sind. Für mich ist dieses Album schon komplett anders geworden, zum einen durch die Sprache, da ich alles diesmal auf deutsch produziert habe. Für mich ist dieses Album wie eine Art Tagebuch, eine persönliche Aufarbeitung von vielen Dingen, wo es mir wichtig war, diese in meiner Muttersprache auszudrücken.

BA: Da liegt für mich auch der Reiz des Albums, dass du plötzlich komplett deutsch singst. Die Texte stammen komplett von dir, über welchen Zeitraum aber hast du sie geschrieben?
Hast du nach dem letzten Mila Mar Album geistig nen Break gemacht und dann angefangen dich Eigenem zu widmen?

AH: Ich hab schon immer viele Texte geschrieben, auch in deutsch, was aber in der bisherigen Musik nicht die Bedeutung hatte. Von daher liegt schon ein roter Faden im Schreiben. Es war aber schon relativ nahtlos stell ich fest.

BA: Wann bist du den ins Studio gegangen dafür?

AH: Die ersten Aufnahmen waren Ende 2003. Wir haben aber nicht in einem Schlag durchproduziert, sondern immer so in Abschnitten für mal fünf Tage. Im Studio selber haben wir die Songs dann auch erst geschrieben. Das war ein sehr starkes ineinander arbeiten, was ich so selten erlebt habe.

BA: Es wäre schön, wenn du für unsere Leser ein paar Songs erklären könntest, wo ist ein roter Faden zu erkennen, oder ob es eher eine lose Aneinanderreihung von Erlebnissen war?

AH: Ein Konzeptalbum ist es schon mal nicht, es sind Erlebnisse und Dinge aus meinem Leben, die ich darauf ausdrücke. Das einzige Konzept darauf, ist wohl mein eigenes Lebenskonzept, wenn man so will, was dem zugrunde liegt. Nicht der Fall aber ist, dass dem Album ein bestimmtes Thema zugrunde liegt, unter dem ich geschrieben habe. Es ist einfach sehr nah an meinem Leben, was aber schon immer so war. Ich drücke persönlich das aus, was mich selbst beschäftigt. Ich könnte mich nie in die Lage anderer Menschen versetzen, und aus ihrer Sicht einen Text schreiben. Das wäre einfach nicht meines! Klar ich hab mich halt in den letzen Jahren viel mit grundsätzlichen Dingen im Leben auseinander setzen müssen, auch mit dem Faktor der Zeit, die wir Menschen nicht unbegrenzt haben. Unser Leben ist nun mal endlich. Es geht um Abschiede, wo ich mich in den letzten Jahren auch immer sehr schwer getan habe. Ich zeichne also insgesamt eher ein Bild, der etwas schwierigeren Seite des Lebens.

BA: Kann man sagen, dass jetzt vielleicht der Zeitpunkt da ist, über diese Dinge zu singen mit Hilfe von greifbaren Texten? Am Anfang von Mila Mar warst du dazu noch nicht bereit, ist dieser Zeitpunkt nun vielleicht erreicht?

AH: Ja das denk ich trifft es sehr genau. Wobei ich jetzt mit Abschluss dieses Albums wieder einen neuen Schritt gehen möchte, da ich merke, dass beide Methoden zusammen zu bringen, sehr interessant wäre. Ich bin immoment sehr am Überlegen. Ich bin mir nicht mehr sicher, was ich machen möchte immoment und da muss ich erstmal umsehen. Was genau ist die Musik, in der ich mich wirklich zu Hause fühle. Dieses Album ist sicherlich auch ein Zeichen dieser Suche, die noch nicht abgeschlossen ist.

BA: Seid ihr bei Mila Mar eigentlich zu einer festen Einheit mit den neuen Musikern geworden?

AH: (erstaunt) Bei Mila Mar? Wir spielen ja nicht mehr live! Wir werden nicht mehr spielen, zumindest sieht nichts mehr danach aus. (Anmerkung d. Verf.: dies war mir nicht bewußt bis dato). Mit Milú werden wir mit Dirk und Lars, der auch bei Mila Mar gespielt hat. Die nächsten live Sachen spielen wir alle unter Milú, Mila Mar wird es nicht mehr geben.

BA: (bestürzt): Dann komplett kein neues Album mehr?

AH: Da ist nicht von auszugehen, nee.

BA: Lag der Grund Mila Mar nicht mehr weiter zu machen, auf deiner Seite, oder war das eine gemeinsame Entscheidung?

AH: Das war schon eine gemeinschaftliche Entscheidung zwischen Maaf und mir. In den letzten 2 jahren war einfach alles so schwierig, auch persönlich, dass es keinen Sinn mehr machte. Es gab einfach Beziehungen, die ich mit Maaf hatte, die eine ungute Dynamik gebracht haben, die wir dann erstmal auseinander gefädelt haben, was mehr Nerven gekostet hat als nötig. Es gestaltete sich einfach zu schwierig!

BA: Dann kann deine Phantasiesprache also nur noch in Milú existieren?

AH: Ja, dass ist ja was ich vorhin sagte. Diese Phantasiesprache und meine bisherigen Texte zusammen zu bringen denk ich würde ich spannend finden. Verzichten werd ich jedenfalls nicht darauf! Die Form allerdings in der ich es präsentieren werde ist noch nicht komplett gefunden, wie gesagt, noch suche ich.

BA: Zwar musst du dich weiterentwickeln dürfen, aber bleiben dabei nicht Fans massiv auf der Strecke?

AH: Für Mila Mar Fans wird dieses Album ein radikaler Bruch sein ‚Huch was ist das denn jetzt?’. Innerhalb dieser Szene wird es sicher sehr schwer fallen, erst einmal zu erschließen, was ich da überhaupt getan habe. Das wird sicherlich schwer im vermitteln sein.

BA: Nun bei deiner Suche bekommt der Albumtitel natürlich noch eine ganz andere Bedeutung...

AH: Ja stimmt, die Ungewissheit natürlich, was da liegt. Es war ein sehr großer Kraftakt einfach aus allem heraus zu kommen. Wir hatten Picnic on the moon gerade produziert, nebenbei mein Studium abgeschlossen, ich habe mit Schiller Songs produziert, war auf Tour- was mit Schiller insgesamt ja auch sehr erfolgreich war – und dann das Soloalbum. Ich denk jetzt ist so ein Zeitpunkt gekommen, inne zu halten, und zu schauen welchen Weg ich jetzt gehen möchte.

BA: Hälst du den den Kontakt zu den alten Musikern von Mila Mar noch?

AH: Ja schon, halt zu den neuen alten, wie zu b.deutung. Der Rest wohnt mehr oder minder in Berlin, so dass das kein Problem darstellt. Lars ist ja hier wieder mit dabei und haben in der letzten Zeit geprobt. Ich bin sehr zufrieden, die Proben klangen toll.

ENDE (Maximilian Nitschke)



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