BACK AGAIN: BÜCHER
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MICHAEL MOORE – VOLLE
DECKUNG, MR. BUSH „DUDE, WHERE´S MY COUNTRY?“ MICHAEL MOORE – VOLLE DECKUNG, MR. BUSH „DUDE, WHERE´S MY COUNTRY?“ (Buch 2003) (Piper Verlag, ISBN 3-492-04614-2)
Das erste Buch „DOWNSIZE THIS“ war hauptsächlich für Leute interessant, die in den USA leben und/oder die Wirtschaftsverhältnisse dort kennen. Darüber hinaus aber ist es auch noch spannend, weil sich viele Dinge auch auf das eigene Land übertragen lassen und aktuelle Ereignisse lassen das auch schmerzlich spürbar machen. Das zweite Buch war dann schon ein George-W-Bush-Draufschlag-Buch, was wirklich Spaß gemacht hat, doch es wurde vor dem 11. September 2001 geschrieben und ließ dementsprechend wichtige Dinge aus. Nun aber kommt „DUDE, WHERE´S MY COUNTRY“, die dämliche und platte Übersetzung des Titels möchte ich hier gar nicht in den Mund nehmen. Die Präsidentschaftswahlen stehen vor der Tür und Moore hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bush jr. vom Thron zu stürzen. Insbesondere nach den Dingen, die nach dem 11. September passiert sind, dürfte ja wohl kein klar denkender Mensch seine Stimme für eine Verlängerung dieser Lügenherrschaft hergeben. Er behauptet, dass der Krieg gegen den Irak einfach nur ein Vorwand war, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Die Geschichte mit den Massenvernichtungswaffen hat man sich ausgedacht, ausgerechnet die Republikaner müssten doch wissen, welche Kampfstoffe im Irak zu finden seien, immerhin haben sie diese doch selbst geliefert. Der Terror ist auch ein guter Vorwand, den Patriot Act einzuführen, nämlich ein Untergesetz, dass es einfach macht, Menschen ohne große Formalitäten und Verdachtsmomente auszuspionieren. Eine Aushebelung der wichtigsten Punkte des Grundgesetzes also, doch sobald jemand aufmuckt, kann Bush einzig mit den Worten „denkt an den 11. September“ und „Terror“ alle zum Schweigen bringen. Das passt prima ins Konzept. Schön sind auch mitunter Moores Vergleiche. Im Kampf gegen den Terror durch Osama Bin Laden, der 3000 US-Amerikanern das Leben gekostet hat, hat die USA im Gegenzug mehr als 6000 irakische Zivilisten getötet. Dummerweise hatten die aber keine Kontakte zum Netzwerk der Al Kaida gehabt. Kurzerhand werden die ursprünglichen Kriegsgründe umdefiniert und aus dem Kampf gegen den Terror wird schnell eine Befreiung des Iraks von seinem Dikator. Pech für Bush und seine Mannen, dass die Welt dieses Mal offenbar nicht so schnell vergisst. Der Irak-Krieg ist aber noch lange nicht alles, worauf Herr Moore hinweist. Natürlich kommen wieder einige innenpolitische Dinge zum Ausdruck, wo auch uns Europäern mitunter das Haar zu Berge steht. Und wer glaubt, dass Moore einzig die Republikaner angreift, liegt ebenfalls falsch. Genauso heftig werden die Demokraten heruntergemacht, die er als weich und feige beschimpft. Bush gibt ihnen so viele Anlässe, ein Amtenthebungsverfahren einzuleiten, doch die Demokraten halten brav den Mund. Man darf aber natürlich auch nicht alles glauben, was hier geschrieben steht. Das zum Beispiel einfachst nachzuprüfende „Faktum“, dass Moore hier schreibt, ist, dass die Krankenverpflegung in Deutschland umsonst ist. Na, wer das glaubt, schön wäre es. Da darf man dann wohl auch bei anderen Dingen mutmaßen, dass schlampig recherchiert wurde, aber das stört im Grunde kaum. Wenn es gegen George W. Bush und seine Lenker im Hintergrund geht, hat er in mir die richtige Zielgruppe gefunden und darf sich auch ein paar Schnitzer erlauben, Fehler macht jeder. Obwohl ich nicht gerade finde, dass er ein großer Satiriker ist, er einfach ein Mann, der das Talent hat, nicht zu vergessen und es schafft, Dinge auf den Tisch zu packen und an den Pranger zu stellen. Und vor allem Worte und Taten zu vergleichen sowie Taten und Ursachen. Und natürlich schafft er es, unbequeme Fragen zu stellen. Fragen, die im Grunde nur der gesunde Menschenverstand stellen müsste, doch es tut sonst kaum jemand. Das sind seine großen Stärken, die Worte selbst klingen mitunter etwas polemisch, Worte von Normalbürger zu Normalbürger eben, aber das ist auch völlig okay. Und es fehlt ihm ein bisschen die feine Satire, manches ist schon ein bisschen mit dem Holzhammer, aber auch das ist okay. Und besonders positiv ist hier zu vermerken, dass Michael Moore nicht nur draufkloppt. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, die Menschen dafür zu interessieren, sich mehr in der Politik zu engagieren und sei es im Stadtrat oder sonst wo, überall kann man was bewegen und viele kleine Bewegungen zusammen können eine Ruck erzeugen. Es müsste mehr von seiner Sorte geben, vor allem natürlich hier in Deutschland. (Haiko Herden) MICHAEL MOORE – Stupid White Men (Buch 2002) (ISBN 3-492-04517-0)
Im zweiten Buch kann der Autor schon auf etwas Routine beim Schreiben zurückblicken und man muss sagen, dass sich „STUPID WHITE MEN“ bedeutend flüssiger liest, als „QUERSCHÜSSE – DOWNSIZE THIS“. Als großen Satiriker, wie es der Stern tut, würde ich ihn zwar immer noch nicht bezeichnen, aber Moore kann man auf keinen Fall ein untrügliches Gespür für das Aufdecken von Ungerechtigkeiten und Widersprüchen sowie Heucheleien absprechen. Schonungslos schreibt er alles nieder und ich kann mir vorstellen, dass ihn die angesprochenen Personen (und das sind viele) dafür hassen werden. Insbesondere, da er inzwischen einen so großen Erfolg damit hat. „STUPID WHITE MEN“ beschreibt im ersten Kapitel die skandalträchtige Machtergreifung von George W. Bush junior, die mir in dieser Detailtreue und diesen Unglaublichkeiten so noch nicht bewusst war. Ich frage mich nur, wieso die Demokraten gegen diese Frechheit dem amerikanischen Volk gegenüber nicht geklagt haben. Moore greift in diesem Zusammenhang nicht nur die Republikaner an, sondern drückt auch den phlegmatischen Demokraten einige deutliche Worte rein. Er stellt in seinem Buch dem Leser die Frage, was besser ist: Wählt man einen Bösen, der vorher sagt, dass er dem Volk böse Sachen antun wird, oder wählt man lieber jemanden, der das Volk anlächelt und Gutes verspricht, aber hinterher Böses tut? Was ist schlimmer? Fakt ist jedenfalls, dass hier jeder sein Fett wegkriegt, aber vollkommen gerechtfertigt, wenn man mal davon ausgeht, dass die Dinge, die hier behauptet werden, alle wahr sind. Man kann da aber von ausgehen, denn in einem ausführlichen Kapitel zählt er auf, auf welche Artikel und Fakten sich seine Behauptungen stützen und da ihn kein Mensch wegen Verleumdung verklagt hat, kann man davon ausgehen, dass das meiste hier der Richtigkeit entspricht. Warum hat Deutschland keinen Michael Moore? Man braucht Menschen, die den Politikern mal auf die Finger klopfen und sie und ihre Aussagen bloßstellen. Das schlimmste ist, dass die Menschen so schnell vergessen und man muss sie einfach immer mal wieder daran erinnern, dass Politiker niemals Entscheidungen für das Volk fällen, sondern letztlich immer und ausschließlich für sich selbst. (Haiko Herden) Bei AMAZON bestellen MICHAEL MOORE – Querschüsse "Downsize This" (Buch 1995) (Piper Verlag, ISBN 3-492-04564-2)
Man merkt schon, dass Michael Moore buchtechnisch noch in den Kinderschuhen steckt, denn wenn man seine nächsten Bücher liest, kann man erkennen, dass sein Stil feiner geworden ist. Hier hat er wohl noch geübt. Er hat einen ziemlich wechselhaften Stil, mal klagt er an, mal sagt er schwarz, wenn er weiß meint, mal lässt er seinen Humor tiefschwarz kreisen, aber ständig springt er zwischen vielen Stilen hin und her. Das ist sicher nicht schön, lässt das Buch aber auch nicht langweilig werden. Das Buch ist darüber hinaus mit Zahlen, Fakten und Vergleichen gespickt, die sicherlich manchmal anzuzweifeln sind, wobei man aber andererseits sagen muss, dass all die Leute, die er hier angreift, ihn sicherlich mehrfach verklagt hätten, wenn er Zahlen falsch anbringen würde. Insofern sollte man ihm doch in den meisten Dingen glauben. Supergenial sind aber einige Aktionen, die er fährt. So prüft er zum Beispiel, ob sein Lieblings-Anfeindungsziel Pat Buchanan von jedem Wahlkampfspenden annimmt und gründete so verschiedene Organisationen. Unter anderem einen Pädophilenclub eine Abtreibungsbefürworter-Organisation, Teufelsanbeter und einige mehr. Buchanan hat sie alle persönlich mit seiner Unterschrift zur Zahlung freigegeben. Cool. Und vor allem deshalb, weil Buchanan 25 Jahre vorher den gleichen Trick angewandt hat, um einen politischen Gegner zu diffamieren. Doch es geht nicht nur um konservative Republikaner, er stellt genauso gern die Demokraten bloß, die ebenfalls Dreck am Stecken haben. Aber genauso muss auch das amerikanische Volk dran glauben, dass sich all diese Unglaublichkeiten dröge gefallen lässt. Es sollte nicht falsch verstanden werden, Moore liebt sein Heimatland, doch genau deshalb kann er es gar nicht leiden, wenn es vor die Hunde geht. Und man sollte auch eines nicht glauben: Das sei ein rein amerikanisches Buch. Ist es im Grunde auch, doch all diese Schweinereien gibt es auch in diesem unseren Lande und man kann vieles auch auf unsere Bundesrepublik anwenden. Es ist einfach zu schade! Warum gibt es nicht mehr solcher Menschen in der Welt? Einer, der die Finger auf die Wunden legt und dann noch Salz hineinstreut. Einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sagt, was gesagt werden muss? Moore ist einer, der gegen das Vergessen ist. Genüsslich vergleicht er gesagte Worte von führenden Politikern und Wirtschaftsbossen mit ihren Taten. Warum gibt es so etwas in Deutschland nicht? Es hat doch wahrscheinlich schon jeder hier vergessen, dass wir mit uns Angela Merkel und/oder Edmund Stoiber mitverantwortlich an den amerikanischen Kriegsverbrechen im Irak gemacht hätten. Oder? Weiß das noch jemand? Legt ihnen das heute noch jemand zur Last. Nein! Und für Hamburger interessant: Ole von Beust hat aus Machtgeilheit mit einem stadtbekannten Rechtspopulisten-Großmaul namens Ronald Schill koaliert, um sich den Bürgermeisterjob zu erstehlen. Tausend Entgleisungen hat er dem Mann verziehen, doch als es einmal gegen ihn selbst ging, hat er endlich mal reagiert. Dabei hat er es so geschickt angestellt, als armer, geouteter Schwuler, auf dem alle rumhacken, dazustehen, dass die Leute ihn alleine schon deshalb bei den Neuwahlen wählen werden. Warum haben die Leute vergessen, wieso Beust an die Macht gekommen ist? Warum wird so viel vergessen? Warum macht keiner mal lautstark darauf aufmerksam. Ich fordere einen Michael Moore für Deutschland! Um noch einen Abschiedssatz zu „QUERSCHÜSSE“ zu schreiben: Ganz sicher nicht Moores Meisterwerk, aber absolut gut lesbar. (H.H.) Bei AMAZON bestellen |
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KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle (H.H.) = Haiko Herden |