BACK AGAIN: BÜCHER

ALBERT CAMUS – Der Fall (Buch 1956)

(Rowohlt Taschenbuch Verlag)

Der Pariser Bußrichter unterhält sich mit jemandem über seinen Hochmut und dem darauf folgenden Fall in seinem Leben. Da Albert Camus für dieses Werk den Nobelpreis erhielt, sollte ich mich wohl hüten, etwas Negatives darüber zu sagen, um nicht als dämlich zu gelten, aber ich muss es doch tun. Natürlich soll sich der Leser in den Worten des Richters wiederfinden, alleine schon die Szene im Auto hat wohl in ähnlicher Art jeder schon mal erlebt, aber der Großteil des Buches ist anstrengend. Der Spiegel, den Camus uns damit vorhalten will, spiegelt dadurch kaum zurück, die Sprache, inzwischen über 50 Jahre alt, geht nicht mehr leicht über die Lippen und die Schlußpointe geht auch nicht so richtig auf, jedenfalls für mein Verständnis, da man als Leser als ziemlich widerspruchsloser Mensch hingestellt wird, der alles schluckt und zu allem „Ja“ und „Amen“ sagt. Das wirft mich nicht gerade in die Identitätskrise, die Camus wahrscheinlich im Sinn hatte. Da hat mir „DER FREMDE“ bedeutend besser gefallen. (Haiko Herden)


ALBERT CAMUS – Der Fremde (Buch 1942)

(Rowohlt, ISBN 3499221896)

Meersault ist ein Mann, der einfach nur lebt, nämlich vor sich hin. Er macht seinen Job, hat aber keine ernsthaften Bestrebungen, dort weiterzukommen. Er hat kein Bestreben, viel Geld zu verdienen, es ist ihm egal, ob seine Freundin Maria ihn heiratet oder nicht. Er freundet sich ein bisschen mit einem obskuren Nachbarn an und eines Tages erschiesst Meersault am Strand einen Araber. Er fühlte sich irgendwie bedroht und außerdem hat die Sonne so extrem gebrannt. Er wird festgenommen und die Verhandlung verfolgt er mit wenig bis mäßigem Interesse und als er zum Tode verurteilt wird, ist auch dieses ihm einerlei. Doch angesichts des Todes beginnt er sich Gedanken zu machen

Albert Camus hat dieses Buch 1942 geschrieben und 1948 wurde es in Deutschland veröffentlicht. Meersault ist ein Mensch, der nichts Besonderes ist und, nichts besonderes sein will und genauso hat Camus sein Buch auch geschrieben. Die Sprache ist schnörkellos und wenig kunstvoll, eher gerade hinaus, beinahe charakterlos. Einfach so, weil er kein Interesse hat, lässt Meersault die Gesellschaft hinter sich, alle Regeln sind ihm wurscht, Religion ist ihm unwichtig, Manieren uninteressant und was andere über ihn denken ist, wie er es immer so schön ausdrückt, einerlei. Und nicht zuletzt ist auch das Leben an sich nichts wert. Ein sinnloses Leben in einer sinnlosen Welt, für die man keine Kraft und Interesse aufbringen sollte. Die eigentliche Geschichte, vom Aspekt einer Storyline, ist hier eigentlich definitiv uninteressant, das Innenleben des Protagonisten, des Antihelden, des Menschen wie Du und ich, ist spannend und irgendwo entdeckt man sich selbst, auch wenn es erschreckend ist. Das Buch hat aber auch noch eine andere Bedeutung, jedenfalls für mich, denn das Lied „Killing An Arab“ von THE CURE hat seine Wurzeln in „DER FREMDE“. (Haiko Herden)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden